Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Unternehmensführung

Buchführungsergebnisse der hessischen Haupterwerbsbetriebe WJ 2019/20, konventionell

Alle Betriebsformen im Plus – Gewinnverdopplung in den Veredlungsbetrieben

Die in der hessischen Regionalstatistik ausgewerteten 457 Haupterwerbsbetriebe erzielen im WJ 2019/20 einen durchschnittlichen Unternehmensgewinn von 73.173 €. Das um Investitionszulagen sowie zeitraumfremde Einflüsse bereinigte „ordentliche Ergebnis“ steigt ebenfalls auf 73.010 €. Das ist das beste Ergebnis in den letzten 5 Wirtschaftsjahren. Gegenüber dem Vorjahr steigt der Gewinn um 15.739 € oder 27,4% und liegt damit auch 21,8 % über dem 5-Jahresdurchschnitt.

Eine wichtige Kennzahl für die Leistungsfähigkeit der Betriebe ist die zeitraumechte und bereinigte Eigenkapitalbildung. Mussten die Betriebe bereits in den Wirtschaftsjahren 2014/15 und 2015/16 Eigenkapitalverluste hinnehmen, konnten sie zumindest 2017/18 durchschnittlich 12.812 € Eigenkapital bilden. Im WJ 2018/19 ging die Eigenkapitalbildung deutlich auf 843 € zurück, im Wirtschaftsjahr 2019/20 erhöht sich dieser Wert wieder auf 12.051 €. Die Ergebnisse des letzten Wirtschaftsjahres wirken sich auch auf die Investitionstätigkeit aus. Nach mehreren Wirtschaftsjahren in Folge mit jährlich sinkenden Investitionen sind diese wieder angestiegen. Im Wirtschaftsjahr 2019/20 steigen sowohl die Bruttoinvestitionen von 57.908 € auf 64.682 € als auch die Nettoinvestitionen von 9.270 € auf 15.248 €.

Je ha LF erhöht sich der Gewinn um 24,7 % von 477 € auf 595 €. Die bewirtschaftete Fläche der ausgewerteten Betriebe beträgt 122,97 ha und ist somit 2,58 ha größer als im Vorjahr. Der Viehbesatz geht erneut zurück von 122,8 VE/ 100 ha im Vorjahr auf nunmehr 117,4 Vieheinheiten je 100 ha LF. Einzig beim Geflügel wird der Viehbesatz etwas gesteigert.

Der Gewinn je nichtentlohnter Arbeitskraft (in der Regel also die familieneigenen Arbeitskräfte) steigt um 27,6 % von 38.591 € auf 49.245 €. Wie im Vorjahr liegt er über dem gewerblichen Vergleichslohn, der für das WJ 2019/20 mit 37.692 € (Vorjahr 36.630 €) angegeben wird.

Gewinn je Unternehmen in €

Allgemeine AusrichtungWJ 2018/2019WJ 2019/2020Veränderung in %
Ackerbau       115 Betriebe45.70550.627+ 10,8
Futterbau      180 Betriebe68.90369.397+ 0,7
Veredlung       48 Betriebe66.239134.944+ 103,7
Verbund        114 Betriebe47.12775.869+ 61,0
Insgesamt     457 Betriebe57.43473.173+ 27,4

Erträge steigen deutlich stärker als die Aufwendungen

Die betrieblichen Erträge verbessern sich um 24.769 € auf nunmehr 423.140 €.

Maßgeblich gehen die Ertragssteigerungen auf Mehrerlöse bei Schweinen von 21.273 € zurück.

Im Bereich der Bodenproduktion können Mehrerlöse bei Getreide, Kartoffeln und Zuckerrüben aufgrund höherer Ernteerträge festgestellt werden, gleichzeitig fielen bei Feldgemüse und Raps die Erlöse deutlich ab.

In der Milchproduktion ist ein moderater Anstieg der Milchmenge je Kuh um 3,1% auf 8.689 kg verkaufte Milch je Kuh und Jahr zu verzeichnen. Aufgrund eines aber um 1% gesunkenen durchschnittlichen Milchpreises auf 34,59 ct und einer Bestandsabstockung um 6,1% ergeben sich per Saldo 4,1% niedrigere Milcherlöse. Die Erlöse aus dem sonstigen Rindfleischverkauf bleiben mit einer Steigerung von nur 439 € weitgehend unverändert.

