Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Erwerbskombinationen

Ideen und Impulse für Urlaub auf dem Bauernhof – Nachlese zur Exkursion

Nördlicher als Kassel? Die südliche Lüneburger Heide war das diesjährige Ziel der dreitägigen Exkursion für hessische Anbieter von Urlaub auf dem Bauernhof und Bäuerlicher Gastronomie.
Vom 19. bis 21. März 2019 fuhren 33 interessierte Hessinnen und Hessen gemeinsam vom äußersten Süden Hessens bis zum äußersten Norden Hessens nach Niedersachsen in die südliche Lüneburger Heide, um neue Ideen zu sammeln. Rund um Celle standen interessante Exkursionsbetriebe auf dem Plan.

Urlaub mit und ohne Pferde für Jung und Alt

Häuser im nordischen Stil - Frau und Herr Becker vom Mitteltalhof in Kaufungen erzählen ihre Geschichte
Die erste Station war noch innerhalb Hessens: der Mitteltalhof in Kaufungen. Dort stehen seit 1968 Islandpferde. Seit 2010 entstanden nach und nach 10 Ferienhäuser in nordischer Holzrahmenbauweise für je 2 bis 6 Personen. Neben Reitunterricht auf den Islandpferden werden auch verschiedene Seminare angeboten – zum Beispiel die Familienfreizeit „Walk&Ride“ mit dem Thema: „Wandern, Reiten, Abenteuer als Familie erleben“. Die Ferienhäuser sind bewusst ohne Internet oder TV ausgestattet, um die Natur und Stille zu genießen und werden an Familien oder Gruppen mit und ohne Kinder vermietet. Für Tagungen gibt es einen separaten Raum mit Internetanschluss. Auf dem Mitteltalhof kann der Gast vom Alltag abschalten.

Streusel- und Butterkuchen aus dem Holzbackofen – ein wahrer Genuss!

Frisch gebackener Kuchen aus dem Holzofen - eine Spezialität des Gästehofes Henneicke, Wedemark
Nach einer Stärkung ging es weiter gen Norden nach Wedemark zum Gästehof Henneicke. Der über 100 Jahre alte Hof im Backstein-Fachwerk-Stil bietet seinen Gästen neben dem Bauernhof-Feeling auch Pferde und Backevents mit und aus dem Holzbackofen. Hier bekam die Gruppe eine Kostprobe: Wir wurden mit frischem Streusel- und Butterkuchen sowie Kaffee sehr gut verköstigt. Außerdem werden Ackerbau und Schweinemast betrieben. Um die Gäste und Interessenten zu binden, werden verschiedene Aktionen wie Hoffeste veranstaltet oder ein Maislabyrinth angelegt. Familie Henneicke engagiert sich außerdem in der AG Urlaub & Freizeit auf dem Lande e.V. Alle 2 Jahre richten die Betriebe der AG gemeinsam mit lokalen Partnern ein großes Kochfest aus. Auf dem Gästehof Henneicke soll den Gästen vor allem der Landwirt als Mensch und Erzeuger nähergebracht werden.

Urlaub mit Familie – aus Leidenschaft und mit viel Detail

Die Cabins aus Holz beim Landhaus Averbeck, 3-Zimmer, lichtdurchflutet mit Blick auf die Wiese
Zu Beginn des zweiten Tages ging es zum Landhaus Averbeck, ein Familotel in Bergen. Familie Pennington hatte Mitte der 1990er Jahre den Hof von Frau Averbeck-Penningtons Eltern übernommen. Sie und ihr Ehemann kommen beide aus der Hotellerie und wollten aus den bereits vorhandenen Pensionszimmern etwas ganz Besonderes machen. Begonnen hat alles mit einem Indoor-Spielplatz, der „Landlümmels“ Spielscheune, mit Bistro. Diese wurde sehr gut angenommen, vor allem auch von externen Familien. Nach und nach wurden die verschiedenen Gebäude, viel in Eigenleistung, (um-)gebaut und liebevoll eingerichtet. Die Einrichtung der Zimmer ist hell und freundlich. Heute können bis zu 120 Gäste im Familotel Platz finden und sich Tag für Tag erholen. Der starke Marketing-Partner der Familie Averbeck-Pennington ist die Gruppe Familotel. Familotels haben sich speziell den Bedürfnissen von Familien angepasst und stellen konkrete Anforderungen an die Partner. Ein Beispiel: In jedem Hotel müssen mind. 35 Std. / Woche Kinderbetreuung angeboten werden. Die meisten Hotels bieten All inklusive, wie auch das Landhaus Averbeck, und weitere Wohlgenüsse für Gaumen und Körper.

