Grunddüngung
Nur eine ausgewogene Grundnährstoffversorgung kann die optimale Ausnutzung aller Nährstoffe – auch des Stickstoffs – gewährleisten (Prinzip der „Minimumtonne“ nach Liebig).
In den vergangenen Jahren wurden durch die hohen Düngerpreise die Grunddüngung vielfach reduziert oder auch ganz darauf verzichtet. Die Preise sind im Vergleich zum Vorjahr bei Phosphor leicht gestiegen und Kali etwas gefallen. Sollte weiterhin auf eine Grunddüngung verzichtet oder nur in reduzierten Mengen ausgebracht werden, wird die Versorgung der Böden sukzessive absinken. Aber auch die Verfügbarkeit von frischen Nährstoffen kann nicht immer ausreichend gewährleistet sein. Entscheidend dabei ist, welches Ausgangsniveau der Boden in seiner Nährstoffversorgung hat. Auch werden häufig die Ernteentzüge unterschätzt, insbesondere, wenn man die gesamte Fruchtfolge betrachtet.
Auswirkungen von Nährstoffmangel
Phosphat-Mangel:
- Vermindertes Wurzelwachstum
- Geringe Bestockung
- Rötliche Blattfärbung
- Kümmerwuchs
- Verringerte Stärkeeinlagerung ins Korn
Kalium-Mangel:
- „Welketracht“ gestörte Wasserversorgung
- Blattrandnekrosen
- Lagerneigung bei Getreide
- Erhöhte Krankheitsanfälligkeit
- Erhöhte Auswinterungsgefahr
Magnesium-Mangel:
- Weniger Körner pro Ähre
- Verringerung der Kohlenhydratproduktion
- Streifenchlorosen an den Blättern
Die Nährstoff-Verfügbarkeit ist von verschiedenen Faktoren abhängig
Phosphat-Dünger:
- Düngungszeitpunkt
- Temperatur
- pH-Wert des Bodens
- Kultur (Wurzelbau)
- Belüftung des Bodens
- Verdichtungen
- Versorgungsgrad des Bodens
Kalium-Dünger:
- Tongehalt des Bodens
- Kaliumbedarf der Kulturen (Ertrag u. Qualität)
- K/Mg Bedarf der Kulturen
- Niederschlagsmengen
- Ausbringungszeitpunkt (v.a. auf leichten Böden)
- Chloridempfindlichkeit der Kulturpflanze (Kartoffel)
- Versorgungsgrad des Bodens
Hinweise zur P-Düngung
Die aktuelle Düngeverordnung gibt für die P-Düngebedarfsermittlung die nachfolgenden konkreten Vorgaben:
- P-Düngebedarfsermittlung ist je Schlag oder Bewirtschaftungseinheit zu ermitteln, wenn mehr als 30 kg P2O5/ha und Jahr aufgebracht werden
- Bodenuntersuchung für Phosphat für jeden Schlag ab 1 ha im Rahmen einer Fruchtfolge, mindestens aber alle 6 Jahre
- Es ist eine P-Düngebedarfsermittlung für eine Fruchtfolge, längstens aber für die Zeit bis zur erneuten P-Gehaltsuntersuchung des Bodens möglich
- Bei einem Phosphatgehalt des Bodens, gemessen mit der CAL-Methode (Calcium-Acetat-Lactat-Extraktionsverfahren), von mehr als 20 mg P2O5/100g Boden dürfen phosphathaltige Düngemittel höchstens bis in Höhe der voraussichtlichen P-Abfuhr vom Feld aufgebracht werden. Die Phosphatabfuhr darf im Rahmen der Fruchtfolge für höchstens drei Jahre berechnet werden und darf in dem Zeitraum nicht überschritten werden.
- Die P-Düngebedarfsermittlung steht auch als Excel-Tool zur Verfügung.
