Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Biodiversität

Die passende Blühfläche für jeden Betrieb

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten zur Umsetzung von Blühflächen, die mit unterschiedlichen förderrechtlichen Vorgaben verbunden sind. Daraus folgt vor allem eine unterschiedliche Flexibilität in der zeitlichen und räumlichen Umsetzung.

Einjährige Blühfläche
Einjährige Blühfläche
Mehrjährige Blühfläche
Mehrjährige Blühfläche

Dieser Übersichtsartikel stellt die Möglichkeiten vergleichend vor.

Blühflächen sind neben dem Erhalt von Landschaftselementen ein effektiver Weg zu mehr Artenvielfalt in der Agrarlandschaft. Blütenpflanzen sind eine wichtige Nahrungsquelle für Insekten. Zahlreiche Wildtiere brüten und finden Schutz in den zeitweise unbewirtschafteten Flächen. Blühende Feldränder verdeutlichen den aktiven Beitrag der Landwirtschaft zur Biodiversität. Insbesondere in den Wintermonaten ist eine bestehende Blühfläche ein wichtiger Lebensraum.

Als Landwirt können Sie durch die Ansaat von Blühmischungen aktiv zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen. Eine ökologische Aufwertung durch Blühflächen empfiehlt sich besonders zur Optimierung ungünstiger Flächenzuschnitte oder auf Ackerbereichen mit eingeschränkter Bewirtschaftbarkeit und Produktivität.

Verschiedene Möglichkeiten zur Gestaltung blühender Flächen

Blühflächen können als unterschiedliche Varianten Ökologischer Vorrangflächen, im Rahmen des Hessischen Agrarumweltprogramms HALM, als Jagdschneise oder Wildacker angelegt werden. Im Folgenden findet sich eine Übersicht der hierbei geltenden Rahmenbedingungen.

I) Ökologische Vorrangflächen (ÖVF) im Greening

Folgende Ökologische Vorrangflächen können mit Blühmischungen eingesät werden:

Stilllegung
(Brache)
Streifen am Waldrand Feldrandstreifen Honigbrache
(Nektar- u. pollenreiche Blühfläche)
Förderrechtliche Vorgaben ohne Gewähr. Zuständig für die Agrarförderung ist die WIBank. Bei Detailfragen wenden sie sich an ihre zuständige Bewilligungsstelle.

*      Durch Ausweisung eine Fläche mit NC 591 als ÖVF-Ackerbrache wird die Entstehung von Dauergrünland (nach 5 Jahren) ausgesetzt, jedoch nicht aufgehoben.
**    Abweichungen sind im Einzelfall auf Antrag zulässig, z.B. wenn Bestände aus ökologischen Gründen erhaltenswert erscheinen.
***  Details zur Honigbrache:

Faktor 1 1,5 1,5 1,5
Code 590/591 045 058 594/595
Lage Ackerland * Direkt am Wald und auf Acker
(kein Weg, Feldrain oder Waldsaum dazwischen)
Zwischen zwei Schlägen und auf Acker (darf an Uferstreifen 055, aber nicht am Waldrandstreifen 054 angrenzen) Ackerland
Maße

 

Mindestgröße 0,1 ha Mind. 1 – max. 20 m breit
Keine Längenbeschränkung, nicht wesentlich größer als dazugehörig. Schlag
(mit längster Seite an Schlag angrenzend, keine Umrahmung zulässig)
Mindestgröße 0,1 ha
Anlage
  • Aussaat bis 31.3.
  • Gräser, Wildblumen, Krautige Futterpflanzen (kein Mais), keine Kulturpflanzen zu Erntezwecken)
  • Empfehlenswert sind  Blühmischungen, deren Zusammensetzung ackerbauliche Aspekte und Ansprüche wildlebender Arten der Agrarlandschaft berücksichtigt
  • Aussaat bis 31.5.
  • Ansaat von ausschließlich***
  • einjährig:
    10 Arten aus Gruppe A mit Ergänzungen aus Gruppe B oder
  • mehrjährig:
    5 Arten Gruppe A + 15 Arten Gruppe B
Pflege / Mindest-tätigkeit
  • Keine Pflegemaßnahmen vom 1.4. – 30.6.
  • Mindesttätigkeit **:  1x/Jahr Aufwuchs mähen und abfahren (ohne Nutzung) oder mulchen und verteilen vor 16.11.
  • Keine Pflegemaßnahmen vom 1.4. – 30.6.
  • Mindesttätigkeit:  1x/Jahr Aufwuchs mähen und abfahren (keine Nutzung als Futter oder Biogassubstrat) oder mulchen und verteilen vor 16.11.

