Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Adventskalender

Weihnachten im Stall – damals und heute

„Weihnachten im Stall“ erinnert viele Leserinnen und Leser an den Klassiker von Astrid Lindgren: Ähnlich der biblischen Weihnachtsgeschichte sucht ein Paar nach einer langen Wanderung einen Schlafplatz.

Leider findet sich kein Quartier auf einem der Höfe, so dass sie in einem Stall Unterschlupf finden. Gewärmt von den Tieren bekommt die Frau ihr Kind. Plötzlich leuchten alle Sterne auf und über dem Stall erstrahlt ein besonders heller Stern, der Weihnachtsstern. Hirten folgen dem leuchtenden Stern und kommen zum Stall. In einer Krippe schläft das neugeborene Kind umgeben von den Hirten und den Tieren.

Weihnachten steht vor der Tür! In Ackerbaubetrieben können die Schlepper an diesen Tagen in der Maschinenhalle verbleiben. In tierhaltenden Betrieben hingegen versorgen die Beschäftigten die Tiere an 365 Tagen im Jahr und somit auch an den Weihnachtsfeiertagen, Silvester und Neujahr.
Im LLH sind dies die Kühe und Schweine am Landwirtschaftszentrum Eichhof und die Pferde im Landgestüt Dillenburg. Denn Tierhaltung bedeutet, Verantwortung für die Schutzbefohlenen zu übernehmen, Tag für Tag – früher, vor hunderten Jahren, aber auch heute noch.

Moderne Technik erleichtert Versorgung

Auszubildende Natalie Peters am Futtertisch
Auszubildende Natalie Peters am Futtertisch
Annika Kempf bedient den Melkroboter
Annika Kempf bedient den Melkroboter

Am Eichhof wird täglich etwa die Hälfte der Milchkuhherde im Melkstand gemolken. Die anderen Tiere durchlaufen routiniert ein automatisches Melksystem. Die Versorgung der Tiere mit Grundfutter erfolgt mittels eines Futtermischwagens, der je nach Stallabteil unterschiedliche Futtermischungen vorlegt.
In der Lehrwerkstatt ‚Schweinehaltung‘ sind ebenfalls die Tiere zu versorgen und Routinearbeiten zu erledigen. Auch die Biogasanlage ist an allen Kalendertagen zu versorgen, damit Millionen kleinster Bakterien unter Ausschluss von Sauerstoff und einer ganzjährigen Wohlfühltemperatur von etwa 40 °C die eingebrachten Substrate (Wirtschaftsdünger, Reststoffe und Energiepflanzen) in Biogas umwandeln können, welches zur Strom- und Wärmebereitstellung genutzt wird.

Der technische Fortschritt in der Tierhaltung sowie die zunehmende Digitalisierung führen dazu, dass Arbeitsprozesse sich anders gestalten und erledigen lassen als noch vor wenigen Jahrzenten, dennoch können sie den Menschen nicht allumfänglich ersetzen.

Die zahlreichen Sensoren am Melkroboter erfassen tier- und fütterungsspezifische Daten und unterstützen die erfahrenen Augen der Beschäftigten; aus verschiedenen Parametern lässt sich der Gesundheitszustand der Tiere ableiten. Über die Daten können eventuell auftretende Krankheiten früher erkannt und erfolgreicher behandelt werden. Dies verbessert das Wohlbefinden der Tiere und hat durch geringere Tierarztkosten zudem ökonomische Vorteile. Eine Body Condition Scoring Kamera erfasst die Körperkondition der Tiere, so dass die Fütterung tierindividuell angepasst werden kann.

Brunstereignisse werden durch die Datenauswertung erkannt und qualitativ bewertet. Wichtige Parameter sind hierbei die Bewegungsaktivität sowie die Wiederkauaktivität der Tiere. Dadurch wird ein optimaler Besamungszeitpunkt vorhergesagt. Bewegungsaktivität und Körpertemperatur sind wichtige Daten, um bei einem tragenden Tier den Geburtstermin möglichst genau vorherzusagen. Die Technik sichert auf diese Weise, trotz wegfallender Melkzeiten, daß jede Kuh die benötigte Aufmerksamkeit erhält.

Ein besonderer Dank …

In einem modernen Milchviehstall erinnert nicht mehr viel an die romantischen Beschreibungen von Astrid Lindgren zu „Weihnachten im Stall“. Doch der technische Fortschritt im Bereich der Tierhaltung bietet vielfältige Chancen. Die Tiergesundheit kann verbessert, die Effizienz gesteigert, Kosten verringert und die Beschäftigten bei körperlich anspruchsvollen Arbeiten entlastet werden. Durch die Digitalisierung kommt den Beschäftigten und ihren Erfahrungen eine neue, wichtige Rolle zu: Aus den generierten Daten müssen sie die richtigen Schlüsse ziehen und Handlungen ableiten. Das persönliche Engagement jedes und jeder Einzelnen kann durch die Technik keinesfalls ersetzt werden.

„Für ihren täglichen Einsatz für die Tiere, der unseren Tisch letztlich reichlich deckt, möchten wir an diesem Heiligen Abend den tierhaltenden Betrieben besonders danken. Ihr Engagement können wir regelmäßig durch den Kauf regionaler Produkte wertschätzen.“

Dieser Beitrag ist ein „Türchen“ unseres LLH-Adventskalenders. Die anderen Türchen zum Öffnen und Nachlesen finden Sie hier .


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