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Ernte 2021: Preistendenzen und Aussichten

In den Frühdruschgebieten hat die Wintergerstenernte bereits begonnen. Alles in allem wird mit einer größeren Ernte gerechnet als in 2020. Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit.

Die Getreide- und Rapsbestände haben sich nach Einschätzung des Deutschen Raiffeisenverbands (DRV) in den vergangenen Wochen weiterhin gut entwickelt und ihren Vegetationsrückstand teilweise wieder aufgeholt. In den Frühdruschgebieten Deutschlands hat die Wintergerstenernte bereits begonnen. Insgesamt geht der Verband von einem guten Ertragspotenzial aus und taxiert die deutsche Getreideernte auf 44,2 Mio. t (+ 1 Mio. t bzw. 2%). Die Rapsernte sieht der DRV bei etwa 3,7 Mio. t und damit ca. 4,5% höher als in 2020.

Große Ernten drücken Preise

Auch global betrachtet dürften die Ernten in dieser Saison deutlich höher ausfallen als in der vergangenen Kampagne. „Bei Weizen zeichnet sich sogar eine Rekordernte ab, bedingt vor allem durch steigende Erntemengen in Russland, der Ukraine und der EU“, so Dieter Schumacher von der Agri-Consult GmbH Seevetal. Geschätzte 794 Mio. t Weizen könnten die Farmer rund um den Globus von den Feldern holen. Das wäre die größte Weizenernte seit den Aufzeichnungen. Entsprechend zurückhaltend disponieren die Landhändler und Verarbeiter im Zukauf. Warum jetzt noch hohe Preise anlegen, wenn der Rohstoff in den nächsten Wochen deutlich günstiger zu haben ist? Tatsächlich spiegeln die Preise der neuen Ernte diese Erwartungen auch bereits wieder, denn die Differenz zwischen alter und neuer Ernte ist in dieser Saison mit 30 bis 40 Euro/t ungewöhnlich hoch. Wie dem APH-Preisspiegel für Hessen vom 06.07.2021 zu entnehmen ist, wird für einen Brotweizen der neuen Ernte aktuell max. 185 Euro/t, für die Futtergerste max. 170 Euro/t gezahlt (frei Erfasser). Einzig der Raps kann sich auf einem sehr hohen Niveau von derzeit 490 Euro/t behaupten.

Nicht zu Panikverkäufen verleiten lassen

Ein gewisser Preisdruck ist in den kommenden Wochen also abzusehen. Doch man sollte deshalb nicht in Panik geraten und seine Ernte vorschnell „verschleudern“. Alle Prognosen deuten derzeit nämlich darauf hin, dass der globale Getreideverbrauch in 2021/22 Höchststände erreichen wird und die Preise spätestens im Dezember wieder anziehen. „Restmengen einlagern und abwarten“ könnte in diesem Fall eine gute Handlungsstrategie sein. Im Sinne einer Risikominimierung sollten zudem jetzt auch schon Preise für 2022 festgemacht werden.

Tabelle 1: APH-Preisspiegel Getreide & Ölsaaten

Preise frei Erfasser in EUR/t
Produkt min max ø
Quelle: Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen, Stand 07.07.2021
A-Weizen 178,00 188,00 181,33
B-Weizen 175,00 185,00 182,00
Mahl-/Brotroggen 140,00 145,00 142,33
Roggen a. V. 141,00 145,00 143,00
Qualitäts-Braugerste 190,00 193,00 191,00
Futtergerste 158,00 170,00 165,20
Futterweizen 173,00 175,00 174,38
Qualitätshafer 150,00 150,00 150,00
Futterhafer 140,00 148,00 144,00
Triticale 158,00 165,00 162,33
Raps 485,00 490,00 488,00