Agroforstsysteme

Bei einem Agroforstsystem (kurz Agroforst) handelt es sich um die Kombination von Bäumen und Sträuchern mit landwirtschaftlichen oder gärtnerischen Kulturen und/oder einer Tierhaltung auf derselben Fläche.

Die Gehölze werden zumeist streifenförmig angebaut. Zwischen den Gehölzstreifen liegen die Flächen mit landwirtschaftlichen bzw. gärtnerischen Kulturpflanzen und/oder die Weideflächen für die landwirtschaftliche Tierhaltung (Agroforst-Varianten). Durch die Gehölze entstehen hierbei vielerlei Effekte, die einen positiven Einfluss auf die Kulturpflanzen und Tiere haben.

Die Idee der Agroforstsysteme ist nicht neu. Vom Mittelalter bis in das 19. Jahrhundert hinein waren sie in Europa weit verbreitet. Aufgrund ihrer vielen positiven Effekte, wie z.B. der Erhöhung der Biodiversität oder der Klimaanpassung, werden Agroforstsysteme als zukunftsweisende Landnutzungsform zunehmend „wiederentdeckt“. Für die Anlage eignen sich je nach Produktionsziel und Standort verschiedene Baum- und Straucharten.

Der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen ist Ihr Ansprechpartner, wenn Sie neutrale Fachinformationen rund um das Thema Agroforst benötigen. Wir stehen im Austausch mit Forschungseinrichtungen und Agroforst-Netzwerken, um neue Erkenntnisse an Sie weitergeben zu können.

Vor- und Nachteile von Agroforstsystemen

ThemenfeldChancen / VorteileHerausforderungen / Nachteile
KlimaschutzKohlenstoffbindung in unter- und überirdischer Holzmasse 
Humusaufbau im Bereich der Gehölze 
Verringerte Bewirtschaftungsintensität und erhöhte Sauerstoffproduktion durch die Gehölze 
Verringerte Produktion von klimaschädlichen Gasen, wie z.B. Lachgas, durch geringere Dünge- & Pflanzenschutzmittelgaben 
BodenschutzVerminderte Bodenerosion durch Wasser und Wind 
Verbessertes Bodenleben durch eine längere Bodenruhe 
Erhöhter Humusanteil verbessert Speicherfähigkeit für Wasser & Nährstoffe 
WasserschutzVerringerter unter- und oberirdischer NährstoffeintragBei Gehölzflächenanteilen >25 % tlw. geringere Grundwasserneubildung
Verringerter Stickstoffeintrag v.a. im Bereich der GehölzstrukturenPflegemaßnahmen der Gewässer tlw. erschwert
Verringerte Erwärmung der Gewässer und damit verringerter Pflegebedarf 
KlimaanpassungSchutz vor Extremwetterereignissen, wie z.B. Starkregen, Frost und Hitze 
Erhöhte Wasserverfügbarkeit für landwirt. Kulturen durch besseres Mikroklima und Schutz vor Wind, Sonnenbestrahlung und Verdunstung 
Erhöhte Widerstandsfähigkeit gegen Extreme verbessert die Ertragsstabilität des gesamten Systems 
TierhaltungVerbesserte Nutzung der Weideflächen und verringerte Konzentration der Exkremente im Stallungsbereich (vgl. Freilandhaltung Hühner)Tlw. erhöhter Zäunungsaufwand in den Gehölzstrukturen
Verbesserter Schutz der Tiere vor ungünstiger Witterung Rinder, Schafe und Ziegen können die Gehölze beschädigen
Angebot einer gesundheitsfördernden Futterergänzung (Blätter)Tlw. erhöhtes Verletzungsrisiko für die Tiere bei Gehölzen mit Dornen
StandortproduktivitätVerringerung des AusfallrisikosErtragsminderung bei landwirt. Kulturen durch die Nähe zu den Gehölzen sowie eine ungünstige Gehölzausrichtung (Schattenwurf) durch ein intelligentes Anlagedesign managen
Erhöhung der Biomasseleistung bei den landwirt. Kulturen und bei den Gehölzen möglich 
Biologische VielfaltSchaffung neuer Lebensräume und Rückzugszonen für bestimmte Tier- und Pflanzenarten des strukturreichen OffenlandesBeeinträchtigung der Vögel des weiträumigen Offenlandes (Kiebitz, Feldlerche) durch ein intelligentes Anlagedesign managen
Verbesserte BiotopvernetzungAnbau von nicht gebietsheimischen Gehölzen in naturschutzfachlichen wertvollen Bereichen und deren Auswirkungen bedenken
Förderung der Nützlinge für eine natürliche Schädlingsbekämpfung, z.B. der Greifvögel zur MäusebekämpfungMögliche Ansiedlung von Schädlingen in den Gehölzstrukturen durch ein intelligentes Anlagedesign managen
Erhöhung der Strukturvielfalt 
FlächenverfügbarkeitVerbesserte Flächennutzung durch den Anbau auch auf schwierig zu bewirtschaftenden SchlägenAngespannte Flächenverfügbarkeit aufgrund des hohen Pachtflächenanteils sowie der Konditionen der Pachtverträge
 Beschädigungen bestehender Drainagen
 Abstandsregel zu den an die Gehölze angrenzenden Bewirtschaftern
Produktvielfalt und WertschöpfungsoptionenErhöhte Nachfrage nach nachhaltigen, regionalen landwirtschaftlichen ProduktenAktuell regional oft nur wenige Agroforst-Akteure vorhanden
Vielfältige Agroforstprodukte ermöglichen neue (regionale) VermarktungsmodelleAktuell oft noch geringe Zahlungsbereitschaft für neue Agroforstprodukte bei den Verbrauchern spürbar
Neue Wertschöpfungspfade stärken regionale Agroforst-Akteure