Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Biodiversität

HALM-Blühfläche oder Honigbrache – wo sind die Unterschiede?

Neben ihrer guten Außenwirkung und den positiven ökologischen Effekten können Blühflächen über das hessische Programm für Agrarumwelt- und Landschaftspflege-Maßnahmen (HALM) gefördert oder bei Direktzahlungen im Rahmen des Greening für Honigpflanzen genutzte brachliegende Flächen als Ökologische Vorrangfläche (ÖVF) (sog. Honigbrachen) ausgewiesen werden.

Blühstreifen und ~flächen können gefördert werden
Obwohl diese Deklarationen auf den ersten Blick recht ähnlich erscheinen, gibt es entscheidende Unterschiede, die bei der Beantragung berücksichtigt werden sollten.

Zusammensetzung der Mischung ist ausschlaggebend

Honigbrachen wie auch HALM-Blühflächen können sowohl ein- als auch mehrjährig angelegt werden. Zu beachten ist hier, dass die Vorgaben für die Artenzusammensetzungen der Saatmischungen wesentliche Unterschiede aufweisen. Die Mischung einer einjährigen Honigbrache darf beispielsweise Klatschmohn (Papaver rhoeas) enthalten, für eine einjährige HALM-Mischung ist dies laut Anlage 6a der HALM-Richtlinien nicht zulässig. Umgekehrt ist der in Saatmischungen häufig zu findende Öllein (Linum usitatissimum) für HALM-Mischungen unproblematisch, für Honigbrachen ist er ein Ausschlusskriterium, da er nicht in der Anlage 5 zu § 32 a der DirektZahlDurchfV zu finden ist.
Der Abgleich der jeweils vorliegenden Saatmischungen mit den entsprechenden Vorgaben kann sich in der Praxis als recht aufwändig erweisen. Zur besseren Übersicht finden sich in Tabelle 1 beispielhaft einige Saatgutmischungen, deren Eignung als HALM-Blühfläche oder Honigbrache, basierend auf ihrer Zusammensetzung, gegenübergestellt werden. Ebenso ist dort die Eignung als „bienengerechte Zwischenfrucht“ nach HALM-Richtlinie C.2. zu finden, die Anlage solcher Zwischenfrüchte wird im HALM besonders gefördert.

Tabelle 1: Beispiele für Saatgutmischungen, die Greening oder HALM-Anforderungen erfüllen [Stand April 2019 und ohne Gewähr]

Mischungsbezeichung (alphabetisch) Hersteller / Vertrieb Greening HALM
Honigbrache Blühfläche Bienengerechte Zwischenfrucht
einjährig mehrjährig einjährig mehrjährig
Blüh- und Schonstreifen NRW Camena Samen x
Blühmischung Hessen (HALM), mehrjährig Rieger-Hofmann GmbH x
Brandenburger Bienenweide* Deutsche Saatgutveredelung AG x x x
Bunte Bienenmischung Rudloff Feldsaaten GmbH x x
Einjährige Blühmischung Feldsaaten Freudenberger GmbH & Co KG x
Einjährige Blühmischung mit Kreuzblütlern Deutsche Saatgutveredelung AG x x x
Einjährige Blühmischung ohne Kreuzblütler Deutsche Saatgutveredelung AG x x
Greening Nektar und Pollen Saaten-Zeller GmbH & Co KG x x
Honigpflanzen für Brache Feldsaaten Freudenberger GmbH & Co KG x
Honigpflanzen Gruppe A, einjährig Rieger-Hofmann GmbH x
Honigpflanzen Gruppe A+B, mehrjährig Rieger-Hofmann GmbH x x
Kranichsteiner Mischung ODIN Wildäsung x
Lebensraum 1 Hessen Regio Saaten-Zeller GmbH & Co KG x
Lippstädter Blütenparadies (Mischung 2019) Deutsche Saatgutveredelung AG x
Mischung für 5-jährige Brache Appels Wilde Samen GmbH x
Naturplus BM 100 hoch – einjährig Bayerische Futtersaatbau GmbH x
Naturplus BW 900 – Bienenweide Bayerische Futtersaatbau GmbH x
ODIN-Blühfläche ODIN Wildäsung x
Spezial-Einsaat Hessen HALM und Honigbrache Hessischer Bauernverband e.V. x x
Thüringer Mischung KULAP BI.a Stiftung Lebensraum Thüringen e.V. x
Thüringer Mischung KULAP BI.I Stiftung Lebensraum Thüringen e.V. x
Veitshöchsheimer Bienenweide Süd (Hessen) Saaten-Zeller GmbH & Co KG x
Veitshöchsheimer Bienenweide* Appels Wilde Samen GmbH x x
Visselhöveder Insektenparadies 1 Camena Samen x

