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Ruhiges Bedarfsgeschäft am Getreidemarkt

Nach der Verhandlungslösung zwischen der Ukraine, Russland und der Türkei hinsichtlich eines Exportkorridors für Getreide gerieten die Börsen etwas unter Druck, da Risikoprämien aus den Kursen genommen wurden.

Inzwischen haben in der Tat mehrere Schiffe die ukrainischen Seehäfen verlassen. Ob Russland seine Zusagen dauerhaft einhalten wird, kann derzeit niemand treffsicher einschätzen. Momentan sieht es allerdings schon danach aus, dass der Getreideexport aus der Ukraine langsam wieder anläuft. Dieser positive Effekt auf die weltweite Versorgungslage dürfte inzwischen eingepreist sein. Die MATIF Weizenfutures für September 2022 können sich derzeit weiterhin über dem Niveau von 340 EUR/t halten. Der gestrige Schlusskurs könnte auf eine Bodenbildung schließen lassen.

Einlagern und Abwarten könnte gute Strategie sein

Allgemein findet zum jetzigen Zeitpunkt nur wenig physischer Handel statt. Die geringe Abgabebereitschaft der Erzeuger trifft auf ein begrenztes Kaufinteresse der Abnehmer. Ein Großteil der Landwirte lagert sein Getreide vorerst ein in der Hoffnung auf eine positive Preisentwicklung bis zum Jahresende. In Anbetracht der Tatsache, dass Russland eine Rekordernte von bis zu 90 Mio. t Weizen avisiert, könnte dies eine gute Entscheidung sein. Weiterhin besteht Unsicherheit über die Qualitäten und Erntemengen in der Ukraine.

Preisnennungen sind derzeit Momentaufnahme

Logistische Engpässe durch fehlenden Frachtraum und Niedrigwasser bereiten auf Straßen und Wasserwegen zunehmend Sorgen. Ohnehin werden aktuell nur bei dringendem Bedarf überschaubare Mengen gehandelt. Vornehmlich steht die Abwicklung kontrahierter Ware im Vordergrund. Zur Vorwoche können sich die Erzeugerpreise gut behaupten. Die Preisnennungen sind aber eher eine Momentaufnahme mit kurzer Halbwertszeit. B-Weizen wird frei Erfasser im Schnitt mit ca. 295 EUR/t frei Lager bewertet. Qualitätsweizen der Kategorie A erzielt darauf eine Qualitätsprämie von ca. 10 EUR/t. Brotroggen steht wohl in dieser Saison ausreichend zur Verfügung und wird daher nur noch mit 245 bis 260 EUR/t bewertet. Auch bei der Futtergerste sind die Erlösmöglichkeiten mit 245 EUR/t limitiert.

Getreidepreise, Hessen, in EUR/t; Quelle: LLH, Stand 11.08.2022