Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Biorohstoffnutzung

Nachlese zum Seminar „Dämmen durch richtiges Heizen“

Dieses Seminar ist etwas Besonderes: Schon im alten Rom hatte man erkannt, dass die Strahlungswärme warmer Wände als sehr angenehm empfunden wird. Aktuelle Vorgaben zur Berechnung der Energieeffizienz berücksichtigen nicht, dass die Strahlungswärme durch die Speichermasse von erwärmten Wänden die höchste Behaglichkeit und Energieeffizienz aufweist. Unsere Haut „misst“ die Kombination aus Raumluft und seitlicher Strahlungswärme. Das bedeutet, dass die Wärme der Raumluft gesenkt werden kann, wenn die Wände entsprechende Wärme abstrahlen und Zugluftfreiheit herrscht. Gleichzeitig wird die staubreiche Wärmekonvektion von konventionellen Heizkörpern oder einer Fußbodenheizung unterbunden.

Bauphysik neu betrachtet

Der Referent Ulrich Gölz von Vivensys erläuterte im Seminar „Dämmen durch richtiges Heizen – ganzheitliche Bauphysik mit Hüllflächentemperierung“, das am 1.7.2020 beim LLH-HeRo stattfand, das Wärmeempfinden des menschlichen Körpers sowie die Effekte der Wärmeverteilung und Speicherung in der Wand. Anders als angenommen ist der Wärmeabfluss durch eine trockene Wand nach außen nicht nachweisbar und der Einfluss der Sonneneinstrahlung spielt eine große Rolle. Wichtig ist, dass die Wände trocken bleiben und die Raumluftfeuchte das richtige Maß hat (45 bis 55% relative Luftfeuchte).

In der Erkenntnis der Behaglichkeit durch Strahlungswärme wird heute häufig schon eine Wandheizung an den Innenseiten von Außenwänden eingebaut. Dabei wird die Wand mit wasserführenden Heizleitungen (meist aus Kunststoff) unter Putz ganzflächig belegt. Henning Großeschmidt und Ulrich Gölz haben erkannt und nachgewiesen, dass mit zwei bis drei kupfernen wasserführenden Heizschlaufen die gesamte Wandoberfläche temperiert werden kann. Die Speichermasse der Wand, ob aus mineralischen Baustoffen, Holz, Strohballen oder Lehm, heizt also mit. Eine Außendämmung ist nicht erforderlich. Gleichzeitig trocknet das System die Wand aus und behindert den Transport von bauschädigenden Salzen, die normalerweise zusätzlich Feuchte im Baustoff speichern.

Ein Nutzen mit nachhaltigem Zukunftspotential

Die Hüllflächentemperierung wird gern im Rahmen der Gebäudesanierung eingesetzt, aber auch im Neubau ist sie sinnvoll. Der Nutzen liegt im gesunden und behaglichen Wohnklima und in einem geringeren Ressourcenverbrauch an Heizenergie und Baumaterial von etwa 40 %.

Der Einsatz dieses Heizsystems setzt natürlich Kenntnisse und Erfahrungen zur Berechnung der Heizungsdimensionierung und der ganzheitlichen Betrachtung der Einbaubedingungen voraus. Dafür braucht es intensive Schulungen für die ein Tagesseminar nicht ausreicht.


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