Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Marktinformation & Preise

Mit Bio besser durch die Krise?

Erste Auswertungen zeigen, dass die Ausgaben privater Haushalte in Deutschland für Bio-Lebensmittel während des Lockdowns stärker gestiegen sind als der Gesamtmarkt. Gesundheitliche, umweltbezogene und ethische Motive könnten hier eine Rolle spielen.

Bio-Lebensmittel sind längst kein Nischenprodukt mehr für gutsituierte SUV-Fahrer, so das Ergebnis einer Studie der Universität Hohenheim. Mittels einer Befragung von 511 zufällig ausgewählten Probanden konnten die Forscher zeigen, dass Bio raus ist aus der Nische und inzwischen Käufer aus allen sozialen Schichten anzieht.1 Dabei hat der kleine Bioladen von nebenan jedoch starke Konkurrenz bekommen: „Die Kunden kaufen heute überall, im Supermarkt und Discounter, in Bio-Supermärkten, Bioläden und Wochenmärkten“, so Prof. Dr. Vogelgesang. In weiteren Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass der Verzehr von Bio-Lebensmitteln bei Kindern in Deutschland kontinuierlich steigt. Eine kürzlich im Journal of Health Monitoring erschienene Studie des Robert Koch Instituts2 lässt darauf schließen, dass etwa 63 % der Jungen und Mädchen im Alter von sechs bis elf Jahren regelmäßig Bio-Lebensmittel verzehren. „Der hohe Anteil von Kindern, die Bio-Lebensmittel verzehren, lässt vermuten, dass gesundheitliche, umweltbezogene und ethische Motive bei der Lebensmittelauswahl für Familien mit Kindern von Bedeutung sind“, so die Wissenschaftler. Offenbar treffen Bio-Lebensmittel bei den Verbrauchern einen Nerv, da sie häufig mit Regionalität, Tierwohl, Gesundheit und Nachhaltigkeit konnotiert werden. Kriterien, die bei der Konsumentscheidung neben dem Preis als Aktionsparameter eine immer größere Rolle spielen. Dies bestätigte sich auch während des Lockdowns in der Corona-Krise. Zwar liegen belastbare Studienergebnisse dazu bislang nicht vor, doch sind die Befunde der Marktberichterstattung eindeutig: Bio hat in den vergangenen Monaten einen regelrechten Nachfrageboom erfahren.

Rohstoffknappheit bei Dinkel und Hafer

Hamsterkäufe führten zu Beginn der Corona-Pandemie dazu, dass die Konsumnachfrage nach Getreideprodukten geradezu explodierte. Davon profitierte der Bio-Getreidemarkt offenbar ganz erheblich. Zeitweise waren die Verarbeitungsmengen in den Monaten März und April so hoch, dass sich bei Dinkel und Hafer bereits eine Rohstoffknappheit andeutete. Wie Branchenkenner berichten, war aber nicht nur die mangelnde Rohstoffverfügbarkeit der begrenzende Faktor. Auch fehlendes Verpackungsmaterial durch Störungen in den Lieferketten führte zu temporären Stopps in der Produktion. Inzwischen scheint sich die Marktsituation aber wieder weitgehend normalisiert zu haben. Gleichwohl liegen die Verarbeitungsmengen im mehrjährigen Vergleich aber immer noch deutlich über der Vorjahreslinie. Abschließende Zahlen für den Monat Mai liegen allerdings noch nicht vor. In ähnlicher Weise wie am konventionellen Getreidemarkt decken die Mühlen bis zum Anschluss an die neue Ernte zumeist nur noch Bedarfsspitzen. Dabei kommt auch immer wieder Importware aus anderen EU-Ländern in die Bücher. Angesichts der unsicheren Ernteprognosen agieren die Marktbeteiligten mit Abschlüssen für die neue Ernte aber noch sehr zurückhaltend. Wenn überhaupt, werden Vorkontrakte allenfalls für Produkte abgeschlossen, bei denen die Versorgungssituation relativ angespannt ist. Dazu zählen z.B. Kulturen wie Hafer und Dinkel.

