Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Marktinformation & Preise

Zuckerpreise auf Dreijahreshoch

Klar, zu viel Süßes ist nicht gut – das wissen alle. Aber eine Adventszeit ohne Plätzchen, Schokolade oder Feuerzangenbowle ist für die meisten wohl kaum vorstellbar. Und was wären diese Leckereien ohne ihre Grundzutat, den Zucker? Während die Preise für Butter und Mehl im Supermarkt bereits seit einiger Zeit nach oben gehen, sind die Zuckerpreise noch stabil. Könnte sich das bald ändern?
Heute, am Nikolaustag, blickt unser Marktexperte Dr. Nikos Förster auf den Zucker-Markt.

Zucker ist ein beliebtes Süßungsmittel, dem in der Weihnachtszeit neben Butter und Mehl als Backzutat eine wichtige Bedeutung zukommt. Der Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland liegt bei beachtlichen 34 kg pro Jahr. Weltweit liegt der Zuckerkonsum hingegen nur bei 20 kg pro Kopf und Jahr.

Zuckerproduzenten; Quelle: Thünen-Institut

Bis heute zählt das tropische Zuckerrohr zu den wichtigsten Rohstoffen zur Zuckergewinnung. Fast 80 % des weltweit gehandelten Zuckers werden aus dem Süßgras, das bis zu 6 m hoch werden kann, gewonnen. Auf Brasilien und Indien entfallen dabei mit 23 % und 17 % die größten Anteile an der globalen Zuckerproduktion.

Im 19. Jahrhundert dann entwickelte der Chemiker Franz Carl Achard ein Verfahren, mit dem sich Zucker aus der gezüchteten Zuckerrübe gewinnen ließ. Damit wurde auch in Europa die Zuckerherstellung möglich. Bis Ende September 2017 regelte die sog. EU-Zuckermarktordnung, dass innerhalb der EU mindestens 85 % des Zuckerbedarfs aus heimischen Herkünften gedeckt werden müssen. Seitdem die Quotenregelung ausgelaufen ist, unterliegen die Zuckerpreise deutlich stärker den Einflüssen des Weltmarktes. Die Preisbildung erfolgt überwiegend an den Börsen in London und New York. Dort ist im Moment zu beobachten, dass die Zuckerkurse zuletzt deutlich gestiegen sind.

Warum steigen die Preise?

Zuckerpreis, 2012-2021
Als Ursache dafür werden dürrebedingte Ernteverluste und Frostschäden an den Zuckerrohrpflanzungen in Brasilien genannt. Die Wetterbehörde NOAA sieht zudem erste Anzeichen dafür, dass im Äquatorialpazifik das Wetterphänomen La Niña entstehen könnte. Infolgedessen sind in Brasilien weitere Dürren mit Auswirkungen auf die Zuckerproduktion möglich. Schon jetzt liegt die Produktion in Brasilien nach Einschätzungen von Experten ca. 56 % unter dem Niveau des Vorjahres.

Hinzu kommen die Preissteigerungen beim Rohöl, die in Brasilien zu einer verstärkten Nachfrage nach Ethanol aus Zuckerrohr führen. Der Zucker landet in Form von Treibstoff also zunehmend im Tank und nicht in den Lebensmitteln. Diese Konkurrenz zwischen den verschiedenen Nutzungsrichtungen treibt die Preise aktuell in die Höhe.

Schlägt sich der Preisanstieg auf’s Plätzchenbacken nieder?

Durch die Abhängigkeit vom Weltmarkt hat dies auch in Europa Einfluss auf die Zuckerpreise. Damit könnten nicht nur die Erzeugerpreise für Zuckerrüben weiter steigen, sondern irgendwann auch die Endverbraucherpreise im Supermarkt. Zur diesjährigen Backsaison in der Weihnachtszeit ist dies aber kaum zu befürchten. Und sollte der Zucker tatsächlich teuer werden, kann man ihn zuweilen auch durch Honig, Apfelmus, Agavendicksaft oder Kokosblütenzucker ersetzen.

Zu guter Letzt: Wussten Sie, dass Steviolglycosid aus den Blättern der südamerikanischen Steviastaude 300-mal süßer ist als Zucker und dabei keine Kalorien hat?


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