Gleichzeitig erhöhen sich die betrieblichen Aufwendungen um 9.493 € auf 343.455 €.

Maßgeblich gibt es hier bei den Aufwandspositionen Tierzukäufe (+28,9%) und sonstiger betrieblicher Aufwand, insb. Unterhaltungsaufwand (+9,9%) Kostensteigerungen.

Enorme Gewinnsteigerung in den Veredlungsbetrieben

Im Wesentlichen ist die Gewinnsteigerung im Durchschnitt aller HE-Betriebe durch einen in dieser Größenordnung bisher noch nicht verzeichneten Gewinnsprung bei den Veredlungsbetrieben verursacht. Der Gewinn der 48 ausgewerteten Veredlungsbetrieben verdoppelt sich auf 134.944 €.

Die 25% besten Veredlungsbetriebe erzielen sogar einen Gewinn von 209.057 €.

Der starke Preisanstieg bei Schweinefleisch (+23,1%) und in der Folge auch bei Ferkeln (+27,5%) aufgrund der starken Exportnachfrage aus Asien ist die Ursache für diese sehr erfreuliche Entwicklung, die die Veredlungsbetriebe nach mehreren schlechten Jahren auch dringend benötigen.
Dagegen stagnieren die Gewinne in der für Hessen wichtigsten Betriebsgruppe der Futterbau-Milchviehbetriebe. Sie verzeichnen lediglich ein geringes Gewinnplus von +0,7% auf 69.397 €. Die Ackerbaubetriebe können sich ebenfalls um 10,8% auf 50.627 € verbessern, bilden aber immer noch das Schlusslicht der einzelnen Produktionsausrichtungen. Die inzwischen mehrjährigen Dürreeinflüsse wirken sich hier nach wie vor aus.

Die Verbundbetriebe profitieren mit ihrem traditionell höheren Anteil im Betriebszweig Schweine ebenfalls deutlich von der guten Schweinepreisentwicklung und liegen im aktuellen WJ mit 75.869 € an zweiter Stelle im Vergleich der einzelnen Produktionsausrichtungen.

Zulagen und Zuschüsse leicht gestiegen

Infolge der leicht angewachsenen Betriebsfläche sind auch die Zulagen und Zuschüsse gegenüber dem Vorjahreswert von 44.183 € auf 46.237 € gestiegen. Die EU-Direktzahlungen mit 34.186 € je Betrieb haben hier mittlerweile einen Anteil von 8% an den betrieblichen Erträgen und knapp 47% vom erzielten Gewinn.

Einkommensdisparität wieder enorm

Bei den „erfolgreichen Betrieben“ (oberstes Viertel) steigt der Gewinn um 35.208 € auf 167.528 €. Er beträgt damit das 2,3-fache des Durchschnitts aller Betriebe.

Dagegen erzielen die „weniger erfolgreichen Betrieben“ (unterstes Viertel) lediglich einen bescheidenen Gewinn von 4.743 € (6,5% vom Durchschnitt.)

Mit 160 ha bewirtschaften die 25% erfolgreichen Betriebe ca. 37 ha mehr LF (+30%) als der Durchschnitt. Darüber hinaus haben sie mit 170 VE/ 100 ha auch einen 45% höheren Viehbesatz. Intensiveres Wirtschaften macht sich also auch deutlich im Betriebsergebnis bemerkbar.

