Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Direktzahlungen & Greening

Greening-Zwischenfrüchte als ökologische Vorrangfläche

Greening-Zwischenfrüchte stellen für viele Landwirtinnen und Landwirte eine passende Möglichkeit dar, den seit 2015 bestehenden Greeningauflagen nachzukommen. Alle Betriebe, die Direktzahlungen beantragen und nicht ökologisch wirtschaften, müssen im Rahmen des Greenings, ab einer Betriebsgröße von mehr als 15 ha Ackerfläche, mindestens 5 % der Fläche als Ökologische Vorrangfläche (ÖVF) ausweisen.

Ein Überblick über die allgemeinen Greeninganforderungen findet sich in diesem Artikel.

Neben der Erfüllung der Verpflichtungen zur Bereitstellung der ökologischen Vorrangflächen haben Zwischenfrüchte viele positive Effekte für die Landwirtschaft und Umwelt: Nährstoffkonservierung und Grundwasserschutz, Erosionsminderung und Bodenschutz, Förderung der Bodenstruktur und Bodenfruchtbarkeit durch Arten und Wurzelsysteme, die sonst nicht auf der Fläche stehen, Auflockerung der Fruchtfolge, Unkrautunterdrückung, Reduzierung von Fruchtfolgeschäden und Krankheiten, Stickstofffixierung durch Leguminosen, Stickstoffspeicherung von organischen Düngemitteln im Herbst, Futter- bzw. Biogasproduktion, Förderung  der Biodiversität und ein positives Bild in der öffentlichen Wahrnehmung.

Rechtliche Anforderungen an Greening-Zwischenfrüchte

Vorgaben zu den Greening-Zwischenfrüchten finden sich im § 31 der Direktzahlungen-Durchführungsverordnung.

Um den rechtlichen Anforderungen zu genügen, müssen beispielsweise Zwischenfruchtmischungen mit mindestens zwei Mischungspartnern ausgesät werden. Keine der enthaltenen Arten darf einen Samenanteil von mehr als 60 % ausmachen. Der gesamte Samenanteil an Gräsern in der Mischung darf nicht höher als 60 % liegen. Hierbei muss beachtet werden, dass im Verordnungstext speziell der Samenanteil und nicht der Gewichtsanteil angesprochen wird.

Für Eigenmischungen bedeutet dies, dass die Mischungen genau gerechnet und gemischt werden müssen, damit nicht versehentlich gegen die Auflagen verstoßen wird. Hierbei sollte vor allem die tatsächliche Tausendkornmasse (TKM) beachtet werden, die je nach Saatgut schwanken kann. Eine exemplarische Rechnung für die gleichen Mischungen mit unterschiedlicher TKM ist weiter unten im Anhang aufgeführt.

Für den Nachweis bei Vor-Ort-Kontrollen sollten dringend die amtlichen Saatgutetiketten und Rechnungen sowie bei Eigenmischungen eine Rückstellprobe aufbewahrt werden.

Als Mischungspartner sind alle Arten zulässig, die sich in der Anlage 3 zu § 31 Absatz 1 DirektZahlDurchfV finden. Weiterhin muss bei der Erstellung einer Eigenmischung darauf geachtet werden, dass die Arten in ihren Ansprüchen und Eigenschaften zusammenpassen. Die optimalen Saatzeiten sollten nicht weit auseinanderliegen.

Prinzipiell kann aber auch auf fertige Zwischenfruchtmischungen vom Handel zurückgegriffen werden, bei denen in der Regel auch vermerkt ist, ob sie die Anforderungen für Greening-Zwischenfrüchte erfüllen. Empfehlenswert ist es aber immer, die Mischungen nochmals auf ihre Eignung zu prüfen, da schlussendlich die Haftung bei Nichteinhaltung der Greeningvorgaben immer bei den Bewirtschafterinnen und Bewirtschaftern liegt.

Weitere Anforderungen an ÖVF mit Greening-Zwischenfrüchten können der Tabelle 1 entnommen werden. Ebenfalls zu finden sind die Vorgaben im aktuellen Merkblatt zum Gemeinsamen Antrag, das jährlich von der WIBank herausgegeben wird.

Tabelle 1: Vorgaben und Anforderungen an Zwischenfrüchte auf ÖVF

Mischungszusammensetzung Mindestens zwei zulässige Arten (siehe Anlage 3 zu § 31 Absatz 1 DirektZahlDurchfV)

Als fertige Mischung oder Eigenmischung

max. 60 % Samenanteil einer Art

max. 60 % Samenanteil an Gräsern

Saattermin vom 16. Juli bis spätestens 01. Oktober
Pflegemaßnahmen Häckseln, Walzen oder Schlegeln ohne Bodeneingriff erlaubt
Düngung Keine mineralischer N-Dünger oder Klärschlamm nach Ernte der Vorkultur

Organische Düngemittel prinzipiell erlaubt
(Achtung: allgemeine und spezielle Vorgaben in den roten Gebieten beachten! Infos dazu hier )

