Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Biorohstoffnutzung

EEG 2021: Was bringt die Novelle für Gülle-Kleinanlagen?

Das Gesetz zur Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetztes (EEG) – die EEG 2021-Novelle – wurde noch rechtzeitig beschlossen, damit die Änderungen zum 01.01.2021 in Kraft treten konnten. Mit dem EEG 2012 haben kleine Gülle-Anlagen wieder an Bedeutung gewonnen. Während der Biogasanlagenbau einst mit der Gülle- und Reststoffvergärung begonnen hatte, wird seit 2012 wieder ein besonderer Fokus auf diesen speziellen Anlagentyp gelegt. Dafür wurde mit dem EEG 2012 eine sehr lukrative Stromvergütung in Höhe 25,00 Cent/kWhel festgelegt, die dann in den Folgejahren durch die Degression entsprechend reduziert wurde. Die Bedeutung dieser Kleinanlagen liegt jedoch weniger in deren Relevanz für den Energiemarkt. Dagegen stehen Aspekte des Klimaschutzes sowie zusätzliche Einkommensperspektiven für landwirtschaftliche Betriebe im Vordergrund.

Klimaschutzprogramm 2030

Im Klimaschutzprogramm 2030 der Bundesregierung zur Umsetzung des Klimaschutzplans 2050 wurden spezielle Anreize zur Förderung der Vergärung von Wirtschaftsdüngern tierischer Herkunft und von landwirtschaftlichen Reststoffen beschlossen. Bei offener Lagerung geben Gülle und Mist unerwünschte Stoffe, wie beispielsweise das Treibhausgas Methan, in die Luft ab. Die Vergärung in Biogasanlagen wirkt dem entgegen. Somit können Methanemissionen reduziert und ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden. Mehrjährige Monitorings ausgewählter landwirtschaftlicher Biogasanlagen belegen den jährlich mengenmäßig steigenden Einsatz von Wirtschaftsdüngern in bestehenden NawaRo-Anlagen in Hessen. Neben finanziellen Vorteilen für die Betreiber kommt dies auch dem Klimaschutz zu Gute.

Gülle-Kleinanlage im EEG 2021

Biogas-Kleinanlage
Güllekleinanlagen können nicht nur einen Beitrag zum Klimaschutz leisten, sondern auch zusätzliche Einkommensquelle für landwirtschaftliche Betriebe sein

Um die Güllevergärung in neuen Anlagen weiterhin lukrativ zu gestalten, ist die Anlagenklasse „Gülle-Kleinanlagen“ weiterhin bestehen geblieben. Der Strom aus diesen Anlagen wird mit einem Basisvergütungssatz von 22,23 Cent/kWhel vergütet. Die Degression beträgt ab dem 1. Juli 2022 jeweils zum 1. Juli 0,5 Prozent. Im EEG 2017 gab es noch zwei Degressionstermine (mit jeweils 0,5 Prozent) pro Jahr.

Landwirtschaftliche Betriebe, die eine solche Neuanlage planen, sollten überlegen, welche Aggregatgröße gewählt wird. Für Anlagen, deren installierte Leistung 100 kWel überschreitet gilt, dass deren Jahresdurchschnittsleistung auf die Hälfte der installierten Leistung begrenzt ist. Somit können bei maximaler Auslastung dennoch nur 75 kW pro Jahr im Dauerbetrieb eingespeist und vergütet werden.

In größeren, viehhaltenden Betrieben sind daher 99 kWel anzupeilen – sofern die im Einzelbetrieb verfügbaren Wirtschaftsdüngermengen hierfür ausreichend sind. Ist dies nur durch Transport von Gülle und Festmist von anderen landwirtschaftlichen Betrieben möglich, so sollte im Vorfeld eine genaue ökonomische Betrachtung erfolgen. Kann der Betrieb dauerhaft nicht im Bereich der Tierhaltung wachsen, so müssen die Wirtschaftsdüngertransporte über einen Zeitraum von 20 Jahren eingeplant werden. Dies kostetet Arbeitszeit und Kapital.

