Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Agrarpolitik & Förderung

Sonderförderung von baulichen und technischen Investitionen bis 2020 verlängert

Das Agrarinvestitionsförderprogramm (AFP) wurde um eine Sonderförderung von baulichen und technischen Investitionen für die Jahre 2016 bis 31.12.2020 ergänzt.

Die Fördermittel werden durch den Rahmenplan der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK) bereitgestellt. Diese zusätzlichen Fördermittel sind für die Umsetzung von Vorhaben zu verwenden, die der nachhaltigen Verbesserung des Umwelt-, Klima- und Ressourcenschutzes dienen. Dies sind:

  • Maschinen und Geräte der Außenwirtschaft, die zu einer deutlichen Minderung von aus der Landwirtschaft stammenden Emissionen oder Umweltbelastungen führen (AFP).
  • Bauliche Investitionen in landwirtschaftlichen Betrieben, die zu einer emissionsmindernden bzw. Umweltbelastungen vermeidenden Wirtschaftsweise beitragen, wie z.B. separate Lagerstätten für feste oder flüssige Wirtschaftsdünger, separate Fahrsiloanlagen oder stallbauintegrierte Abluftreinigungsanlagen (AFP).
Wichtig: Eine Bestellung von Maschinen kann erst nach dem Erhalt von einem rechtskräftigen Bewilligungsbescheid erfolgen. Bearbeitungszeiten von Anträgen, Lieferfristen etc. sind zu beachten. Eine Abrechnung muss spätestens bis zum 31. Oktober 2020 der Bewilligungsstelle vorliegen. Antragstellung erfolgt bei dem zuständigen Landkreis bzw. für den Weinbau beim Weinbauamt.

Nachfolgend erläutern wir, was gefördert wird.

Maschinen und Geräte der Außenwirtschaft

Die Landtechnikindustrie hat in sensiblen Arbeitsbereichen (Ausbringung von Düngern, Anwendung von Pflanzenschutzmitteln) neue Maschinen und Geräte entwickelt. Mit diesen Entwicklungen sollen die Produktionsmittel besser ausgenutzt und Umweltbelastungen minimiert werden. Damit diese umwelt- und klimafreundlichen Techniken in Landwirtschaft, Garten- und Weinbau eine breite Anwendung finden, werden sie mit der Anlage 5 im AFP-Förderprogramm gefördert. Die förderfähigen Maschinen und Geräte müssen eine Mindestauslastung nachweisen, wobei eine überbetriebliche Auslastung möglich ist.

Selbstfahrende Arbeitsmaschinen sind von einer Förderung ausgeschlossen.

1. Aufbringung von flüssigen Wirtschaftsdüngern (Anlage 5 Nr. 1.1 -1.4 RL-EFP)

Es werden Anbaugeräte für die streifenförmige, emissionsarme Ausbringung flüssiger Wirtschaftsdünger mit und ohne Tankwagen gefördert, wobei eine Mindestauslastung von 40m³ pro 1.000 Euro Netto-Anschaffungspreis nachgewiesen werden muss. Eine überbetriebliche Auslastung der Geräte ist möglich. Ziel ist es, die Verteilgenauigkeit der flüssigen Wirtschaftsdünger zu verbessern und Ammoniakverluste zu reduzieren.

Förderfähig sind nach Nr.:

1.1 Injektionsgeräte

Injektionsgeräte bringen den Dünger als Strip Till Verfahren oder als Unterfußdüngung in den Boden bringen. Verfügbar ist eine Vielzahl von Geräten. Exemplarisch sind hier drei Geräte abgebildet.

1.2 Geräte zur Direkteinarbeitung mit Verteileinheit

Dies sind Grubber, Scheibeneggen und Schlitzgeräte. Grubber und Scheibeneggen erledigen Bodenbearbeitung und Einarbeitung des Wirtschaftsdüngers in einem Arbeitsgang auf unbestelltem Ackerland. Schlitzgeräte wurden für das Grünland entwickelt und können auch im Getreide zur Frühjahrsdüngung eingesetzt werden.

1.3 Schleppschuhverteiler

Schleppschuhverteiler eignen sich aufgrund des geringeren Gewichts für den Anbau an einen Tankwagen und sind vielseitig einsetzbar in Acker und Grünland.

Grundsätzlich müssen Sie beim Anbau an den Tankwagen, je nach Gerät und Arbeitsbreite, die Gewichtsbelastung der Maschine, sowie das zulässige Gesamtgewicht des Zuges (z. B. Zug mit 4 Achsen darf 36 t nach § 34 Abs. 6 nicht überschreiten) hinsichtlich der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) beachten. Möglicherweise können die Fahrzeuge nur im Feld voll beladen gefahren werden. Insgesamt soll die Verteilgenauigkeit der flüssigen Wirtschaftsdünger verbessert und Ammoniakverluste reduziert werden.

