Linsenanbauer aus Hessen zu Besuch auf der Schwäbischen Alb

Anfang Juli besuchten drei Biobetriebe aus dem Ökomodell-Projekt „Ich bin wieder da! Linsenanbau in Waldeck-Frankenberg“ ihre Berufskollegen auf der Schwäbischen Alb. Organisiert wurde der Austausch von Franziska Henkel (Projektmanagerin Ökomodellregion Waldeck-Frankenberg) und Julian Ingenbleek (Regionalmanagement LeguNet, LLH), die ebenfalls Teil der Exkursionsgruppe waren.

Nach der Ankunft in Lauterach wurden beim Abendessen die ersten Linsen in Form von Alblinsenküchle mit Preiselbeeren verkostet. Die sechs Exkursionsteilnehmenden tauschten sich über den diesjährigen Linsenanbau in Waldeck-Frankenberg aus, der eine gute Ernte erwarten lässt. So haben sich die Bestände in diesem Jahr gut entwickelt und konnten mithilfe der unkrautunterdrückenden Stützfrucht und des Striegels weitestgehend sauber gehalten werden. Dies glückt nicht in jedem Jahr. Doch auch an Unkräutern rankend können die Linsen sich gut entwickeln, wenn die Konkurrenz um Licht und Wasser nicht zu groß wird.

Hinter den Kulissen von Alb-Leisa und den Lauteracher Alb-Feld-Früchten

Regal mit vielfältigen Produkten in unterschiedlichen Größen
Die Produktpalette der Lauteracher Alb-Feld-Früchte ist groß; Foto: Franziska Henkel

Am nächsten Tag stieß Franz Häußler zur Exkursionsgruppe. Der Bio-Landwirt begleitet den Linsenanbau auf der Schwäbischen Alb seit dessen Wiederaufnahme Mitte der 1980er Jahre. Heute ist der Linsen-Anbauer und Berater und zentraler Ansprechpartner für die Mitgliedsbetriebe der 2001 gegründeten Öko-Erzeugergemeinschaft „Alb-Leisa“ und unterstützt diese bei Anbaufragen.

Häußler stellte den Verarbeitungs- und Vermarktungsbetrieb der Gemeinschaft, die Lauteracher Alb-Feld-Früchte, vor. Der Betrieb koordiniert den Anbau, übernimmt die Aufbereitung, Trocknung und speisefertige Verpackung der von den Mitgliedsbetrieben erzeugten Linsen und weiteren Feldfrüchten und organisiert deren Vermarktung und Auslieferung. Ein Dokumentarfilm und Häußlers Erläuterungen gaben Einblicke in die Entstehung und Arbeitsweise der Kooperation, deren zentrales Produkt von Beginn an die Linse war und ist. In den letzten Jahren wurde das Sortiment um weitere Feldfrüchte wie Buchweizen, Leindotter, Leinsamen, Hirse, Hanfsamen und verschiedene alte Getreidesorten erweitert.

Durch die Slow-Motion-Sequenzen im Film gaben detaillierte Einblicke in die maschinellen Arbeitsschritte der Linsenaufbereitung – etwas, das bei laufenden Maschinen im Echtbetrieb so nicht möglich wäre. Die Gründung der Erzeugergemeinschaft, die einzelnen Aufbereitungsschritte und deren Notwendigkeit wurden intensiv diskutiert, da in Waldeck-Frankenberg Überlegungen bestehen, die Aufbereitung der angebauten Linsen künftig selbst in die Hand zu nehmen.

Die Aufbereitung von Linsen ist aufwendig

Die Exkursionsteilnehmenden vor der Verpackungshalle der Lauteracher Alb-Feld-Früchte
Die Exkursionsteilnehmenden vor der Verpackungshalle der Lauteracher Alb-Feld-Früchte; Foto: Franziska Henkel

Die Aufbereitung von Linsen ist herausfordernd. Linsen müssen mit einer Stützfrucht wie Leindotter, Sommergerste oder Sommerhafer angebaut werden, an der sie hochranken können. Die Gemengepartner müssen im Anschluss an die Ernte voneinander getrennt werden. Dies übernehmen Siebe und ein rotierender Trieur, der längliche Körner des Getreides von den runden Körnern der Linse trennt.

Eine Nachtrocknung der Ernte ist notwendig, wenn die Linsen ungleichmäßig reifen. Aufgrund ihres indeterminierten Wuchses hängen an derselben Pflanze je nach Witterung reife Linsen unten und unreife Linsen oben, die unterschiedliche Restfeuchten aufweisen. Auch die Abreife der Stützfrucht beeinflusst den optimalen Zeitpunkt der Ernte. Die Entscheidung, wann gedroschen wird, erfordert daher Erfahrung und Fingerspitzengefühl.

