Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Grünland & Futterbau

Nachlese: Landschaftspflege in Hessen

Die Pflege von Biotopen und das Offenhalten der Kulturlandschaft ist ein großes gesellschaftliches Anliegen. Verschiedene Förderprogramme der EU und des Bundes unterstützen die Landschaftspfleger bei der Bewältigung dieser Aufgaben.

Der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) hatte zusammen mit dem Landkreis Waldeck-Frankenberg und den Organisationen der überbetrieblichen Maschinenverwendung (ÜMV) am 17.10.2019 eine Fachveranstaltung zur Landschaftspflege in Frankenau durchgeführt. Mit über 100 Teilnehmern war das Interesse sehr groß. Auch LLH-Direktor Andreas Sandhäger zeigte sich positiv überrascht, wie er in seiner Begrüßungsrede zum Ausdruck brachte.

Die Landschaftspflege umfasst vielfältige Maßnahmen, die die Vielfalt, die Eigenart und Schönheit der Landschaft sowie eine nachhaltige Nutzung sicherstellen. Die zahlreichen Aufgaben der Landschaftspflege sind gesetzlich beschrieben und dienen als Grundlage der menschlichen Daseinsvorsorge – auch für künftige Generationen sowie zum Erhalt der Biodiversität. Frank Scholz, Präsident der Lohnunternehmer, ging in seinem Grußwort auf diese Vielfalt der Aufgaben bei Naturschutz und Landschaftspflege ein.

Interesse an Landschaftspflegevereinigungen wächst

Ingrid Moser von der Landschaftspflegevereinigung (LPV) Gießen informierte über die Arbeit der bestehenden LPV (z.B. die Anlage von Stillgewässern, Renaturierung einer Fischteichanlage, Magerrasen-Sanierung und Entbuschungs- und Weideprojekte zur Offenhaltung der Landschaft) und berichtete über das Interesse weiterer Landkreise an der Gründung von LPV. Landwirte seien eine wichtige Stütze für die LPV, da sie nahezu alle Mahd, Abfuhr und Beweidungsarbeiten durchführten. Sie und die Organisationen der ÜMV verfügten über Maschinen, auch über teure Spezialmaschinen, um die Anforderungen von Landschafts- und Naturschutz bestmöglich umzusetzen.

Carsten Müller berichtete über die Gründung des LPV Waldeck-Frankenberg im Jahr 2017, der beim Landkreis angegliedert ist. Der Verein arbeitet an der Umsetzung von Europäischen Richtlinien z. B. Natura 2000. Im Focus stehen Pflegemaßnahmen zum Erhalt und zur Entwicklung besonders geschützter Biotope. Er stellte die Landschaftspflegeprojekte Hutewald-Regeneration und Schlehenentbuschung vor. Die Beratung von Flächennutzern und Kommunen gehört ebenfalls zu den Aufgaben.

Ein wichtiger Baustein: Qualifiziertes Personal

Die überbetriebliche Ausbildung in den Bereichen Landwirtschaft, Garten- und Landschaftsbau wurde von Henry Thiele, Geschäftsführer der Deula Witzenhausen GmbH, vorgestellt. Er informierte über das Bildungszentrum für angewandte Technik und präsentierte den Rahmenvertrag, der mit den Maschinenringen in Hessen geschlossen wurde. Im Mittelpunkt steht die Qualifizierung von Personal im Bereich der Landschaftspflege. So werden Lehrgänge von der Motorsäge über selbstfahrende Arbeitsmaschinen bis hin zum Drohnenführerschein angeboten.

Neue Verrechnungssätze

Karl-Heinz Wiech vom LLH referierte über die Verrechnungssätze für die Arbeitsverfahren der Landschaftspflege und der Kommunalarbeiten in Hessen ab 2020. Es handelt sich hierbei um Orientierungswerte, die vom Landesarbeitskreis überbetriebliche Maschinenverwendung (LAK) in Zusammenarbeit mit dem LLH erarbeitet wurden. Alle Hessischen ÜMV-Organisationen sind im LAK vertreten.

