Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

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Agrarmärkte: Folgen des Brexits moderater als gedacht

Mit dem Wahlergebnis in GB wird das No-Deal-Szenario wahrscheinlicher. Doch die Folgen auf die Agrarmärkte könnten moderater ausfallen als zunächst gedacht. Freitagmorgen titelte die ZeitBoris Johnson könne jetzt den Wahnsinn beenden“. Dem wäre allerdings hinzuzufügen, dass dieser den „Wahnsinn“ der letzten Jahre schließlich mit angerichtet hat. Doch eines bleibt: Die Tories haben nun einen deutlichen Sieg im Unterhaus errungen und werden den Brexit zeitnah vollenden. Das Szenario eines harten Brexits wird also immer wahrscheinlicher. Es stellt sich jedoch die Frage, welche Auswirkungen damit auf den deutschen Agrarmarkt verbunden wären. Das Thünen-Institut versucht hier Licht ins Dunkle zu bringen. (www.thuenen.de)

Zahlreiche Produkte bleiben zollfrei

Mit einem Gleichgewichtsmodell untersuchten die Wissenschaftler bereits in 2018 mögliche Handelseffekte für verschiedene Szenarien. Das Ergebnis: Der Agrarhandelsüberschuss könnte von 3,2 auf 1,3 Mrd. Euro fallen. Besonders stark betroffen wären die Exporte von Schweine- und Geflügelfleisch. Seither haben sich jedoch die Modellannahmen verändert, denn die britische Regierung wird wohl die Zölle und Quoten nach dem Grundsatz der Nichtdiskriminierung (MFN) erheben. Damit blieben ca. 87 % der Importe ins Vereinigte Königreich frei von protektionistischen Maßnahmen. So würden z.B. für Getreide, Obst und Gemüse, Zucker, Getränke und Tabak keine Zölle fällig. Für Reis, Fleisch und Wurstwaren immerhin nur ein reduzierter Zollsatz.

Schweine- und Geflügelfleisch -1,2 %

Dies führt dazu, dass der ökonomische Schaden weit geringer ausfällt als im MFN-EU-Szenario aus 2018. Wie die Wissenschaftler vorrechnen, würde sich der Handelsüberschuss unter diesen Annahmen nur noch um ca. 1 auf 2,2 Mrd. Euro verringern. Die deutsche Agrarproduktion würde in diesem Fall bis 2027 nur noch um 190 Mio. Euro schrumpfen. (2018: 400 Mio. Euro). In kaum einer Warengruppe wären die Produktionsverluste größer als 0,5 %. Doch es gibt Gewinner und Verlierer. In den Sektoren „Schweine- und Geflügelzucht“ sowie „Schweine- und Geflügelfleisch“ ist der Rückgang mit -1,2 % am deutlichsten.

Abb.: Prozentualer Rückgang des Produktionswerts in verschiedenen Produktgruppen im neuen MFN-UK-Szenario

Abb.: Prozentualer Rückgang des Produktionswerts in verschiedenen Produktgruppen im neuen MFN-UK-Szenario (Quelle: Thünen-Institut, www.thuenen.de, Stand 16.12.2019)

 

 

 


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