Künstliche Intelligenz (KI) in der Direktvermarktung

Luisa Reith, Beratungsteam Erwerbskombinationen

Künstliche Intelligenzen („KI“) sind in vielen Bereichen des öffentlichen und privaten Lebens auf dem Vormarsch. Auch in der Landwirtschaft wird KI bereits erfolgreich eingesetzt. Etwa in Melkrobotern oder autonomen Fütterungs- und Reinigungsrobotern. In Mähdreschern oder Traktoren können Arbeitsprozesse dank KI selbstständig überprüft und an veränderte Rahmenbedingungen angepasst werden, um z.B. Kraftstoff zu sparen oder die Flächenleistung zu erhöhen.

KI kann – wenn sie richtig etabliert wird – Abläufe verbessern und die Produktivität in Unternehmen steigern. Die dabei eingesparten Ressourcen (z.B. Personal) wiederum können an anderer Stelle ggf. effizienter eingesetzt werden. Stehen große Datenmengen zur Verfügung, können beispielsweise auf das Kundenverhalten abgestimmte Werbung generiert oder wiederkehrende Aufgaben automatisiert werden. Die Technologien können aber auch dabei helfen, neue potenzielle Zielgruppen zu erreichen, Rechnungen zu erstellen und Einnahmen/Ausgaben auszuwerten. Dafür jedoch sind spezielle Programme und eine teilweise hohe IT-Kompetenz notwendig.

Arbeitserleichterung mit zahlreichen Einsatzmöglichkeiten

Die Einsatzmöglichkeiten von KI in der Direktvermarktung reichen von KI-optimierter Routenplanung für den Lieferservice über KI-unterstützte Verkaufsautomaten bis hin zur Personaleinsatz-Planung im Hofladen. Im Handling der benötigten KI-Software und den damit einhergehenden Kosten gibt es große Unterschiede. So sind spezielle Softwares für Managementprogramme im Bereich Finanzen oder Kundendatenanalyse hochpreisig und lohnen sich häufig nur für größere, umsatzstarke Betriebe mit breiterer Produktpalette. Doch es gibt auch viele Anwendungsbereiche, bei denen die Betriebsleitung selber aktiv werden kann und bei denen wenig Knowhow oder spezielle Software nötig sind. Dafür eignen sich vor allem textgenerierende Modelle, wie z.B. das zurzeit nutzerstärkste Modell „ChatGPT“.

Weitere KI-Tools, die das Marketing von direktvermarktenden Betrieben vereinfachen können:

  • agriGPT
  • Jasper.Chat Ai
  • Leonardo.Ai
  • Looka
  • DeepL
  • Neuroflash
  • Kilian
  • Gemini.google
  • Copilot.microsoft

Übersicht über KI-Tools: www.cleverkitools.com; https://theresanaiforthat.com/  

In der Außenkommunikation zur Kundschaft, also genau da, wo meistens wenig Zeit bleibt, kann z.B. ChatGPT Websiteinhalte und Dokumente auf Rechtschreibung, Grammatik und Sprachstil überprüfen und exakt für die Zielgruppe passende Texte vorschlagen. Wer einen Social-Media-Kanal betreibt, kann sich Redaktionspläne erstellen lassen. Anhand des vorhandenen Profils und ggf. einer Website generiert die Anwendung zum Betrieb passende Contentvorschläge mit Thema, Text, möglichen Fotomotiven und wann veröffentlicht werden soll. Weiter kann die KI aber auch zum Betrieb passende Textbausteine und Slogans für Produkte, Flyer oder Newsletter entwerfen. Dabei können die Ergebnisse als eine Art Gedankenanstoß oder kreatives Brainstorming gesehen werden und sollten in jedem Fall kritisch gegengelesen und bei Bedarf überarbeitet werden. Weitere Unterstützung kann textgenerierende KI in der Mitarbeiterorganisation bieten, beispielsweise mit der Erstellung von Dienstplänen, Einarbeitungsplänen für neue Mitarbeitende oder Organisationschecklisten für z.B. Hoffeste.