* Mischungszusammensetzung variiert je nach Hersteller / Vertreiber geringfügig; Mischungen mit gleicher Bezeichnung nicht zwingend konform mit den Greening- oder HALM-Vorgaben

Dauer der Maßnahme spielt auch eine Rolle

Weitere Unterschiede treten beispielsweise in der Verpflichtungsdauer auf. HALM-Maßnahmen erstrecken sich generell über eine Dauer von 5 Jahren, für die Honigbrachen bei den Direktzahlungen können einjährige Mischungen ausgebracht und als ÖVF im Antragsjahr anerkannt werden. Mehrjährige Mischungen können bis zu 3 Jahren als ÖVF anerkannt werden. Gemeinsamkeiten finden sich bei den Auflagen zur Düngung und zum Pflanzenschutz. Die Anwendungen von stickstoffhaltigen Düngemitteln oder chemischen Pflanzenschutzmitteln sind auf Honigbrachen sowie HALM-Blühflächen nicht zulässig. Die weiteren Vorgaben für Honigbrachen sowie HALM-Blühflächen sind in Tabelle 2 zur besseren Übersicht gegenübergestellt.

Tabelle 2: Gegenüberstellung der Anforderungen der Honigbrache mit den HALM-Blühflächen

Vorgaben Greening HALM
Honigbrache einjährig Honigbrache mehrjährig Blühfläche einjährig Blühfläche mehrjährig Bienengerechte Zwischenfrucht
Rechtliche Grundlage § 32a DirektZahlDurchfV § 32a DirektZahlDurchfV HALM-Richtlinien C.3.1. HALM-Richtlinien C.3.2. HALM-Richtlinien C.2.
Fläche Ackerland; keine Größenbeschränkung; keine landwirtschaftliche Erzeugung bis 01. Okt im beantragten Jahr Ackerland; keine Größenbeschränkung; keine landwirtschaftliche Erzeugung bis 01. Okt im beantragten Jahr Ackerland; Breite ≥5m; Fläche zwischen 0,1 – 1,0 ha; kein Natur- oder Wasserschutzgebiet in dem Düngemittel oder Pflanzenschutz verboten sind Ackerland; Breite ≥5m; Fläche zwischen 0,1 – 1,0 ha; kein Natur- oder Wasserschutzgebiet in dem Düngemittel oder Pflanzenschutz verboten sind Ackerland; kein Natur- oder Wasserschutzgebiet in dem Düngemittel oder Pflanzenschutz verboten sind
weitere Vorgaben durchführen einer Mindesttätigkeit bis zum 15. Nov (nicht vom 1. Apr – 30. Jun) Mindesttätigkeit im ersten Jahr durch Aussaat erfüllt, in den Folgejahren müssen jeweils Mindesttätigkeiten bis 15. Nov erbracht werden (nicht vom 1. Apr – 30. Jun) höchstens 10 % der förderberechtigten Ackerkulturen, keine künstliche Schlagtrennung höchstens 10 % der förderberechtigten Ackerkulturen, keine künstliche Schlagtrennung gezielte Aussaat;  bodendeckender Bestand 01. Okt bis 31. Jan; Maßnahmenkulisse nach Anlage 5 HALM-Richtlinien; Teilnahme an einer qualifizierten Beratung wenn in der Maßnahmen-kulisse „C2.a Zwischenfrüchte“
Mischungszusam-mensetzung mind. 10 Arten Gruppe A und ggf. Arten Gruppe B aus Anlage 5 zu § 32a DirektZahlDurchfV mind. 5 Arten Gruppe A sowie 15 Arten Gruppe B aus Anlage 5 zu § 32a DirektZahlDurchfV mind. 7 Arten aus Anlage 6a HALM-Richtlinien; keine Art >40%; Getreideanteil <40% mind. 20 Arten aus Anlage 6a sowie 6b HALM-Richtlinien; Anteil Wildpflanzen ≥30%; keine Art >20%; nur zertifiziertes Regionalsaatgut zugelassen mind. 4 Arten aus Anlage 6d HALM-Richtlinien; bis 3 Arten aus Anlage 6a; keine Art >50%