 

  • bei mehrjährigen Brachen 1x/Jahr Aufwuchs mähen und abfahren (ohne Nutzung) oder mulchen und verteilen vor dem 16.11.
  • im 1. Jahr gilt Frühjahrsaussaat als Mindesttätigkeit
  • keine Regelung für Pflegemaßnahmen
Auflagen
  • Keine Düngung
  • Kein Pflanzenschutz
  • Bodenbearbeitung u. Saat f. Kultur mit Ernte im Folgejahr nach fachrechtlichen Vorgaben ab 1.8. zulässig
  • Keine Düngung
  • Kein Pflanzenschutz
  • Bodenbearbeitung u. Saat Folgekultur ab 1.10.
Nutzung
  • Keine landwirtschaftliche Erzeugung / Nutzung des Aufwuchses zulässig
  • Ausnahme: ab 1.8. Beweidung mit Schafen o. Ziegen zulässig
  • Keine landwirtschaftliche Erzeugung zulässig
  • Beweidung oder Schnittnutzung außerhalb 1.4. – 30.06. zulässig, wenn der Streifen von der angrenzenden Fläche unterscheidbar bleibt

 

  • Keine landwirtschaftliche Erzeugung / Nutzung des Aufwuchses zulässig
  • Ab 1.10. Beweidung durch Schafe und Ziegen möglich

Details zu den Greening-Anforderungen sind dem Merkblatt zum Gemeinsamen Antrag zu entnehmen:
https://www.wibank.de/resource/blob/wibank/305844/256b2c06dccf7b7aa438af4b5a79eb99/merkblatt-zum-gemeinsamen-antrag-data.pdf

II) Blühflächen im Hessischen Agrarumweltprogramm (HALM)

 
Bezeichnung Dauer Förderhöhe Blühmischung Vorgaben
Blühstreifen Flächen (C3.1)

 

Einjährig
(Umbruch nicht vor 15.9.)
600 €/ha Liste der Förderrichtlinie HALM Anlage 6a
  • Ansaat bis 30.4. (mit Ausnahmegenehmigung 31.5.)
  • 0,1 bis 1 ha, > 5m
  • kein Pflanzenschutz
  • keine N-Düngung, keine Nutzung
  • max. 10% der förderberechtigten Ackerkulturen
Überjährig
(Umbruch nicht vor 31.1.)
750 €/ha
Blühstreifen Flächen (C3.2) mehrjährig 600 €/ha Förderrichtlinie HALM Anlage 6b
  • wie C3.1
  • Mulchen von Teilflächen nur vom 1.9. – 30.10.

Hier kann eine detaillierte Gegenüberstellung der HALM-Blühflächen sowie ein Vergleich mit der ÖVF-Honigbrache eingesehen werden:
https://llh.hessen.de/unternehmen/agrarpolitik-und-foerderung/halm/halm-bluehflaeche-oder-honigbrache-wo-sind-die-unterschiede/

Die Förderung ist im Vorjahr der Anlage der HALM-Blühflächen (bis 1.10.) zu beantragen und hat einen fünfjährigen Verpflichtungszeitraum. Nähere Informationen erhalten Sie bei ihrer Bewilligungsstelle/den Landratsämtern und Manuel.Fraenzke@llh.hessen.de.

Weiterführende Angaben zu Blühflächen im Rahmen des Hessischen Agrarumweltprogramms finden sie in den HALM-Richtlinien:
https://umwelt.hessen.de/sites/default/files/media/hmuelv/halm_richtlinien_vom_28.11.2017_final.pdf
und auf den Seiten des HMUKLV:
https://umwelt.hessen.de/agrarumweltprogramm.

III) Blühmischungen für Streifen zur Regulierung von Schwarzwildbeständen oder Biodiversität

Mit der Änderung der Agrarzahlungenverpflichtungen-Verordnung können Bejagungsschneisen oder der Biodiversität dienende Blühstreifen/-flächen auf einer sonst einheitlich bewirtschafteten Ackerfläche der Hauptkultur zugerechnet werden. Die Flächen im Rahmen dieser Regelung können in Hessen entlang oder in jeder beliebigen Ackerkultur angelegt werden. Sie müssen somit nicht als gesonderte Bewirtschaftungseinheit vermessen und ausgewiesen werden, womit der Aufwand für Messgenauigkeit und Dokumentation im Agrarantrag entfällt. Es gibt Empfehlungen für Blühmischungen, jedoch keine verbindlichen rechtlichen Vorgaben. Es kann frei über den Ansaatzeitpunkt (z.B. zusammen mit Mais) bestimmt werden und eine Pflege und Nutzung der Bestände ist möglich. Zu beachten ist, dass die Flächen NICHT im Rahmen des Greenings angerechnet werden können. Zudem müssen die jährlichen Mindestanforderungen zur Bewirtschaftung eingehalten werden und die Blühflächen dürfen nur einen untergeordneten Anteil („einige Arbeitsbreiten“) an der Gesamtfläche einnehmen. Es wird empfohlen, die Umsetzung von Blühschneisen dem zuständigen Amt für Landwirtschaft mitzuteilen.

