Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Ökologischer Landbau

Kreislaufwirtschaft – Themen der Ökofeldtage 2019

Die Tierhaltung ist ein wesentlicher Bestandteil in der Kreislaufwirtschaft Ökolandbau und verkörpert damit ein nachhaltiges Anbausystem.

Seit 20 Jahren gelten EU-weit Mindestanforderungen für die Ökotierhaltung. Immer mehr Käufer von Bio-Lebensmitteln sehen den Zusammenhang und sind bereit, dies über höhere Preise zu honorieren. „Bio“ ist nicht mehr nur eine Nische, sondern hat in den letzten Jahren immer mehr Einzug in den traditionellen Lebensmitteleinzelhandel genommen. Dies darf aber nicht dazu führen, dass die Auszahlungspreise an die Erzeuger nicht mehr die Kosten decken. Eine Ausweitung des Ökoanbaues braucht gleichzeitig ein Absatz-Mehr bei Bio-Lebensmitteln. Somit ist die Basis geschaffen, ein angemessenes Einkommen für die Familien im landwirtschaftlichen Betrieb zu generieren, möglichst auch für die nachfolgende Generation. Verbrauchern ist Tierwohl und Regionalität besonders wichtig; mit Transparenz lässt sich hier Vertrauen schaffen. Mit Ablauf des Jahres 2018 wurden in Hessen 113.368 ha von 2.245 Betrieben ökologisch bewirtschaftet, dies entspricht 14,5 % der landwirtschaftlichen Fläche und damit einer Spitzenposition in Deutschland. Rund 70 % der Betriebe halten Rinder, gut 22 % Geflügel und fast 10 % Schweine. Die hessische Landesregierung plant, bis 2025 diesen Anteil auf 25 % zu erhöhen.

Im Folgenden erfahren Sie vorab, was Sie auf den Öko-Feldtagen 2019 erwartet.

Nach dem Erfolg vor 2 Jahren wird in diesem Jahr mit einem umfangreichen Angebot zur ökologischen Tierhaltung das Programm der Öko-Feldtage erweitert. Es zeigt in einer Mischung aus Praxis und Forschung Neuigkeiten rund um die ökologische Landwirtschaft. Neuste Erkenntnisse zu Herausforderungen wie Klimakrise, Öko-Züchtungen und Tierwohl werden in Foren behandelt und von Wissenschaftlern und Praktikern diskutiert. Auf den diesjährigen Öko-Feldtagen gestaltet der LLH den Tierbereich maßgeblich mit.
Das Programm für die beiden Tage ist zu finden unter www.oeko-feldtage.de, in der Menü-Auswahl unter „Programm“ und „Fach-Foren Tier und Pflanze“, einschließlich der Uhrzeiten, zu denen die Vorträge und Diskussionen stattfinden und die Experten anzutreffen sind.

In zwei Zelten des LLH (Stand Nr. E1, E10) werden aktuelle Themen der modernen Tierhaltung von Legehennen, Puten, Schweinen, Rindern, Schafen und Ziegen anschaulich dargestellt. Im Zelt zur Schweinehaltung geht es beispielsweise um die Alternativen zur betäubungslosen chirurgischen Kastration von Ferkeln, die Umsetzung der Gruppenhaltung von ferkelführenden Sauen und darum, wie die intensive Tierbeobachtung gelingen kann. Im Bereich des Geflügels werden Live-Bonituren mittels des Management-Tools (MTool) an Legehennen durchgeführt. Außerdem stehen u.a. Informationen zur Früherkennung des Federpickens, aber auch zur Auslaufgestaltung und der Verbesserung des Tierwohls durch den Einsatz von Automatisierungstechnik in der Geflügel- und Schweinehaltung zur Verfügung. Im Bereich der kleinen Wiederkäuer werden die Themen Herdenschutz, Umsetzung der Haltung von unkupierten Schafen und die Haltung von horntragenden Ziegen thematisiert. Grundfutter- und Heuqualtäten, die Weidehaltung von Mutter- und Milchkühen sowie die Vermeidung des gegenseitigen Besaugens stehen bei den Rindern im Fokus. In allen Themenzelten besteht die Möglichkeit mit den Tierwohl- und Tierhaltungs-Beratungskräften des LLH ins Gespräch zu kommen.