Für den Nutzer sind viele Informationen zur Preisgestaltung von Arbeitsverfahren enthalten. Neben den Kalkulationsgrundlagen für Einzelmaschinen werden auch die Kosten für komplette Arbeitsverfahren aufgeführt. Der Referent ging im Besonderen auf die Zusammensetzung der Lohnkostenkalkulation ein. Grundlage der Kalkulation sind die Tarifvereinbarungen in der Landwirtschaft, wobei die Lohnnebenkosten aufgrund spezieller Anforderungen verändert wurden. Zusätzlich wurde für die unternehmerische Tätigkeit ein Risikozuschlag in der Kalkulation berücksichtigt. Somit ergibt ein Bruttolohnaufwand von 35 € pro Stunde als Orientierungswert. Kosten für die Finanzierung und Unterhaltung von Unterstellflächen für Maschinen oder für Gebäude sind darin nicht enthalten.

Das Heft kann beim WBL-MR Hessen, Pfützenstraße 67, 64347 Griesheim oder per E-Mail info@wbl-mr-hessen.de für einen Beitrag von 8,00 € (5 € Schutzgebühr plus 3 € Porto und Bearbeitung) bestellt werden.

Praktiker berichten über ihre Arbeit

Auch Praktiker kamen in Frankenau zu Wort. Ihr Einsatz in der Landschaftspflege reicht von der reinen Handarbeit über handgeführte Maschinen bis hin zu teuren Spezialmaschinen. Praktiker Rudi Stolz sprach u.a. Bearbeitungsschwierigkeiten bei unterschiedlichen Flächenstrukturen an. Daraus resultiere auch eine umfangreiche Handarbeit. Etliche seiner Maschinen wie z. B. ein Schwader zur Abfuhr von Grünmaterial sind daher handgeführt.

Philipp Heimel (LLH) referierte stellvertretend für Landwirt Heinrich Emden über den Einsatz eines Doppelmessermähwerkes. Ökonomische und ökologische Gründe waren für die Anschaffung dieser Mähtechnik entscheidend. Die Technik hat trotz einer Arbeitsbreite von 9 Metern ein geringes Eigengewicht, hat einen geringeren Zugkraftbedarf und spart, gegenüber einem Trommelmähwerk, rund 60 % Kraftstoff. Die Arbeitsleistung mit mehr als vier Hektar pro Stunde ist sehr hoch. Insekten werden durch diese Balkenmähtechnik geschont und der Bodendruck der Maschine ist gering.

Christoph Tepel vom Landschaftspflegeunternehmen Rohde GmbH stellte die Firma und den umfangreichen Maschinenpark der Firma vor. Die Firma hat sieben Festangestellte, die in den Bereichen Baumpflege und –fällungen, Mäh- und Mulcharbeiten, Forstmulcharbeiten, Gartenpflege, Kommunalarbeiten (Heckenschnitt), Arbeiten im Naturschutz sowie in der Landschaftspflege tätig sind. Das Anlegen von Blühstreifen entlang der Autobahn wird ebenfalls von der Firma durchgeführt.

Die Sicherheit im Blick behalten

Sicherheit ist bei der Arbeit mit Maschinen und in teilweise unebenen Gelände immer ein wichtiges Thema. Zum Abschluss des theoretischen Teils berichtete Hans-Gerd Coenen von der GHV Darmstadt über die Gefahren und den optimalen Versicherungsschutz. Er erläuterte verschiedene Versicherungsangebote um Sachwerte, Vermögen, Familie und Mitarbeiter, sowie sich selbst zu schützen.

Eine lebhafte Diskussionsrunde leitete Karlfried Kuckuck vom Landkreis Waldeck- Frankenberg und beendete den Vormittag mit einem Schlusswort.

Maschinenvorführung

Die Veranstaltung wurde am Nachmittag mit einer praktischen Vorführung von Landschaftspflegegeräten fortgesetzt. Im Einsatz waren verschiedene Maschinen zum Mähen mit einem Doppelmessermähwerk und ein Handschwader. Die Abfuhr vom Aufwuchs wurde mit einem Fahrzeug der Firma Reform vorgeführt. Die Maschine kann mähen, laden und abfahren in einem Arbeitsgang erledigen. Der Schnitt von Hecken mit Abfuhr, sowie das Entfernen von Hecken mit einem Forstmulcher wurden demonstriert. Die Vorführung wurde naturschutzfachlich von Carsten Müller begleitet.


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