Auch Pflanzen sollten nur mit Pass auf Reisen gehen!

Als Hobbygärtnerin oder -gärtner hat man auch im Urlaub meist einen ganz besonderen Blick auf die Pflanzen.

Die Flora in anderen Ländern ist oft beeindruckend und interessant. Schnell kann da der Wunsch entstehen, solche Pracht auch zu Hause im Garten oder auf der Terrasse zu haben. Aber Vorsicht: Das Mitbringen von Pflanzen, Pflanzenteilen oder Pflanzenerzeugnissen (z. B. Samen, Stecklinge, Früchte, Gemüse, Blumen) aus Nicht-EU-Staaten nach Deutschland ist streng verboten. Im Grenzverkehr z. B. Flughafen werden entsprechende Kontrollen durchgeführt. Auch innerhalb von Europa ist bei privaten Pflanzenmitnahmen einiges zu beachten.

Der Grund dafür liegt insbesondere darin, dass diese pflanzlichen Mitbringsel Schädlinge oder Krankheiten enthalten können. Oft sind diese mit bloßem Auge nicht zu erkennen.

Beispiele für ungewollte Schaderregerverbreitung durch Pflanzen aus dem Urlaubsort

Auf dem Foto sind zwei Kartoffeln mit Wucherungen zu sehen, bei denen es sich um Kartoffelkrebs handelt.
Kartoffelkrebs (Synchytrium endobioticum)

Im Urlaub haben die Kartoffeln der lokalen Landwirtinnen und Landwirte so gut geschmeckt. Einige der kleinen Knollen wurden mitgenommen und im heimischen Garten angepflanzt. Leider enthielten die Knollen auch den gefährlichen Erreger des Kartoffelkrebses (Synchytrium endobioticum). Ein Pilz, der sehr widerstandsfähige Sporen ausbildet. Die Ernte war dahin und die weiteren Folgen sind enorm. Denn die betroffene Anbaufläche kann für mindestens 25 Jahre für den Kartoffelanbau nicht mehr genutzt werden. Die Gefahr, die für die heimische Landwirtschaft von dem Kartoffelkrebs ausgeht, ist daher sehr groß.

Das Julius Kühn-Institut weist in einem weiteren Beispiel darauf hin, dass Mandelbäume aus Mallorca mit dem Feuerbakterium (Xylella fastidiosa) befallen sein könnten. Das Bakterium infiziert auch Weinrebe, Olive, Kirsche und Pflaume sowie zahlreiche Zierpflanzen (z. B. Oleander) oder Laubbäume wie Ahorn, Eiche, Platane und Ulme und bringt diese zum Absterben. Wird das Xylella-Bakterium festgestellt, sind ähnlich wie früher bei der Ausbreitung des bekannten Feuerbrands (Erwinia amylovora) enorme Aktivitäten notwendig, um befallene Pflanzen zu eliminieren.

Auch Boden und Substrate sind potentielle Träger von Schadorganismen

Auf dem Foto ist ein maikäfergroßer Käfer mit einem grün schillernden Thorax und braunen, maikäferartigen Flügeln zu sehen, der auf den grünen Blättern einer Pflanze krabbelt. Dabei handelt es sich um den meldepflichtigen Japankäfer.
Japankäfer „Popillia japonica“ aus Asien
In einem Schaubeet wird die aus Nordamerika eingeschleppte, invasive Goldrute gezeigt, die sich darin stark ausgebreitet hat und keine Konkurrenzpflanzen zulässt.
Späte Goldrute (Solidago gigantea) aus Nordamerika

Der Klimawandel mit milderen Wintern in unseren Breiten sorgt zusätzlich dafür, dass sich Organismen aus wärmeren Regionen bei uns besser etablieren können. Besonders Insekten profitieren davon. Larven und Eier können sich in den Pflanzen, aber auch in Substraten und Erden verbergen. Ein Beispiel dafür ist die Asiatische Hornisse (Vespa velutina), die über diesen Weg nach Europa gelangte und sich nun rasant ausbreitet. Auch die Larven des Japankäfers (Popillia japonica) leben im Boden. Der auffällige Käfer tritt meist in Massen auf und frisst nahezu alle Pflanzenarten bis zum Kahlfraß ab. Er hat sich bereits in Italien und der Schweiz ausgebreitet. Der Japankäfer kann an Pflanzen und Früchten sitzen oder sich an Fahrzeugen festhalten und so leicht in andere Gebiete transportiert werden.

An einem grauen Pflanztopf klebt als weißes Etikett ein EU-Pflanzenpass, mit dem Pflanzenart und Herkunft dokumentiert wird.
Pflanzenpass-Label an Verkaufsware im Handel

Ein weiterer Grund, auf das Mitbringen von Pflanzen aus anderen Ländern zu verzichten, ist, dass die Pflanzen sich hier ausbreiten und unserer heimischen Natur gefährlich werden können. Diese Pflanzen werden als invasive Arten bezeichnet. Bereits heute breiten sich mehrere invasive Arten, die ursprünglich aus anderen Ländern stammen, bei uns aus. Die Bekämpfung erzeugt nicht nur hohe Kosten, auch unsere heimischen Ökosysteme werden gestört. Meist entsteht der Schaden dadurch, dass heimische Pflanzen verdrängt werden, was dann auch negative Folgen für die Fauna hat. Bekannte Beispiele Invasiver Pflanzen sind z. B. Indisches Springkraut, Kanadische Goldrute, Japanischer Staudenknöterich oder der Götterbaum.

Für den grenzüberschreitenden Transport von Pflanzen und pflanzlichen Teilen ist ein sogenannter Pflanzenpass notwendig. Die Pflanzen werden dann auf potentielle Schadorganismen untersucht. Es wird geprüft, ob diese Pflanzen überhaupt nach Deutschland bzw. Europa gelangen dürfen. Nur wenn dieses Pflanzengesundheitszeugnis eines Nicht-EU-Landes für die Pflanze vorhanden ist, darf diese nach Deutschland eingeführt werden. Bei der Einfuhr sicherzustellen ist auch, dass es sich nicht um geschützte Pflanzen handelt, die widerrechtlich der Natur entnommen wurden.

Fazit

Freuen Sie sich an der Flora in anderen Ländern. Jedoch ist das Mitbringen von Pflanzen- oder Pflanzenteilen aus Nicht-EU-Ländern als Urlaubssouvenir nicht angeraten. Auch innerhalb der EU sollten nur Samen und Pflanzen aus dem Handel mitgebracht werden. So schützen sie ihre Anbauflächen und unsere heimische Flora und Fauna.

Weitere Informationen

Das Julius Kühn-Institut ist in Deutschland für die Pflanzengesundheit zuständig und bietet weiterführende Informationen:
www.julius-kuehn.de/pflanzengesundheit

Weil das Thema so wichtig ist, hat die Europäischen Union die Kampagne #PlantHealth4Life gestartet:
Weiterleitung zu YouTube

Um Reisende auf das Thema aufmerksam zu machen, werden Infovideos Verfügung gestellt.

Kontakt und Beratung in Hessen

Haben Sie als Privatperson Fragen zu gartenbaulichen Themen, dann stehen Ihnen die Expertinnen und Experten der Hessischen Gartenbauakademie am Gartentelefon 0561 7299377 gern zur Verfügung.

Für Unternehmen ist das Regierungspräsidium Gießen Dezernat Pflanzengesundheit zuständig.

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