Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Geflügel

Anforderungen der Öko-Verordnung an die „Ökologische Geflügelhaltung“

Hier sind die Inhalte der Öko-Verordnung zusammengefasst, welche die wesentlichen Anforderungen für eine ökologische Geflügelhaltung darstellen.

HühnermobilGrundlage sind die Öko-Verordnung und die Durchführungsbestimmungen (VO (EG) Nr. 834/2007 u. 889/2008)). Die Inhalte sind hier jedoch nicht vollständig abgebildet! Diese Zusammenstellung soll Ihnen einen ersten Überblick ermöglichen und dient als Basis für ein erstes Beratungsgespräch zur Umstellung.

Aufgrund der Vermarktungsmöglichkeiten kann es sinnvoll sein, sich einem der Öko-Verbände anzuschließen. Dabei sind die zum Teil weitergehenden Vorschriften des jeweiligen Verbandes zusätzlich zur Öko-Verordnung anzuwenden.

Allgemeine Anforderungen an den ökologischen Landbau

  • Verbot gentechnisch veränderter Organismen (GVO) und von Stoffen, die aus oder durch GVO erzeugt wurden (v. a. Futtermittel, Saatgut, Dünger, Tiere)
  • Flächengebundene Tierhaltung (z. B. max. 230 Legehennen oder 580 Masthühner/ha)
  • Für Betriebsmittel gelten Positiv-Listen, d. h. nur die darauf aufgeführten (konventionellen) Futter-, Dünge-, Pflanzenschutz-, Reinigungsmittel usw. sind unter bestimmten Voraus­setzungen zugelassen
  • 24 Monate Umstellungszeit gelten bei gleichzeitiger Umstellung von Tierhaltung und Pflanzenbau, andere Varianten sind möglich

Zusätzliche Anforderungen nach den HALM-Richtlinien

  • Ein Kontroll-Vertrag mit einer zugelassenen Öko-Kontrollstelle muss spätestens zum 30.11. vor Beginn der Förderungslaufzeit (HALM), vorliegen. Eine Übersicht der Kontrollstellen erhalten Sie von den Beratungskräften des Ökolandbaus, den Ämtern für den ländlichen Raum (zuständiger Landkreis) und beim Regierungspräsidium Gießen, Dezernat 51.2.
  • Für die Einhaltung der HALM-Förderrichtlinien muss auf dem Dauergrünland ein Mindesttierbesatz von 0,3 GV/ha (Ökotiere) eingehalten werden.
  • Die HALM-Richtlinien fordern eine Umstellung des gesamten Betriebes, d.h. alle Betriebszweige (z.B. Ackerbau, Hühnerhaltung) müssen der Öko-VO entsprechen.
  • Öko-Prämien: z. B. Acker: 260 €/ha, Dauergrünland: 190 €/ha
  • Jährliche Vorlage der Original-Öko-Kontrollbescheinigung bis zum 31.01. des Folgejahres.

Pflanzenbau

Für Futter-Anbauflächen gelten mindestens 24 Monate Umstellungszeit nach der letzten konventionellen Maßnahme (frühestmöglicher Umstellungsbeginn ist der Tag des Vertrags­abschlusses mit der Kontrollstelle)

Umstellungsdauer Status nach Ablauf
Grünland 12 Monate vor der Ernte Umstellungsfutter
Grünland 24 Monate vor der Ernte Öko-Futter
Ackerfutter (mehrjährig) 12 Monate vor der Ernte Umstellungsfutter
Ackerfutter (mehrjährig) 24 Monate vor der Ernte Öko-Futter
Getreide, Körnerleguminosen 12 Monate vor der Ernte Umstellungsfutter
Getreide, Körnerleguminosen 24 Monate vor der Aussaat Öko-Futter, Öko-Ware

Saat- und Pflanzgut

  • Grundsätzlich aus Öko-Vermehrung, ungebeizt oder aus Umstellung (1. und 2. U.-Jahr)
  • Hybridsaatgut ist zulässig (wird jedoch nicht von jedem Öko-Verband erlaubt)
  • Der ausnahmsweise Einsatz von konventionellem Saatgut (ungebeizt) ist möglich, wenn
    • kein Öko-Saatgut am Markt erhältlich ist,
    • eine Ausnahmegenehmigung der Kontrollstelle vorliegt,
    • für die jeweilige Sorte in der Internet-Datenbank organicxseeds eine allgemeine Ausnahmegenehmigung gilt, oder
    • die Nichtverfügbarkeit von Ökologischen Sorten in der Datenbank organicxseeds festgestellt wurde (durch Ausdruck dokumentieren)