Abbildung 1: Preise für Biogetreide, Deutschland; Quelle: AMI, BLE
Abbildung 1: Preise für Biogetreide, Deutschland; Quelle: AMI, BLE
Was die Ertragsaussichten anbetrifft, so gilt für das Bio-Getreide analog, was für den konventionellen Anbau gilt: Es wird wohl keine Rekordernte erwartet; angesichts der Niederschläge in den letzten Tagen aber auch keine Dürrekatastrophe. Experten der AMI in Bonn rechnen immerhin mit einer Ernte oberhalb der 1 Mio. Tonnen-Marke.3 Mengenzuwächse dürften – wie in den Jahren zuvor – aus einer gestiegenen Anbaufläche resultieren. Nach der letzten großen Umstellungswelle wird sich der Anteil an Umstellungsware (U-Ware) am Gesamtmarkt in 2020/21 jedoch wieder einpendeln. Für die Preisbildung könnte am Ende entscheidend sein, inwiefern U-Ware ab 2021 gemäß Öko-Verordnung in den Mischfutterrationen eingesetzt werden darf. Entsprechendes ist in den Durchführungsbestimmungen noch nicht abschließend geregelt, was für die Erzeuger einen gewissen Risikofaktor darstellt.

Bio-Futterkomponenten teurer

Die Preise einiger Öko-Mischfutterkomponenten sind seit April kontinuierlich gestiegen. Das zeigen die Preiserhebungen der AMI-Bonn im Rahmen des VLK-Kammerprogramms, in das auch der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) involviert ist. So kostet Milchleistungsfutter 18/4 (Verbandsware mit Mais) im Juni durchschnittlich 489 Euro/t und damit 8 Euro/t mehr als noch im Februar. Endmastfutter für Schweine wird im Bundesdurchschnitt aktuell mit 458,50 Euro/t bewertet, was gegenüber Februar eine moderate Preissteigerung von 2 Euro/t bedeutet. Entgegen diesem Trend ist Alleinfutter für Legehennen (Phase 1, Verbandsware) mit 545 Euro/t sogar etwas billiger als in den Monaten zuvor.4 Erklären lässt sich dies vermutlich mit den Preisen für Eiweißkomponenten in den Rationen. Diese sind mit Corona z.T. deutlich gestiegen, da die Lieferströme von Sojakuchen aus China zeitweise komplett zum Erliegen kamen. Denn fast 40 % des Sojakuchens für Bio-Mischfutter stammt inzwischen aus dem Reich der Mitte. In Anbetracht der angespannten Versorgungslage ist zu beobachten, dass Mischfutterhersteller daher verstärkt auf Substitute wie Leguminosen, Raps und Sonnenblumenkuchen ausweichen. Ackerbohnen sind am Markt aber knapp und häufig nicht greifbar. Bei Futtererbsen lassen sich Bedarfslücken immerhin noch durch Importe aus anderen EU-Ländern schließen.

Bedarf an Bio-Eiern ungebrochen

Auch der Absatz von Bio-Eiern ist während des Corona-Shutdowns merklich gestiegen. Das Bedürfnis der Verbraucher nach Bio und Regionalität schlägt auch hier zu Buche. Sowohl im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) als auch im Direktvertrieb waren erhebliche Umsatzsteigerungen zu verzeichnen. Und dies, obwohl der Wegfall des Außer-Haus-Verzehrs in der Gastronomie und in Großküchen etwas Anderes hätte vermuten lassen. Wie die Zahlen zeigen, war in diesem Segment aber v.a. konventionelle Ware betroffen. In vielen Fällen konnte die rege Nachfrage nach Bio-Eiern im LEH aber nicht immer bedient werden, da die Warenbestände hierfür nicht ausreichten. Nach den Zahlen des Statistischen Bundesamts ist die Erzeugung von Bio-Eiern in 2019 um fast 7 % gestiegen.5 In 2018 fiel das Plus mit 2 % noch geringer aus. Trotz einer steigenden Anzahl an Bio-Legehennen-Betrieben ist in Deutschland eine Sättigung des Bio-Eiermarkts aktuell nicht zu erwarten. In Anbetracht der Tatsache, dass in diesem Jahr viele Verbraucher ihren Sommerurlaub im Inland verbringen, erwarten Marktexperten sogar einen weiteren Nachfragesog. In der Marktregion Hessen erzielen Eier der Gewichtsklasse M im Direktabsatz aktuell 34 Cent (konventionell Freiland: 25 Cent). Ab Erzeugerpackstelle ist ein Durchschnittspreis von 24 Cent zu verzeichnen (konventionell Freiland: 17,5 Cent).6 Die Preise für freie Ware können in Abhängigkeit von der Mengensituation am Markt sowohl höher als auch niedriger ausfallen.