Nach der Ernte und Trennung der Gemengepartner durchlaufen die Linsen weitere Aufbereitungsschritte. Die Linsen werden über einen Gewichtsausleser nach Größe sortiert und Steine herausgelesen. Abschließend sorgt ein Farbsortierer für den letzten Feinschliff. Mithilfe von Bilderkennung und Druckluft werden aus einem vertikal fallenden Gutstrom alle Körner herausgepustet, die keine Linsen sind oder nicht den Qualitätsnormen entsprechen.

Im Anschluss werden die Linsen speisefertig verpackt. Lange Zeit erfolgte dies aufwendig per Hand, von kleinen 250-g-Paketen bis zu Säcken mit 25 kg, und mit sehr einfacher Technik. In den letzten Jahren wurde jedoch in moderne Geräte investiert, die den Verpackungsablauf deutlich erleichtern.

Die Produkte der Lauteracher Alb-Feld-Früchte werden in einer selbstkühlenden Lagerhalle aufbewahrt, die teilweise in den Felsen hineingebaut wurde. Dieses durchdachte, nachhaltige Konzept beeindruckte und inspirierte die Exkursionsteilnehmenden.

Von der Aussaat bis zur Ernte: Ein Blick auf die Felder

Kleine Personengruppe auf einer Wiese neben einem Linsenfeld, im Hintergrund ist Wald, der Himmel ist blau
Austausch mit Franz Häußler am Linsenfeld, hier mit der Stützfrucht Braugerste; Foto: Franziska Henkel

Nach der Besichtigung der Betriebsräume in Lauterach führte die Exkursion zu verschiedenen Linsenschlägen in der Umgebung. Dort tauschten sich die Anbauer aus Waldeck-Frankenberg und der Schwäbischen Alb über Aussaat, Aussaatmengen, geeignete Stützfrüchte wie Leindotter oder Braugerste, Kulturführung sowie Ernteerfahrungen aus. Auch der Witterungsverlauf des Jahres wurde als entscheidender Faktor für den Ernteerfolg diskutiert.

Linsen gehören zur Familie der Leguminosen. Um Ertragsdepressionen und Krankheiten wie die Leguminosenmüdigkeit zu vermeiden, sind Anbauabstände von 5–6 Jahren zu grobkörnigen Leguminosen und 3–4 Jahren zu feinkörnigen Futterleguminosen einzuhalten.

Das Saatgut stellt die Erzeugergemeinschaft „Alb-Leisa“ selbst her: gereinigt, sortenrein und auf Keimfähigkeit geprüft, wird es an die Mitgliedsbetriebe abgegeben. Neben den regionalen Sorten Späths Alblinse 1 „Die Große“ und Späths Alblinse 2 „Die Kleine“ werden auch die dunkelgrün marmorierte Linse und die schwarze Beluga-Linse angebaut.

Nahaufnahme der Stützfrucht Leindotter mit reifen Früchten
Stützfrucht Leindotter; Foto: Franziska Henkel
Nahaufnahme einer Linsenpflanze mit Früchten, die an Braugerste emporrankt
Linse mit Sommer-Braugerste als Stützfrucht; Foto: Franziska Henkel

Die Zusammensetzung des Gemengeverhältnisses zwischen Linsen und Stützfrucht sollte so gewählt werden, dass die Linsen gut ranken können, ohne von der Stützfrucht überwuchert zu werden. Wenn die Stützfrucht schlecht wächst, kann die Linse nicht richtig klettern, was die Ernte erschwert. Linsensorte und Stützfrucht werden gemeinsam festgelegt: Durch die enge Zusammenarbeit der Erzeuger und der weiterverarbeitenden Kooperationsbetriebe kann flexibel auf die Nachfrage nach den vier Linsensorten und den jeweiligen Stützfrüchten reagiert werden.

Den Anbau – etwa hinsichtlich mechanischer Unkrautkontrolle – gestalten die Erzeugerbetriebe individuell. Franz Häußler steht beratend zur Seite, insbesondere bei Fragen zur Kulturführung und Fruchtfolge.

Fazit

Die Exkursion zeigte den teilnehmenden Betrieben aus Hessen, wie das Projekt „Ich bin wieder da! Linsenanbau in Waldeck-Frankenberg“ zu einer tragfähigen regionalen Vermarktungsstruktur heranwachsen kann.

Die Linse als Pionierpflanze bietet langfristiges Potenzial für die regionale Vermarktung – ein Konzept, das auf der Schwäbischen Alb bereits erfolgreich umgesetzt wird, dank engagierter Betriebe und Kooperationspartner.

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