Weitere Anwendungsfälle, wo KI- Modelle unterstützen können

  • Vorschläge für passende Schlagwörter für die Webpräsenz, um eigenes Google-Ranking zu erhöhen
  • Lieferung von Ideen für ein Brainstorming zu betrieblichen Vorhaben
  • Erstellen von Antwortschreiben bei schriftlichen Reklamationen
  • Erstellen von individuellen Newslettern für verschiedene Kundensegmente
  • Erstellen von Rechnungen
  • Erstellung von Arbeitszeugnissen
  • Analyse von Betriebsdaten, um Vermarktungsstrategie anzupassen
  • Automatisierung von Bestellungen oder E-Mail-Verkehr
  • Erstellung von KI-Bildern für Logos oder Homepage
  • Erstellung von Protokollen aus Besprechungen, welche per Audiodatei aufgezeichnet wurden

Hinweise für nutzbringende Ergebnisse

Da die Qualität der Ergebnisse sehr stark von der Qualität der Eingaben („Prompts“) abhängt, ist es enorm wichtig, präzise und eindeutig formulierte Anweisungen an das Programm zu geben.

Tipps für präzise Anweisungen („Prompts“) in textgenerierenden Sprachmodellen:

RDer KI eine Rolle zuweisen
AKlare Aufgabe geben
ZDie Zielgruppe definieren
ZZiele formulieren, die erreicht werden sollen
IHilfreiche Hintergrund-Informationen geben
ADie Art Ausgabe definieren (Tabelle, Stichpunkte; auch Sprachstil und Tonalität)

Übrigens: Ausgeworfene Ergebnisse können durch weitere, präzisere Anweisungen verbessert werden.
Und: Kostenpflichtige Versionen können durch mehr Funktionen und individualisierte Konfiguration bessere Ergebnisse liefern und haben keine eingeschränkten Nutzungslimits.

Die Tabelle zeigt als Beispiel das Ergebnis der Anweisung an ChatGPT, einen Veranstaltungsplan für ein Hoffest auszugeben.

Anweisung („Prompt“):

Du bist der Veranstaltungsplaner eines Ferienhofes in der hessischen Rhön. Deine Aufgabe ist es, ein Herbstfest für deinen Hof zu planen, bei dem regionale Produkte verkauft und traditionelle Hofaktivitäten präsentiert werden. Erstelle einen detaillierten Veranstaltungsplan für den Tag des Herbstfests mit den Aktivitäten, die du anbietest. Berücksichtige typische Herbstaktivitäten wie Apfelpressen, Kürbisschnitzen, Ponyreiten sowie saisonale Speisen und Getränke aus der Rhön. Gib den Veranstaltungsplan in Tabellenform mit den Spalten Uhrzeit, Aktivität, Beschreibung der Aktion und benötigte Materialien aus:

Ergebnis:

UhrzeitAktivitätBeschreibung der AktionBenötigte Materialien
10:00 – 11:00 UhrEröffnung des HerbstfestsBegrüßung der Gäste, Vorstellung des Programms, musikalische Unterhaltung mit regionalen Klängen.Lautsprecher, Mikrofon, Musikauftritt (z.B. Folkmusikgruppe)
11:00 – 13:00 UhrApfelpressenBesucher können eigene Äpfel mitbringen oder vor Ort gepresste Äpfel kaufen, um frischen Apfelsaft zu genießen. Kleine Führung über den Apfelanbau in der Region.Apfelpresse, Äpfel, Saftbehälter, Gläser, Tücher
11:00 – 13:00 UhrKürbisschnitzenKinder und Erwachsene schnitzen ihre eigenen Kürbisse zu Laternen für Halloween oder als Dekoration für den Hof. Anleitung durch erfahrene Schnitzer.Kürbisse, Messer, Löffel, Schablonen, Taschenlampen
12:00 – 14:00 UhrPonyreiten für KinderKinder können auf unseren gutmütigen Ponys reiten. Begleitpersonen können ebenfalls kleine Spaziergänge mit den Ponys unternehmen.Ponys, Sättel, Reithelme, Ausreitführer
12:30 – 14:00 UhrSaisonale Rhöner SpezialitätenVerkaufsstände mit regionalen Gerichten: Kartoffelsuppe, Bratwurst aus der Rhön, Apfelstrudel, Zwiebelkuchen, frischer Apfelsaft, und regionales Bier und Wein.Kochtöpfe, Stände, Tische, Zutaten (Wurst, Äpfel, Kürbis)
14:00 – 15:00 UhrHerbstliche BastelwerkstattBasteln mit Naturmaterialien wie Laub, Tannenzapfen und Kastanien, um Herbstdekorationen für Zuhause zu gestalten.Bastelmaterialien (Kastanien, Tannenzapfen, Draht, Kleber)
14:30 – 16:00 UhrKochvorführung: Rhöner HerbstkücheRegionale Köche zeigen, wie man traditionelle Rhöner Gerichte mit saisonalen Zutaten zubereitet (z.B. Kürbisgerichte, Apfelgerichte). Teilnehmer können mitkochen.Herd, Töpfe, Zutaten (Kürbis, Äpfel, Kräuter, Mehl)