14,6 Cent Bio-Aufschlag bei der Milch

Abbildung 2: Milchpreise, Deutschland; Quelle: BLE
Abbildung 2: Milchpreise, Deutschland; Quelle: BLE
Die Begleiterscheinungen der Corona-Pandemie haben auch am Milchmarkt Spuren hinterlassen. Mit den rückläufigen Exportmengen sind die Kontraktpreise für Milchpulver und Butter am Terminmarkt teilweise unter Druck geraten. Auch haben die Grenzschließungen den Absatz von Milchprodukten in andere EU-Länder (z.B. Italien) deutlich erschwert. Weitaus resilienter zeigte sich auch hier der Öko-Milchmarkt. Aufgrund der hohen Bedeutung des Endkundengeschäfts im LEH und der geringeren Exportabhängigkeit ist die Bio-Milch insgesamt offenbar besser durch die Krise gekommen. Wie eine Umfrage von AMI und Naturland zeigt, sahen sich die Bio-Molkereien allerdings mit anderen Problemen konfrontiert: So kam es während der Hamsterkäufe nicht selten zu Engpässen in der Produktion von H-Milch und Quark. Teilweise waren aber auch das Verpackungsmaterial und Leergut überaus knapp.7 Aufgrund der regen Nachfrage sprachen einige Molkereien bereits Anwärter ihrer Wartelisten an, um das Produktionspotenzial zu erhöhen. Und dies, obwohl die Bio-Milcherzeugung in 2019 mit insgesamt 1,2 Mio. t bereits um 6 % höher lag als in 2018. Allerdings ist keinesfalls garantiert, dass die Nachfrage nach Bio-Milchprodukten ist dem Maße weiter steigt, wie dies zuletzt der Fall war. Entscheidend dürfte der weitere Konjunkturverlauf sein. Sollte ein L-Szenario mit anhaltender Rezession einsetzen, wäre ein erheblicher Kaufkraftverlust zu erwarten. Dieser könnte sich wiederum negativ auf die Zahlungsbereitschaft der Verbraucher auswirken. Experten rechnen wohl aber eher damit, dass Bio, Gesundheit, Regionalität und Nachhaltigkeit in der Gesellschaft einem stabilen Megatrend folgen, der sich auch in Zeiten einer Rezession fortsetzen dürfte. Mit 47,3 Cent/kg erzielen die Bio-Landwirte für ihre Milch laut amtlicher Statistik aktuell 14,6 Cent mehr als ihre konventionellen Berufskollegen (32,7 Cent).8 In Anbetracht der Nachfrage ist eine stabile Preisentwicklung zu erwarten, da aktuell nichts auf einen Angebotsüberhang hindeutet.

 

