Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Erwerbskombinationen

Fachkräftemangel in der bäuerlichen Gastronomie – erfolgreich und langfristig Personal gewinnen

Bereits vor der Pandemie fiel es nicht nur landwirtschaftlichen Gastronomen schwer, Fachkräfte zu finden und zu halten. Mit den Lockdowns, den anhaltenden Kontaktbeschränkungen und der beständigen Kurzarbeit kündigten viele ihre Jobs und suchten sich Arbeit in sichereren Branchen. Waren im Januar 2021 noch 1.109.000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte im deutschen Gastgewerbe gemeldet, lag diese Zahl ein halbes Jahr später bei nur noch 996.300 (Quelle: Statista). Nun stehen nicht nur landwirtschaftliche Hofcafés, Hofrestaurants, Eiscafés oder Besenwirtschaften vor dem Problem, neue fachlich ausgebildete Mitarbeiter zu finden und diese in den Betrieb einzuarbeiten. Wir möchten Anregungen geben, wie Sie sich in der bäuerlichen Gastronomie auf dem Jobmarkt durchsetzen und Fachpersonal für sich gewinnen können.

Wo tummeln sich potenzielle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen?

Zwar werden vor allem in der Landwirtschaft viele Stellen unter der Hand vergeben, aber nicht immer kann auf Stellenanzeigen verzichtet werden. Zuerst sollten Sie für sich festhalten, welche Fachkräfte Sie genau suchen: Qualifikationen, Alter, Ausbildung, Vorkenntnisse, zu übernehmende Aufgaben, zeitlicher Umfang etc.

Überlegen Sie anschließend, WO genau sich diese potenziellen Beschäftigten für Ihre landwirtschaftliche Gastronomie nach Jobs umschauen und wie Sie diese erreichen können.

Manchmal können neue Arbeitskräfte über Aufrufe in den sozialen Medien geworben werden, d.h., erstellen Sie zum Beispiel einige Posts für Ihre betriebliche Facebook-Seite oder ihr betriebliches Instagram-Profil. Sie werden staunen, welche Potenziale sich unter Ihren Followern befinden. Positiv dabei ist, dass diese Bewerber und Bewerberinnen Sie und Ihren Betrieb bereits ein bisschen kennen.

Wenn Sie der Meinung sind, dass Ihre potenziellen Beschäftigten über klassische Stellenanzeigen in Fachzeitschriften zu finden sind, gestalten Sie außergewöhnliche und auffallende Stellenanzeigen. Stellen Sie den Job aus Sicht eines Mitarbeiters vor, stellen Sie Ihr Team mit Bild und Eigenschaften vor und sparen Sie nicht an Informationen über Ihren Betrieb. Beachten Sie dabei, dass längere Texte seltener gelesen werden, als Anzeigen mit bildlichen Darstellungen und Betriebsfotos. Oder stellen Sie kontroverse Fragen in die Anzeige, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Durchsuchen Sie das Internet nach Tipps zu auffallenden Stellenanzeigen – Sie werden reichlich Informationen und Beispiele finden.

Oftmals haben auch Universitäten und Fachschulen ein Forum in den sozialen Medien, über welche Stellenanzeigen gepostet werden können. Manche Bildungseinrichtungen verfügen sogar über ein öffentliches Stellenportal auf ihrer Website.

Daneben gibt es auch die klassischen Jobportale, wie zum Beispiel Jobscout24.de oder stellenanzeigen.de. Dort werden jedoch Jobs aus allen möglichen Branchen angeboten und gesucht; eine individuelle Stellenanzeige ist oft nicht möglich und geht nicht selten unter allen anderen Gesuchen „unter“.

Weiterhin gibt es Plattformen wie LinkedIn und XING. Diese sind ausgelegt, um Geschäftskontakte zu pflegen und betriebliche Netzwerke aufzubauen. Dafür müssen Sie sich ein Profil anlegen und Geduld mitbringen, bis Sie die richtigen Kontakte für Ihren Bereich geknüpft haben.

