Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Ökologischer Landbau

Nachlese: Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau 2019

Unter dem Motto „Innovatives Denken für eine nachhaltige Land- und Ernährungswirtschaft“ fand in Kassel die 15. Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau statt.

Highlights waren in diesem Jahr der Plenarvortrag von Ernst Ulrich von Weizsäcker sowie der intensive Dialog zwischen erfahrenen und jungen Forschern. Die rund 520 Teilnehmer diskutierten vom 05. bis 08. März 2019 an der Universität Kassel sowohl generelle Zukunftsperspektiven des ökologischen Landbaus als auch die Lösung konkreter Herausforderungen. Themen waren unter anderem gesellschaftliche Leistungen des Biolandbaus, neue Züchtungen, Anbau und Vermarktung von Leguminosen, Tiergesundheit oder Soziale Landwirtschaft. Grußworte überbrachten Arno Ehresmann, Vizepräsident der Universität Kassel und Gunter Backes, Dekan dieses Fachbereichs sowie Andreas Sandhäger, Direktor des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen (LLH).

Ernst Ulrich von Weizsäcker (links) mit den beiden Verantwortlichen der 15. Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau, Prof. Detlev Möller und Prof. Jürgen Heß (rechts)
Ernst Ulrich von Weizsäcker (Gründungspräsident der Universität Kassel und Ehrenpräsident des Club of Rome) schilderte eindringlich die Schwächen der aktuellen Nachhaltigkeitsagenda. Er legte den Anwesenden ans Herz, sich für neue universitäre Strukturen einzusetzen. Insbesondere der Philosophie – auch in den Naturwissenschaften – müsse eine bedeutende Rolle zukommen und interdisziplinäre Praxisnähe solle akademisch belohnt werden.  Weitere wichtige Impulse für die Tagung gab Jan Plagge (Präsident von Bioland und IFOAM EU). Er führte aus, dass mit der anstehenden Neuausrichtung der gemeinsamen Agrarpolitik die flächengebundenen Direktzahlungen bis 2034 schrittweise beendet werden müssten. Stattdessen sollten Umwelt-, Klima- und Tierwohlleistungen stärker honoriert werden. Staatsministerin Priska Hinz (Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz) bekräftigte ihr Anliegen, ganz Hessen zu einer Ökomodellregion machen zu wollen. Ein Ökoanteil von 25 Prozent bis zum Jahr 2025 ist das Ziel. Hierfür möchte sie die Gemeinschaftsverpflegung stärker einbinden, ein Institut für Agrarsystemforschung gründen und ein Praxis-Forschungs-Netzwerk aufbauen. Uwe Schneidewind (Präsident Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie) gab der Forschergemeinde Impulse für eine große Transformation hin zu einer sozial und ökologisch gerechten Welt. Er steckte mit seinem Optimismus an, dieses Jahrhundertprojekt engagiert anzugehen. Gleichzeitig mahnte er, dass Wissenschaftler keine Solisten sein sollen, sondern zu einem vielstimmigen Chor zusammenfinden müssen. Andreas Krug (Bundesamt für Naturschutz) warf in seinem Abschlussvortrag einen kritischen Blick auf die Perspektiven des Ökolandbaus im Hinblick auf die Erreichung von Naturschutzzielen.

Sowohl Teilnehmer als auch Organisatoren zeigten sich äußerst zufrieden mit der Tagung, auf der insgesamt 180 Vorträge und 80 Poster präsentiert wurden. Die vielfältigen Möglichkeiten zum Netzwerken wurden rege genutzt und Methoden wissenschaftlichen Arbeitens intensiv diskutiert. In 20 Workshops konnten sich die Teilnehmer zu aktuellen Forschungsthemen austauschen.
Dr. Thorsten Haase und Heinz Gengenbach, beide Öko-Beratungsteam des LLH, hatten zum Thema „Strategien zur Erzeugung von Qualitätsgetreide in vieharmen/viehlosen Marktfruchtbetrieben“ sowohl Ökolandwirte, Wissenschaftler sowie Vermarkter eingeladen. Vor und nach der Tagung wurden insgesamt 13 Fachexkursionen zu spannenden Betrieben und Projekten des ökologischen Landbaus rund um Kassel angeboten. Das Ökoteam des LLH hatte neun von insgesamt dreizehn Exkursionen konzipiert und geplant. Ebenso viele Exkursionen wurden durch LLH-Beratungskräfte begleitet.


Die alle zwei Jahre an wechselnden Orten stattfindende Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau wurde 1991 von der Stiftung Ökologie & Landbau (SÖL) initiiert, welche seither die Trägerschaft innehat. Dieses Jahr wurde sie von der Universität Kassel, Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften (Witzenhausen), dem LLH und der SÖL ausgerichtet. Die nächste Wissenschaftstagung wird 2021 in Wien stattfinden.

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