Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Tierwohl

MuD Tierschutz-Projekt testet Ferkelkastration mit Betäubung

In Deutschland ist nach einer Fristverlängerung von zwei Jahren das betäubungslose Kastrieren männlicher Saugferkel ab dem 1.1.2021 nicht mehr zulässig.

Abb. 1: Projektpartner und Unterauftragnehmer im Projekt
Abb. 1: Projektpartner und Unterauftragnehmer
Die Zeit drängt und daher ist es umso wichtiger, praxisorientierte Alternativen in den schweinehaltenden Betrieben zu etablieren. Infolgedessen beteiligt sich der LLH seit Sommer letzten Jahres an dem Verbundprojekt „Praxisgerechte Ferkelkastration mit Betäubung und postoperativer Schmerzbehandlung in der ökologischen Ferkelerzeugung“ im Rahmen der Modell- und Demonstrationsvorhaben (MuD) Tierschutz des BMEL. Weitere Projektpartner neben dem LLH sind die Universität Gießen sowie das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL). Die DLG und SVLFG agieren im Projekt als Unterauftragnehmer (siehe Abb. 1). In dem Projekt werden die Inhalations- und die Injektionsbetäubung durchgeführt.

Wissenstransfer in die Praxis

Abbildung 2: Betäubte Ferkel bei der Isoflurannarkose
Abb. 2: Betäubte Ferkel bei der Isoflurannarkose
Das Ziel des Projektes ist es, praktische Erfahrungen zu generieren und die Anwendung der beiden Betäubungsverfahren (Inhalations- und Injektionsbetäubung) zu evaluieren. Im Fokus steht der Tierschutzaspekt bei der Kastration der männlichen Saugferkel. Weiterhin soll im Rahmen des Projektes die Praxistauglichkeit der verschiedenen Narkosemethoden untersucht werden. Für den Wissenstransfer in die Praxis bzw. die Ferkelerzeugerbetriebe sind u.a. Praxistage, Schulungskonzepte, Erstellung von Merkblättern und Veröffentlichungen in der Fachpresse geplant. Das Vorhaben konzentriert sich auf acht ökologisch wirtschaftende Betriebe. Diese befinden sich in Hessen und den angrenzenden Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Thüringen und Baden-Württemberg.

Umfassende Untersuchungen am Tier

Abbildung 3: Nachschlafphase der kastrierten Ferkel
Abb. 3: Nachschlafphase der kastrierten Ferkel
Im Rahmen des Projektes werden auf jedem Betrieb pro Durchgang rund 12 Würfe in die Praxiserprobung aufgenommen, welche über 12 Monate erfolgen soll und im Januar dieses Jahres gestartet ist. Das ergibt bei der Annahme eines 3-Wochen-Rhythmus und einer erwarteten männlichen Ferkelanzahl von 6 Tieren je Wurf rund 10.000 Ferkel im Projekt. Von diesen Ferkeln wird innerhalb eines Wurfes ein Drittel mit der Injektionsnarkose (Ketamin/Azaperon) und zwei Drittel mit der Inhalationsnarkose (Isofluran) betäubt. Bei jedem Durchgang werden Daten zum Tierschutz, Arbeitsschutz, der Praxistauglichkeit und der Arbeitszeit erfasst. Die Mitarbeiter der Universität Gießen untersuchen darüber hinaus bei insgesamt 12 Würfen je Betrieb intensiv das Schmerzempfinden, die Nachschlafphase und die Wundheilung. Diese spezifischen Untersuchungen werden mit Videoaufnahmen unterstützt. Weiterhin geben Tupferproben zum Nachweis von Restkeimen an kritischen Stellen nach Reinigung und Desinfektion der Geräte Aufschluss darüber, ob bzw. unter welchen Bedingungen ein überbetrieblicher Einsatz mit geringstmöglichem Risiko erfolgen kann. Auch die ökonomischen Kenndaten der beiden Verfahren werden berücksichtigt und ausgewertet.

Enge Zusammenarbeit zwischen allen Akteuren

Besonderer Wert wird auf die intensive Betreuung und Beratung der Betriebe während der Praxiserprobung gelegt. Diese wird sowohl durch die Beratungskräfte des LLH als auch durch Wissenschaftler der Justus-Liebig-Universität Gießen sichergestellt. Die beteiligten Betriebstierärzte sind ebenfalls eng in das Projekt eingebunden. Für die Planung und Optimierung der Abläufe finden zwischen den Projektverantwortlichen regelmäßige Besprechungen statt. Zusätzlich gibt es Netzwerktreffen mit den Betriebsleitern zum Austausch der gewonnenen Erfahrungen. Bei Informationsveranstaltungen stellen die zuständigen Beratungskräfte und Betriebsleiter zudem ihre Erkenntnisse, Erfahrungen und Erfolge innerhalb des Projektes der Fachöffentlichkeit vor.

Veranstaltungstermine

2. September 2019, Bad Sassendorf

3. September 2019, Magdeburg

4. September 2019, Bakum

10. September 2019, Bad Hersfeld

 

 


Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

Durch die weitere Nutzung dieser Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen