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Getreidelagerung: Vorratsschutz gezielt planen

Düngungs- Pflanzenschutz- und Pflegearbeiten der Getreidebestände schließen in wenigen Wochen ab. Zeit, sich spätestens dann mit der Einlagerung dieser, noch auf dem Halm stehenden Ernte auseinanderzusetzen.

Denn, nach wie vor verursachen Vorratsschädlinge wie Kornkäfer, Motten oder Milben in eingelagertem Getreide immer wieder erhebliche Schäden und Qualitätsverluste.

Nutzen Sie die verbleibende Zeit bis zur Ernte, um die Getreideläger gründlich und intensiv zu reinigen. Besonders Ritzen, Ecken und Fugen der Läger müssen zunächst mit dem Besen und anschließend mit einem Industriestaubsauger gründlich gereinigt werden. Bereits ein geringer Ausgangsbefall mit Schädlingen kann zum kompletten Befall  der neuen Ernte führen.

Vorhandenes Altgetreide niemals mit der neuen Ernte vermischen, sondern, auch wenn dies z.T. sehr aufwendig ist, auslagern bzw. so umlagern, dass es als erstes verfüttert wird!

Eine chemische Behandlung der leeren Speicherräume bringt zusätzliche Sicherheit vor Schädlingen: Bei der Behandlung der Lagerräume sind alle Flächen, Ritzen und Winkel sowie benutzte Maschinen, Geräte und Fördertechnik gründlich zu benetzen.
In dichten oder abdichtbaren Räumen und Silos besteht die Möglichkeit, durch Vernebeln von entsprechenden Präparaten eine direkte Bekämpfung von versteckt sitzenden Schädlingen zu erreichen. Für diesen speziellen Zweck stehen Verneblungsdosen/-automaten zur Verfügung.

Für Begasungen ist eine behördliche Genehmigung erforderlich; die Durchführung der Maßnahme darf nur über konzessionierte Firmen mit Fachpersonal erfolgen (Begasungsmittel sind hier nicht aufgeführt).

Für die Einlagerung des Getreides muss eine Feuchtigkeit kleiner 14 % angestrebt werden; die Temperaturen im Lager dürfen langfristig 10 °C nicht übersteigen. Daher ist die Belüftung nach der Einlagerung bei kühlen Temperaturen wichtig, um warm geerntetes Getreide abzukühlen. Bei hohen Tagestemperaturen enthält die Luft deutlich mehr Wasser als bei niedrigen Nachttemperaturen; deshalb darf warme, wasserreiche Luft nicht zur Belüftung des Getreidelagers genutzt werden.

Hinweis

Ernteprodukte mit qualitativen Mängeln dürfen nicht vermarktet oder verfüttert werden. Der Landwirt ist verantwortlich für die Qualität der eingelagerten Lebens- bzw. Futtermittel.

Seit 2005 gelten EU weit Cross Compliance-Anforderungen,  d.h. Landwirte sind sowohl an die rechtlichen Regelungen des geltenden landwirtschaftlichen Fachrechtes als auch an die rechtlichen Regelungen zu Cross Compliance  gebunden. Die Auszahlung der Agrarförderung ist u.a. an die Einhaltung all dieser Vorschriften  gekoppelt. Verstößt der Landwirt gegen Vorgaben, drohen ihm Kürzungen und damit finanzielle Verluste.  Dies gilt auch für den Bereich der Futter- und Lebensmittel. Verschiedene Verordnungen weisen dem Landwirt als Lebensmittel- bzw. Futtermittelerzeuger die Verantwortung für das Inverkehrbringen sicherer Lebens- und Futtermittel zu.

Lagerschutz mit Säuren beziehungsweise Säuregemischen

Dosiergerät für Futtergetreide
Auch für kleinere Getreidemengen geeignet: Mit Hilfe eines Dosiergerätes wird das einzulagernde Futtergetreide über eine Schnecke mit Propionsäure konserviert.

Eine weitere Möglichkeit Getreide, das ausschließlich zum Verfüttern vorgesehen ist, vor Schaderregern zu schützen, ist die Zugabe von Säuren bzw. Säuregemischen. Landwirte, die Getreide oder auch Leguminosen zur Fütterung lagern, können mit diesem Verfahren nicht nur längerfristig konservieren, sondern schalten gleichzeitig Schaderreger und Schädlinge weitestgehend aus; das Verfahren ist in vielen tierhaltenden Betrieben mittlerweile Standard. Technische Voraussetzung für dieses Verfahren sind ein Dosiergerät, eine säurefeste Schnecke und ein Vorratsbehälter mit Säure. Das Verfahren kann z.B. für Betriebe interessant sein, die keine Trocknung besitzen, eine größere Investition vermeiden wollen oder aber unterschiedliche Läger nutzen.

Worauf bei der Lagerung zu achten ist

Viele Prüfkriterien sind seit langem etabliert und eigentlich eine Selbstverständlichkeit, werden jedoch im Alltagsgeschäft übersehen und vernachlässigt – mit z.T. gravierenden Konsequenzen.

Einteilung der Prüfkriterien

Die Prüfkriterien lassen sich im Wesentlichen in nachfolgende Bereiche einteilen:

Lagerschutz

Ein Getreidelager muss sauber, trocken und kühl sein
Ein Getreidelager muss sauber, trocken und kühl sein.

Punkte, die beim Lagerschutz zu beachten sind:

Messgerät zur Ermittlung der Lagerstabilität
Der Wasseraktivitäts (aw-Wert) liegt mit 0,586 und einer Lagertemperatur des Weizens von 15,66 °C im "grünen" Bereich. Mit Hilfe dieses Gerätes kann die Lagerstabilität ermittelt werden.

Der LLH bietet das kostenpflichtige Beratungsangebot  „Lagercheck und Vorratsschutz“  an. Zusammen mit dem Betriebsleiter erarbeitet der Berater ein Konzept, um die Situation im Betrieb Schritt für Schritt zu optimieren. Ziel ist es, das Erntegut für die Vermarktung oder die Verfütterung in qualitativ und quantitativ hochwertigem Zustand zu erhalten, sowie alle rechtlichen Vorgaben zu erfüllen.

Mit Hilfe neuester Messtechnik haben die LLH-Berater nicht nur die Möglichkeit die Temperatur und die Luftfeuchte im Getreidestapel festzustellen, sondern auch den Wert für die Wasseraktivität (aW-Wert) des Getreides zu bestimmen. Der Wert beschreibt den im Getreide ungebunden Anteil an Feuchtigkeit, der für Schaderreger und Atmungsprozesse verfügbar ist, und so ggf. auch zur Mykotoxinbildung im Lager führen kann (Münzing, MRI Detmold).

(Weitere Infos dazu auch in: „ Getreidelagerung. Sauber, sicher und wirtschaftlich“, 2013, Hrsg.: Heinz Gengenbach u.a. in der Reihe AgrarPraxisKompakt. Ein Kooperationsprojekt des DLG Verlags mit dem LLH).

Das Beratungsangebot des LLH richtet sich an alle hessischen Betriebe, unabhängig von der Größe beziehungsweise Lagermenge.

[Stand Juli 2017]