Zweite Runde der Ausbildung zum Biodiversitätslotsen erfolgreich abgeschlossen

Urbanes Grün und ländliche Vielfalt im Fokus

Vom 23. bis 27. Juni 2025 fand an der Hessischen Gartenakademie (HGA) des Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) in Geisenheim der zweite Bildungsurlaubslehrgang zur „Ausbildung zum Biodiversitätslotsen / zur -lotsin“ statt – erneut mit großem Zuspruch und ausgebucht bis auf den letzten Platz.

Inspirierende Woche für mehr Biodiversität in Dorf und Stadt

Auf der Exkursion betrachtet die Gruppe eine Eidechsenburg aus großen Steinen in der Geisenheimer Gemarkung. Frau Nicola Fischer-Quasten erklärt die Umsetzung des Naturschutzvorhabens.
Auf der Ausgleichsfläche am Hochbehälter Fladeneck in Geiseheim wurde u.a. ein Eidechsenhabitat geschaffen.

Unter dem Motto „eins, zwei, vier, … viele – der Weg der Multiplikation“ widmete sich der Lehrgang dem naturnahen, klimaangepassten Grün im öffentlichen wie auch im privaten Raum. In abwechslungsreichen Formaten – von Vorträgen über Exkursionen bis hin zu praxisnahen Gruppenarbeiten – erhielten die Teilnehmenden fundiertes Wissen und vielfältige Impulse, die zum Handeln, Weiterdenken und Vernetzen im Sinne einer grünen Vielfalt anregen.

Ein besonderer Fokus lag in der Lehrgangswoche auf dem urbanen Grün sowie auf nachhaltigen Gestaltungsmöglichkeiten für das „Dorfgrün“ im ländlichen Raum. Die Teilnehmenden erhielten praxisnahes Wissen darüber, wie Maßnahmen zur Förderung der Artenvielfalt von der ersten Planung bis zur langfristigen Pflege sinnvoll und wirkungsvoll umgesetzt werden können. Grundlage dafür bildeten fundierte Einblicke in die Prinzipien der Raum- und Landschaftsplanung, der Siedlungsentwicklung sowie in relevante Eingriffsregelungen. Ein weiterer wesentlicher Baustein war die Frage nach der finanziellen Realisierbarkeit: Die Regionalbeauftragten der Akademie für den ländlichen Raum vermittelten kompetent, welche Fördermöglichkeiten für die Realisierung von Projekten zur Verfügung stehen.

Drei Teilnehmende des Lehrgangs fotografieren konzentriert Blumen auf einer Blumenwiese an der Gartenakademie im Rahmen des Fotoworkshops
Biodiversitätslotsinnen und -lotsen auf der Jagd nach dem besten Fotomotiv an der Gartenakademie Geisenheim

Von Vorbildern lernen – Initiativen zeigen, wie es geht

Vorbildhafte kommunale Projekte und Initiativen aus der Region sowie drei aktive Lotsinnen und Lotsen gaben Einblicke in erfolgreiche Maßnahmen, aber auch in die alltäglichen Herausforderungen ehrenamtlichen Engagements. Vertreterinnen und Vertreter der Initiativen „Artenerben e. V.“ und „Klima aktiv Groß-Gerau“ berichteten von ihren Erfahrungen und Erfolgen und beantworteten die Fragen der Teilnehmenden.

Andreas Baumann vom Hessischen Streuobstwiesenzentrum präsentierte seine Arbeit und das Ziel, die Kulturlandschaft Obstwiese als einen wahren „Artenvielfalthotspot“ zu erhalten. Eine kulinarische Abwechslung bot ein anschließendes Apfeltasting. Es veranschaulichte, dass durch den Verlust von Biodiversität und damit einhergehend dem Verlust genetischer Vielfalt auch besondere Aromen verloren gehen.