Entwicklungstendenzen im laufenden WJ 2020/21

So deutlich die Gewinne in den Veredlungsbetrieben in 2019/20 auch angestiegen sind, so dramatisch werden sie im laufenden WJ wieder einbrechen. Durch den Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest auch in Deutschland und dem damit einhergehenden Exportverbot sowie der coronabedingt schwächelnden Binnennachfrage sind sowohl die Mastschweine –als auch Ferkelpreise um 30-40% eingebrochen. Wenn es im 1. Halbjahr 2021 nicht noch eine deutliche Preiserholung gibt, werden wir im Durchschnitt aller Veredlungsbetriebe einen deutlich fünfstelligen Verlust zu verzeichnen haben. Das wird auch das Ergebnis aller HE-Betriebe auf einen mehrjährigen Tiefstand herunterziehen, zumal bei den Futterbau-Milchviehbetrieben leider keine Verbesserung des Milchpreises in Sicht ist und die Rindsfleischpreise ebenfalls leicht rückläufig sind.
Lediglich die Ackerbaubetriebe können bessere Ernteerträge und auch im Herbst bessere Produkterlöse erzielen, so dass wir hier mit einer moderaten Gewinnsteigerung rechnen.

Haupterwerbsbetriebe insgesamt

Ursachen der GewinnveränderungErträge und Aufwendungen in €/Betrieb
Nr.KennwertWJ 2018/19WJ 2019/20Veränderung in €Veränderung in %
1030Landwirtschaftlich genutzte Fläche in ha120,39122,97– 2,58                   + 2,1
4000Betriebliche Erträge insgesamt398.371423.140        24.769,26                   + 6,2
4010Umsatzerlöse insg.338.537359.810        21.273,54                   + 6,3
4100Umsatzerlöse Pfanzenprod insg.73.43875.995          2.557,56                   + 3,5
4112Getreide34.19141.318          7.127,16                + 20,8
4125Raps11.3176.763– 4.553,31– 40,2
4130Kartoffeln3.7324.673             940,77                 + 25,2
4140Zuckerrrüben4.3345.288             953,67                 + 22,0
4150Feldgemüse12.6419.223– 3.418,20– 27,0
4200Umsatzerlöse Tierproduktion insg.233.075252.826        19.751,28                  + 8,5
4220Rinder26.24526.684             439,47                  + 1,7
4230Milch110.518106.000– 4.517,88– 4,1
4240Schweine81.865103.172        21.306,63                 + 26,0
4260Geflügel10.71512.297          1.582,29                + 14,8
4300Umsatzerlöse Dauerkulturen, Obst, Wein6.5012.090– 4.410,57– 67,8
4500Sonstige betriebliche Erträge insg.60.19563.6983.503+ 5,8
4382Umsatzsteuer (zeitraumzugehörig)15.29016.970          1.680,33               + 11,0
4500Sonstige betriebliche Erträge insg.60.19563.698          3.503,46                 + 5,8
4510dar. Zulagen und Zuschüsse insg.44.18346.237          2.053,59                  + 4,6
4530   davon Zins- und Investzuschüsse8431.230             386,97                 + 45,9
4560            Agrardieselerstattung3.7323.566– 165,96– 4,4
4655            EU-Direktzahlungen32.98734.186          1.198,80                   + 3,6
4680            Ausgleichszulage2.5282.828             300,12                 + 11,9
4690            Zahlungen umweltger. Erzeugung2.4082.828             420,51                 + 17,5
4900dar. Zeitraumfremde Erträge7.5857.870             285,51                  + 3,8
5000Betriebliche Aufwendungen insg.333.962343.455          9.493,35                  + 2,8
5100Materialaufwand insges.193.226199.334          6.108,42                  + 3,2
5111Saat-Pflanzgut10.2339.838– 395,55– 3,9
5112Düngemittel12.88212.912               30,12                  + 0,2
5113Pflanzenschutz12.40011.436– 963,96– 7,8
5211Tierzukäufe34.43244.392          9.960,63                 + 28,9
5280Futtermittel60.79757.673– 3.124,02– 5,1
5291Tierarzt und Besamung8.3078.608             300,99                   + 3,6
5351Heizmaterial, Strom, Wasser9.9929.715– 277,74– 2,8
5355Treib- und Schmierstoffe17.21617.339             123,00                   + 0,7
5500Personalaufwand20.10518.691– 1.413,69– 7,0
5600Abschreibungen43.94244.884             941,70                   + 2,1
5700Sonst. betriebl. Aufwend. insg.76.44880.668          4.220,67                   + 5,5
5710dar. Unterhaltung20.70722.749          2.042,37                   + 9,9
5730       Betriebsversicherungen11.19611.682             485,88                   + 4,3
5741       Pacht- und Mietaufwand17.93818.446             507,39                   + 2,8
5770       Zeitraumfremder Aufwand5.1774.181– 995,79– 19,2
9000Gewinn57.43473.173        15.739,00                 + 27,4
Ursachen der GewinnveränderungErträge und Erlöse je Einheit
Nr.Kennwert2017/182018/192019/20Veränderung in %
1300Viehbesatz insg. VE/100 ha LF122,3122,8117,4– 4,4
1335Milchkühe St.36,138,035,7– 6,1
1351Mastschw. u. Läufer St.145,1146,4151,3+ 3,3
1352Zuchtsauen St.14,211,612,4+ 6,9
1411Getreideertrag o.  Körnermais dt/ha706570+ 7,7
1465Rapsertrag dt/ha33,729,533,0+ 11,9
1472Kartoffelertrag dt/ha327,6328,7360+ 9,5
1473Zuckerrübenertrag dt/ha826,6650,1755,2+ 16,2
1511Verkaufserlös Getreide €/dt14,9617,5615,87– 9,6
1565Verkaufserlös Raps €/dt35,9136,0137,37+ 3,8
1572Verkaufserlös Kartoffel €/dt14,8818,7917,94– 4,5
1573Verkaufserlös Zuckerrüben €/dt2,592,472,54+ 2,8
1612aufgezogene Ferkel je Sau26,3426,4928,26+ 6,7
1631Milchleistung kg/Kuh8159,28431,108689,40+ 3,1
6631Verkaufserlös Milch Cent/kg36,2334,9334,59– 1,0
6641Verkaufserlös Ferkel u. Läufer €/St.58,2653,4468,14+ 27,5
6651Verkaufserlös Mastschw. €/St.143,71145178,47+ 23,1

