Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Biodiversität

HALM-Blühfläche oder Honigbrache – wo sind die Unterschiede?

Neben ihrer guten Außenwirkung und den positiven ökologischen Effekten können Blühflächen über das hessische Programm für Agrarumwelt- und Landschaftspflege-Maßnahmen (HALM) gefördert oder bei Direktzahlungen im Rahmen des Greening für Honigpflanzen genutzte brachliegende Flächen als Ökologische Vorrangfläche (ÖVF) (sog. Honigbrachen) ausgewiesen werden.

Bitte beachten:

Mit Inkrafttreten der neuen EU-Öko-Verordnung ab 01.01.2022 sind ökologisch wirtschaftenden Betriebe dazu verpflichtet, nur noch ökozertifiziertes Saatgut für die Anlage von Blühflächen zu verwenden. Welche Blühmischungen zertifiziert sind, lässt sich der letzten Spalte in der Mischungstabelle entnehmen.

Blühstreifen und ~flächen können gefördert werden
Obwohl diese Deklarationen auf den ersten Blick recht ähnlich erscheinen, gibt es entscheidende Unterschiede, die bei der Beantragung berücksichtigt werden sollten.

Zusammensetzung der Mischung ist ausschlaggebend

Honigbrachen wie auch HALM-Blühflächen können sowohl ein- als auch mehrjährig angelegt werden. Zu beachten ist hier, dass die Vorgaben für die Artenzusammensetzungen der Saatmischungen wesentliche Unterschiede aufweisen. Die Mischung einer einjährigen Honigbrache darf beispielsweise Klatschmohn (Papaver rhoeas) enthalten, für eine einjährige HALM-Mischung ist dies laut Anlage 6a der HALM-Richtlinien nicht zulässig. Umgekehrt ist der in Saatmischungen häufig zu findende Öllein (Linum usitatissimum) für HALM-Mischungen unproblematisch, für Honigbrachen ist er ein Ausschlusskriterium, da er nicht in der Anlage 5 zu § 32 a der DirektZahlDurchfV zu finden ist.
Der Abgleich der jeweils vorliegenden Saatmischungen mit den entsprechenden Vorgaben kann sich in der Praxis als recht aufwändig erweisen. Zur besseren Übersicht finden sich in Tabelle 1 beispielhaft einige Saatgutmischungen, deren Eignung als HALM-Blühfläche oder Honigbrache, basierend auf ihrer Zusammensetzung, gegenübergestellt werden. Ebenso ist dort die Eignung als „bienengerechte Zwischenfrucht“ nach HALM-Richtlinie C.2. zu finden, die Anlage solcher Zwischenfrüchte wird im HALM besonders gefördert.

Tabelle 1: Übersicht möglicher Blühmischungen für HALM-Blühflächen und Greening-Honigbrachen (Auswahl)

Stand Februar 2022 (alle Angaben erfolgen ohne Gewähr und kein Anspruch auf Vollständigkeit; durch mögliche Mischungsänderungen wird eine eigene Überprüfung empfohlen. In der Liste enthalten sind alle bekannten Mischungen, die konform mit Greening- oder HALM-Vorgaben sind.)

Mischungsbezeichung (alphabetisch)Hersteller / VertriebGreeningHALMEnthält Kreuz-blütler100 %
zerti-
fiziertes Öko-saatgut
Honig-brache ein-jährigHonig-brache mehr-jährigBlüh-fläche ein-jährigBlüh-
fläche mehr-jährig
Bienen-
gerechte Zwischen-frucht
* Mischungszusammensetzung variiert je nach Hersteller / Vertreiber geringfügig; Mischungen mit gleicher Bezeichnung nicht zwingend konform mit den Greening- oder HALM-Vorgaben;