Fruchtfolge, Düngung und Pflanzenschutz

  • Weitgestellte Fruchtfolgen mit Leguminosen, Gründüngungspflanzen bzw. Tiefwurzlern sind Grundlage einer ausgeglichenen Pflanzenernährung und des Pflanzenschutzes.
  • Vorbeugender Pflanzenschutz durch geeignete Arten- und Sortenwahl, mechanische Bodenbearbeitung sowie Schutz von Nützlingen
  • Chemisch-synthetische Pflanzenschutz- und Düngemittel sind nicht zulässig.
  • Bei Bedarf (z. B. Bodenuntersuchung) können Düngemittel und Bodenverbesserer gemäß Anhang I der VO 889/2008 wie z. B. kohlensaurer Kalk, Kalisulfate und weicherdige Rohphosphate, sowie Wirtschaftsdünger eingesetzt werden. Die Dokumentation der Maßnahme inklusive Begründung ist für eine spätere Kontrolle durch die Kontrollstelle erforderlich. Dabei ist die Gesamtmenge des Wirtschaftsdüngers (tierischer Herkunft) auf maximal 170 kg N/ha begrenzt
  • Bei Bedarf dürfen die im Anhang II der VO 889/2008 genannten Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, der Einsatz muss dokumentiert u. die Notwendigkeit begründet werden

Herkunft der Tiere bei Zukauf

  • Grundsätzlich nur von Öko-Betrieben
  • Wenn Ökotiere nicht verfügbar sind, und die Genehmigung der Kontrollstelle vorliegt,
    dürfen konventionelle Küken/Junggeflügel für die Eier- oder Fleischproduktion zugekauft werden. Sie müssen spätestens mit dem dritten Lebenstag eingestallt werden
    Dafür ist ein spezielles Antragsverfahren mit etwa 2 Monaten Vorlauf erforderlich.
  • Vor einer Öko-Vermarktung der Eier sind die Legehennen/andere Legegeflügel für min. 6 Wochen gemäß EG-Öko-VO zu halten, Mastgeflügel muss bei Zukauf bis 3. Lebenstag min. 10 Wochen vor der Öko-Vermarktung ökologisch gehalten werden.

Fütterung

  • 100 % Öko-Futter, davon über 20 % vom eigenen bzw. einem Betrieb aus der Region
  • Bis zu 100 % Umstellungs-Futter vom eigenen Betrieb bzw. max. 30 % zugekauftes Umstellungs-Futter können eingesetzt werden.
    Maximal 20 % Futter von den ersten zwölf Umstellungsmonaten (mehrjähriges Gras- bzw. Ackerfutter, Körnerleguminosen, nur vom eigenen Betrieb) (jeweils Trockenmasse pro Jahr)
  • 5 % konventionelle Eiweiß-Futtermittel gemäß Positivliste dürfen bis 31.12.17 eingesetzt werden, wenn das Futtermittel aus ökologischer Herkunft nicht verfügbar ist (bezogen auf Trockenmasse pro Jahr). Der Einsatz muss dokumentiert u. die Notwendigkeit begründet werden. In der Tagesration dürfen maximal 25 % konventionelles Futter enthalten sein. Manche Vermarkter fordern bereits jetzt 100 % Öko-Fütterung.
  • Der Tagesration ist frisches, getrocknetes oder siliertes Raufutter beizugeben.
  • Erlaubte Zusatzstoffe sind z. B. Mineralstoffe, Spurenelemente, Vitamine, (Öko-zertifizierte Mineralfutter)
  • Verboten sind Futter-Antibiotika, Leistungs- u. Wachstumsförderer, synthet. Aminosäuren

Tiergesundheit

  • Krankheitsvorsorge, pflanzliche bzw. homöopathische Medikamente sind vorzuziehen
  • Die vorbeugende Anwendung chemisch-synthetischer Arzneimittel oder Antibiotika, sowie von Hormonen ist verboten (ausgenommen sind Impfungen und Parasitenbehandlungen).
    Der therapeutische Einsatz dieser Medikamente ist auf Anordnung des Tierarztes möglich, dabei ist stets die doppelte Wartezeit, mindestens jedoch 48 Stunden einzuhalten.
  • Bei mehr als 3 „konventionellen“ Behandlungen/Jahr, bzw. mehr als einer Behandlung bei Lebenszyklen < 1 Jahr muss ein Tier bzw. seine Erzeugnisse in der Regel konventionell vermarktet werden (ausgenommen Impfungen und Parasitenbehandlungen).

