Kunststoffeinsatz in Sonderkulturen – Einsatzgebiete und Alternativen

Folien und Vliese auf Gemüse- und Erdbeerfeldern erfüllen unterschiedlichste Aufgaben und tragen zur Wirtschaftlichkeit der Betriebe bei. Teile der Anbauflächen werden deshalb – zumindest temporär – mit Folien abgedeckt.

In der öffentlichen Wahrnehmung wird Kunststoff auf den Äckern jedoch zunehmend kritisch gesehen. Gleichwohl wollen viele Konsumentinnen und Konsumenten über einen möglichst langen Zeitraum makellose und günstige Spargelstangen, Erdbeeren oder Gemüse. Die Anbaubetriebe stecken in der Zwickmühle.

Vliese und Folien bringen vielfältige Vorteile mit sich

Erdbeerpflanzen mit zum Teil erntereifen Früchte. Die Pflanzen werden auf Dämmen in einem Folientunnel angebaut. Rechts im Vordergrund ist die Stroheinlage zwischen den Dämmen zu sehen.
Erdbeerdammkultur in einem Folientunnel

Das Abdecken von Kulturen mit Folie oder Vlies und damit das Schützen vor Kälte und Frost ermöglicht einerseits einen früheren Anbau und damit eine frühere Ernte von Erdbeeren und Gemüse, andererseits schützt es die Pflanzen, Blüten und Früchte auch vor Spätfrösten. Für die Betriebe ist eine teilweise Verfrühung der Ernte sinnvoll, da sich durch ein frühes Angebot am Markt häufig höhere Preise realisieren lassen als später in der Saison.
Die maximale Verfrühungswirkung erreicht man bei Erdbeeren im befahrbaren Folientunnel. Die Tunnelfolie wird mehrere Jahre lang genutzt, bevor sie dem Recycling zugeführt wird. Im Freilandanbau kann eine Verfrühung durch eine Flachabdeckung mit Vlies und/oder transparenter Lochfolie erreicht werden.

Helle Spargelstangen stehen vor der Ernte aus einem Spargeldamm heraus. Die schwarz-weiße Folie ist zur Ernte ein Stück aufgedeckt und liegt zwischen den Reihen.
Spargeldämme, deren Bedeckungsfolie zur Ernte ein Stück abgenommen ist

Im Erdbeeranbau wird zunehmend nicht mehr flach in den offenen Boden gepflanzt, sondern auf Foliendämme. Grundsätzlich bieten Foliendämme mehrere Vorteile: Der Boden erwärmt sich bei schwarzer Mulchfolie schneller. Dies sorgt für einen Verfrühungseffekt im Erntejahr. Bei Verwendung von weißer Folie verzögert sich die Ernte und verlängert damit den Erntezeitraum im Betrieb. Die Verdunstung des Beregnungswassers, das über einen unterirdisch verlegten Tropfschlauch in den Boden gelangt, wird minimiert und somit Wasser eingespart. Der Unkrautbewuchs wird unterdrückt und der Herbizideinsatz kann verringert werden.

Gleiches gilt für den Spargel: Mit dem Einsatz von schwarz-weißen, lichtundurchlässigen Folienbedeckungen, die witterungsabhängig umgedreht werden, kann man den Erntezeitpunkt steuern.
Bei der Spargelernte führt der Folieneinsatz zu einer Arbeitserleichterung. Im bedeckten Spargeldamm bleibt die Erde unter der Folie locker und ermöglicht so ein angenehmeres Spargelstechen.

Kunststoffvermeidung und -reduktion: Ein wichtiges Beratungsthema

Trotz der vielfältigen Nutzen wird der Folien- und Vlieseinsatz in der Öffentlichkeit zunehmend kritisch gesehen: Die optische Beeinträchtigung des Landschaftsbildes, das mögliche Verbleiben von Kunststoffresten in der Natur und die Versiegelung der Flächen sind Aspekte, die in diesem Themenfeld genannt werden. Eine Vermeidung oder zumindest Reduzierung des Kunststoffeinsatzes auf den Äckern ist nicht nur Wunsch von Gesellschaft und Politik, sondern auch von Gärtnerinnen und Gärtnern. Hier ergeben sich für Betriebe und Beratung folgende Ansatzpunkte:

Weniger Kunststoffeinsatz ist wirtschaftlich schwer umsetzbar

Wirtschaftlich betrachtet sind der Reduzierung und dem Verzicht von Kunststofffolien enge Grenzen gesetzt. Denn die Kostenvorteile, die sich aus dem Folieneinsatz ergeben, sind oft schon seit vielen Jahren an die Kunden in Form von Produktqualität oder Preisstabilität, oder an Mitarbeitende in Form von Lohnerhöhungen und Arbeitserleichterungen weitergegeben worden. Notwendige Produktpreissteigerungen, die ein Verzicht auf Folie mit sich bringen würden, ließen sich nur schwer realisieren.

Neben Polyethylen-Folien können auch abbaubare Mulchfolien aus Maisstärke verwendet werden. Diese Folien verfügen über sehr ähnliche Verlegeeigenschaften wie solche aus Polyethylen. Optisch sind sie nicht zu unterscheiden.

Biologisch abbaubare Produkte, sowie organische Mulchmaterialien können in vielen Fällen sinnvolle Alternativen sein, haben jedoch ihre Grenzen, sobald eine lange Haltbarkeit der Folien und Vliese gewünscht ist. Werden im Erdbeeranbau abbaubare Mulchfolien eingesetzt, so ist bei Pflanzung im Sommer eine Ernte im Folgejahr möglich; eine längere Standdauer ist auf Grund des Zersetzungsprozesses kaum erreichbar. Der Damm verliert an Stabilität, die Konkurrenz durch Unkräuter nimmt zu.

Mehr Wiederverwendung und Recycling

Eine weitere Alternative ist die Wiederverwendung der herkömmlichen Abdeckfolien und -vliese. So halten beispielsweise die im Spargelanbau verwendeten schwarz-weißen Folien ungefähr acht Jahre lang, also in etwa so lange, wie eine Spargelanlage beerntet wird. Nach dem Ende der Nutzungsdauer können die ausrangierten Folien und Vliese über regionale Sammelstellen der stofflichen Verwertung zugeführt werden.
Je nach Verschmutzungsgrad der Folien stößt das Recycling an Grenzen. Die thermische Verwertung nimmt nach wie vor eine große Rolle ein.

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