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„Netzwerk Fokus Tierwohl“: Wissenstransfer steht im Mittelpunkt

Tierwohl verbessern durch Wissenstransfer in die Praxis: Dies zum Ziel fördert das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) unter dem Projekttitel „Praxiswissen für eine tierwohlgerechte und nachhaltige Nutztierhaltung“ den Aufbau eines Netzwerkes aller Bundesländer und Landwirtschaftskammern.

Im Rahmen des Projekts übernimmt der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) für den Bereich Rind als eines der drei tierartenspezifischen Tierwohlkompetenzzentren die Sammlung, Aufbereitung und fachlich fundierte Einordnung wissenschaftlicher Daten.

Das deutschlandweite Verbundprojekt hat seine Arbeit im Mai 2020 aufgenommen. Mit einer Laufzeit von vorerst drei Jahren und einer Projektfördersumme von rund 15 Mio. € findet es im Rahmen des Bundesprogramms „Nutztierhaltung“ statt. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) wurde mit der Projektträgerschaft beauftragt. Die Gesamtprojektkoordination im Verbund mit 17 Partnern aus allen Bundesländern liegt in der Hand des Verbandes der Landwirtschaftskammern (VLK). Durch eine Vielzahl von Veranstaltungen in ganz Deutschland soll tierhaltenden Betrieben gebündeltes Wissen zur tierwohlgerechten Haltung von Rindern, Schweinen und Geflügel vermittelt werden. Damit soll die Nutztierhaltung in Deutschland tierwohlgerechter und nachhaltiger gestaltet und der Tier- und Umweltschutz sowie die Produktqualität und Marktorientierung gefördert werden.

Tierwohl und Nachhaltigkeit in der Nutztierhaltung fördern durch Wissenstransfer

Grundlage des Wissenstransfers ist die Sammlung, Aufbereitung und fachlich fundierte Einordnung von wissenschaftlichen Daten und neusten Erkenntnissen aus der angewandten Forschung, aus den Modell- und Demonstrationsvorhaben Tierschutz (MuD) und aus anderen aktuellen Projekten. Zuständig hierfür sind die drei tierartenspezifischen Geschäftsstellen für Rind, Schwein und Geflügel (Tierwohlkompetenzzentren) in Kooperation mit Expertinnen und Experten der Verbundpartner. Die Tierwohlkompetenzzentren sind in drei Bundesländern tierartenspezifisch angesiedelt. Der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen fungiert als Geschäftsstelle des Tierwohlkompetenzzentrums Rind, während die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen die Geschäftsstelle Schwein und die Landwirtschaftskammer Niedersachsen die Geschäftsstelle Geflügel übernommen haben.

Halbjährlich beruft das Tierwohlkompetenzzentrum Rind eine Sitzung des sogenannten Expertenbeirats ein. Dieser setzt und priorisiert Rinderschwerpunktthemen bezüglich Tierwohl, Umweltschutz und Nachhaltigkeit und evaluiert die gelaufenen Wissensvermittlungsaktivitäten. Die Mitglieder des Expertenbeirats setzen sich aus Vertretern der Wissenschaft, der Landwirtschaftskammern und Länderdienststellen, der Dachverbände sowie aus Praktikern zusammen. Basierend auf den hier festgelegten Schwerpunktthemen wurden Arbeitsgruppen zu den Themen „Milchvieh“, „Kälber/Jungvieh“ und „Mutterkuh/Mast“ gebildet.

Die durch die Arbeitsgruppen aufbereiteten und in der Folge bundesweit abgestimmten Informationen werden von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft e.V. (DLG) und dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau Deutschland e.V. (FiBL) methodisch und didaktisch aufbereitet. Diese Information wiederum wird den Verbundpartnern in den Bundesländern für den Wissenstransfer durch die Wissensvermittler vor Ort, den Tierwohlmultiplikatoren, zur Verfügung gestellt. Im Rahmen von Veranstaltungen unterschiedlichster Formate in ganz Deutschland wird dieses Wissen in die Praxis getragen.

Ein weiteres Teilprojekt unter dem Dachprojekt „Netzwerk Fokus Tierwohl“ ist die bundesweite Vernetzung von Zukunftsbetrieben. Diese haben als Vorreiter ihres Berufsstandes eine wegweisende Funktion und teilen ihr vorhandenes Wissen mit Kollegen aus der Praxis und weiteren Interessierten.

Startschuss für das Projekt „Netzwerk Fokus Tierwohl“ in Hessen

Team der Geschäftsstelle des Tierwohlkompetenzzentrum Rind (LLH)
Team der Geschäftsstelle des Tierwohlkompetenzzentrum Rind (LLH)

Seit September ist das Team des Tierwohlkompetenzzentrums Rind am LLH vollzählig. Die Projektleitung übernimmt Julia Maischak-Dyck mit Unterstützung von Stephanie Ped. Als Projektmitarbeiterinnen wurden Caroline Leubner und Lydia Stahl (Tierärztin, Justus-Liebig-Universität) eingestellt.

Ende September wurde durch die Geschäftsstelle Rind eine dreitägige Kick-Off-Veranstaltung für das Projekt „Netzwerk Fokus Tierwohl“ durchgeführt als Auftakt und Kennenlernen der Tierwohlmultiplikatorinnen und -multiplikatoren der Bundesländer.

Am 14. Oktober 2020 fand die konstituierende Sitzung des Expertenbeirats Rind in Witzenhausen statt. Ab Ende November trafen sich die Arbeitsgruppen digital, um die ersten Fokus Tierwohl-Themen im Rinderbereich zu bearbeiten. Die ersten Veranstaltungen zur Wissensvermittlung finden aktuell statt.

Ausbau von Expertise zu Tierwohl und Umweltschutz im LLH

Das Projekt ermöglicht es dem LLH, Expertise im Bereich Tierwohl, Umweltschutz und Ressourcenschonung weiter auszubauen, besonders hinsichtlich zukunftsfähiger Rinderhaltung, aber auch für die Nutztierarten Schwein und Geflügel. Dadurch werden die tierhaltenden Betriebe in Hessen nachhaltig gestärkt und unterstützt, Tier- und Umweltschutz sowie eine hohe Produktqualität zu gewährleisten. Durch die bundesweite Vernetzung mit Experten und Fachleuten profitiert der LLH über das Projekt hinaus von der Zusammenarbeit. Zudem werden neue und innovative Veranstaltungsformate getestet und etabliert und stehen somit den hessischen Betrieben in der Beratungsarbeit zur Verfügung.

Dr. Hans-Joachim Herrmann, Fachgebietsleiter Beratungsteam Tierhaltung: „Die Herausforderung für die Betriebe ist der Spagat zwischen mehr Tierwohl, Umweltauflagen und ökonomischen Aspekten. Deswegen stellen wir bei „Netzwerk Fokus Tierwohl“ das Tierwohl in den Mittelpunkt, aber berücksichtigen gleichermaßen Umweltauflagen.“

Weitere Infos auf der Seite Fokus Tierwohl