Vielfältiges Modell – die Albrecht-Thaer-Schule hat was zu bieten

Der KräuThaer Laden der Albrecht-Thaer-Schule in Celle mit selbstgemachten Tees, Fruchtaufstrichen uvm
Nächster Halt war die Albrecht-Thaer-Schule in Celle. Im Café KräuThaer erhielt die Gruppe einen kleinen Imbiss und konnte den KräuThaer Laden besuchen. Die Albrecht-Thaer-Schule ist eine berufsbildende Schule mit den Berufsfeldern Agrarwirtschaft, Ernährung, Hauswirtschaft, Gesundheit, Körperpflege, Pflege und Ergotherapie und Sozialpädagogik, an der sehr viele Projekte praktisch erarbeitet werden. Das Café KräuThaer ist eines dieser Projekte. Es ist von März bis November jeweils von Mittwoch bis Sonntag geöffnet und wird von den Schülerinnen und Schülern der Fachschule für Hauswirtschaft geführt. Die dort verkauften Kuchen, Torten und Speisen werden selbst hergestellt. Die im Unterricht produzierten Öle, Tees, Konfitüren usw. werden im daran anschließenden KräuThaer Laden verkauft. Im Heilpflanzengarten konnten die 300 Heilpflanzen beim Winterschlaf begutachtet werden.
Die Schülerinnen und Schüler können nach ihrem erfolgreichen Abschluss an der Albrecht Thaer Schule als hauswirtschaftliche Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter in den verschiedensten Bereichen arbeiten.

Ein bunter Strauß an Ideen

Oft bieten sich für ausgediente Möbel kreative Umnutzungsmöglichkeiten
Darauf folgte der Betrieb von Familie Knoop, ein aktiver Bauernhof mit 7 Ferienwohnungen und verschiedenen Angeboten wie Kneipp Bädern, Sauna-Landschaft und großem Spielplatz. In den großzügigen Unterkünften fühlen sich alle Gäste wohl. Der Hof bietet außerdem auch drei rollstuhlgerechte Ferienwohnungen und verschiedene Angebote von Kälberfüttern bis Kochen mit Kindern für Schulklassen und Kindergartengruppen an. Die Familie hat mit viel Detail alte Möbel in Sitzecken und „Bett-Schrank“ umfunktioniert. Auf dem Hof gibt es außerdem einen Milch- und einen Warenautomaten mit Eiern aus dem mobilen Hühnerstall und verschiedensten regionalen Produkten. Die Öffentlichkeitsarbeit steht auch hier im Vordergrund. Durch die verschiedenen Angebote werden Kunden und Gäste gewonnen.

Der Landwirtschaft auf der Spur – Albrecht Daniel Thaer in Celle

Am Nachmittag wurde die Gruppe zum Thema Albrecht Daniel Thaer durch die Stadt Celle geführt. Thaer (1752-1828) wurde in Celle geboren und gilt als Begründer der modernen Landwirtschaft. Er verbrachte viele Jahre seines Lebens dort. Eines seiner Werke die „Grundsätze der rationellen Landwirthschaft“ gelten als das Hauptwerk der Agrarwissenschaften. In Celle kann man das Geburtshaus sowie die ehemalige Lateinschule besichtigen. Außerdem steht hier die 1786 gegründete landwirtschaftliche Versuchsanstalt in den Allerwiesen. Nach einem weiteren ausgedehnten Bummel durch die Innenstadt von Celle wurde der Tag bei einem gemütlichen Essen beendet.