IV) Wildacker auf landwirtschaftlicher Fläche

Sogenannte Wildäsungsflächen sind wie folgt definiert:

  • 1000 m2 Fläche, Code-Nr. 910
  • keine Vorgaben für Saatgutzusammensetzung
  • keine Vorgaben für Aussaatzeitpunkt und Pflegemaßnahmen (Mulchen etc.)
  • bedarfsgerechte Düngung und ggfs. Pflanzenschutz erlaubt
  • Die Flächen müssen in einem guten landwirtschaftlichen und ökologischen Zustand gehalten werden
  • KEINE Anrechnung als ÖVF, aber Ackerstatus bleibt erhalten
  • Aufwuchs darf genutzt werden.

Kombinationen geförderter Maßnahmen

Eine Doppelförderung ist grundsätzlich ausgeschlossen. D.h. Ökologische Vorrangflächen können in Hessen nicht gleichzeitig über das Agrarumweltprogramm HALM finanziert werden. Zudem gilt, dass in der zweiten Säule bei HALM-Öko und AGZ eine aktive landwirtschaftliche Nutzung Fördervoraussetzung ist, Bracheflächen- und -streifen müssen daher herausgerechnet werden. Es muss in Biobetrieben nicht zwingend Biosaatgut auf den landwirtschaftlich nicht genutzten HALM-Blühflächen eingesetzt werden (Erlass des Regierungspräsidiums Gießen vom März 2017).

Dokumentation

Der Aussaattermin ist zu dokumentieren. Zum Nachweis der verwendeten Mischung sind die amtlichen Saatgutetiketten der auf den jeweiligen Flächen ausgesätes Saatgut UND die Rechnung hierfür aufzubewahren. Bei Aussaat von selbsterzeugten Saatgutnachzuchten sind geeignete Nachweise über die Art der Pflanzenmischung, insbesondere Rückstellproben, aufzubewahren.

Weitere Möglichkeiten für blühende Flächen

Blühflächen können auch im Rahmen des Vertragsnaturschutzes oder als Kompensationsmaßnahmen angelegt werden. Auskünfte hierzu erhalten Sie bei ihrer zuständigen Naturschutzbehörde. Zusätzliche Blühaspekte können beispielsweise auch durch den Anbau von Leguminosen, Zwischenfrüchten, Untersaaten, Silphie und durch extensive Ackerrandstreifen erzielt werden. Diese produktionsintegrierten Varianten erreichen nicht die Lebensraumqualität ungestörter und vielfältiger Blühflächen, können jedoch ergänzend durchaus sinnvoll sein.

So gelingt die Ansaat

Bodenvorbereitung, Standortwahl, Saatzeitpunkt und evtl. Pflegemaßnahmen sind entscheidend für erfolgreich etablierte Blütenbestände:
https://llh.hessen.de/umwelt/biodiversitaet/tipps-zum-anlegen-von-bluehflaechen/

Blühflächen und ackerbauliche Aspekte

Was ist in Bezug auf eine mögliche Verunkrautung und phytosanitäre Aspekte zu beachten?

https://llh.hessen.de/pflanze/ackerbauliche-aspekte-bei-der-anlage-von-bluehmischungen-beachten/

 Die Arbeitsgruppe Blühflächen hat Empfehlungen zur Zusammensetzung von Blühmischungen:

https://llh.hessen.de/pflanze/neue-empfehlungen-fuer-bluehmischungen/

Zu guter Letzt: Wie Sie Blühflächenbesucher besonders effektiv unterstützen können

Hinweise zur Pflege von Blühflächen:

https://llh.hessen.de/umwelt/biodiversitaet/ueberwinterung-von-bluehflaechen/

 Welche Blüten Insekten in der Agrarlandschaft benötigen und wie wichtig zusätzliche Nisthabitate bei einjährigen Blühflächen sind, wird hier erklärt:

https://llh.hessen.de/umwelt/biodiversitaet/warum-sollen-bluehflaechen-bunt-sein/

 


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