1.4 Verschlauchungsverfahren

Verschlauchungsverfahren
Verschlauchungsverfahren
Aufbringungsgeräte nach Nr. 1.1 bis 1.3 in Verbindung mit Pumpe, Haspel und Schlauch.

2. Anwendung von Pflanzenschutzmitteln (Anlage 5 Nr. 2.1 -2.4 RL-EFP)

Achtung: Es können nur Geräte gefördert die vom Julius-Kühn-Institut (JKI) geprüft und in der Liste zur AFP-Förderung aufgeführt sind. Diese Liste wird bei Bedarf aktualisiert und steht auf der Internetseite des JKI zur Einsicht und zum Download zur Verfügung: https://www.julius-kuehn.de/at/richtlinien-listen-pruefberichte-und-antraege/

Ziel ist es, Pflanzenschutzmittel zu sparen. Dies können Sie bei sachgerechter Anwendung mit einer verbesserten Applikation erreichen. Die automatische Innenreinigung muss über ein Reinigungsprogramm verfügen, das aus der Schlepperkabine heraus, ohne abzusteigen, vollständig durchgeführt werden kann. Eine Außenreinigungsanlage muss am Gerät vorgesehen sein.

Förderfähig sind nach Nr.:

2.1. Spritz- und Sprühgeräte für den Obst- und den Weinbau, die nicht angelagerte Spritzflüssigkeit auffangen und die Abdrift um mindestens 90 Prozent verringern können. In der JKI Liste sind Tunnelsprühgeräte und Geräte mit Kollektoreinrichtungen, sowie das entsprechende Düsensortiment aufgeführt. Die Mindestauslastung beträgt bei Sprühgeräten mit bis zu zwei Teilbreiten mindestens 5 ha, mit bis zu vier Teilbreiten mindestens 10 ha und mit mehr als vier Teilbreiten mindestens 20 ha.

2.2. Pflanzenschutzgeräte mit Sensorsteuerung, die Lücken im Bestand erkennt und einzelne Düsen abschalten kann, oder Krankheiten erkennt und einzelne Düsen zuschalten kann. Die Mindestauslastung ist analog 2.1 anzuwenden.

2.3. Feldspritzgeräte mit Assistenzsystemen die mit einer automatischen Teilbreitenschaltung, einer automatischen Gestängeführung, einer automatischen Innenreinigung und einer Außenwascheinrichtung ausgestattet sind. Die Mindestauslastung in der Landwirtschaft beträgt 2,5 ha je 1.000 € Netto-Anschaffungswert. Im Gartenbau liegt aufgrund der höheren Intensität die Mindestauslastung bei 0,8 ha gartenbauliche Kulturen je 1.000 € Netto-Anschaffungspreis.

2.4. Feldspritzgerät mit Mehrkammersystemen zur gezielten teilflächenspezifischen Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln.

3. Mechanische Unkrautbekämpfung (Anlage 5 Nr. 3 RL-EFP)

Förderfähig sind Maschinen und Geräte für die mechanische Unkrautbekämpfung für Reihenkulturen, die über eine elektronische Reihenführung mittels GPS, Ultraschall oder optischer Sensoren verfügen. Dies sind über GPS oder Ultraschall gesteuerte Verschieberahmen einschließlich der Hackwerkzeuge oder kamerabasierte Lenksysteme. Varianten der kameragestützten Unkrautregulierung in der Reihe sind Digital-, Infrarot-, oder 3D-Kamerasysteme.

Die Förderung wird für das jeweilige Gerät inklusive der dazugehörigen elektronischen Steuerungssysteme für die Reihenführung gewährt. Gebrauchte Technik oder Maschinen und Geräte mit einer mechanischen Reihenführung (z.B. durch Taster) sind nicht förderfähig.

Die Mindestauslastung in der Landwirtschaft beträgt 0,6 ha je 1.000 € Netto-Anschaffungswert und im Gartenbau liegt aufgrund der höheren Intensität die Mindestauslastung bei 0,3 ha gartenbauliche Kulturen je 1.000 € Netto-Anschaffungspreis. Ein überbetrieblicher Einsatz ist bei Vorlage der Verpflichtungserklärung (Bindungsfrist beträgt 5 Jahre) möglich.

Hinweise zum Antrag

Die Förderobergrenzen für Maschinen und Geräte der Außenwirtschaft gemäß Anlage 5 der Richtlinie EFP betragen:

  • Ausbringung von Wirtschaftsdüngern: 130.000 Euro (netto) mit maximal zwei Anbaugeräten
  • Anwendung von Pflanzenschutzmitteln: 100.000 €uro (netto)

Die Förderobergrenze darf im Zeitraum 2016 bis 2020 nur einmal ausgeschöpft werden.