Quelle: Manuel Fränzke

Blüh- und Schonstreifen NRW ACamena Samenxxx
Blühmischung Hessen (HALM), mehrjährigRieger-Hofmann GmbH / Wildsaaten GbRxx
Blühmischung MULTIRudloff Feldsaaten GmbHxxx
Brache mit Honigpflanzen, mit BuchweizenL. Stroetmann Saat GmbH & Co. KGxx
Brache mit Honigpflanzen, ohne BuchweizenL. Stroetmann Saat GmbH & Co. KGxx
Brandenburger BienenmixRudloff Feldsaaten GmbHxxxx
Brandenburger Bienenweide*Deutsche Saatgutveredelung AG / Feldsaaten Freudenbergerxxx
Bunte Biene MischungRudloff Feldsaaten GmbHxxx
Einjährige BlühmischungFeldsaaten Freudenberger GmbH & Co KG / Herrnmühle, Harald Feick OHGxx
Einjährige Blühstreifen und -flächen, Mischung für das hessische FörderverfahrenAppels Wilde Samen GmbHxxx
FarmajaFarmsaat AGxxxx
Goldene BieneRudloff Feldsaaten GmbHxx
Greening Nektar und PollenSaaten Zellerxxx
Hegering NiederwildL. Stroetmann Saat GmbH & Co. KGxxx
Hessen C.3.1 Blühstreifen, einjährigL. Stroetmann Saat GmbH & Co. KGxxx
Honigpflanzen für Brache (einjährig, ohne Kreuzblütler)Feldsaaten Freudenberger GmbH & Co KGx
Humusaktiv Kartoffel – Fit PlusL. Stroetmann Saat GmbH & Co. KGxx
Humusaktiv Raps/Getreide – Fit PlusL. Stroetmann Saat GmbH & Co. KGx
Insekten- und Wildtierlebensraum HessenFeldsaaten Freudenberger GmbH & Co KG / Saaten-Zeller GmbH & Co KGx
KWS Fit4next VielfaltKWS SAAT SE & Co. KGaAxxxx
mehrjährige Blühmischung Hessen Honigpflanzen/HALMRieger-Hofmann GmbH / Wildsaaten GbRxxxx
Nektar und DeckungDeutsche Saatgutveredelung AGxxx
RSG Blühstreifen NRW A einjährig ohne KreuzblütlerRaiffeisen Saatgut GmbHx
RSG Honigbrache einjährigRaiffeisen Saatgut GmbHxx
Sondermischung C.2 d mit Kruziferen ohne LeguminosenCamena Samenxxx
Sondermischung C.2 d ohne Kruziferen mit LeguminosenCamena Samenxx
Terra Gold 4 – BienenschmausFeldsaaten Freudenberger GmbH & Co KGxx
Veitshöchsheimer Bienenweide*Appels Wilde Samen GmbHxx
Veitshöchsheimer Bienenweide*Saaten Zellerx
Viterra BIENESaaten-Union GmbHxx
Viterra BIENE PLUSSaaten-Union GmbHx
Viterra® MULTIKULTISaaten-Union GmbHxxxx

Dauer der Maßnahme spielt auch eine Rolle

Weitere Unterschiede treten beispielsweise in der Verpflichtungsdauer auf. HALM-Maßnahmen erstrecken sich generell über eine Dauer von 5 Jahren, für die Honigbrachen bei den Direktzahlungen können einjährige Mischungen ausgebracht und als ÖVF im Antragsjahr anerkannt werden. Mehrjährige Mischungen können bis zu 3 Jahren als ÖVF anerkannt werden. Gemeinsamkeiten finden sich bei den Auflagen zur Düngung und zum Pflanzenschutz. Die Anwendungen von stickstoffhaltigen Düngemitteln oder chemischen Pflanzenschutzmitteln sind auf Honigbrachen sowie HALM-Blühflächen nicht zulässig. Die weiteren Vorgaben für Honigbrachen sowie HALM-Blühflächen sind in Tabelle 2 zur besseren Übersicht gegenübergestellt.

Tabelle 2: Gegenüberstellung der Anforderungen der Honigbrache mit den HALM-Blühflächen

VorgabenGreeningHALM
Honigbrache einjährigHonigbrache mehrjährigBlühfläche einjährigBlühfläche mehrjährigBienengerechte Zwischenfrucht
Rechtliche Grundlage§ 32a DirektZahlDurchfV§ 32a DirektZahlDurchfVHALM-Richtlinien C.3.1.HALM-Richtlinien C.3.2.HALM-Richtlinien C.2.
FlächeAckerland; min. 0,1 ha;
nach oben keine Größenbeschränkung
Ackerland; min. 0,1 ha;
nach oben keine Größenbeschränkung
Ackerland; Breite ≥5m; Fläche zwischen 0,1 – 1,0 ha; kein Natur- oder Wasserschutzgebiet in dem Düngemittel oder Pflanzenschutz verboten sindAckerland; Breite ≥5m; Fläche zwischen 0,1 – 1,0 ha; kein Natur- oder Wasserschutzgebiet in dem Düngemittel oder Pflanzenschutz verboten sindAckerland; kein Natur- oder Wasserschutzgebiet in dem Düngemittel oder Pflanzenschutz verboten sind
weitere Vorgabendurchführen einer Mindesttätigkeit bis zum 15. Nov (nicht vom 1. Jun – 30. Sep);
Vorbereitung und Aussaat einer Folgekultur zur Ernte im nächsten Jahr und Beweidung mit Schafen und Ziegen ab dem 01.Okt zulässig
Mindesttätigkeit im ersten Jahr durch Aussaat erfüllt, in den Folgejahren müssen jeweils Mindesttätigkeiten bis 15. Nov erbracht werden
(Cross Compliance-Zeiträume und -Auflagen beachten);
Vorbereitung und Aussaat einer Folgekultur zur Ernte im nächsten Jahr im letzten Standjahr der Honigbrache ab dem 01 Okt zulässig; Beweidung mit Schafen und Ziegen jährlich ab dem 01.Okt zulässig
höchstens 10 % der förderberechtigten Ackerkulturen, keine künstliche Schlagtrennunghöchstens 10 % der förderberechtigten Ackerkulturen, keine künstliche Schlagtrennunggezielte Aussaat;  bodendeckender Bestand 01. Okt bis 31. Jan; Maßnahmenkulisse nach Anlage 5 HALM-Richtlinien; Teilnahme an einer qualifizierten Beratung wenn in der Maßnahmen-kulisse „C2.a Zwischenfrüchte“
Mischungszusam-mensetzungmind. 10 Arten Gruppe A und ggf. Arten Gruppe B aus Anlage 5 zu § 32a DirektZahlDurchfVmind. 5 Arten Gruppe A sowie 15 Arten Gruppe B aus Anlage 5 zu § 32a DirektZahlDurchfVmind. 7 Arten aus Anlage 6a HALM-Richtlinien; keine Art >40%; Getreideanteil <40%mind. 20 Arten aus Anlage 6a sowie 6b HALM-Richtlinien; Anteil Wildpflanzen ≥30%; keine Art >20%; nur zertifiziertes Regionalsaatgut zugelassenmind. 4 Arten aus Anlage 6d HALM-Richtlinien; bis 3 Arten aus Anlage 6a; keine Art >50%
spätester Saattermin31. Mai31. Mai30. April bzw. 31. Mai mit Ausnahmegenehmigung durch Bewilligungsstelle30. April bzw. 31. Mai mit Ausnahmegenehmigung15. August
Mindestsaatstärke – –≥10kg / ha≥10kg / ha –
Pflegemaßnahmen – –Schröpfschnitt, Nachsaat, AbschlegelnSchröpfschnitt, Nachsaat, AbschlegelnMulchen vor Aussamen zulässig
Düngungneinneinja (kein mineralischer oder organischer Stickstoff)ja (kein mineralischer oder organischer Stickstoff)ja (Zustimmung zur Beprobung des Wirtschaftsdüngers sowie Bodenbeprobung)
Pflanzenschutzmittelneinneinneinneinnein (ab Maßnahmenbeginn bis nach Beseitigung der Zwischenfrucht)
Nutzung des Aufwuchsesneinneinneinneinja (wenn Bodendeckung von 01. Okt bis 31. Jan sichergestellt)
Wechsel der Fläche erlaubtjaneinjaneinja (anschließend Hauptkultur oder Brache)
Dokumentation in Schlagkarteijajajajaja
Nachweis für Kontrolleamtl. Saatgutetiketten und Rechnung oder Saatgutprobe bei eigener Mischungamtl. Saatgutetiketten und Rechnung oder Saatgutprobe bei eigener MischungEinkaufsbeleg oder Saatgutprobe bei eigener MischungEinkaufsbeleg oder Saatgutprobe bei eigener MischungEinkaufsbeleg oder Saatgutprobe bei eigener Mischung
AntragsverfahrenGemeinsamer Antrag des aktuellen JahresGemeinsamer Antrag des aktuellen JahresHALM-Zuwendungsantrag bis 01. Okt des VorjahresHALM-Zuwendungsantrag bis 01. Okt des VorjahresHALM-Zuwendungsantrag bis 01. Okt des Vorjahres
Verpflichtungszeitraum1 Jahr1 – max. 3 Jahre5 Jahre5 Jahre5 Jahre
Greening Gewichtungsfaktor1,51,5 – – –
Förderhöhe je Hektar und Jahr – –600,- € (Umbruch ab 15. Sep)600,- €150,- € (Maßnahmenkulisse C.2.a)
750,- € (Umbruch ab dem 31. Jan des Folgejahres)100,- € (Maßnahmenkulisse C.2.b)

Keine Doppelförderung beantragen!

Ein wichtiger Begriff, der im Kontext von ÖVF und Agrarumweltmaßnahmen immer wieder auftaucht, ist das Verbot der Doppelförderung. Im Falle der Blühflächen bedeutet dies, dass eine ÖVF-Honigbrache nicht gleichzeitig eine Agrarumweltmaßnahme sein kann, da daraus sonst eine doppelte Förderung der Fläche resultieren würde. Liegen ÖVF-Honigbrachen und HALM-Blühflächen unmittelbar nebeneinander, ist auf optische Abgrenzung zu achten, um Missverständnisse bei Kontrollen zu vermeiden. Dies kann zum Beispiel mit der Verwendung unterschiedlicher Saatmischungen geschehen. Es wird empfohlen, zur optischen Abgrenzung der Flächen nochmals Rücksprache mit der jeweils zuständigen Bewilligungsstelle zu halten. Bei den derzeit immer beliebter werdenden Blühflächenpatenschaften, muss darauf geachtet werden, keine Flächen zu verwenden, die ebenfalls mittels HALM gefördert werden – ansonsten würde auch hier der Tatbestand der Doppelförderung vorliegen.

Weitere Informationen zu den HALM-Maßnahmen finden sich auf der Seite des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz unter https://umwelt.hessen.de/agrarumweltprogramm.

Anforderungen an ein- und mehrjährige Honigbrachen sind im aktuellen Merkblatt zum Gemeinsamen Antrag zu finden.

 

Hinweis:
Alle Texte und Darstellungen auf dieser Seite wurden nach bestem Wissen erstellt. Es kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass nicht korrekte Angaben enthalten sind oder es zwischenzeitlich zu Änderungen der Förderungsvoraussetzungen kam. Daher erfolgen alle Ausführungen ohne Gewähr.

 


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