Schweineverkäufe um 20 % gestiegen

Corona-bedingt haben die konventionellen Schweinepreise seit April um mehr als 20 Cent/kg verloren. Hierfür lassen sich mehrere Gründe anführen: Zum einen brach der Außer-Haus-Verzehr durch die Restriktionen in Gastronomie und Hotellerie regelrecht ein. Gleichzeitig kam es im Außenhandel zu massiven Störungen in den Lieferketten, womit auch die Exporte nach Asien ins Stocken gerieten. Eine völlig andere Entwicklung war am Bio-Schweinemarkt zu beobachten. Offenbar kauften die Haushalte in Deutschland während des Corona-Lockdowns mehr Bio-Fleisch als je zuvor. „Die Schweineverkäufe sind im März und April bei vielen Unternehmen um 10 bis 20 % gestiegen“, erklärt Diana Schaack von der Agrarmarkt-Informationsgesellschaft (AMI).9 Dies gelte sowohl für Verbandshaltung als auch für Tiere nach EU-Ökoverordnung, so die Bonner-Expertin. Hinzu kommt, dass der Ökomarkt im weitaus geringeren Maße von den Schwankungen des Weltmarkts betroffen ist. Infolgedessen blieben die Erzeugerpreise für Bio-Schweine auch im April stabil auf einem Niveau von 3,78 Euro/kg, nachdem im Februar eine leichte Korrektur auf 3,76 Euro/kg erfolgte. Allerdings ist dies auch den langfristigen Abnahmeverträgen geschuldet, die am Ökomarkt üblich sind. Zum Vergleich: der konventionelle Basispreis der Vereinigung der Erzeugergemeinschaften (Vereinigungspreis) rangiert derzeit auf einem Niveau von 1,66 Euro/kg. Bei dieser Preisdifferenz sind die ökonomischen Anreize für eine Umstellung auf Bio durchaus weiterhin gegeben. Zumal Fördermittel für die zwei- bis dreijährige Umstellungsphase und die anschließende Fortsetzung der ökologischen Wirtschaftsweise beantragt werden können. Jedoch ist der Ferkelbezug immer noch einer der limitierenden Faktoren bei der Ausweitung der Bio-Schweinebestände. Dies erklärt auch, warum die Öko-Bestände in 2019 nahezu stabil blieben. Gelingt die Umstellung und werden Abnahmeverträge mit langer Laufzeit geschlossen, ist „Bio“ allerdings auch hier eine ausgesprochen interessante Option. Zumal zahlreiche Umsteller von weniger Leistungsdruck in der Herde und einem besseren Verhältnis von Mensch und Tier berichten.

Tabelle 1: Preisvergleich konventionell/ökologisch

Produkt Einheit Preis
biologisch
Preis
konventionell
Quelle: AMI, LLH
Kartoffeln festkochend Euro/dt 64,95 25,00
Möhren, Inlandsware Euro/dt 147,18 76,79
Eier, Gewichtsklasse M, Direktabsatz Euro/Stück 0,34 0,25
Milch Euro/kg 0,47 0,33
Brotweizen Euro/t 397,00 175,00
Hafer Euro/t 341,00 172,00
Futtergerste Euro/t 272,00 148,00
Schweine Euro/kg 3,76 1,66
Ferkel Euro/Tier 134,77 60,00

Bio-Fleisch-Absatz um 69 % gestiegen

Während bereits 11 % aller gelegten Eier von Bio-Hennen stammten, lag der Bio-Anteil beim Geflügelfleisch in 2018 nur bei etwa 1,4 %, so der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW).10 Der Marktanteil ist also noch gering, die private Nachfrage nach Bio-Geflügelfleisch in 2019 aber wieder merklich gestiegen. Dies liegt v.a. daran, dass laut AMI deutlich mehr Bio-Hähnchen im Einkaufskorb landeten. In den ersten drei Quartalen 2019 waren dies insgesamt 4.100 t bzw. 37 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Dieser Trend scheint sich auch im ersten Quartal 2020 weiter fortgesetzt zu haben. Gemäß GFK-Haushaltspanel ist der Absatz von Bio-Hähnchen im ersten Quartal 2020 um 27 % auf 1.660 t gestiegen.11 Es zeigte sich auch, dass die Direktvermarktung stark an Bedeutung gewinnt. So hat sich die Einkaufsmenge an Bio-Geflügel ab Hof und an den Wochenmärkten im gleichen Zeitraum mehr als verdoppelt. Allgemein lässt sich sagen, dass Bio-Fleisch im Ergebnis von der Corona-Krise profitiert hat. Laut Auswertung des GFK Haushaltspanels durch die Experten der AMI in Bonn hat der Bio-Fleisch-Absatz in den Monaten April und Mai 2020 gegenüber dem Vorjahr um ca. 69 % zugelegt. Dabei ist der Absatz von Bio-Schweinefleisch um 68 % gestiegen, während Bio-Rindfleisch um 64 % und Bio-Geflügelfleisch um 28,5 % häufiger über die Kasse gingen.12 Abzuwarten bleibt, wie sich die Einkaufsmengen verändern, wenn Restaurants, Gemeinschaftsverpflegungen und das Hotelgewerbe wieder vollständig geöffnet haben.