Lernorte im Grünen

Sechs Teilnehmende betrachten die sonnenbeschienene Staudenbepflanzung am Eltviller Rheinufer interessiert. Drei dieser Personen schießen ein Foto.
Genaue Betrachtung der Staudenbepflanzung an der Eltviller Rheinpromenade

Auch der praxisbezogene Anteil kam nicht zu kurz: In einem Fotoworkshop zeigten Anouchka Olszewski und Peter Giefer in der Außenanlage der Gartenakademie, wie sich grüne Botschaften überzeugend in Szene setzen lassen – für mehr Sichtbarkeit und Resonanz in digitalen Medien. Auf mehreren Exkursionen erhielten die Teilnehmenden zudem anschauliche Einblicke in gelungene Beispiele biodiversitätsfördernder Gestaltungen.

In Geisenheim wurden unter fachkundiger Leitung von Martina Erbs, Bauamtsleiterin der Stadt, sowie deren Stellvertreterin Nicola Fischer-Quasten unter anderem neu angelegte Flächen mit klimaangepassten Baum- und Staudenpflanzungen erkundet. Dabei erhielten die Teilnehmenden praxisrelevante Informationen zu Mähmanagement, Baumpflege und städtischen Ausgleichsmaßnahmen.

Die Teilnehmenden genießen die Zeit im Eltviller Rosengarten. Von der Treppe aus erkennt man die Bepflanzung aus Stauden und Rosen sowie die steinernen Wände ringsherum besonders gut.
Rundgang im Eltviller Burggarten

Ein weiterer Exkurs führte nach Eltville am Rhein. Dort gaben Stadtgärtner Manfred Orth und Patrizia Zey von den Stadtwerken Einblicke in die ökologische Pflege der Rosen im Burghof sowie in die Umgestaltung des Stadtparks, der unter aktiver Bürgerbeteiligung entstanden ist. Besonders betont wurde, wie wichtig eine standortgerechte Pflanzenauswahl und die gezielte Förderung von Nützlingen für ein funktionierendes Pflegekonzept sind. Grüne Inseln sollen im Stadtgebiet nicht nur schmückendes Beiwerk sein, sondern als integraler Bestandteil des öffentlichen Raums wahrgenommen und genutzt werden.

Unter dem Motto „Theorie ist gut, Praxis ist besser“ wurden die (fast) frischgebackenen Biodiversitätslotsinnen und -lotsen ausgesandt, um ihren Blick für Projekte zu schärfen, die eine ökologische Aufwertung vertragen können. In Arbeitsgruppen erkundeten sie Geisenheim und suchten sich potentielle Aufwertungsflächen, für die sie konkrete Maßnahmen und kreative Lösungsansätze entwickelten und zum Schluss der Woche vorstellten. Dabei ging es nicht nur um die Auswahl geeigneter Pflanzen, sondern auch um organisatorische Fragen wie Pflegeintervalle, Beteiligungsmöglichkeiten und die langfristige Einbindung von Ehrenamt und Kommune. Die gemeinsame Ideensammlung zeigte eindrucksvoll, wie viel Potenzial in engagierten Bürgerinnen und Bürgern stecken kann.

Vernetzung und ambitionierte Zukunftspläne gewünscht!

Die HGA freut sich, erneut engagierte Bürgerinnen und Bürger als frisch gebackene Biodiversitätslotsinnen und -lotsen verabschieden zu dürfen. Unser herzlicher Dank gilt den vielen kompetenten und engagierten Referierenden sowie den Exkursionsleitungen, die das Programm mit ihrem Fachwissen und ihrer Begeisterung bereichert haben.
Wir sind gespannt auf die vielfältigen Ideen, Projekte und Impulse, die die Teilnehmenden nun in ihre Regionen tragen.

Nächste Termine

Aufgrund der hohen Kursnachfrage wird der Lehrgang im nächsten Jahr zwei Mal angeboten.
Die nächsten Termine sind der 08. bis 12. Juni 2026 und der 22. bis 26. Juni 2026, ebenfalls in Geisenheim. Interessierte sind herzlich eingeladen.

Kontakte
>> Alle Kontakte anzeigen