Viel Platz für Erholung, Spiel und Spaß

Am letzten Exkursionstag ging es nach Walsrode: Auf dem Gut Grasbeck findet sich für jeden Geschmack etwas. Das Gut ist über 1.000 Jahre alt und seit 1973 als Ferienhof aktiv. Hauptsächlich werden im landwirtschaftlichen Betrieb Getreide und Kartoffeln angebaut, weiterhin sind noch Forst- und Grünlandflächen vorhanden. Das Gut kann bis zu 170 Gäste beherbergen. Die 19 Ferienwohnungen sind zwischen 65 m² und 300 m² groß, teilweise mit einer Terrasse von 120m2, und bieten Platz für bis zu 16 Personen. Das Angebot wird sehr gut angenommen, z.B. auch für Familientreffen und Gruppenfahrten. Direkt bei den Häusern findet sich ein Dammwild-Gehege und unweit davon lädt der See zum Angeln und Verweilen ein. Bei Bedarf können Wildwürste oder Wild-Grillfleisch direkt von Familie Rüdel gekauft werden. Kartoffeln gibt es über die Dauer des Aufenthalts kostenfrei. Die Wohnungen sind reich an kleinen Elementen, liebevoll und klar ausgestaltet.

Moosbeeren? Noch nie gehört!?

Frau Dierking erklärt auf dem Cranberry-Feld, wie die Beeren wachsen
Seit circa 20 Jahren werden in der Lüneburger Heide auf dem Betrieb von Familie Dierking in Gilten bei Walsrode Moosbeeren produziert – dieser war das nächste Exkursionsziel. Moosbeeren sind aus Nord-Amerika nach Europa gekommen und sind auch unter dem Namen Cranberries bekannt. Sie haben nachgewiesene Arzneiwirkung in verschiedenen Bereichen des menschlichen Körpers. Cranberries wachsen auf saurem Boden und haben eine lange Reifezeit. Familie Dierking hat einige Jahre gebraucht, aber nach verschiedenen Sortenversuchen und der richtigen Auswahl der Erntemaschine werden nun erfolgreich in Niedersachen deutsche Cranberries produziert. Diese werden an den Lebensmitteleinzelhandel verkauft oder im eigenen Hofladen mit Schauküche, der Moosbeerhütte, als Fruchtaufstrich, Gelée, Soße, Destillat oder ähnlichem verarbeitet und verkauft. Auch der Online-Shop ist ein wichtiger Vermarktungsweg. Außerdem werden Wohnmobil-Stellplätze und seit neuestem auch Ferienwohnungen für Gäste bereitgestellt.

Feinste Kuchen und Torten in schönem Ambiente

Auch das Hofcafé Landleben in Norddrebber verwöhnt seine Gäste mit selbstgemachten Kuchen und Torten
Letzte Station war das Hofcafé Landleben in Norddrebber. Hier werden selbstgemachte Kuchen und Torten sowie Kaffeespezialitäten im ehemaligem Kuhstall angeboten. In dem 2013 umgebauten und renovierten Gebäude finden 70 Personen Platz, 80 Personen können zusätzlich im Hof auf der Terrasse die feinen Speisen genießen. Am Wochenende kann man hier auch sehr gut, nach Anmeldung, frühstücken. Das Hofcafé ist sehr stilvoll eingerichtet und bietet für jedermann Auge und Gaumen das gewisse Etwas.

Fazit

Die Besuche auf den verschiedene Betrieben haben viele Eindrücke hinterlassen und gezeigt, dass Routine, Professionalität und Herzblut für eine erfolgreiche Angebotsgestaltung unerlässlich sind. Die Teilnehmenden konnten sich zudem während der 3 Tage intensiv miteinander austauschen und neue Netzwerke knüpfen.

Wir freuen uns schon auf die nächste gemeinsame Exkursion in 2020!


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