Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Bieneninstitut Kirchhain

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt

Im Winter – und ganz besonders in der Weihnachtszeit – zünden wir gerne Kerzen an. Das weiche Licht erzeugt ein Gefühl von Wärme und Behaglichkeit und tröstet ein wenig darüber hinweg, dass wir in diesen Tagen kaum die Sonne sehen.

Viele Kerzenliebhaberinnen und Kerzenliebhaber fragen sich, ob es gesundheitsschädigend und umweltbelastend ist, Kerzen zu verbrennen. Das muss man differenziert sehen, denn Kerzen können aus verschiedenen Rohstoffen bestehen. Knapp 2,5 kg Kerzen werden in Deutschland pro Kopf und Jahr verbraucht. Den größten Anteil daran haben die preislich günstigen Paraffinkerzen. Außerdem wird pflanzliches oder tierisches Stearin und nicht zuletzt Bienenwachs verarbeitet.

Warum Bienenwachskerzen die besseren Kerzen sind

Bienenwachskerzen
Verschiedene Bienenwachskerzen; Foto: jozefklopacka - adobe.stock.com

Was viele nicht wissen ist, dass brennende Kerzen Feinstaub, Stickoxide und andere Schadstoffe abgeben können. Duftkerzen können allergische Reaktionen hervorrufen. Deshalb sollte man bei Kerzen auf Qualität achten und nicht das billigste Produkt kaufen.
Die gute Qualität einer Kerze ergibt sich aus mehreren Eigenschaften. Sie sollte lange und gleichmäßig abbrennen, nicht tropfen und möglichst wenige Schadstoffe abgeben. Viele Kerzen werden auf diese Eigenschaften hin geprüft und kommen mit dem RAL Gütezeichen in den Handel.
Darüber hinaus sollten Kerzen nicht aus umweltbelastenden Rohstoffen bestehen. Paraffin und die meisten pflanzlichen Stearine erfüllen diese Bedingung nicht.

  • Paraffin ist ein Abfallprodukt aus der Mineralölindustrie, also kein nachwachsender Rohstoff.
  • Pflanzliches Stearin wird zwar hauptsächlich aus Palmöl, Kokosfett oder Sojaöl gewonnen, doch ist deren Erzeugung/Gewinnung in den südlichen Ländern hinsichtlich der Umweltfolgen nicht unbedenklich (Stichwort Urwaldrodungen).

Ein richtig gutes Gefühl kann man bei Bienenwachskerzen haben. Das Bienenwachs ist ein natürlicher und nachwachsender Rohstoff. Es hat eine schöne gelbe Farbe und strömt einen angenehmen Duft nach Honig aus.

Wachsherstellung – eine energetische Höchstleistung

Die Mengen, die geerntet werden können, sind allerdings sehr begrenzt. Ein Bienenvolk produziert 1 bis 2 kg Bienenwachs im Jahr – und das kostet die Bienen viel Energie. Für ein Kilogramm Wachs müssen die Baubienen 6 bis 7 kg Honig fressen und in ihren Wachsdrüsen zu winzigen Wachsplättchen umwandeln. Diese Wachsplättchen bearbeiten sie mit ihren Kauwerkzeugen und fügen Zelle für Zelle zu Waben zusammen.

Um Wachs gewinnen zu können, werden in der Imkerei ältere Waben und Entdeckelungswachs, das bei der Honigschleuderung anfällt, ausgeschmolzen. Für den weiteren Gebrauch, insbesondere für das Fertigen von Kerzen, muss das Wachs gereinigt werden, sonst brennt es nicht gut ab. Das gewonnene Wachs wird mehrfach wieder verflüssigt und geklärt. Grobe und feine Schmutzteilchen werden so entfernt.

Erst nach mehreren Wochen Lagerzeit kann das Wachs dann für die Kerzenherstellung genutzt werden.

Für Bienenwachskerzen gibt es verschiedene Herstellungsverfahren:

  • Die aus Mittelwänden gerollten Kerzen sind am bekanntesten. Sie sind dekorativ und preislich günstig, haben aber einen Nachteil: Sie brennen schnell ab.
  • Gegossene Kerzen kommen in vielfältigen Formen daher. Diese, teilweise bemalten, Kerzen sind so dekorativ, dass sie meistens nicht als Gebrauchskerze genutzt werden. Vielen sind sie „zu schön zum Abbrennen“.
  • Dann gibt es noch geknetete Kerzen. Sie weisen eine sehr schöne Marmorierung auf, da Bienenwachse in verschieden Gelbtönen miteinander verknetet werden.
  • Das Herstellen von gezogenen Kerzen stellt die älteste Form der Kerzenherstellung dar. Bevor es Mittelwände oder Formen gab, wurde diese Technik schon eingesetzt. Dazu werden die Dochte auf ein Gestell montiert und immer wieder in das flüssige Bienenwachs getaucht. Beim Herausziehen läuft das Wachs nach unten ab und bildet dort eine etwas dickere Schicht als an der Kerzenspitze. So kommt die typische konische Form zustande. Dabei muss die Dicke des Dochts an den Durchmesser der Kerze angepasst werden. Kerzen mit großem Durchmesser benötigen einen dickeren Docht.

Gezogene Bienenwachskerzen gelten als qualitativ sehr hochwertig, weil sie eine sehr lange Brenndauer haben, ruhig und nahezu schadstofffrei abrennen und aus einem nachwachsenden Rohstoff hergestellt werden.

Fazit: Wenn die Möglichkeit besteht, Bienenwachskerzen aus heimischen Bienenwachs zu erstehen, dann sollte man diese nutzen, auch wenn die Preise höher sind, als bei Paraffin- oder Stearinkerzen.


Quellen: https://www.quarks.de/umwelt/wie-nachhaltig-koennen-kerzen-sein/


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