Sind die ersten Bewerbungen eingegangen, empfiehlt es sich, dass Sie sich vor den ersten Gesprächen mit der gesamten Familie und allen Angestellten zusammensetzen und überlegen, welche Fragen Sie stellen möchten (Was wollen Sie wissen?), wie der Kandidat bzw. die Kandidatin im Optimalfall darauf reagieren sollte und welche Fragen er oder sie von sich aus stellen sollte. Lockern Sie vor dem ersten Bewerbungsgespräch mit einem Hofrundgang und einem Kaffee die Stimmung auf, bevor es „ans Eingemachte“ geht.

Zukünftige Arbeitskräfte locken

Im Dschungel der Jobangebote kann man als kleines Familienunternehmen schnell untergehen. Überlegen Sie sich, wo die Vorteile Ihres Betriebes liegen und wie sie damit für zukünftige Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen attraktiv sein könnten. Welches ist Ihr Alleinstellungsmerkmal im Vergleich zu anderen landwirtschaftlichen Hofcafés oder Hofrestaurants? Heben Sie dieses in der Stellenanzeige hervor. Überlegen Sie sich, mit welchen Mehrwerten Sie Ihre zukünftigen Angestellten locken können. Das müssen nicht immer hohe Gehälter, ein Geschäftshandy oder vom Betrieb getragene Vorsorgemaßnahmen sein. Viele Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen legen Wert auf ein familiäres Umfeld, auf eine kleine Team-Größe und flache Hierarchien. Daneben können alle Arbeitgeber ab diesem Jahr Sachzuwendungen wie z.B. Einkäufe im eigenen Hofladen oder Tankgutscheine steuerfrei und sozialversicherungsfrei bis 50 Euro pro Monat anbieten. Auch Mitarbeiterrabatte bei Konsum im Café oder Einkauf im Hofladen schaffen Anreize.

Gerade jüngere Menschen sind mit modern ausgestatteten Arbeitsplätzen, welche Arbeitserleichterungen durch z.B. digitale Hilfsmittel schaffen, zu begeistern. Während vielerorts z.B. Bestellungen noch per Stift und Zettel aufgenommen werden, nehmen jüngere Generationen z.B. Apps zur Bestellaufnahme auf dem Handy oder Tablet gerne an. Je nach Betriebsgröße kann auch ein Online-Reservierungstool statt telefonischer Reservierungen Anreize schaffen. Wichtig ist, dass Sie diese Vorteile in Ihrer Stellenanzeige kommunizieren. Neben Anreizen für Ihre Angestellten schaffen digitale Tools u.U. auch Arbeitserleichterungen für Sie selbst. So können zum Beispiel der Dokumentations- und Organisationsaufwand verringert und Fehlerpotentiale ggf. minimiert werden.

Angestellte halten

Sobald Sie gute und zum Betrieb passende Arbeitskräfte gefunden haben, ist es wichtig, diese zu halten. Arbeiten Sie Ihre Angestellten gut in den gesamten Betrieb ein – jeder bzw. jede sollte wissen, wie Milch produziert und Getreide angebaut wird. Das ist authentisch und Ihre Beschäftigten arbeiten vor Gästen selbstsicherer und überzeugender. Nicht zuletzt sollten Ihre Beschäftigten Ihre Produkte selbst gerne konsumieren – eine Kürbissuppe verkauft und kocht sich nun mal am besten, wenn man selbst schon einige Suppen gekocht oder gerne gegessen hat.

Darüber hinaus sollten Sie sich die Zeit nehmen, die Beziehungen zu Ihren Angestellten zu pflegen. Neben Team-Ausflügen oder Team-Building-Maßnahmen zum Stärken des Teamgeistes reichen oft auch ehrliche 5-Minuten-Gespräche bei einer Tasse Kaffee aus, bei welchen auch mal über Privates gesprochen werden kann.

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei der Suche nach geeigneten Fachkräften!

Quelle: https://www.haufe.de/personal/entgelt/gutscheine/so-bleiben-gutscheine-abgabenfrei_78_188804.html, aufgerufen am 18.01.22


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