Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Marktinformation

Marktticker Corona

Mit den Turbulenzen an den Finanzmärkten und dem Rohölmarkt sind auch die Agrarmärkte massiv unter Druck geraten. Nun zeichnet sich eine leichte Erholung ab.

Die allgemeine Verunsicherung durch das Corona-Virus hatte den Märkten in den vergangenen Wochen stark zugesetzt. Groß ist die Angst der Marktbeteiligten vor einer Rezession der Weltwirtschaft, die auch den Welthandel mit Agrargütern beeinträchtigen könnte. Der massive Preisverfall am Rohölmarkt befeuerte diese Logik, was an den Terminmärkten ein starkes Verkaufssignal für Getreide- und Rapskontrakte auslöste. Zwar bleibt die Nervosität weiter bestehen, doch zeichnet sich an einigen Teilmärkten eine Gegenbewegung ab. Abdolreza Abbassian, leitender Ökonom der Welternährungsorganisation (FAO), kann inzwischen eine weltweite Nahrungsmittelkrise nicht mehr ausschließen.

Getreidemarkt erholt sich

Sogenannte Hamsterkäufe der Verbraucher führten zuletzt zu einem beispiellosen Nachfragesog bei Mehl, Pasta und weiteren Weizenprodukten. Mit der eingeschränkten Mobilität vieler Personengruppen hat sich diese Nachfragedynamik noch einmal verstärkt. Zunächst konnte die steigende Nachfrage aus den Vorräten bedient werden. Nun haben die Mühlen großen Anschlussbedarf. In diesem Marktumfeld legte der Weizenkurs in Paris innerhalb weniger Tage wieder um 13% auf 197 Euro/t zu und machte damit nahezu alle Verluste der Vorwochen wieder wett. Im Mittel erlösen die Landwirte in Hessen für Brotweizen aktuell ca. 160 – 165 Euro/t. Sollte die Ukraine im Zuge der Corona-Krise Exportbeschränkungen verhängen, könnte dies den Getreidepreisen weiteren Auftrieb geben.

Rapskurse im Corona-Modus gefangen

Mit dem Preisverfall am Rohölmarkt drehten auch die Ölsaaten-Kurse ins Minus. Die Unruhe ist weiter groß, aber auch hier ist eine Trendwende in Sicht. Da in den USA mit fallenden Ölpreisen eine Drosselung der Bio-Ethanol-Produktion erfolgt, ist kaum noch Trockenschlempe (DDGS) für Fütterungszwecke verfügbar. US-Farmer setzen daher verstärkt auf Sojaschrot als Substitut, was die Nachfrage steigen lässt. Hinzu kommen Sorgen über Lieferengpässe in Brasilien und Argentinien bedingt durch die Corona-Krise. In diesem Umfeld kann der Sojakomplex Kursgewinne verbuchen. Wie der Deutsche Verband Tiernahrung e. V. (DVT) am vergangenen Dienstag erklärte, ist die Futtermittelversorgung gegenwärtig aber noch gesichert. Die Furcht vor Versorgungsengpässen ist jedoch auch am Markt für Pflanzenöle spürbar. Beim wichtigsten Leitprodukt Palmöl steigen die Kurse wieder, während der Rapsmarkt im Corona-Krisenmodus gefangen bleibt. In Hessen dümpelt der Rapspreis derzeit bei ca. 330 Euro/t vor sich hin und notiert damit etwa 60 Euro (!) unter dem Niveau von Januar.

Schweine stabiler, Ferkelpreis rückläufig

Durch die Unsicherheiten am Schweinemarkt steigt die Abgabebereitschaft, was wiederum das Lebendangebot erhöht. Gleichzeitig bricht der Außer-Haus-Verzehr aber durch die Restriktionen in der Gastronomie und Hotellerie regelrecht ein. Indessen sind im LEH steigende Umsätze zu verzeichnen, auch die Exporte laufen wieder auf einem besseren Niveau. Gleichwohl ist zu erwarten, dass Störungen in den Lieferketten wiederholt auftreten. Angesichts dieser Unsicherheiten agieren die Marktteilnehmer äußerst zurückhaltend. Immerhin hat die VEZG den Vereinigungspreis bis zum 01.04. vorerst auf dem Niveau von 1,89 Euro/kg belassen. Im Einklang mit dem fallenden Nord-West-Preis wurden die Ferkelnotierungen hingegen nach unten korrigiert, womit der Preis in der 100er-Gruppe bei 84,35 Euro/Tier notiert.

Situation am Milchmarkt uneinheitlich

Mit den Einnahmeverlusten der erdölexportierenden Länder, darunter z.B. Saudi-Arabien oder das Königreich Oman, ist eine Beeinträchtigung des Welthandels mit Milchprodukten zu erwarten. Auch die Wirtschaftsschwäche Chinas dürfte Spuren bei den Exporten hinterlassen, was an den Terminmärkten die Kontraktpreise für Milchpulver und Butter unter Druck setzt. Hinzu kommt, dass die Grenzschließungen den Absatz von Milchprodukten in andere EU-Länder (z.B. Italien) erschweren, womit sich die Handelsströme verändern. Dies ist beim Käseabsatz im Großhandel bereits zu erkennen und insofern problematisch, als dass die EU-Milchanlieferung wieder stärker über dem Vorjahresniveau liegt. Dennoch können sich die Spotmärkte im Wochenvergleich wieder etwas erholen, was auch den Hamsterkäufen bestimmter Produkte im LEH geschuldet sein dürfte. Zwar kommt der Absatz an die Gastronomie und Hotellerie fast gänzlich zum Erliegen; gleichzeitig verzeichnen einige Molkereien aber eine Verdopplung des Bestellvolumens bei Päckchen-Butter und H-Milch aus dem LEH. Nach den Auswertungen der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz konnte sich der Milchpreis in Hessen im Monat Februar auf dem erreichten Niveau von 34 Cent/kg stabilisieren. Sollten sich die finanziellen Verwertungsmöglichkeiten jedoch weiter verschlechtern, ist eine Preiskorrektur nicht ausgeschlossen.

Lieferengpässe bei N-Düngemitteln

An zahlreichen Standorten konnte mit der Ausbringung der ersten Düngergabe begonnen werden. Auch in den nächsten Tagen wird mit einer guten Befahrbarkeit der Schläge gerechnet, womit die Feldarbeiten zügig vorankommen. Zu Beginn der aktuellen Saison herrscht Hochbetrieb bei den Landhändlern, sodass die Umsätze mit Betriebsmitteln deutlich zunehmen. Die Preise für Düngemittel blieben in der laufenden Woche weitgehend unverändert. Lediglich Harnstoff wurde etwas teurer. Mit den rückläufigen Energiepreisen sinken auch die Produktionskosten in der Düngemittelindustrie. Ob damit die Düngerpreise in den nächsten Wochen nachgeben, muss noch abgewartet werden. Kürzlich erreichten uns Meldungen, dass es bei N-Dünger vorerst Lieferengpässe gibt, da größere Lieferungen in den Seehäfen ausgeblieben sind.


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