Mit dem Förderantrag sind drei Angebote von verschiedenen Händlern für die Maschine vorzulegen. Alternativ können auch vergleichbare Maschinen anderer Hersteller zur Wahrung des Wettbewerbs vorgelegt werden. Es gelten die Allgemeinen Fördergrundsätze der Richtlinie (RL-EFP vom 22. Juli 2019) und das wirtschaftlichste Angebot ist für die Bewilligungsbehörde entscheidend. Abweichungen müssen gesondert und detailliert beantragt werden.

Bauliche Investitionen in landwirtschaftlichen Betrieben

Bei der Förderung von baulichen Investitionen handelt es sich um Maßnahmen, die zu einer emissionsmindernden bzw. Umweltbelastungen vermeidenden Wirtschaftsweise beitragen.

Dies sind:

  • separate Lagerstätten für feste und flüssige Wirtschaftsdünger
  • separate Fahrsiloanlagen
  • stallbauintegrierte Abluftreinigungsanlagen

Die Förderobergrenzen (Nettoinvestitionsvolumen) sind wie folgt festgelegt:

  • Neue separate Lagerstätten für flüssige Wirtschaftsdünger
    – nur Lagervolumen: 60 Euro/m³
    – für Abdeckung mit Zeltdach: 110 Euro/m²
    – für feste Abdeckung: 130 Euro/m²
    Die Förderung von Lagervolumen incl. Abdeckung kann kumulieren.
  • Neue separate Lagerstätten für Festmist, Kompost, Substrat
    – Nur Lagerstätte für Festmist, Kompost, Substrat: 75 Euro/m²
    – Für Überdachung der Lagerstätte: 130 Euro/m²
    Die Förderung von Lagerstätte incl. Abdeckung kann kumulieren.
  • Neue separate Fahrsiloanlagen
    – Lagervolumen 80 Euro/m³
  • Neue stallbauintegrierte Abluftreinigungsanlagen (Nachrüstung)
    – 70 Euro/Mastplatz

Der Fördersatz beträgt 20 Prozent, bezogen auf das jeweils förderfähige Nettoinvestitionsvolumen gem. Ziff. 5.2.2 RL EFP. Zusätzlich kann für Investitionen zur deutlichen Minderung von Emissionen bei der Lagerung von flüssigen Wirtschaftsdüngern incl. der Abdeckung bestehender Lagerbehälter ein Zuschuss von 20 % nach Ziff. 5.2.9 RL EFP, insgesamt dafür dann 40 %, gewährt werden.

Hinweise zum Antrag

Im Jahr 2020 sind Anpassungen im Dünge- und Pflanzenschutzrecht vorgesehen. Daher können in der Förderung nur Vorhaben berücksichtigt werden, die für den landwirtschaftlichen Betrieb eine Verbesserung gegenüber der derzeitigen Rechtslage darstellen.

Im Hinblick darauf können Lagerstätten für flüssige Wirtschaftsdünger in den Jahren bis 2020 grundsätzlich nur gefördert werden, sofern eine mindestens neunmonatige Lagerkapazität sichergestellt wird. Dies gilt sowohl für die Errichtung von Lagerstätten im Zusammenhang mit einem Stallneubau, bzw. einer Erweiterung bestehender Stallanlagen, als auch für die Errichtung separater Lagerstätten.

Im Falle der Festmistlagerung ist eine Lagerkapazität von mindestens vier Monaten sicherzustellen.

Alle neu zu fördernden Lagerstätten für flüssige Wirtschaftsdünger sind mit einem festen Dach oder Zeltdach auszustatten. Künstliche Schwimmdecken (z.B. Schwimmfolie, Schwimmkörper) sowie vergängliches Material wie Granulate oder Strohhäcksel sind nicht zugelassen.

Im Falle der Förderung von Investitionen mit Auswirkungen auf die Anpassung von betrieblichen Lagerkapazitäten sind ebenfalls bereits vorhandene Lagerstätten für flüssige Wirtschaftsdünger abzudecken. Dabei sind für die Abdeckung vorhandener Lagerstätten für flüssige Wirtschaftsdünger neben festen Dächern und Zeltdächern auch künstliche Schwimmdecken (z.B. Schwimmfolie, Schwimmkörper) zugelassen. Diese können als technische Nachrüstung der jeweiligen Lagerstätte ebenfalls gefördert werden. Vergängliches Material ist bei Nachrüstungen nicht zugelassen.

Die dargestellten Förderungsmöglichkeiten erfolgen im Rahmen des Einzelbetrieblichen Förderungsprogramms Landwirtschaft (EFP). Weitere Informationen sind bei den Bewilligungsstellen der Landkreise und dem Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen erhältlich.


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