Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Unternehmensführung

Gewinnsituation der hessischen Haupterwerbsbetriebe WJ 2020/21, konventionell

Außer Ackerbau Alle Betriebsformen im Minus

Die in der hessischen Regionalstatistik ausgewerteten 375 Haupterwerbsbetriebe erzielen im WJ 2020/21 nur noch einen durchschnittlichen Unternehmensgewinn von 60.996 € und damit fast 17 % weniger als noch im vorherigen WJ. Das um Investitionszulagen sowie zeitraumfremde Einflüsse bereinigte „ordentliche Ergebnis“ sinkt ebenfalls auf 60.489 €. Der aktuelle Gewinn liegt damit auch 4,5 % unter dem 5-Jahresdurchschnitt in Höhe von 63.850 €.

Eine wichtige Kennzahl für die Leistungsfähigkeit der Betriebe ist die zeitraumechte und bereinigte Eigenkapitalbildung. Mussten die Betriebe bereits in den Wirtschaftsjahren 2014/15 und 2015/16 Eigenkapitalverluste hinnehmen, konnten sie in den letzten 3 WJ wieder Eigenkapital bilden, zuletzt im WJ 2019/20 sogar in Höhe von 12.051 €. Im WJ 2020/21 sinkt die Eigenkapitalbildung nun wieder um 37 % auf 7.508 €. Als weitere Folge davon wird deutlich weniger Investitionsaufwand betrieben.
Gegenüber dem WJ 2019/20 sinken im Wirtschaftsjahr 2020/21 sowohl die Bruttoinvestitionen von 64.682 € auf 55.271 € als auch die Nettoinvestitionen von 15.248 € auf 4.919 €.
Je ha LF reduziert sich der Gewinn um 20,8 % von 595 € auf 471 €. Die bewirtschaftete Fläche der ausgewerteten Betriebe beträgt 129,44 ha und ist somit 6,47 ha größer als im Vorjahr. Der Viehbesatz bleibt gegenüber dem Vorjahr fast identisch bei 117,8 VE/ 100 ha. Bei den Schweinen ist gegenüber dem Vorjahr mit 76,6 VE pro Betrieb gegenüber 65,2 VE im WJ 2019/20 eine Bestandsaufstockung zu verzeichnen.
Der Gewinn je nichtentlohnter Arbeitskraft (in der Regel also die familieneigenen Arbeitskräfte) sinkt um 15,9 % von 49.245 € auf 41.404 €. Wie im Vorjahr liegt er über dem gewerblichen Vergleichslohn, der für das WJ 2020/21 mit 37.202 € (Vorjahr 37.962 €) angegeben wird.

Gewinn je Unternehmen in €

Allgemeine AusrichtungWJ 2019/2020WJ 2020/2021Veränderung
Ackerbau           93  Betriebe50.62757.609+ 13,8 %
Futterbau        149 Betriebe69.39761.753– 11,0 %
Veredlung         51 Betriebe134.94472.162– 46,5 %
Verbund           82  Betriebe75.86956.518– 25,5 %
Insgesamt      375 Betriebe73.17360.996– 16,6 %

Erträge sinken stärker als die Aufwendungen

Die betrieblichen Erträge verschlechtern sich um 13.980 € auf 409.160 €. Dies ist in erster Linie einem Erlösrückgang bei den Schweinen in Höhe von 13.470 € gegenüber dem Vorjahr geschuldet. Der Mastschweinepreis fällt um 38 € auf 140 €/Stück, der Ferkelerlös sinkt um 20 € von 68 € auf nur noch 48 €. In der Milchproduktion ist ein geringer Anstieg der Milchmenge je Kuh um 1,3 % auf 8.800 kg zu verzeichnen. Bei einem gegenüber dem Vorjahr um 0,11 ct niedrigeren Milchpreis von nur 34,48 ct sowie einer weiteren Bestandsabstockung um 6,2 % resultieren insg. 5,5 % niedrigere Milcheinnahmen. Die Erlöse aus dem Verkauf männlicher Rinder bleiben fast unverändert (1.339 zu 1.313 €/Stück WJ 2020/21).

Im Bereich der Bodenproduktion sind die höchsten Mehrerlöse mit 9.158 € im Rapsanbau zu verzeichnen, verursacht durch eine Kombination von mehr Anbaufläche, höheren Erträgen und gestiegenen Preisen. Mit Zuckerrüben konnten ebenfalls höhere Umsatzerlöse erzielt werden. Demgegenüber sank bei Kartoffeln der Ertrag um 10,8 % und der Preis um deutliche 28,4 %.

Die betrieblichen Aufwendungen reduzieren sich lediglich um 2.251 € auf 341.204 €. Dies ist hauptsächlich durch die geringeren Tierzukäufe (-18,1 %) begründet. Gleichzeitig sind die Aufwendungen für Futtermittel um 4.070 € oder 7,1 % angestiegen.

