Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Agrarpolitik & Förderung

Endspurt bei der diesjährigen Agrarantragstellung

Bis zum 16. Mai 2022 muss der diesjährige Antrag auf die EU-Direktzahlungen online über das Agrarportal der WI-Bank eingereicht werden.

Es bleiben jetzt also nur noch wenige Tage Zeit zur Antragstellung auf diese für landwirtschaftliche Betriebe äußerst wichtige Einnahmeposition. Im Durchschnitt machen die EU-Flächenprämien bei den Haupterwerbsbetrieben gut die Hälfte des Gewinnes aus, bei den Nebenerwerbsbetrieben liegt der Anteil noch deutlich höher.
Umso verwunderlicher ist es, dass mit Stand 10. Mai, also knapp eine Woche vor Antragschluss, erst 13.500 von letztjährig 19.500 Anträgen auf EU-Direktzahlungen eingegangen sind, mithin bis jetzt noch ca. 6.000 Anträge fehlen.

Beim Agrarportal muss man sich mit seiner persönlichen 12-stelligen Benutzernummer und dem Passwort einloggen und bekommt dann komfortabel bereits alle Stammdaten und auch die gemeldeten Flächendaten des Vorjahres als Vorlage angezeigt. Auch Dienstleister wie z. B. die Geschäftsstellen der Kreisbauernverbände, können über die Mandantenfunktion die Agraranträge ihrer Kunden bearbeiten und einreichen.

Welche Anforderungen gilt es zu erfüllen?

Letztmalig erfolgt in diesem Jahr die Antragstellung noch nach den „alten Regeln“ der GAP-Förderperiode 2014-2020, die ja bekanntlich um zwei weitere Jahre verlängert wurde, bevor zur Antragstellung 2023 dann die neuen Regelungen zur GAP-Förderperiode 2023-2027 greifen.

Im Rahmen der Greening-Anforderungen müssen in 2022 letztmalig 5% der Ackerflächen (AF) als ökologische Vorrangflächen (ÖVF) ausgewiesen werden. Diese können erfüllt werden durch eine Brache auf AF, den Anbau von Zwischenfrüchten, Leguminosen, Kurzumtrieb-Niederwaldflächen, Silphie und Miscanthus, die Ausweisung von Landschaftselementen auf den AF oder die Anlage diverser Feldrand- und Pufferstreifen zu Waldrändern und Gewässern.

Ab 10 ha AF müssen zudem Anforderungen der Anbaudiversifizierung eingehalten werden. Bis 30 ha AF müssen mindestens zwei, bei mehr als 30 ha AF mindestens drei ldw. Hauptkulturen angebaut werden.

Schließlich müssen die Antragsteller im Besitz sogenannter Zahlungsansprüche sein, um die Direktzahlungsprämie zu erhalten. Diese kann man von anderen Betrieben, die Flächen abgegeben und daher überzählige ZA haben, pachten/ kaufen oder als Neueinsteiger auch eine Zuteilung aus der nationalen Reserve beantragen. Jeder Landwirt, der seinen Agrarantrag bisher noch nicht eingereicht hat, sollte dies jetzt schnellstmöglich erledigen, denn es geht in den meisten Betrieben um Förderbeträge von ca. 300 € pro ha LF.

Was ändert sich ab 2023?

Die Neuregelungen ab 2023 wurden in diversen Beiträgen in ldw. Fachzeitschriften bereits beschrieben und in Online-Fachvorträgen erläutert. (siehe z. B. youtube-Kanal des LLH: https://www.youtube.com/watch?v=Ch5fFsXpu4k)

An dieser Stelle sollen zunächst die wichtigsten Eckpfeiler kurz genannt werden:

  • Im Vergleich zu den bisherigen Regelungen wird die Einkommensgrundstützung deutlich abgesenkt auf ein Niveau von nur noch ca. 157 €/ha LF.
  • Die Umverteilungsprämie zugunsten kleinerer und mittlerer Betriebe wird verbessert mit ca. 40% höheren ha-Sätzen und bis zu 60 ha LF.
  • Deutlich verbessert wird ebenfalls die Junglandwirteförderung: Der Prämiensatz steigt von 44 auf 134 €/ha auf den 3-fachen Wert und sie wird zukünftig für bis zu 120 ha LF gewährt. Allerdings werden dabei auch die Anforderungen an die fachliche Qualifikation der Junglandwirte erhöht.
  • Neu eingeführt wird eine zusätzliche Schaf-, Ziegen und Mutterkuhprämie. Letztere gibt es aber nur für rein mutterkuhhaltende Betriebe.
  • Die bisherige Greeningprämie von 80 €/ha entfällt. Stattdessen werden insg. 10 neue Ökoregelungen angeboten, die mit 23% des nationalen Finanzvolumens ausgestattet sind, deren Inanspruchnahme aber freiwillig für die Betriebe ist.
  • Bisheriges Greening und Cross Compliance wird überführt in eine sogenannte erweiterte Konditionalität. Hier sind sog. GLÖZ-Standards (Guter landwirtschaftlicher und ökologischer Zustand der Flächen) einzuhalten, um überhaupt eine Zahlung erhalten zu können. Dazu zählen z. B. Pufferstreifen entlang von Gewässern (GLÖZ 4), Mindestbodenbedeckung in sensiblen Zeiten vom 1.12. bis 15.02. (GLÖZ 6), jährlicher Fruchtwechsel auf Ackerflächen (GLÖZ 7) und 4% Brache von AF mit Selbstbegrünung nach Aberntung der Vorfrucht. (GLÖZ 8)
  • Auch das System der bisherigen Zahlungsansprüche entfällt zukünftig. Jeder aktive Betriebsinhaber, der Mitglied der ldw. Berufsgenossenschaft ist und mindestens 1 ha LF bewirtschaftet, kann einen Antrag auf EU-Direktzahlungen stellen.
  • Ein erheblicher Anteil des nationalen Finanzvolumens (10% in 2023 ansteigend auf 15% in 2026) wird zudem umgeschichtet in die sog. 2 Säule, aus der u. a. die Agrar-Umweltprogramme der jeweiligen Bundesländer finanziert werden. So läuft das bisherige hessische HALM-Programm in 2022 aus und es wird derzeit das Nachfolgeprogramm HALM 2 mit Gültigkeit ab 2023 im HMUKLV konzipiert. Da es hier aber mehrere Schnittstellen zu den neuen Ökoregelungen in der ersten Säule gibt und Doppelförderungen nicht erlaubt sind, fallen einige bisherige Maßnahmen zukünftig weg oder es müssen Anrechnungs- und Kürzungsmechanismen berücksichtigt werden.

Wir werden in den nächsten Wochen in weiteren Beiträgen auf dieser Seite die Details zu den Neuregelungen der GAP-Flächenförderung ab 2023 erläutern. Außerdem wird in Kürze über unsere Beratungskräfte ein neuer Prämienrechner angeboten, der Prämienbeträge aus der bisherigen EU-Flächenförderung in Kombination mit HALM 1 und den zukünftigen Prämiensummen nach den neuen GAP 2023-Regelungen in Kombination mit dem neuen hessischen Agrarumweltprogramm HALM 2 vergleichend gegenüberstellt.


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