Kohlgemüse knapp und teuer

Analog der übrigen Frischeprodukte hat auch der Obst- und Gemüsebereich mit Corona einen beispiellosen Nachfragesog erfahren. So zeigte eine AMI-Analyse des GfK-Panels für den Monat März, dass die Nachfrage nach Biogemüse gegenüber dem Vorjahr im Ergebnis um 26 % gestiegen ist. Aufgrund der höheren Preise stiegen die Ausgaben (Preis x Menge) rechnerisch sogar um 30 %.13 Eine differenzierte Betrachtung auf Produktebene lässt darauf schließen, dass besonders Salate, Frischgemüse und die Kohlarten gefragt waren und dies immer noch sind. Jedoch konnte die Nachfrage der vergangenen Wochen nicht immer vollständig bedient werden. So berichteten zahlreiche Betriebe von einer Limitierung des Produktionspotenzials durch fehlende Saisonarbeitskräfte. Dieses Problem war aber nicht nur in der Produktion virulent, sondern auch in den Packstationen und im Transportwesen.

Im überregionalen Handel mit Bio-Obst- und -Gemüse kamen Störungen in den Lieferketten durch Grenzschließungen und verzögerte Zollabfertigungen hinzu. Nach einhelliger Meinung habe dies im Ergebnis zu einer deutlichen Steigerung der Frachtpreise geführt. „Da der Handel in Europa weitestgehend eingestellt war, haben die Spediteure keine Rückfrachten und fahren leer wieder in die Herkunftsländer. Aus diesem Grund verdoppeln sich die Kosten für Frachten“, so ein Betriebsleiter. Besonders angespannt ist die Versorgungssituation wohl nach wie vor im Kohlsortiment. Blumenkohl, Kohlrabi, Brokkoli und Spitzkohl sind überaus knapp und teuer. Dies ist u.a. dem Umstand geschuldet, dass in dieser Saison weder aus Frankreich noch aus Spanien und Italien hinreichende Importe ins Land gelangen. Nach den Gesetzen des Marktes bleibt dies natürlich nicht ohne Auswirkungen auf die Preise. Beispiel: Im vergangen Jahr kostete Brokkoli zum jetzigen Zeitpunkt (KW 25) ab Hof/Wochenmarkt gemäß Preisfeststellung des LLH noch 5,98 Euro/kg. In dieser Saison zeigen die Daten bereits einen Durchschnittspreis von 8,41 Euro/kg (+ 40 %).14 Der große Hype, wie in den ersten Wochen des Corona-Lockdowns, scheint allerdings vorerst überwunden, womit sich die Preisentwicklung teilweise wieder stabilisiert. Dessen ungeachtet lässt sich für viele Produkte, darunter z.B. auch Möhren, feststellen, dass sich die Nachfrage auf einem deutlich höheren Niveau eingependelt hat als zuvor. Auch der Absatz von Bio-Kartoffeln hat mit Ausbruch der Pandemie im März um ca. 13 % zugelegt, konnte seinen Drive später aber nicht in dem Maße fortsetzen. Seit Mitte April gelangen größere Mengen an Bio-Frühkartoffeln aus Ägypten auf den hiesigen Markt, was die Versorgungssituation etwas entspannte. Des Weiteren dienen Importe aus Spanien typischerweise als „Lückenfüller“ bis zum Anschluss an die neue Ernte. Die Vermarktung von alterntiger Lagerware dürfte in dieser Woche ihren Abschluss finden. Erste Partien Pfälzer-Bio-Frühkartoffeln gelangen bereits in den Handel. Die Preise für festkochende Sorten betragen ab Hof/Wochenmarkt in der Direktvermarktung laut Preisfeststellung des LLH im Rahmen von BIOGOS ca. 2,80 Euro/kg (Sorte Linda). Im Großhandel werden alterntige Partien noch mit ca. 65 Euro/dt bewertet. Spanische Frühkartoffeln erzielen aufgrund des knappen Angebots mit 95 Euro/dt deutlich höhere Preise. Gewisse Aufschläge sind auch bei deutschen Frühkartoffeln zu erwarten.

