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Agrarmärkte: Makroökonomische Folgen des Brexits

Das Vereinigte Königreich ist mit einem Agrarhandelsüberschuss von 3,1 Mrd. Euro wichtigster Handelspartner Deutschlands. Ein „harter Brexit“ hätte ökonomische Folgen.

 Kein anderes Thema dominiert derzeit so sehr die Berichterstattung in den Medien wie der sog. Brexit. Nach jetzigem Sachstand soll Großbritannien die EU am 12. April verlassen. Premierministerin May strebt jedoch eine Brexit-Verschiebung auf den 22. Mai an. Im Hinblick auf die makroökonomischen Effekte ist von Bedeutung, ob die Briten die EU mit oder ohne Austrittsvertrag (harter Brexit) verlassen. Denn mit einem Agrarhandelsüberschuss von beachtlichen 3,1 Mrd. Euro ist das Vereinigte Königreich innerhalb Europas der wichtigste Handelspartner Deutschlands. Wie das Thünen-Institut vorrechnet, könnten tarifäre und nicht-tarifäre Handelskosten erheblichen Einfluss auf die deutschen Agrarmärkte haben.

Agrarexporte könnten drastisch sinken

Mit einem allgemeinen Gleichgewichtsmodell untersuchten die Wissenschaftler die Handelseffekte für verschiedene Szenarien. Die Ergebnisse lassen darauf schließen, dass sich der gesamte Agraraußenhandelsumsatz (Exporte + Importe) bis zum Jahr 2027 im Falle eines harten Brexits um insgesamt 3,6 Mrd. Euro reduzieren könnte. Im Szenario mit einem Freihandelsabkommen immerhin noch um 2 Mrd. Euro. Die Experten geben allerdings zu bedenken, dass die Handelsrückgänge in Deutschland aufgrund einer Umlenkung der Handelsströme geringer ausfallen dürften.

Minus bei Schweinefleischexporten

Bei Betrachtung der verschiedenen Gütergruppen wird deutlich, dass die Exporte von Schweine- und Geflügelfleisch am stärksten betroffen wären. Bei einem harten Brexit erwarten die Experten in dieser Produktgruppe ein Minus von 613 Mio. Euro, im Szenario eines weichen Brexits ein Minus von 241 Mio. Euro. Der Produktionswert würde infolgedessen im Ergebnis um 2,7% bzw. 0,9% sinken. Auch der Handel mit Milchprodukten wäre von einen Brexit betroffen, da die Briten ihren Importbedarf mit Produkten aus den USA und Neuseeland decken könnten. Das Thünen-Institut rechnet hier mit einem wertmäßigen Rückgang der Exporte von 202 Mio. Euro (harter Brexit) bzw. 68 Mio. Euro (weicher Brexit).

Abbildung: Berechnungen des Thünen-Instituts zum Brexit

Abbildung: Berechnungen des Thünen-Instituts zum Brexit


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