Forum „Stallgespräche“

In den Austausch mit Wissenschaftlern, Beratungskräften und Praktikern können Gäste im LLH-Forum „Stallgespräche“ (Stand Nr. E2) kommen. Dort werden bekannte Themen, wie der Kupierverzicht bei Schafen und Schweinen oder die Gruppenhaltung von ferkelführenden Sauen erneut aufgegriffen. Aber auch darüber hinaus berichtet beispielsweise Leonie Blume (Universität Kassel) davon, wie eine 100% Biofütterung in der Geflügel- und Schweinehaltung bedarfsgerecht und ökonomisch sinnvoll umgesetzt werden kann. Außerdem referiert Dr. Hans-Joachim Herrmann (LLH) über den Umgang mit kranken und verletzten Rindern und geht dabei speziell auf die Nottötung ein. Dr. Andrea Fink-Keßler und Hans-Jürgen Müller vom Büro für Agrar- und Regionalberatung (BAR) werden anschließend an einen kurzen Vortrag zur teilmobilen Schlachtung eine Demonstration im Außenbereich anbieten. Einen Überblick über die mobile Legehennenhaltung in Hessen gibt die Tierwohl-Beraterin Inga Garrelfs (LLH). Dr. Christiane Keppler (LLH) stellt sich der Frage, wie und warum das Tierwohl in der Öko-Geflügelhaltung gesichert werden soll. Bei einer Podiumsdiskussion zur mutter- und ammengebundenen Kälberaufzucht diskutieren Wissenschaftler mit Praktikern über deren Erkenntnisse und Erfahrungen.

Das BÖLN- (Bundesprogramm Ökologischer Landbau) Forum (Stand Nr. B1) beleuchtet überwiegend das pflanzenbauliche Spektrum. Landwirte erfahren hier aktuelle Ergebnisse aus der Forschung, u.a. zu heimische Eiweißfutterpflanzen. Im Rahmen eines Podiums wird die Umstellungsberatung der Landesverwaltungen skizziert und Beratungskräfte der Anbauverbände ergänzen mit ihrem Leistungsangebot.

Die diesjährigen Öko-Feldtage binden am 3. Juli die alljährige Züchtertagung der Rasse Deutsches Schwarzbuntes Niederungsrind (DSN) mit ein, dazu finden am Jungviehstall interessante Vorführungen und Vorträge statt. Den Auftakt der Züchtertagung macht eine Kuhschau. Auch auf der Domäne Frankenhausen wird eine rund 100-köpfige Milchviehherde der Rasse DSN gehalten.

Umstellen – ökologisch und ökonomisch sinnvoll

Gute Gründe für landwirtschaftliche Betriebe, zukünftig ökologisch zu wirtschaften, sind vielfältig. Förderlich ist, wenn einige Rahmenbedingungen mit den eigenen „Lebensentwürfen“ übereinstimmen. Dazu gehört mehr Anerkennung in der Bevölkerung, eine angemessene Wertschätzung über die Erzeugerpreise und damit ein auskömmliches Einkommen. Landwirte denken traditionell langfristig und präferieren daher ein Landbausystem, was auch der nachfolgenden Generation dient.
Die Preistiefs und großen Schwankungen beim konventionellen Milchpreis haben etliche Betriebe zum Umdenken gebracht und eine Art Umstellungswelle ausgelöst. Für einige war dies ein regelrechter Strategie-Wechsel mit größeren betrieblichen Veränderungen. In den letzten beiden Jahren haben verstärkt auch mehr oder weniger viehlose Betriebe mit der Umstellung begonnen.
Im Zelt des LLH (D1) erhalten Interessierte während der kompletten beiden Tage neutrale Informationen rund um den Ökolandbau, von der Umstellung bis zur Produktionstechnik. Außerdem steht an beiden Tagen in jeweils vier Zeitblöcken ein „Duo“ aus Beratungskraft und Betriebsleitung, die in den letzten Jahren umgestellt hat, für Informationen zur Verfügung. Fragen, wie könnte die zeitliche Abfolge der Umstellung aussehen, werden hier betriebsindividuell beantwortet. Letzteres findet im Freigelände am Infostand LLH/VLK statt.