Ethische Fragen im Umgang mit künstlicher Intelligenz

Die Nutzung von KI bringt viele Chancen, aber auch ethische Fragen in Bezug auf Datenschutz, Sicherheit, Richtlinien und Arbeitskräfte mit sich. Bei komplexeren KI-Systemen geht es um Fragen der Haftung, wenn Fehler durch die KI entstehen oder wieviel Autonomie der KI zugesprochen wird. KI-Technologie verursacht durch die großen Rechenleistungen aber auch hohe CO2-Emissionen und wirkt sich somit auf die Umwelt aus. Auch das Thema Arbeitsmarkt bzw. der Ersatz von Arbeitsplätzen durch KI wird kontrovers diskutiert. Ersetzt KI fehlendes Personal oder wird Personal durch KI ersetzt und hat damit existenziellen Einfluss auf bisherige Mitarbeiter? Betrachtet man die Frage der Ethik mit Bezug auf Modelle wie ChatGPT, so sind die Antworten zum Beispiel nicht immer transparent, d.h., es ist oft nicht ganz klar, woher das Wissen stammt oder ob es fehlerfrei ist. Zwei weitere Beispiele: Kann ich es selbst moralisch vertreten, das Arbeitszeugnis unserer langjährigen Mitarbeiterin von ChatGPT entwerfen zu lassen? Oder sollten wir ihr so viel Respekt entgegenbringen, uns die Zeit nehmen und es selber schreiben? Ist es hingegen okay, die Texte unserer Website überprüfen zu lassen oder KI-Technologien in Stall und Ackerbau einzusetzen, um effizienteres Arbeiten zu ermöglichen?

KI wird in Zukunft noch viele weitere Fragen aufwerfen, die ethisch zu bewerten sind. An die Beantwortung dieser sollte sich jeder persönlich mit viel Fingerspitzengefühl wagen.

Hinweis: Wenn Texte oder Antworten durch KI-Programme generiert werden, sollten diese Texte eindeutig als von „KI erstellt“ gekennzeichnet werden. Dies erhöht die Transparenz und schützt vor Missverständnissen.

Wichtig für Unternehmen: Datenschutz & Urheberrecht

Im Hinblick auf die Datenschutz-Grundverordnung müssen Unternehmen sicherstellen, dass KI-Technologien datenschutzkonform eingesetzt werden. Dies meint vor allem den Umgang mit personenbezogenen Daten als auch die Transparenz gegenüber Kunden und Mitarbeitenden. Gerade in der Direktvermarktung, wo Kunden häufig in engem Kontakt mit den Produzenten stehen, könnte die Verwendung von personenbezogenen Daten in KI-Anwendungen ohne transparente Kommunikation zu Misstrauen führen. Unternehmen benötigen außerdem die ausdrückliche Einwilligung der betroffenen Personen, bevor deren Daten mit KI verarbeitet werden. Im Umgang mit den oben gelisteten Anwendungen bedeutet dies, dass keine personenbezogenen Daten eingegeben werden sollten, da diese zum „Training“ des Programmes und damit zur Verbesserung der Antworten genutzt werden. Weiterhin gilt, dass alle Ergebnisse, die durch den Einsatz von KI-Systemen generiert werden, grundsätzlich nicht urheberrechtlich geschützt sind. Wird ein Ergebnis jedoch durch menschliche Bearbeitung verändert, oder wenn es Ähnlichkeiten mit geschützten Werken aufweist, kann eine rechtliche Grauzone entstehen.

Fazit

KI-Anwendungen in der Direktvermarktung machen Sinn für Betriebe, denen Digitalisierung Spaß macht, und wo Menschen arbeiten, die sich gerne in neue Themen einarbeiten und Zeit aufbringen, um „am Ball“ zu bleiben. Sie können eine wertvolle Unterstützung bei der Ideenfindung und Formulierung von Texten sein, ersetzen jedoch nicht die menschliche Expertise, kritisches Denken und Urteilsvermögen. Denn nur so kann sichergestellt werden, dass veröffentlichte Inhalte den betrieblichen und ethischen Werten entsprechen. Andererseits werden wir in Zukunft nicht darum herumkommen, weitere neue Technologien in den Betriebsalltag aufzunehmen. Je früher wir uns damit auseinandersetzen, desto besser. Wenn Sie also Lust haben, KI auszuprobieren, trauen Sie sich!

Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen
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