Pflanzenschutz Keine Pflanzenschutzmittel nach Ernte der Vorkultur erlaubt (einschließlich Bekämpfung von z.B. Schnecken oder Schadnagern)
Nutzung des Aufwuchses Beweidung mit Schafen und Ziegen im Antragsjahr gestattet

weitere Nutzung nur mit ausdrücklicher (!) Sondergenehmigung bei z.B. schwerer Trockenheit

Nachweis für Kontrolle Saatgutetikett und Rechnung sowie Rückstellprobe bei Eigenmischungen
Antragsverfahren Gemeinsamer Antrag des aktuellen Jahres
minimale Standzeit vom 01.Oktober bis 15. Februar des Folgejahres, danach muss eine Hauptkultur oder Brache folgen

(Zeitraum kann in bestimmten Regionen auf Antrag bei der zuständigen Bewilligungsstelle bis zum 15. Januar verkürzt werden)

Größenvorgabe zur Anrechnung als ÖVF mindestens 0,1 ha
Greening-Gewichtungsfaktor 0,3 (3 ha ÖVF mit Zwischenfrucht entsprechen 1 ha ÖVF Brache)

Bodenbearbeitung und Aussaat

Leider kommt es immer wieder vor, dass Zwischenfrüchte durch nicht abgebaute Pflanzenschutzmittelreste, insbesondere im Überlappungsbereich, in ihrem Wuchs gehemmt werden. Kritische Frühjahrsanwendungen können sein: Attribut, Ciral, Lexus, Monitor, Alliance. Nach der Anwendung dieser Mittel ist eine intensivere Bodenbearbeitung vor der Zwischenfruchtaussaat angebracht, um den Abbau zu beschleunigen.

Für die Aussaat stehen verschiede Verfahren zur Verfügung, die sich von den Verfahrenskosten aber auch von Erfolgsaussichten auf einen gleichmäßigen, lückenlosen Zwischenfruchtbestand stark unterscheiden. Lichtkeimer wie Senf und Ölrettich können extensiv mit dem Dünger- oder dem Schneckenkornstreuer ausgebracht werden. Diese Arten benötigen keine bzw. kaum Bedeckung durch Boden, um zu keimen. Dunkelkeimer wie Phacelia und Ramtillkraut müssen hingegen mit Erde bedeckt sein, hier sollte eine Drillsaat oder eine flache Einarbeitung erfolgen.

Werden Zwischenfrüchte als ökologische Vorrangfläche angebaut, sind nach der Ernte der Hauptfrucht bis zum Beseitigen der Zwischenfrucht keine Pflanzenschutzmittel zugelassen (vgl. Tabelle 1), dazu zählen auch Mittel zur Mäuse- und Schneckenbekämpfung, aber auch alle Herbizide. Daher kann insbesondere nach Gerste nicht auf mindestens eine (wendende) Bodenbearbeitung verzichtet werden, um die Ausfallgerste zu beseitigen, da die Gerste häufig konkurrenzstärker als die Zwischenfrucht ist.

Verschiedene Arten und angepasste Sortenwahl

Für einen erfolgreichen Zwischenfruchtanbau müssen die angebauten Zwischenfrüchte zur Fruchtfolge des Betriebs passen. Bei der Artenwahl oder der Wahl der Mischung, ist darauf zu achten, dass Krankheiten und Schädlinge (z.B. Kohlhernie oder Sklerotinia bei Raps), welche die Hauptfrüchte schädigen können, nicht gefördert werden. Zudem dürfen Zwischenfrüchte nicht selbst zu einem Unkrautproblem in der Hauptfrucht werden (z.B. Buchweizen im Zuckerrübenanbau). In derartigen Fällen sollte frühzeitiges Mulchen – vor der Samenreife – Abhilfe schaffen.

Ein an die Fruchtfolge gut angepasster Zwischenfruchtanbau kann Gesundheit, Ertrag und Qualität der Hauptfrucht fördern. So können resistente Gelbsenf- oder Ölrettichsorten schädliche Zuckerrübennemathoden in ihrer Entwicklung hemmen. Andere Zwischenfrüchte können Bodennährstoffe aufschließen, die sonst nicht pflanzenverfügbar wären (z.B. Phosphoraufschluss durch Phacelia und Ackerbohne), oder können Bodenverdichtungen durch ihre Wurzeln aufbrechen (Ackerbohne und Tiefenrettich). Die folgende Tabelle 2 zeigt für ÖVF geeignete Zwischenfruchtarten für verschiedene Fruchtfolgen und dient somit zur besseren Orientierung für die kommende Zwischenfruchtaussaat.

