Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Marktinformation & Preise

Milchmarkt: Nach der Krise ist vor der Krise

Mit dem Wegfall der Milchquote und den mangelnden Exportmöglichkeiten nach Russland und China ist der Milchmarkt 2014 aus dem Gleichgewicht geraten.
Zwar ist die Nachfrage nach Milchprodukten währenddessen weiter gestiegen, jedoch mit einer geringeren Rate als das globale Milchaufkommen. In der Folge wurden hohe Lagerbestände aufgebaut und die Preisforderungen sukzessive zurückgenommen. Im Monat Mai 2016 erreichten die Auszahlungspreise einiger Molkereien bereits historische Tiefstände von unter 20 Cent/kg. Wer hätte gedacht, dass der Markt kurze Zeit später wieder in die andere Richtung dreht? Mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung war plötzlich auch in der EU ein deutlich reduziertes Milchaufkommen zu beobachten. Gleichzeitig wurden am Weltmarkt mit dem steigenden Ölpreis wieder wesentlich mehr Milchprodukte nachgefragt.

Zunächst stiegen die Preise am Spotmarkt und an den Produktenmärkten, schließlich führte die Transmission auch auf Erzeugerebene zu höheren Auszahlungspreisen. Einige Molkereien, darunter DMK, Hochwald und Friesland Campina, zahlen ihren Mitgliedern bereits wieder Milchpreise von über 30 Cent/kg. Eine makroökonomische Betrachtung der Ereignisse zeigt, dass dem Milchmarkt keineswegs Marktversagen attestiert werden darf, sondern der Preismechanismus offenbar funktioniert. Ein chinesisches Sprichwort sagt „In jeder Krise ergibt sich für dich auch eine Chance“. Es stellt sich also die Frage, welche Lehren wir aus der letzten Milchpreiskrise ziehen, um die nächste Krise besser bewältigen zu können.

Unstrittig ist, dass Niedrigpreisphasen wie in den Jahren 2009 und 2015 am Milchmarkt auch in Zukunft wieder auftreten werden. Wie wir heute wissen, war die Annahme, der Milchpreis würde schon nicht unter die Marke von 30 Cent/kg fallen, eine fatale Fehleinschätzung. Wie wir heute weiterhin wissen, hängt der Milchpreis in Deutschland laut dem ife bereits zu 80% von den Bewegungen am Weltmarkt ab. Vor diesem Hintergrund ist es dringend geboten, dass sich die Branche durch eine marktgerechte Gestaltung der Lieferbeziehungen besser an diese Marktdynamiken anpasst. Hier haben die Molkereien in Deutschland noch erheblichen Nachholbedarf. Während in Irland und Neuseeland bereits seit Jahren Festpreissysteme zur Anwendung kommen, wird über das Thema in Deutschland noch diskutiert. Momentan tragen die Milchbauern hierzulande das Preisrisiko mehr oder weniger alleine.


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