Vermarktungsstrategien erörtern

Grundsätzlich managen die Betriebe die Vermarktung ihrer Erzeugnisse – für Ökoerzeugnisse gilt dies im Besonderen und gehört daher an den Anfang der Überlegungen. Auch wenn das Land Hessen mit seinem aktuellen Programm für den Ökolandbau (HALM B1) Dauergrünland mit 190 € pro ha und Ackerland mit 260 € pro ha fördert, gleicht dies beispielsweise bei Milch nur wenige Cent pro Liter aus. Die Kontaktaufnahme mit potenziellen Vermarktern ist unablässig. Die Öko-Feldtage bieten hier eine gute Gelegenheit. Dies gilt für Druschfrüchte und alle Erzeugnisse aus der Tierhaltung, egal ob Rind, Schwein oder Geflügel.
Aktuell ist beispielsweise der Biomilch-Markt weitestgehend gesättigt. Die vier hessischen Biomilch-Molkereien haben seit längerem einen Aufnahmestopp und geben nur noch einzelnen Betrieben eine Zusage. Neben dem Umfang der zu vermarktenden Menge spielt auch die Nutzung eines Warenzeichens eine Rolle, d.h. ob zusätzlich die Richtlinien eines Anbauverbandes (bspw. Bioland, Naturland, Demeter) eingehalten werden müssen.

Ställe den Anforderungen anpassen

Für den umstellungsinteressierten Tierhalter stehen weit oben auf dem „Zettel“ auch die Anpassung der Stallverhältnisse und die auch in Zukunft gesicherte Futterversorgung seiner Tiere. Die EU-weit geltende Öko-Verordnung und die Richtlinien der Anbauverbände verlangen die Einhaltung bestimmter Tierhaltungskriterien. Dies kann einen Stallumbau erforderlich machen. Auf den Öko-Feldtagen sind etliche Stalleinrichter vertreten. Ein Verzeichnis finden Sie unter www.oeko-feldtage.de, in der Menü-Auswahl unter „Aussteller“ und „Ausstellerverzeichnis“. Dort existiert auch eine Suchfunktion. Alle Aussteller sind in sogenannte Ausstellerkategorien untergliedert, von Betriebsmittel, über Kontrollstelle bis hin zu Vermarktung. Speziell für Geflügelmobilställe sind einige Anbieter vertreten.

Futterversorgung sichern

Die bedarfsgerechte Ernährung der landwirtschaftlichen Nutztiere muss wie im konventionellen, so auch im ökologischen Landbau gewährleistet sein, zum Wohl des Tieres und seiner Gesundheit. Eine „Baustelle“ ist hier die Versorgung mit Eiweiß. Ausgeschlossen ist solches mit Lösungsmittel hergestelltes (Extraktionsschrot). Erstrebenswert ist die Herkunft aus heimischen Anbau, so dass beim Kraftfutter hier der Ackerbohne, der Erbse und der Lupine eine zentrale Rolle zu kommt. Der heimische Sojaanbau ist hier eher noch in den „Kinderschuhen“. Für Schweine und Geflügel ist ausnahmsweise noch ein konventioneller Anteil von 5 % zulässig (hauptsächlich Kartoffeleiweiß). Die Versorgung von Wiederkäuern basiert überwiegend auf dem Grobfutter, sprich Gras-, Klee- und Maisfuttermittel. Dessen Erzeugung mit möglichst hohen Inhaltstoffen, aber auch Erntemengen, ist mindestens so wichtig wie bei den konventionellen Berufskollegen, kostet doch die Nährstoffeinheit in Bio-Qualität im Kraftfutter nahezu doppelt so viel wie im Grobfutter. Die Milchviehherde der Domäne Frankenhausen wird kraftfutterfrei versorgt.
Über die Jahrzehnte hat sich der Handel von Futter- wie Speiseware von Betrieb zu Betrieb und zum Verarbeiter entwickelt. Bisher war dies für den sogenannten Landhandel wenig interessant, was sich aber aktuell ändert. Es kann sinnvoll sein, sein selbsterzeugtes Futter mit ökozertifizierter Zukaufsware zu ergänzen, denn nicht immer lassen die betrieblichen Bedingungen den Anbau der erforderlichen Kulturen zu. Einige Mischfutter-Anbieter sind auf den Öko-Feldtagen vertreten, einschließlich ihrer Angebote für Mineralfutter. Für Futtermühlen und Ackerbaubetriebe hat der Futtermittel-Rohwaren-Handel eine wichtige Funktion. Hier präsentieren sich einige bundesweit agierende Vermarktungspartner.

Für flächenknappe Rinderhaltungsbetriebe bietet sich ab und an die Möglichkeit der Kooperation mit ackerbaubetonten Betrieben. Eine „win-win“-Situation entsteht, wenn Ackerfutter (Klee- und Luzernegras) mit tierischem Dünger getauscht wird. Das Ackerfutter wird so über die Rinder sinnvoll verwertet und der Ackerbauer erhält Nährstoffe zurück, die er unter konventioneller Bewirtschaftung über industriell hergestellte Mineraldünger zukaufen musste. Die LLH-Beratung kann hier entsprechende Kontakte vermitteln.


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