Sich im Sommer die Ernte für Herbst und Winter sichern

Helmut Müller, ehemaliger Mitarbeiter der Hessischen Gartenakademie

Mit dem Überschreiten des Johannistages (24.06.) wird auch im Gemüsegarten die zweite Hälfte des Jahres eingeläutet, was aber nicht bedeutet, dass die Vielfalt leidet. Viele Gemüsearten können in den folgenden Wochen gesät und gepflanzt werden und lassen sich dann bis in den Winter hinein ernten bzw. stehen im zeitigen Frühjahr des Folgejahres zur Ernte bereit.

Allerdings ist der Anbau von Gemüse in diesem Zeitraum besonders herausfordernd.

  • An erster Stelle ist der Wasserbedarf zu nennen: Um eine zügige Entwicklung nach der Aussaat und vor allem die Kopfbildung bei den entsprechenden Gemüsearten wie Chinakohl und Zuckerhut zu gewährleisten, muss den Pflanzen ausreichend Wasser zur Verfügung stehen.
  • Bei Kohlgewächsen ist als zweite Herausforderung der Befall durch Erdflöhe zu nennen, der aber i.A. durch den Einsatz von Kulturschutznetzen in den Griff zu bekommen ist.
  • Weiterhin ist zu beachten, dass, vor allem bei Salaten inkl. Feldsalat, aber auch bei Spinat, hohe Bodentemperaturen den Keimvorgang verhindern bzw. unterbrechen können – ein Phänomen, das als sekundäre Keimruhe bezeichnet wird. Deshalb sollten Aussaaten, die direkt ins Freiland vorgenommen werden, mit kaltem Wasser angegossen werden, um einen Kühlungseffekt zu erreichen. Sollte bei Aussaaten trotzdem zu eine Keimruhe auftreten, kann diese durch einen anschließenden Kälteimpuls gebrochen werden (z.B. indem man Aussaatkisten in den Kühlschrank stellt).

Zusätzlich stellt sich auch in dieser Periode die Frage nach Direktsaat oder Vorkultur d.h. Jungpflanzenanzucht mit anschließender Pflanzung. Da viele Beete noch belegt und die Keimbedingungen im Freiland nicht immer optimal sind, überwiegen in den meisten Fällen die Vorteile einer Jungpflanzenanzucht. Das gilt auch für Kulturen wie Spinat, Mangold oder Feldsalat. Kulturen wie Chinakohl, Zuckerhut oder Radicchio, die Pfahlwurzeln ausbilden, sollten dann allerdings möglichst früh gepflanzt werden.

Viele Gemüsearten, die im Herbst geerntet werden sollen, müssen im Verlauf des Monats Juli (siehe Tabelle) ausgesät werden, damit die Pflanzen bei den guten Licht- und Temperaturverhältnissen des Sommers genügend Blattmasse bilden können. Allerdings ist bei der Auswahl von Sorten i.A. darauf zu achten, dass solche mit einer kurzen Entwicklungszeit gewählt werden. So schwankt z.B. die Kulturdauer verschiedener Rettichsorten zwischen 50 und 90 Tagen. In vielen Fällen greift man auf Frühsorten zurück, weil diese eine kurze Entwicklungsdauer haben z.B. bei Möhren und Kohlrabi. Bei Rettich gibt es neben geeigneten Frühjahrssorten (wie z.B. die raschwüchsige Sorte ‘Ostergruß rosa 2‘) typische Herbst- und Winterrettiche. Ein weiterer Aspekt ist insbesondere bei Buschbohnen wichtig: werden diese zu spät ausgesät, beeinträchtigen die kalten Nächte, die ab Mitte September auftreten können, die Entwicklung der Hülsen. Da außerdem die Tage erneut kürzer werden, können wieder sogenannte Langtagpflanzen – also Gemüsearten, die ausgelöst durch lange Tage in die Blühphase umschwenken (d.h. schossen) und somit nicht für den Anbau im Sommer geeignet sind, – ausgesät werden. Zu diesen zählen u.a. Spinat, alle typischen Salatarten (Korbblütler), Chinakohl, Knollenfenchel und Feldsalat. Bei vielen Arten gibt es mittlerweile auch Ganzjahressorten, die weniger stark auf die Tageslänge, also tagneutral, reagieren und weitgehend schossfest sind.

Tabelle: Aussaattermine für Gemüsekulturen in der zweiten Jahreshälfte (angegeben sind die spätesten Termine)

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