Zudem beinhaltet § 88b EEG 2021 die Verordnungsermächtigung zur Einführung einer Anschlussregelung für Gülleanlagen. Konkret bedeutet dies, dass das Bundeswirtschaftsministerium ermächtigt wird, im Einvernehmen mit dem Bundeslandwirtschaftsministerium, über eine Verordnung eine neue Anschlussregelung für bestehende Biogasanlagen einzuführen. Dies zielt besonders auf Biogasanlagen ab, die mindestens 80 Prozent Gülle einsetzen und maximal 150 kWel Leistung installiert haben.

Gibt es die Standardgülle zur Berechnung einer Biogasanlage?

Für die betriebswirtschaftliche Erstbetrachtung werden meist die Standardwerte des Kuratoriums für Bauen und Technik in der Landwirtschaft berücksichtigt. Die tatsächlich erzielbaren Methanerträge lassen sich jedoch erst unter Berücksichtigung der Tierart und der Fütterung, des Trockensubstanzgehaltes der Gülle (Eintrag von Fremdwasser) sowie der Frische der Gülle (Lagerdauer vor dem Einbringen der Gülle in den Fermentationsprozess) ermitteln. Für eine erste Betrachtung und die damit verbundene Investitionsentscheidung ist eine Berechnung auf Basis von Standardwerten in der Regel ausreichend.

Biogas im Ökobetrieb

Ob die Gülle-Kleinanlage in Ökobetrieben nun verstärkt gebaut wird, hängt von der einzelbetrieblichen Situation ab. Die Biogasanlage muss Teil des gesamtbetrieblichen Ansatzes werden, sodass Stoffkreisläufe optimal geschlossen werden. Statt Festmist aus dem Stall können flüssige Gärreste gezielt zur Düngung eingesetzt werden, die eine verbesserte Düngewirkung aufweisen. Ausschlaggebend ist jedoch die Größe der Tierhaltung. Selten lassen sich in hessischen Ökobetrieben aufgrund der Bestandsgrößen ausschließliche Güllevergärungsanlagen realisieren. Betriebsangepasst liegt die installierte Leistung dann unter 75 kWel. Werden feste Einsatzstoffe, insbesondere Anbaubiomassen, ergänzend mitvergoren, so muss im Vorfeld eine detaillierte ökonomische Bewertung erfolgen. Ökobetriebe, die Kleegras anbauen und dies nicht vollständig in der Tierhaltung verwerten können, sehen in der Verwertung in einer Biogasanlage Einsatzmöglichkeiten. Ob eine Kleinbiogasanlage tatsächlich wirtschaftlich zu betreiben ist, muss einzelbetrieblich kalkuliert werden. Die positiven Aspekte der Vergärung sind bekannt, doch muss auch die ökonomische Seite passen.

Voraussetzungen für den Bau einer Kleinbiogasanlage

Die notwendigen Voraussetzungen für den Bau einer Gülle-Kleinanlage haben sich seit 2012 nicht verändert:

  • Ausreichende Verfügbarkeit an Wirtschaftsdüngern im eigenen Betrieb. Im optimalen Fall sollte dies ausschließlich Gülle sein, die über Pumpen dem Prozess zugeführt wird. Wird die Substratmenge knapp oder möchte der Betreiber zusätzliche Sicherheit im Falle eines Ausfalls der Pumpe, so ist ein Feststoffeintragssystem zu empfehlen. Auf den ersten Blick verursacht dies höhere Bau- und Betriebskosten – über eine Betriebszeit von 20 Jahren hilft dies natürlich auch, Störpotential zu verringern und flexibler reagieren zu können.
  • Nutzbare Infrastrukturen verringern das notwendige Investitionsvolumen. Für die einzelbetriebliche Bewertung kann es vorteilhaft sein, wenn betriebliche Infrastrukturen mit genutzt werden können. Dies ermöglicht höhere Gewinne. Es kann aber auch sinnvoll sein, durch den Bau einer Kleinbiogasanlage zusätzliche Infrastruktur zu schaffen. Hierzu ist jedoch das einzelbetriebliche Gesamtkonzept zu betrachten. Die Biogasanlage sollte zudem nie losgelöst, sondern immer als ein Teil des landwirtschaftlichen Unternehmens bewertet werden.
  • Das technische Verständnis der Betriebsleiterfamilie und insbesondere der betreuenden Personen der Anlage ist essentiell. Nur so können plötzliche Störungen auch selbst behoben werden. Größere Tierhaltungen in Verbindung mit einer Biogasanlage machen den Betrieb unter Umständen auch interessant für Fremdarbeitskräfte sowie Auszubildende.

