Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Marktinformation

Trotz Knappheit: Heu und Stroh in dieser Saison günstiger

Die befürchteten Ernteverluste sind in diesem Jahr erfreulicherweise ausgeblieben. Sowohl der erste als auch der zweite Schnitt waren in Menge und Qualität recht ordentlich, im Großen und Ganzen können die hessischen Landwirte mit der diesjährigen Raufutterernte zufrieden sein.

Heuernte 2019 in Nordhessen
Heuernte 2019 in Nordhessen
Anders verhält es sich jedoch im Osten und Nordosten Deutschlands. Aufgrund der Hitze und des Wassermangels waren in diesen Regionen auch in 2019 Ernteverluste zu beklagen, die das Mengenangebot insgesamt begrenzen. Infolgedessen könnte sich im Osten wiederholt ein Futtermangel abzeichnen, da aus der Vorjahresernte ohnehin nur geringe Lagerbestände zur Verfügung stehen. Einige Bundesländer, darunter z.B. Sachsen und Niedersachsen, hatten ihre ökologischen Vorrangflächen daher mit Auflagen erneut zur Nutzung freigegeben. Wie sehr Hitze und Trockenheit bereits im Vorjahr 2018 das Mengenangebot einschränkten, zeigen die Außenhandelsdaten des Statistischen Bundesamts. Demnach sind die Importe von Grün- und Raufutter im Wirtschaftsjahr 2018/19 kumuliert auf rekordhohe 322.500 t gestiegen. Damit lagen die Einfuhren etwa 25 % über Vorjahreslinie bzw. 55 % über dem fünfjährigen Mittel. Wie Abbildung 1 zeigt, war das Handelsvolumen seit März 2019 jedoch wieder etwas rückläufig. Dies soll jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass immer noch große Mengen an Grün- und Raufutter aus anderen EU-Staaten auf den hiesigen Markt gelangen. Entsprechende Einfuhren sind aber auch nötig, um die defizitäre Versorgungsbilanz wieder auszugleichen. Den Zahlen ist zu entnehmen, dass in 2018 alleine 318.600 t der Gesamteinfuhr aus EU-Nachbarländern stammten, wobei Herkünfte aus Frankreich, Holland, Dänemark und Polen dominierten.

 

Abbildung 1: Raufutter-Einfuhr, Volumen in tsd. Euro, Deutschland (Quelle: Destatis)

Abbildung 1: Raufutter-Einfuhr, Volumen in tsd. Euro, Deutschland (Quelle: Destatis)

Importe erfüllen oft nicht die Qualitätsanforderungen

Auch in dieser Saison berichten Händler von einer zunehmenden Exportdominanz französischer und dänischer Anbieter, was hierzulande überraschende Preisbewegungen zur Folge hatte. Dabei gilt es allerdings zu berücksichtigen, dass die Importe aus diesen Herkunftsländern unsere Grenzen auch häufig als verarbeitete Ware – z.B. in Gestalt von Luzerne-Pellets – überqueren, was die Transportwürdigkeit erhöht. Wenngleich preisgünstig, erfüllen die ausländischen Herkünfte in ihrer Beschaffenheit leider nicht immer die erforderlichen Anforderungen an Qualität und Futterhygiene. So berichteten Marktteilnehmer davon, dass die mikrobiologischen Befunde polnischer Herkünfte in einigen Fällen Hinweise auf eine Kontamination des Heus mit Schimmelpilzsporen und Hefen lieferten. Das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (HMUKLV) weist zudem darauf hin, dass die Einfuhr und die Verfütterung von potentiell kontaminiertem Raufutter aus Regionen, in denen die Afrikanische Schweinepest grassiert, verboten ist. Dies betrifft insbesondere die baltischen Staaten, aber auch Rumänien, Bulgarien und Polen.

Preise trotz Knappheit gesunken

Trotz abschmelzender Vorräte und Anzeichen eines Futtermangels im Osten bzw. Nordosten des Landes sind die Raufutter-Preise im Juli wieder stark gefallen (vgl. Abb. 2). Angesichts der immer noch angespannten Versorgungssituation ein durchaus überraschender Befund. Zum Vergleich: Noch Anfang Juni dieses Jahres wurde Heu in Quaderballen am hessischen Raufuttermarkt mit ca. 220 Euro/t bewertet. Im Monat Juli fiel der Marktpreis nach dem ersten Schnitt dann schließlich auf 136 Euro/t. Rundballen wurden fortan sogar nur noch mit 130 Euro/t bewertet, HD-Ballen mit 167 Euro/t. Wie ist dies zu erklären? Preise erfüllen an den Märkten die Funktion eines Knappheitsindikators. Und die Knappheit schien den Marktteilnehmern aus zwei Gründen weniger virulent zu sein als in den Monaten zuvor.

Abbildung 2: Heupreise Hessen, in Euro/t netto, ab Lager an Großverbraucher (Quelle: LLH)

Abbildung 2: Heupreise Hessen, in Euro/t netto, ab Lager an Großverbraucher (Quelle: LLH)

Importe gleichen Defizit aus

Zum einen haben der recht gute Grasaufwuchs und die laufende Getreideernte (Stroh) zu einer Entspannung der Versorgungsbilanz beigetragen. Zum anderen konnten Mengendefizite überdies durch umfangreiche Heu-Importe aus Frankreich und Dänemark temporär wieder ausgeglichen werden. Seither verharrte der Markt auf einem herabgesetzten Preisniveau im Gleichgewicht. Zuletzt sind die Preise für Quaderballen und Rundballen in Hessen aber wieder leicht gestiegen, wenngleich marginal. Heu in Quaderballen an Großverbraucher kostet damit 143 Euro/t, während Rundballen mit 138 Euro/t in die Bücher gehen. Unklar ist indessen die weitere Preisentwicklung bis zum Ende dieser Saison. Fallen die Lagerbestände in den Wintermonaten stärker als gedacht und gelangen weniger Importe auf den hiesigen Markt, sind steigende Raufutterpreise bereits im ersten Quartal 2020 durchaus möglich.


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