Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Analyse, Strategie & Finanzen

Stroh: verkaufen, tauschen, behalten?

Die Ernte steht kurz bevor. Vielen Betriebsleitungen, die in den vergangenen Jahren das Stroh von ihren Flächen verkauft oder gegen organischen Dünger getauscht haben, stellen sich dieser Tage die Frage, welchen Wert das Stroh in diesem Jahr hat. Die stark gestiegenen Mineraldüngerpreise wirken sich dementsprechend auch auf die Strohpreise aus. In die Überlegung, Stroh abzugeben, sollten eine Vielzahl von betrieblichen Gegebenheiten einfließen. So spielt der finanzielle Aspekt aus betriebswirtschaftlicher Sicht eine große Rolle. Allerdings sollten auch die langfristigen Aspekte, wie der Erhalt oder die Erhöhung des Humusgehaltes und die damit einhergehende Bodenfruchtbarkeit nicht unberücksichtigt bleiben. Des Weiteren sollten Kriterien wie die Fruchtfolge, der Erosionsschutz oder auch phytosanitäre Gründe, wie Reduktion des Krankheitsdruckes, mit in die Entscheidung einbezogen werden.

In dieser Betrachtung wird der Schwerpunkt auf den finanziellen Wert des Strohs gelegt. Betriebsindividuelle Faktoren und die Kosten für die Strohbergung werden nicht mitberücksichtigt. Betriebe, die ihr Stroh in Ballen verkaufen, müssen noch ihre Aufschläge für Pressen, Transport, gegebenenfalls Lagerung und den Unternehmergewinn vornehmen.

Nährstoffwert von Stroh

Tabelle 1

StrohKorn-Stroh-Verhältniskg je dt
StickstoffPhosphorKaliumMgSHumus-C
Weizen0,70,50,31,40,20,1810
Gerste0,60,50,31,80,20,1810
Triticale0,80,50,31,80,20,1810

Der Strohwert pro Hektar Fläche wird vor allem durch die Kultur und den Ertrag beeinflusst. Der Strohertrag kann vom Kornertrag abgeleitet werden. So ist der Strohertrag bei Weizen bei dem 0,8-fachen des Kornertrags. Gerste liegt bei dem 0,7-fachen und die Triticale bei dem 0,9-fachen des Kornertrags. Diese Werte stellen allerdings die gesamte Halmlänge dar. Beim Mähdrusch verbleiben jedoch Stoppeln in Höhen von ca. 10-15 cm. Für die Kalkulation wurde ein Abschlag für die Stoppeln in Höhe von dem 0,1-fachen angenommen. Die Nährstoffentzüge für das Stroh der einzelnen Kulturen unterscheidet sich leicht, dies verdeutlicht die Tabelle 1.

Für die genaue Bewertung des Strohs müssen im ersten Schritt die Kosten pro Kilogramm Nährstoff festgelegt werden. In Tabelle 2 wurden verschiedene mineralische Stickstoff- und Grunddünger mit den derzeitigen Preisen aus Hessen und Rheinland-Pfalz hinterlegt (Stand Ende Juni 2022). Auf dieser Basis wurden die Preise pro Kilogramm Nährstoff errechnet. Diese Nährstoffpreise bilden den Grundstock für die weitere Berechnung.

Tabelle 2

DüngemittelPreisNährstoffpreis
Kalkammon 27 % N65,50 €/dt2,43 €/kg N
Harnstoff 46 %N85,00 €/dt1,85 €/kg N
AHL 28 % N65,00 €/dt2,32 €/kg N
ø-Stickstoffpreis2,20 €/kg N
Triple-Phosphat 46 % P2O589,00 €/dt1,93 €/kg P2O5
60er Kali90,00 €/dt2,00 €/kg K2O5
SSA68,00 €/dt2,20 €/kg N
0,91 €/kg S
Kalimagnesia 30 % K2O, 10 MgO72,00 €/dt1,00 €/kg K2O5
1,20 €/kg MgO

Bei einem kalkulierten Kornertrag von 80 dt/ha bei Weizen und einem Korn-Stroh-Faktor von 0,7 ergibt sich hier ein Strohertrag von 56 dt/ha. Bei den derzeitigen Nährstoffkosten (2,20 €/kg N) errechnet sich ein Strohwert von 273,47 Euro/ha. Hierbei ist lediglich die Abfuhr der Nährstoffe bewertet. Effekte, wie zum Beispiel die Kosten für die Ausbringung der Nährstoffe oder auf den Humusgehalt wurden noch nicht berücksichtigt. Die Tabelle 3 verdeutlicht, dass der Strohwert pro Hektar trotz identischen Kornertrag zwischen den drei Kulturen unterschiedlich ist, dies ist auf den unterschiedlichen Strohertrag sowie die leicht unterschiedlichen Nährstoffgehalte zurückzuführen.

Tabelle 3

Strohwert pro Hektar
ErtragNährstoffpreis
hochmittelniedrig
Korn
dt/ha
Stroh
dt/ha
2,20 €/kg N2,00 €/kg N1,00 €/kg N
Weizen8056273,47205,28111,91
Gerste8048272,80201,94110,86
Triticale8064363,74269,25147,81

Zudem zeigt diese Abbildung den Strohwert bei unterschiedlichen Nährstoffkosten auf. Der Strohwert für Weizen liegt bei einem Nährstoffpreisniveau von 2,00 Euro/kg N bei 205,28 Euro/ha und bei 111,91 Euro/ha bei einem Nährstoffpreisniveau von 1,00 Euro/kg.

Abb. 1: Strohwert pro Hektar inkl. Ausbringkosten Mineraldünger

Verkauf von Stroh

Beim Strohverkauf ab Schwad sollten die Ausbringkosten für den Nährstoffausgleich mitberücksichtigt werden. Hierbei sind die betriebsindividuelle Düngestrategie und die damit entstehenden Ausbringkosten entscheidend. In dieser Kalkulation wird mit einer zweimaligen Überfahrt mit dem Mineraldüngerstreuer kalkuliert. Pro Überfahrt wurden Kosten in Höhe von 14,57 Euro/ha eingeplant. Somit ergeben sich die in Abbildung 1 aufgezeigten Strohwerte pro Hektar. Diese sollten um zusätzliche betriebsindividuelle Faktoren wie zum Beispiel Unternehmergewinn, Humuszehrung und Erosionsschutz erhöht werden.

Tausch: Stroh gegen organische Düngemittel

In vielen Regionen ist der Tausch von Stroh gegen organische Düngemittel wie Mist oder Gülle Standard. Bei dieser Verfahrensweise ist entscheidend, ob die Gülle oder der Mist frei Fläche ausgebracht zurück auf den Betrieb kommt oder die Ausbringung vom Betrieb selber getragen wird.

Tabelle 4

GülleAnrechenbarkeit im N
in %
N anrechenbar
kg N/m3 o. t.
Wertigkeit der Gülle
€/m3 o. t.
Milchviehgülle70 %2,5218,20
Gärsubstrat, flüssig70 %3,4322,02
Rindermist35 %1,92528,36

In dieser Betrachtung soll der Strohwert durch die Ausbringung entsprechender Gülle- und Mistmengen ausgeglichen werden. Es wird davon ausgegangen, dass der viehhaltende Betrieb den Dünger frei Fläche ausbringt. Hierzu werden die durchschnittlichen Nährstoffgehalte der Milchviehgülle, des flüssigen Biogassubstrats sowie des Rindermistes (https://llh.hessen.de/pflanze/boden-und-duengung/wirtschaftsduenger/naehrstoffgehalte-organischer-duenger/) und die Anrechenbarkeiten des Stickstoffes berücksichtigt. Durch die Berechnung auf Grundlage des anrechenbaren Stickstoffes sind etwaige Ausbringverluste bereits einkalkuliert. In Tabelle 4 zeigt sich, dass bei den aktuellen Nährstoffpreisen (siehe Tabelle 2) ein Wert für die Milchviehgülle bei einer 70 % Anrechenbarkeit des Stickstoffs von 18,20 €/m³ entsteht. Gärsubstrat erreicht einen Wert von 22,02 €/m³. Bei Rindermist ist die Anrechenbarkeit des Stickstoffes bei 35 % somit ergibt sich ein Wert von 28,36 €/t.

Tabelle 5

GülleKulturAusgleich organischer Dünger pro ha bei  unterschiedlichem Nährstoffpreis
2,20 €/kg N2,00 €/kg N1,00 €/kg N
MilchviehgülleWeizen15,03 m³/ha14,34 m³/ha15,02 m³/ha
Gerste14,99 m³/ha14,10 m³/ha14,87 m³/ha
Triticale19,99 m³/ha18,80 m³/ha19,83 m³/ha
BiogassubstratWeizen12,42 m³/ha11,91 m³/ha12,36 m³/ha
Gerste12,39 m³/ha11,72 m³/ha12,25 m³/ha
Triticale16,52 m³/ha15,62 m³/ha16,33 m³/ha
RindermistWeizen9,64 t/ha9,68 t/ha9,86 t/ha
Gerste9,62 t/ha9,52 t/ha9,77 t/ha
Triticale12,82 t/ha12,70 t/ha13,02 t/ha

Auf dieser Grundlage ergeben sich für den Ausgleich des Strohs bei Weizen durch Milchviehgülle ca. 15,03 m³/ha. Bei Gärsubstrat beträgt die Güllemenge ca. 12,42 m³/ha. Bei Rindermist liegt der Wert bei 9,64 t/ha. Die Abgabe von Triticale sollte bei dem kalkulierten Ertragsniveau mit mindestens 19,99 m³/ha Milchviehgülle, 16,52 m³/ha Gärsubstrat oder 12,82 t/ha Rindermist ausgeglichen werden. Tabelle 5 verdeutlicht, dass die Güllemenge bei unterschiedlichem Nährstoffpreisniveau ungefähr gleichbleibend ist. Dies resultiert aus der Bewertung des Strohs und der Gülle mit identischen Nährstoffpreisen.

Auch bei dem Tausch Stroh gegen Gülle oder Mist können noch betriebsindividuelle Faktoren mit einfließen, die einen etwas höheren Nährstoffrückfluss über die Gülle bedeuten würden. Allerdings sollte bei den derzeitigen Nährstoffpreisen berücksichtigt werden, dass die Stickstoffverfügbarkeit der Gülle in der Regel höher ist als beim Stroh. Aus diesem Grund kann eine Strohabgabe gegen Gülle – kurzfristig gesehen – attraktiver sein.

Sollte die Ausbringung der Gülle durch den strohabgebenden Betrieb erfolgen, dann sollte ein Ausgleich in finanzieller Form oder durch entsprechend mehr organischen Dünger erfolgen.

Die Kalkulation verdeutlicht, dass unter den derzeitigen Nährstoffpreisen der Strohwert deutlich ansteigt. Betriebe, die Stroh ab Schwad oder in Ballen verkaufen, sollten diesen gestiegenen Wert in ihrer Berechnung berücksichtigen. Eine betriebsindividuelle Berechnung ist unerlässlich. Unterschiedliche Ertragsniveaus und betriebliche Voraussetzungen sollten hier einbezogen werden. Beim Tausch von Stroh gegen organische Düngemittel ist festzustellen, dass die Menge des Düngemittels pro Hektar auch bei unterschiedlichen Nährstoffpreisen gleichbleibt.


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