Tabelle 2: auf ÖVF mögliche Zwischenfruchtarten in Fruchtfolgen

Zwischenfrucht
Fruchtfolge mit geeignet neutral weniger/nicht geeignet
Rüben Senf, Ölrettich (nematodenresistent) Phacelia, Lupine Raps, Rübsen, Buchweizen, Gräser
Raps Phacelia, Buchweizen, Gräser, Ramtilkraut Senf, Ölrettich, Raps, Rübsen, Sonnenblumen, Leguminosen
Kartoffeln Ölrettich, Lupine Weidelgräser, Leguminosen, Rauhafer Senf, Raps, Rübsen, Phacelia
Mais Weidelgräser, Phacelia Leguminosen
Leguminosen Weidelgräser alle Leguminosen

Auf einigen Flächen, insbesondere bei Mulchsaat und unter feuchten Bedingungen, kann es zu einem massiven Auftreten von Schnecken kommen. Hier unterscheiden sich einzelne Zwischenfrüchte stark in ihrer Anfälligkeit. Stark anfällig sind: Ramtilkraut, Sonnenblumen, Buchweizen, Raps, Ackerbohne und Perserklee. Bei diesen Arten kann es zu stellenweise zu Komplettverlust der Zwischenfrucht kommen. Besonders mit Blick auf eine mögliche Vor-Ort-Kontrolle sollte solch ein Totalverlust zwingend vermieden werden.

Saatzeitpunkt und Stickstoffaufnahme

Der Saatzeitpunkt ist wichtig für die Ziele, die mit dem Zwischenfruchtanbau verfolgt werden. Um üppige Zwischenfruchtbestände zu etablieren, die Unkraut unterdrücken und viel Stickstoff aufnehmen können ist eine frühe Saat unumgänglich. Früh, ab Ende Juni gesäte Zwischenfruchte sind in der Lage bis zu 150 kg N/ha im oberirdischen Aufwuchs aufzunehmen und diesen Stickstoff auch im Folgejahr der nächsten Hauptfrucht – je nach Witterungsbedingung und Boden – zu einem großen Teil zur Verfügung zu stellen.

Späte Saaten Ende August bis Anfang September können häufig nur noch bis zu 30 kg N/ha aufnehmen und schaffen es nicht mehr, den Bestand zu schließen, wodurch Unkräuter, Ausfallgetreide und Ausfallraps gefördert werden und so zur Krankheitsübertragung beitragen. Auch hier gilt: „Ein Tag im Juli ist so viel wert wie eine Woche im August und wie der ganze Monat September“.

Weitere Informationen hinsichtlich des Stickstoffbedarfs und zur Düngung in nicht eutrophierten und nicht mit Nitrat belasteten Gebieten sowie in mit Nitrat belasteten Gebieten (roten Gebiete), können diesem Beitrag auf der LLH-Seite entnommen werden.

Bitte beachten: keine HALM-Auszahlung für ÖVF-Flächen

Flächen die als Ökologische Vorrangfläche beantragt sind, können nicht zeitgleich über das Hessische Programm für Agrarumwelt- und Landschaftspflege-Maßnahmen (HALM) gefördert werden. Dies gilt auch für die Zwischenfrüchte auf ÖVF, auch wenn diese sich nur einen untergeordneten Teil des Jahres auf der Fläche befinden. Dies sollte besonders bei der Teilnahme an der Maßnahme HALM C.1 „Vielfältige Kulturen im Ackerbau“ beachtet werden: Folgt auf eine eigentlich förderfähige Hauptfruchtart im selben Jahr eine ÖVF-Zwischenfrucht, kann für diese Fläche im aktuellen Jahr keine Auszahlung der HALM-Förderung erfolgen. Sollte es sich bei der zuvor angebauten Hauptfruchtart um eine Leguminose handeln, kann sie nicht dem geforderten Leguminosenanteil von 10 % zugerechnet werden.

Anhang: Berechnung der Samen pro qm für Eigenmischungen

Anzahl Samen pro qm = (Aussaatstärke (kg/ha) x 100) : TKM (g)

Am Beispiel Gelbsenf:

Gelbsenf: (20 kg/ha x 100) : 7 g = 286 Samen/qm

Werden die Samenanteile einer Mischung berechnet, müssen die Aussaatstärken in der Mischung und die eigenen TKM zur Berechnung herangezogen werden.

Beispiel 1: Eigenmischung Gelbsenf + Ölrettich

Gelbsenf: (6,8 kg/ha x 100) : 7 g = 97,14 Körner/m2 (45 %)

Ölrettich: (14,0 kg/ha x 100) : 12 g = 116,67 Körner/m2 (55 %)

Greening-konform

In dieser Mischung stimmen die Verhältnisse. Somit ist diese Mischung Greening-Konform. Variieren die TKM jedoch, kann diese Mischung sehr schnell aus der Greening-Eignung herausfallen.

Beispiel 2: Eigenmischung Gelbsenf + Ölrettich

Gelbsenf: (6,8 kg/ha x 100) : 10 g = 68 Körner/m2 (36 %)

Ölrettich: (14,0 kg/ha x 100) : 12 g = 116,67 Körner/m2 (64 %)

Nicht Greening-konform!

Durch die höhere TKM des Gelbsenfs reduziert sich dessen Samenanteil. Der Samenanteil des Ölrettichs ist damit über 60 % und erfüllt nicht die Greeningvorgaben.


Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag