Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

ASP-Risiko: Mögliche Pflanzenbau-Ausfälle versichern?

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) steht kurz vor Sachsen. Zäune und „weiße Zone“ sollen das Virus ausbremsen. Mit welcher Risikosituation haben wir zu kämpfen und auf was müssen wir uns einstellen?

(Stand: 05.02.2020)

Die im November 2018 vom Bundestag entschiedene Änderung des Tiergesundheitsgesetzes hatte folgendes Ergebnis:
Die zuständigen Behörden können ein gefährdetes Gebiet mit bis zu 15 Kilometern Radius (30 km Durchmesser) errichten, wenn ein Wildschwein gefunden wird, bei dem die Afrikanische Schweinepest vermutet oder nachgewiesen wird (§ 14d Absatz 2 Satz 1 der SchwPestV). Außerdem wird eine sogenannte Pufferzone mit einem Radius von etwa 45 km um den Fundort oder Erlegungsort eingerichtet. Unklar ist, welche zeitlichen Umfänge bzw. weiteren Sperrbezirke die behördlichen Maßnahmen umfassen werden.
Des Weiteren können von den zuständigen Kreisbehörden Nutzungsverbote und ~Einschränkungen für landwirtschaftlich genutzte Flächen gem. § 6 Abs. 1 Nr. 28b des TierGesG ausgesprochen werden, die z.T. auch über längere Zeit wirksam bleiben.

Primärziel der Seuchenbekämpfung: potenziell infizierte Wildschweine am Verlassen ihres Lebensraums zu hindern!

 Die Einrichtung von Sperrbezirken mit nachfolgenden Einschränkungen für die landw. Bewirtschaftung basiert auf folgenden rechtlichen Grundlagen:

  • Tiergesundheitsgesetz (TierGesG) vom 21.11.2018 (BGBL. I S.1938)
  • Schweinepest-Verordnung (SchwPestV) vom 16.12.2018 (BGBL. I S.2589)
  • Bundesjagdgesetz (BJagdG) vom 21.11.2018 (BGBL. I S.1850)

Die konkreten behördlichen Maßnahmen bei ASP-Ausbruch sind:

  • Anordnung von Jagdruhe
  • Betretungsverbote
  • Umzäunungen von betroffenen Gebieten
  • Intensivierung der Bejagung im Umfeld, Einrichtung von Jagdschneisen
  • Bearbeitungs- und Ernteverbote (ggfs. Transportverbote)

Hierbei können die Verbote und Nutzungseinschränkungen im Sperrbezirk für landwirtschaftliche Betriebe zu wirtschaftlichen Nachteilen bis hin zur Existenzbedrohung bedeuten, je nachdem, wie lange die Sperrzeit und Verbote anhalten.

Im Detail kann dies bedeuten:

  • Ernteausfall oder Wertminderung der Ernte (durch verspätete Ernte)
  • erforderliche Fruchtfolgeanpassung (z. B. Sommerung statt Winterung)
  • Ertragseinbußen durch fehlende Dünge- und Pflanzenschutzmaßnahmen
  • Mehrkosten bei Folge- bzw. Alternativkulturen
  • Probleme bei Erfüllen von vereinbarten Lieferkontrakten, Erlöseinbußen
  • Mehrkosten für die Ersatzbeschaffung von Futtergetreide, Grassilage, Mais als Futter oder Biogas-Substrat

Weitere Erläuterungen zu notwendigen Sperrbezirken (Kernzone, gefährdetes Gebiet und Pufferzone):

Es gibt weder für das gefährdete Gebiet noch für die Pufferzone einen gesetzlich vorgegebenen Mindestradius. Durch die länderspezifische Sachverständigengruppe wird jedoch aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse ein Radius von 15 km für jede der beiden Zonen rund um die Abschuss- oder Fundstelle empfohlen. Die Festlegung der Restriktionszonen obliegt der zuständigen Veterinärbehörde. Innerhalb des gefährdeten Gebiets besteht die Möglichkeit, ein sogenanntes Kerngebiet festzulegen:

„Die zuständige Behörde kann einen Teil des gefährdeten Gebietes als Kerngebiet festlegen, eine gesetzliche Verpflichtung hierzu besteht nicht. Ebenso ist für das Kerngebiet kein Mindestradius vorgegeben. Die Überlegungen zur Festlegung eines solchen zusätzlichen Gebietes sollten insbes. folgende Punkte berücksichtigen:

  • die räumliche Ausbreitung des Seuchengeschehens,
  • die Abgrenzbarkeit von Schwarzwildvorkommen durch bestehende oder künstlich zu errichtende Barrieren (z. B. Zaun),
  • Kriterien, die dafürsprechen, dass das Schwarzwild im Kerngebiet verbleibt (z. B. Nahrungshabitat oder Winterhabitat in abgegrenzten Waldgebieten),
  • Möglichkeiten das Schwarzwild in diesem Gebiet zu halten (z. B. durch Ernteverbote, Transportverbote usw.).

Das Gebiet sollte klein genug sein, um besondere Maßnahmen wie z.B. den Abschuss des hier vorkommenden Schwarzwildes wirksam durchführen zu können. In Anlehnung an das in Tschechien mit einer Größe von etwa 50 km2 eingerichtete Kerngebiet werden 4 km als Orientierungs-Radius empfohlen.“

(Quelle: Handbuch der niedersächsischen „Task-Force Veterinärwesen“ (Dez. 2019))

Ist eine Versicherung (ASP-Pflanzenbaudeckung) sinnvoll?

Sollte man angebaute Kulturen im Marktfruchtbau (inkl. Sonderkulturen) als ASP-Pflanzenbaudeckung hinsichtlich eines möglichen Ernteverbotes für eine zu wählende Haftungsdauer versichern?

Eine versicherungstechnische Absicherung bietet folgenden Versicherungsschutz (ASP-Pflanzenbau-Deckung):

  • Versichert ist der Ertragsschaden im Pflanzenbau infolge von Verminderung der Ernteerträge sowie
    Unterbrechung oder Ausfall des Produktionsverfahrens, soweit der Schaden durch die anzeigepflichtige
    Tierseuche Afrikanische Schweinepest gemäß der Verordnung über anzeigepflichtige Tierseuchen verursacht wird.
  • Schadenregulierung: Individuelle Schadenregulierung mit Besichtigung
  • Der tatsächliche betriebswirtschaftliche Schaden wird über den gesamten Sperrzeitraum entschädigt.
    Der Haftungszeitraum kann wahlweise auf 12, 18 oder 24 Monate festgelegt werden.
  • Von der Entschädigung werden evtl. bestehende Länderentschädigungen abgezogen.
  • Jeder Betrieb sollte gründlich prüfen, ob er eine Pflanzenbau-Deckung benötigt (und in welchem Umfang).
  • Insbesondere landwirtschaftliche Betriebe (mit oder ohne Tierhaltung) mit geringer Liquidität und/oder hoher Fremdkapitalbelastung sollten über den Abschluss einer solchen ASP-Ernteversicherung nachdenken.

Länderentschädigungen sind zwar vorgesehen, die genauen Regelungen und Anrechnungen stehen aber noch nicht fest.

Einige Versicherer haben reagiert und entsprechende Angebote für eine solche „Ernteversicherung“ gemacht. Die Höhe der abzusichernden Marktleistung (Menge x Preis gewichtet über die Fruchtfolge je ha) liegt je nach Betrieb und Wirtschaftsregion etwa zwischen 1.000 und 2.000 €/ha. Die Haftzeit variiert zwischen 12, 18 und 24 Monaten. Die Versicherungskosten je ha können durch eine Selbstbeteiligung mit 20 % deutlich verringert werden; hierbei ist auch zu berücksichtigen, dass eine Versicherung nur den tatsächlichen Schaden über die gewählte Dauer der Haftzeit zahlt, der unter Anrechnung von evtl. Ausgleichszahlungen der EU-Direktzahlung eingetreten ist. Besser ist eine „Ernteversicherung“ ohne Selbstbeteiligung! Rabatte werden durch die Wahl der Laufzeit und evtl. Bündelungen (mit weiteren Verträgen bei dem Versicherer) gewährt.

Fazit

Risikovorsorge: Vergleichen Sie die Angebote gegen die ASP betriebsindividuell und schätzen Sie für sich und Ihre Region das Risiko für einen ASP-Ausbruch unter Beachtung der Versicherungskosten (ca. 2,50 € – 6,00 €/ha) und dem zu erwartenden Schaden ab.

Man kann davon ausgehen, dass die Versicherungsbeiträge steigen und/oder der Versicherungsabschluss deutlich erschwert wird, sobald die Afrikanische Schweinepest auf deutschem Territorium ausgebrochen ist.


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