Um die P-Versorgung der Böden auf einem guten Niveau zu halten sollte die Düngung auf einem gut versorgten Boden (Versorgungsstufe C) der Abfuhr entsprechen. Die P-Abfuhr wird errechnet aus dem Ertrag des Ernteprodukts multipliziert mit dessen P-Gehalt (Tabelle 1). Wird zusätzlich Stroh abgefahren, erhöht sich die Abfuhr um den im Stroh enthaltenen Phosphor. Sollte die P-Versorgung der Böden höher oder niedriger sein, als es den Werten der Versorgungsstufe C entspricht, sollte die Düngung nach Tabelle 3 angepasst werden, um die anzustrebende Boden-Gehaltsklasse mittelfristig zu erreichen.
Hinweise zur K- und Mg-Düngung
Die Düngeverordnung regelt die Düngung von K und Mg nicht, sodass es hier zu keinen gesetzlichen Vorgaben kommt. Trotzdem sollte auch die K und Mg-Düngung an den Entzug und die Versorgungstufe des Bodens angepasst werden.
Tabelle 1: Grundnährstoffentzugswerte für Ackerbaukulturen
| Kultur | Ernteprodukt | Verhältnis Haupternteprodukt zu Nebenprodukt 1 : x | P2O5 (kg/dt FM) | K2O (kg/dt FM) | MgO (kg/dt FM) |
| Winterweizen | Korn | 1 | 0,8 | 0,6 | 0,2 |
| Stroh | 0,8 | 0,3 | 1,4 | 0,2 | |
| Wintergerste | Korn | 1 | 0,8 | 0,6 | 0,2 |
| Stroh | 0,7 | 0,3 | 1,7 | 0,2 | |
| Winterroggen | Korn | 1 | 0,8 | 0,6 | 0,2 |
| Stroh | 0,9 | 0,3 | 2,0 | 0,2 | |
| Wintertriticale | Korn | 1 | 0,8 | 0,6 | 0,2 |
| Stroh | 0,9 | 0,3 | 1,7 | 0,2 | |
| Sommergerste | Korn | 1 | 0,8 | 0,6 | 0,2 |
| Stroh | 0,8 | 0,3 | 1,7 | 0,2 | |
| Sommerweizen | Korn | 1 | 0,8 | 0,6 | 0,2 |
| Stroh | 0,8 | 0,3 | 0,14 | 0,2 | |
| Ackerbohne | Korn | 1,2 | 1,4 | 0,2 | |
| Futtererbse | Korn | 1,1 | 1,4 | 0,2 | |
| Körnermais | Korn | 0,8 | 0,5 | 0,2 | |
| Winterraps | Korn | 1,8 | 1,0 | 0,5 | |
| Kartoffel | Knolle | 0,14 | 0,6 | 0,04 | |
| Zuckerrübe | Rübe | 0,1 | 0,25 | 0,08 | |
| Silomais | Ganzpflanze | 0,16 | 0,45 | 0,13 |
FM = Frischmasse
Tabelle 2: Grundnährstoffentzugswerte für Grünland
| Kultur Grünland | Ernteprodukt | P2O5 (kg/dt TM) | K2O (kg/dt TM) | MgO (kg/dt TM) | |
| 1-Schnittnutzung (40 dt/ha TM) | Ganzpflanze | 0,5 | 1,5 | 0,35 | |
| 2-Schnittnutzung (55 dt/ha TM) | Ganzpflanze | 0,65 | 2,5 | 0,4 | |
| 3-Schnittnutzung (75 dt/ha TM) | Ganzpflanze | 0,71 | 2,9 | 0,41 | |
| 4-Schnittnutzung (90 dt/ha TM) | Ganzpflanze | 0,81 | 3,0 | 0,45 | |
| 5-Schnittnutzung (110 dt/ha TM) | Ganzpflanze | 0,87 | 3,0 | 0,45 | |
TM = Trockenmasse
Tabelle 3: Empfehlung zur Anpassung der Grunddüngung an die Versorgungsstufe der Böden
| Versorgungsstufe/Gehaltsklasse | Bezeichnung | Definition der Düngeempfehlung | Faktor |
| A | sehr niedrig | stark erhöhte Düngung | 2 |
| B | niedrig | erhöhte Düngung | 1,5 |
| C | mittel (=anzustreben) | Erhaltungs-/Entzugsdüngung | 1 |
| D | hoch | verringerte Düngung | 0,5 |
| E | sehr hoch | keine Düngung | 0 |
Tabelle 4: Beispiel: P-Düngebedarf versch. Kulturen nach Ertrag und Versorgungsstufe des Bodens;
Bsp.: Versorgungsstufe D (Faktor 0,5)
| Kultur | Berechnung | Entzug P2O5 | Düngebedarf |
| Raps (45 dt) | 45 dt/ha * 1,8 kg/dt | 81 kg/ha | 40,5 kg/ha |
| Winterweizen Korn+Stroh (80 dt) | 80 dt/ha * 1,04 kg/dt | 83,2 kg/ha | 41,6 kg/ha |
| Wintergerste (70) | 70 dt/ha * 0,8 kg/dt | 56 kg/ha | 28 kg/ha |
Grunddüngung, Beispiel für versch. Fruchtfolgen (Versorgungsstufe C)
Da die Grundnährstoffe Kalium, Phosphor und Magnesium i.d.R. nicht jährlich, sondern innerhalb einer Fruchtfolge gedüngt werden, sind in der folgenden Tabelle einige Beispielsfruchtfolgen mit der Düngeempfehlung, der Rücklieferung der Vorfrucht und dem Gesamtdüngebedarf (kg/ha) dargestellt. Dabei fällt auf, dass insbesondere bei Fruchtfolgen, in denen der gesamte Pflanzenaufwuchs (z.B. Silomais usw.) vom Acker entfernt wird, ein besonders hoher Bedarf entsteht. Dies sollte beim Anbau solcher Kulturen berücksichtigt werden.
Hinzu kommt, dass die Nährstoffpreise im Vergleich zum letzten Jahr sich nochmals verteuert haben und somit folglich die Kosten für die Grunddüngung gestiegen sind.
Datenbasis Reinnährstoffpreise für Grunddünger
- P2O5: 1,01 €/kg
- K2O: 0,85 €/kg
- MgO: 0,50 €/kg
Beispiel 1: Stroh verbleibt auf der Fläche
| P2O5 kg/ha | K2O kg/ha | MgO kg/ha | ||
| Ertrag dt/ha | Entzug Korn | Entzug Korn | Entzug Korn | |
| Winterraps | 40 | 72 | 40 | 6 |
| Winterweizen | 88 | 71 | 52 | 21 |
| Wintergerste | 78 | 73 | 47 | 20 |
| Düngung kg | 205 | 140 | 47 | |
| € /ha/Fruchtfolge | 208 € | 119 € | 24 € | |
| €/ha/Fruchtf. Ges. | 350 € | |||
Beispiel 2: Stroh und Blatt verbleiben auf der Fläche
| P2O5 kg/ha | K2O kg/ha | MgO kg/ha | |||||
| Ertrag dt/ha | Entzug Gesamt-pflanze | Entzug Korn | Entzug Gesamt-pflanze | Entzug Korn | Entzug Gesamt-pflanze | Entzug Korn | |
| Zuckerrüben | 750 | 75 | 187 | 84 | |||
| Winterweizen | 95 | 76 | 57 | 23 | |||
| Silomais | 550 | 99 | 280 | 39 | |||
| Düngung | 250 | 525 | 145 | ||||
| €/ha/Fruchtfolge | 253 € | 446 € | 72 € | ||||
| €/ha/Fruchtfolge Gesamt | 772 € | ||||||
Beispiel 3: Stroh wird komplett abgefahren
| P2O5 kg/ha | K2O kg/ha | MgO kg/ha | ||
| Ertrag dt/ha | Entzug Gesamtpflanze | Entzug Gesamtpflanze | Entzug Gesamtpflanze | |
| Silomais | 550 | 99 | 281 | 39 |
| Weizen | 82 | 85 | 141 | 33 |
| Gerste | 78 | 79 | 93 | 31 |
| Düngung | 263 | 514 | 103 | |
| € /ha/Fruchtfolge | 267 € | 437 € | 51 € | |
| €/ha/Fruchtfolge Gesamt | 755 € | |||
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