 

Gewinnsituation der hessischen Haupterwerbsbetriebe (konventionell) im WJ 2018/19 und 2019/2020
(Ergebnisse der hessischen Regionalstatistik)

1) nAK – nichtentlohnte Arbeitskräfte – nur die nichtentlohnten Familienarbeitskräfte plus evtl. nichtentlohnte Fremdarbeitskräfte
Quelle: Buchführungsergebnisse landwirtschaftlicher Betriebe in Hessen – WJ 2018/19 und 2019/20
 
E = Erfolgreiche Betriebe= Durchschnitt aus 25 % der Betriebe mit dem höchsten Wert in der Position Nettorentabilität
M = Mittelwert= Durchschnitt aller erfassten Betriebe in der Position Nettorentabilität
W = Weniger erfolgreiche Betriebe= Durchschnitt aus 25 % der Betriebe mit dem niedrigsten Wert in der Position Nettorentabilität
 
Erläuterungen zur Nettorentabilität
Gewinn in €EK-Veränderung in € je Einzelunternehmen (bereinigt um priv. Vermögensumschichtung)
je ha LFje nAK 1)je Unternehmen
2018/192019/202018/192019/202018/192019/202018/192019/20
AckerbauE79077189.989101.766112.621128.85534.34044.794
M37639735.88839.91345.70550.6278.26310.974
W-75-48-7.110-3.411-8.229-5.617-20.769-10.967
FutterbauE83688091.46395.815148.185148.90935.29527.406
M55655742.46943.13768.90369.3977.1929.102
W34341.5704.5653.0995.9314.241-2.409
VeredelungE1.1081.95894.437136.998142.048209.05724.10780.505
M6651.29741.82185.06866.239134.944-5.77544.308
W-90620-4.24231.575-7.95843.183-45.2933.550
VerbundE7111.04580.329122.266109.117176.43334.38659.579
M38761434.08853.22147.12775.8695.47722.733
W-981-3595.716-8348.062-10.107-2.972
InsgesamtE8461.04790.795112.383132.320167.52836.61951.539
M47759538.69149.24557.43473.1735.77916.724
W-2347-1.5543.590-2.2544.743-20.390-5.599

 

5-Jahres-Gewinnverlauf der hessischen Haupterwerbsbetriebe (konventionell)

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