Tab. 2: Preise für Biogemüse in der Marktregion Hessen, ab-Hof/Wochenmarkt

Produkt Einheit Preis
KW 25 2020
Preis
KW 25 2019
Differenz (%)
Quelle: LLH
Kopfsalat Euro/Stück 2,28 1,77 28,81
Eisbergsalat Euro/Stück 3,17 2,12 49,53
Chicorree Euro/kg 11,23 8,10 38,64
Schlangengurken Euro/Stück 2,51 2,45 2,45
Zucchini Euro/kg 4,97 4,46 11,43
Brokkoli Euro/kg 8,41 5,98 40,64
Chinakohl Euro/kg 5,60 4,93 13,59
Blumenkohl Euro/Stück 4,94 4,73 4,44

Bio ist weiter im Trend

Werden die Ausgaben privater Haushalte in Deutschland für Bio-Lebensmittel betrachtet, so ist auffällig, dass die Umsätze mit Corona deutlich stärker gestiegen sind als der Gesamtmarkt. Gemäß GfK-Haushaltspanel gilt dies besonders für Fleisch, Geflügel, Obst, Mehl und Gemüse. Die Ursachen und Hintergründe hierfür sind noch nicht abschließend geklärt. Es besteht jedoch die begründete Annahme, dass das Bedürfnis nach Regionalität, Tierwohl, Gesundheit und Nachhaltigkeit in der Krise zugenommen hat. Häufig wird „Bio“ bei der Konsumentscheidung mit diesen Attributen assoziiert. Fraglich ist, ob sich dieser Trend auch dann fortsetzt, wenn die Weltwirtschaft in eine Rezession gerät und die Haushaltseinkommen substanziell sinken. Dies könnte sich verhaltensökonomisch negativ auf die Zahlungsbereitschaften auswirken. Wie eingangs angesprochen, rechnet die Mehrzahl der Marktexperten wohl aber eher damit, dass die Präferenz für Bio und Nachhaltigkeit auch in Zukunft fortbestehen dürfte. In den westlichen Industrienationen ist zu beobachten, dass ein zunehmender Anteil von Konsumenten der jüngeren Generation aktiv zur Lösung drängender Umweltprobleme beitragen und Aspekte wie Tierwohl fördern möchte. Aus Sicht dieser Konsumentengruppen scheinen extensiv produzierte Biolebensmittel diese Kriterien häufig besser zu erfüllen als konventionell hergestellte Produkte. Der Skandal um Wilke-Wurstwaren und die jüngsten Corona-Ausbrüche in der Fleisch- und Schlachtbranche dürften diesen Trend in Deutschland nochmals verstärken.


Quellen:

1Vogelgesang et al. (2016): Bio goes digital: Auch überzeugte Öko-Kunden sind bereit für Bio-Online-Shops. Online abrufbar unter:

https://www.uni-hohenheim.de/pressemitteilung?&tx_ttnews[tt_news]=31013&cHash=42a7981a3d

2Haftenberger, M. et al. (2020): Verzehr von Bio-Lebensmitteln bei Kindern in Deutschland –  Ergebnisse aus EsKiMo II. Online abrufbar unter:

https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/JoHM/2020/JoHM_Inhalt_20_01.html

3 In AMI-kompakt: Öko-Getreide Mai 2020 vom 04.06.2020.

4 Preise aus dem VLK-Kammerprogramm. Abrufbar unter
https://www.ami-informiert.de

5 Destatis online:
https://www-genesis.destatis.de/genesis/online#astructure

6 Preiserhebung des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen (LLH).
www.llh.hessen.de

7 Rampold, C.  (2020):  Auswirkungen von Corona: Molkereibefragung beleuchtet Bio-Milchsituation.  Online abrufbar unter:
https://www.ami-informiert.de

8 Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Online abrufbar unter:

https://www.ble.de/DE/BZL/Daten-Berichte/Milch-Milcherzeugnisse/_functions/TabelleMilchpreiseMonat2020.html

9 In AMI-kompakt: Öko-Schlachtvieh Mai 2020 vom 25.05.2020.

10 BÖLW: Die Bio-Branche 2020. Online abrufbar unter:

https://www.boelw.de/news/die-bio-branche-2020/

11Scheungraber, L. (2020): Bio-Geflügelmarkt lebt auf.  Online abrufbar unter:

https://www.ami-informiert.de

12 Schaack, D.  (2020):  Bio-Fleisch profitiert von der Krise.  Online abrufbar unter:

https://www.ami-informiert.de

13 Rampold, C.  (2020):  Deutlich erhöhte Nachfrage nach Bio-Gemüse.  Online abrufbar unter:
https://www.ami-informiert.de

14 Preiserhebung des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen (LLH) im Rahmen von APH-BIOGOS
www.llh.hessen.de


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