spätester Saattermin 31. Mai 31. Mai 30. April bzw. 31. Mai mit Ausnahmegenehmigung durch Bewilligungsstelle 30. April bzw. 31. Mai mit Ausnahmegenehmigung 15. August
Mindestsaatstärke  –  – ≥10kg / ha ≥10kg / ha  –
Pflegemaßnahmen  –  – Schröpfschnitt, Nachsaat, Abschlegeln Schröpfschnitt, Nachsaat, Abschlegeln Mulchen vor Aussamen zulässig
Düngung nein nein ja (kein mineralischer oder organischer Stickstoff) ja (kein mineralischer oder organischer Stickstoff) ja (Zustimmung zur Beprobung des Wirtschaftsdüngers sowie Bodenbeprobung)
Pflanzenschutzmittel nein nein nein nein nein (ab Maßnahmenbeginn bis nach Beseitigung der Zwischenfrucht)
Nutzung des Aufwuchses nein nein nein nein ja (wenn Bodendeckung von 01. Okt bis 31. Jan sichergestellt)
Wechsel der Fläche erlaubt ja nein ja nein ja (anschließend Hauptkultur oder Brache)
Dokumentation in Schlagkartei ja ja ja ja ja
Nachweis für Kontrolle amtl. Saatgutetiketten und Rechnung oder Saatgutprobe bei eigener Mischung amtl. Saatgutetiketten und Rechnung oder Saatgutprobe bei eigener Mischung Einkaufsbeleg oder Saatgutprobe bei eigener Mischung Einkaufsbeleg oder Saatgutprobe bei eigener Mischung Einkaufsbeleg oder Saatgutprobe bei eigener Mischung
Verpflichtungszeitraum 1 Jahr 1 – max. 3 Jahre 5 Jahre 5 Jahre 5 Jahre
Greening Gewichtungsfaktor 1,5 1,5  –  –  –
Förderhöhe je Hektar und Jahr  –  – 600,- € (Umbruch ab 15. Sep) 600,- € 150,- € (Maßnahmenkulisse C.2.a)
750,- € (Umbruch ab dem 31. Jan des Folgejahres) 100,- € (Maßnahmenkulisse C.2.b)

Keine Doppelförderung beantragen!

Ein wichtiger Begriff, der im Kontext von ÖVF und Agrarumweltmaßnahmen immer wieder auftaucht, ist das Verbot der Doppelförderung. Im Falle der Blühflächen bedeutet dies, dass eine ÖVF-Honigbrache nicht gleichzeitig eine Agrarumweltmaßnahme sein kann, da daraus sonst eine doppelte Förderung der Fläche resultieren würde. Liegen ÖVF-Honigbrachen und HALM-Blühflächen unmittelbar nebeneinander, ist auf optische Abgrenzung zu achten, um Missverständnisse bei Kontrollen zu vermeiden. Dies kann zum Beispiel mit der Verwendung unterschiedlicher Saatmischungen geschehen. Es wird empfohlen, zur optischen Abgrenzung der Flächen nochmals Rücksprache mit der jeweils zuständigen Bewilligungsstelle zu halten. Bei den derzeit immer beliebter werdenden Blühflächenpatenschaften, muss darauf geachtet werden, keine Flächen zu verwenden, die ebenfalls mittels HALM gefördert werden – ansonsten würde auch hier der Tatbestand der Doppelförderung vorliegen.

Weitere Informationen zu den HALM-Maßnahmen finden sich auf der Seite des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz unter https://umwelt.hessen.de/agrarumweltprogramm.

Anforderungen an ein- und mehrjährige Honigbrachen sind im aktuellen Merkblatt zum Gemeinsamen Antrag zu finden.

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