Empfehlungen zur technischen Ausstattung

Betrachtet man alleinig die ökonomischen Aspekte, so sollten – ein technisch funktionierendes Anlagensystem vorausgesetzt – die Investitionskosten so gering wie möglich gehalten werden. Doch vermeintliche Einsparungen können hierbei über einen Betrachtungszeitraum von zwanzig Jahren dazu führen, dass das ursprünglich geplante zusätzliche Standbein schnell zu einer zusätzlichen Belastung führt. Daher sollte insbesondere in der Planungsphase der Anlage genau überlegt und geprüft werden, welche technische Ausgestaltung der Anlage für den individuellen Betrieb optimal ist. In den seltensten Fällen lassen sich die Kostenangebote verschiedener Anbieter vollumfänglich vergleichen oder stellen gar eine schlüsselfertige Installation mit Inbetriebnahme dar. Oftmals werden Positionen, die in der Regel von örtlichen Bauunternehmen erbracht werden (z.B. Erd- und Fundamentarbeiten, elektrische Anschlüsse), entweder als bauseitige Leistungen vermerkt oder mit Schätzwerten versehen. Hierzu sollten vor der Investitionsentscheidung konkrete Kostenangebote von Fachunternehmen eingeholt werden.

Beurteilung der Wirtschaftlichkeit

Zahlreiche Modellkalkulationen weisen aus, unter welchen Voraussetzungen diese Anlagen wirtschaftlich zu betreiben sind. Doch dies ersetzt keine betriebsindividuelle Betrachtung. Einige Faktoren, die den wirtschaftlichen Erfolg einer Kleinbiogasanlage beschreiben, wurden bereits im Text benannt. Grundsätzlich ist zu klären, ob die Berechnungsansätze eher pessimistisch, realistisch oder optimistisch gewählt wurden. In einer Erstberechnung bereits die optimistischsten Annahmen zu treffen, wäre hierbei vermessen. Betriebliche Daten müssen exakt ermittelt einfließen. Insbesondere geschätzte Substratmengen und ~qualitäten haben einen großen Einfluss auf die Gesamtbetrachtung. Auch die Art der kalkulierten Finanzierung wirkt sich auf das Endergebnis aus. Wird beispielsweise die gesamte Anlage über einen Zeitraum von 15 bis 20 Jahren finanziert dargestellt, so weist dies in der Betrachtung finanzielle Vorteile auf. Doch diese Art der Herangehensweise ist nicht sachgerecht. Die gewählten Abschreibungs- und Finanzierungsdauern sollten der erwarteten Lebensdauer der Bauteile und Komponenten entsprechen. Diese Vorgehensweise ist nicht neu, wird aber oft ausgeblendet.

Nun schnell reagieren?

Unter keinen Umständen sollte eine Investitionsentscheidung überstürzt getroffen werden. Sowohl in Aussicht gestellte niedrige Darlehnszinsen als auch attraktive Sonderkonditionen für die Bautätigkeit sollten zunächst individuell geprüft werden. Je nach nutzbarer bestehender Infrastruktur und noch zu errichtender Komponenten und Baulichkeiten, die für die weitere betriebliche Entwicklung vorgesehen sind, liegen die notwendigen Investitionen meist zwischen 600.000,- und 1.000.000,- €. Daher sollte im Vorfeld eine genaue betriebswirtschaftliche Kalkulation erfolgen, um die Entscheidung zu treffen. Pauschale Aussagen zur Ökonomie sind auch bei diesem Anlagentyp fehl am Platz. Die Biogasanlage – für sich allein betrachtet – kann dabei auf den ersten Blick weniger rentabel erscheinen, als Bestandteil eines betrieblichen Entwicklungskonzeptes dagegen durchaus Vorzüge aufweisen.


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