Tierhaltungspraktiken

  • Schnäbel und oder Flügel dürfen nicht routinemäßig gestutzt werden. (Ausnahmen nur mit vorheriger Genehmigung der Kontrollbehörde im begründeten Einzelfall).
  • Mastgeflügel muss entweder von langsam wachsenden Rassen/Linien stammen oder bis zum Erreichen eines Mindestalters aufgezogen werden.

Übersicht: Mindestschlachtalter bei Geflügel (in Tagen)

Tierart Alter in Tagen Tierart Alter in Tagen
Hühner/Masthühner 81 Mulard-Enten 92
Kapaune 150 Perlhühner 94
Peking-Enten 49 Truthähne/Bratgänse 140
weibl. Barbarie-Enten 70 Truthennen 100
männl. Barbarie-Enten 84  

Haltung und Ausläufe

  • Reichlich Tageslicht und natürliche Belüftung, sowie freien Zugang zu Futtertrögen und Tränken sind Voraussetzung
  • Geflügel muss stets/ganzjährig Auslauf gewährt werden (außer bei extremen Witterungs­verhältnissen).
  • Ausläufe müssen größtenteils begrünt sein, mit Schutzvorrichtungen versehen (Sträucher u. a.), und freien Zugang zu Futtertrögen und Tränken in ausreichender Anzahl bieten.
  • Auslaufflächen dürfen unterteilt und im Wechsel genutzt werden, dabei müssen stets mindestens 4 m² je Legehenne zur Verfügung stehen
  • Auslaufjournale sind zu führen
  • Wassergeflügel (Enten u. Gänse) muss Zugang zu Wasserflächen haben. Mindestens sind Wasserbecken erforderlich, worin die Enten schwimmen können müssen, und Gänse ihren Kopf bis über die Augen eintauchen.
  • Kunstlichteinsatz bis max. 16 h Lichtphase ist erlaubt, eine Nachtruhe von min. 8 h (ohne Unterbrechung) ist einzuhalten

Obergrenzen maximale Tierzahl je Geflügelstall

Art Hühner, Junghennen,
Masthähnchen
Legehennen Perlhühner Barbarie-/Pekingenten Kapaune, Gänse, Truthühner
Anzahl Tiere/ Geflügelstall 4.800 3.000 5.200 w: 4.000
m: 3.200
2.500
  • im Stall 1/3 der Bodenfläche fest, nicht perforiert (keine Gitter- oder Spaltenkonstruktionen); von Einstreu wie Stroh, Holzspäne, Sand oder Torf bedeckt
  • bei Legehennen ist eine ausreichend großer Teil der Stallfläche als Kotgrube vorzusehen
  • bei Legehennen sind Sitzstangen anzubringen (18 cm/Tier)
  • Stallöffnungen zum Auslauf in angemessener Größe; gesamte Länge 4 m/100 m²
  • Pro Stall dürfen max. 3.000 Legehennen bzw. 4.800 Masthähnchen/Junghennen gehalten werden. Die Gesamtnutzfläche der Geflügelställe je Produktionseinheit für die Fleischerzeugung beträgt max. 1.600 m², bei ausreichender Trennung sind mehrere Produktionseinheiten/Betrieb möglich.
  • Für Junghennen und die Junghennenaufzucht gelten besondere Regeln.

Übersicht Flächenbedarf

Stall (den Tieren zur Verfügung stehende Nettofläche) Außenfläche (der bei Flächenrotation je Tier zur Verfügung stehenden Fläche)
  Anzahl Tiere/m² Sitzstange
cm/Tier
Tiere/Nest m²/Tier
Legehennen 6 18 8, bei Gruppennestern 120 cm² / Tier 4 m²**
Mastgeflügel (in festen Ställen) 10, max.
21 kg LG je m²
20 (nur Perlhühner) 4 (Masthühner)
3,5 (Enten)
10 (Puten)
15 (Gänse)**
Mastgeflügel (in bewegl. Ställen*) 16, max. 30 kg LG je m² 2,5 m²**

(*) Nur in beweglichen Ställen mit einer Bodenfläche von max. 150 m², die nachts offen bleiben
(**) sofern die Obergrenze von 170 kg/N/ha nicht überschritten wird


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