Fast Gewinnhalbierung in den Veredlungsbetrieben

Hatten die Veredlungsbetriebe im WJ 2019/20 einen Gewinnrekord erzielt, stürzen die Preise für Mastschweine um 21,5 % und für Ferkel und Läufer im WJ 20/21 um 29,7 %. Der Gewinn der 51 ausgewerteten Veredlungsbetrieben sinkt um 46,5 % auf 72.162 €. Der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest auch in Deutschland und damit das jähe Wegbrechen des Exportes sowie die verhaltene coronabedingte Inlandsnachfrage haben diesen Gewinneinbruch verursacht.

Dennoch liegen die Veredlungsbetriebe weiter an der Spitze aller ausgewerteten Betriebsformen und die 25% besten Betriebe in dieser Auswertungsgruppe erzielen auch in diesem schwierigen WJ noch einen Durchschnittsgewinn von 171.590 €.

Die Gewinne der Futterbaubetriebe, der wichtigsten Betriebsform in Hessen, sind nochmals um 11% zurückgegangen. Der Milchpreis stagniert und steigende Produktionsmittelaufwendungen insb. für Futtermittel belasten das Ergebnis.

Bei den Ackerbaubetrieben haben die letzten drei Wirtschaftsjahre erfreulicherweise zu Gewinnsteigerungen bezogen auf das WJ 2018/19 von 26 % geführt. Das letzte Spitzenergebnis des WJ 2012/13 über 76.957 € wird aber bei weitem nicht erreicht. Konnten die Verbundbetriebe im Vorjahr mithilfe des Betriebszweigs Schweine deutlich von der guten Schweinepreisentwicklung profitieren, fallen sie in diesem Jahr wieder mit nur 56.518 € Gewinn auf den letzten Platz der ausgewerteten Betriebsausrichtungen zurück.

Zulagen und Zuschüsse wieder leicht gestiegen

Weiter wachsende Betriebsflächen von 122,97 auf 129,44 ha sorgen für steigende Zulagen und Zuschüsse gegenüber dem Vorjahreswert von 46.237 € auf 48.669 €. Die EU-Direktzahlungen mit 34.560 € je Betrieb haben hier mittlerweile einen Anteil von 8,4 % an den betrieblichen Erträgen und knapp 57 % vom erzielten Gewinn.

Einkommensdisparität wieder enorm

Bei den „erfolgreichen Betrieben“ (oberstes Viertel) sinkt der Gewinn um 31.622 € auf 135.636 €. Er beträgt damit das 2,2-fache des Durchschnitts aller Betriebe. Dagegen erzielen die „weniger erfolgreichen Betrieben“ (unterstes Viertel) einen Verlust von 1.225 €.

Mit 176 ha bewirtschaften die 25% erfolgreichen Betriebe ca. 46 ha mehr LF (+36%) als der Durchschnitt. Ihr Viehbesatz liegt mit 106 VE/ 100 ha LF um ca. 10% niedriger als beim Durchschnitt mit 118 VE/100 ha LF.

Entwicklungstendenzen im laufenden WJ 2021/22

Die derzeitigen Preisrekorde im Herbst/ Winter für Getreide und Raps (z.B. beim B-Weizen über 270 €/ t und Raps von mehr als 650 € je t) könnten im laufenden WJ für eine Wende bei der Gewinnsituation sorgen. Insbesondere die Gewinne der Ackerbaubetriebe sollten sich nochmals deutlich verbessern. Erfreulicherweise steigt auch der Milchpreis in der zweiten Jahreshälfte 2021 merklich. Im Bereich der Schweinehaltung verharren die Schweinefleischpreise derzeit immer noch auf einem äußerst niedrigen und bei weitem nicht kostendeckenden Niveau von ca. 1,20 €/kg.

Am Ende könnten aber die ebenfalls stark steigenden Kosten für Betriebsmittel, insbesondere für Dünger, Futtermittel und Energie, den gewinnsteigernden Effekt erheblich beeinträchtigen. Insgesamt ist dennoch im laufenden Wirtschaftsjahr mit einer Gewinnsteigerung zu rechnen.

Ursachen der Gewinnänderung – Haupterwerbsbetriebe insgesamt

Ursachen der Gewinnänderung – Erträge und Aufwendungen in €/Betrieb
Nr.KennwertWJ 2019/20WJ 2020/21Veränd. abs.Veränd. in %
1030Landwirtschaftlich genutzte Fläche in ha122,97129,446,475,3
4000Betriebliche Erträge insgesamt423.140409.160-13.980-3,3
4010Umsatzerlöse insg.359.810347.158-12.652-3,5
4100Umsatzerlöse Pfanzenprod insg.75.99582.7126.7178,8
4112Getreide41.31841.6803620,9
4125Raps6.76315.9219.158135,4
4130Kartoffeln4.6733.624-1.049-22,4
4140Zuckerrrüben5.2886.6011.31424,8
4150Feldgemüse9.2236.601-2.621-28,4
4200Umsatzerlöse Tierproduktion insg.252.826235.840-16.987-6,7
4220Rinder26.68426.535-149-0,6
4230Milch106.000100.187-5.814-5,5
4240Schweine103.17289.702-13.470-13,1
4260Geflügel12.29714.2381.94115,8
4300Umsatzerlöse Dauerkulturen, Obst, Wein2.0901.942-149-7,1
4500Sonstige betriebliche Erträge insg.63.69864.8491.1511,8
4510dar. Zulagen und Zuschüsse insg.46.23748.6692.4335,3
4530   davon Zins- und Investzuschüsse1.2301.294655,3
4560            Agrardieselerstattung3.5663.7541885,3
4655            EU-Direktzahlungen34.18634.5603751,1
4680            Ausgleichszulage2.8282.848190,7
4690            Zahlungen umweltger. Erzeugung2.8284.4011.57355,6
4900dar. Zeitraumfremde Erträge7.8708.4145446,9
5000Betriebliche Aufwendungen insg.343.455341.204-2.251-0,7
5100Materialaufwand insges.199.334196.102-3.233-1,6
5111Saat-Pflanzgut9.83810.0962592,6
5112Düngemittel12.91213.2032912,3
5113Pflanzenschutz11.43612.4269908,7
5211Tierzukäufe44.39236.373-8.020-18,1
5280Futtermittel57.67361.7434.0707,1
5291Tierarzt und Besamung8.6088.672650,8
5351Heizmaterial, Strom, Wasser9.71510.4857707,9
5355Treib- und Schmierstoffe17.33916.180-1.159-6,7
5500Personalaufwand18.69117.992-699-3,7
5600Abschreibungen44.88445.5636791,5
5700Sonst. betriebl. Aufwend. insg.80.66881.5478791,1
5710dar. Unterhaltung22.74923.4296793,0
5730       Betriebsversicherungen11.68212.5568747,5
5741       Pacht- und Mietaufwand18.44619.1577123,9
5770       Zeitraumfremder Aufwand4.1814.142-39-0,9
9000Gewinn73.17360.996-12.177-16,6
Ursachen der GewinnveränderungErträge und Erlöse je Einheit
Nr.Kennwert2018/192019/202020/21Veränd. in %
1300Viehbesatz insg. VE/100 ha LF122,8117,4117,80,3
1335Milchkühe St.38,035,733,5-6,2
1351Mastschw. u. Läufer St.146,4151,3166,910,3
1352Zuchtsauen St.11,612,413,710,5
1411Getreideertrag o.  Körnermais dt/ha657068-2,9
1465Rapsertrag dt/ha29,53339,720,3
1472Kartoffelertrag dt/ha328,7360321-10,8
1473Zuckerrübenertrag dt/ha650,1755,2760,70,7
1511Verkaufserlös Getreide €/dt17,5615,8717,057,4
1565Verkaufserlös Raps €/dt36,0137,3740,257,7
1572Verkaufserlös Kartoffel €/dt18,7917,9412,85-28,4
1573Verkaufserlös Zuckerrüben €/dt2,472,543,0620,5
1612aufgezogene Ferkel je Sau26,4928,2627,14-4,0
1631Milchleistung kg/Kuh8431,108689,48799,71,3
6617Verkaufserlös Milchkühe €/St.628,006316675,7
6622Verkaufserlös männl. Rinder €/St.1339,0013391313-1,9
6631Verkaufserlös Milch Cent/kg34,9334,5934,48-0,3
6641Verkaufserlös Ferkel u. Läufer €/St.53,4468,1447,89-29,7
6651Verkaufserlös Mastschw. €/St.145178,47140,14-21,5

 

Gewinnsituation der hessischen Haupterwerbsbetriebe (konventionell)
im WJ 2019/20 und 2020/2021 (Ergebnisse der hessischen Regionalstatistik)

 Gewinn in €EK-Veränderung
in € je Einzelunternehmen
 je ha LFje nAK 1)je Unternehmen(bereinigt um
priv. Vermögensumschichtung)
 2019/202020/212019/202020/212019/202020/212019/202020/21
1) nAK – nichtentlohnte Arbeitskräfte – nur die nichtentlohnten Familienarbeitskräfte plus evtl. nichtentlohnte Fremdarbeitskräfte
Quelle: Buchführungsergebnisse landwirtschaftlicher Betriebe in Hessen – WJ 2019/20 und 2020/21
AckerbauE771640101.76690.203128.855112.36944.79456.179
M39746339.91344.29450.62757.60910.97421.138
W-4816-7.110828-5.6171.887-10.967-1.053
FutterbauE88876695.81585.776148.909136.79627.40642.312
M55748343.13738.32369.39761.7539.1029.724
W34-74.565-1.6965.931-768-2.409-10.174
VeredlungE1.9581.310136.998116.513209.057171.95080.50548.180
M1.29766585.06847.764134.94472.16244.3089.871
W620-7331.575-6.36043.183-7.1693.550-27.201
VerbundE1.045714122.26699.573176.433136.14859.27939.655
M61441253.22139.76975.86956.51822.73312.085
W8175.7168708.062808-2.9721.008
InsgesamtE1.047772112.38394.387167.258136.53651.53943.930
M59547149.24541.40473.17360.99616.72413.203
W47-113.590-1.6104.743-1.225-5.599-10.406
Diagramm: 5-Jahres-Gewinnverlauf der hessischen Haupterwerbsbetriebe (konventionell)

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