Getreide: große Ernten drücken Preise
Nach der Ernte werden bei der aufnehmenden Hand gerade Mengen und Qualitäten sortiert. Inzwischen liegen auch erste belastbare Ergebnisse vom Hessischen Statistischen Landesamt vor. Diese bestätigen den Eindruck vieler Landhändler: die Ernte in Hessen war deutlich größer als im Vorjahr und auch die Qualitäten überraschen. Auch für das gesamte Bundesgebiet lag die letzte Prognose des Deutschen Raiffeisenverbands (DRV) 10% über Vorjahreslinie. Für das Preis-Mengen-Gefüge ist aber letztlich von Bedeutung, wieviel Getreide und Ölsaaten am Weltmarkt zur Verfügung stehen. Betrachtet man die Zahlen der EU-Kommission, so rechnen die Beamten über alle Mitgliedsstaaten hinweg inzwischen mit über 280 Mio. t Getreide. Das wären 23 Mio. t (!) mehr als im Vorjahr und 6 Mio. t über dem mehrjährigen Mittel.
Am globalen Weizenmarkt wird das Angebot auf gigantische 808 Mio. t geschätzt. Zwar dürfte auch der Verbrauch aufgrund der niedrigen Preise ein Rekordniveau von 806 Mio. t erreichen. Das Verhältnis von Lagerbestand zu Verbrauch bleibt mit 32% aber stabil. Nun kommen zwei weitere Faktoren hinzu: Nach dem letzten Bericht von ABARES wird die australische Weizenernte mit 34 Mio. t inzwischen um 3 Mio. t höher geschätzt als vom USDA. Das wären 22% über dem Zehnjahresdurchschnitt und eine Ernte auf dem Rekordniveau des Vorjahres. Kürzlich wurde noch eine deutlich kleinere Ernte erwartet. Zusammen mit Argentinien, das voraussichtlich 21 Mio. t von den Feldern holen wird, würden nach dem Jahreswechsel gleich zwei weitere große Ernten auf den Weltmarkt drängen. Weiterhin wird mit geschätzten 1,26 Mrd. t weltweit reichlich Körnermais zur Verfügung stehen. Dies belastet aktuell die Kurse an der Börse. Immerhin zeigt die Trendkurve für hintere Termin nach oben. Ob die erwarteten Preissteigerungen nach dem Jahreswechsel allerdings noch die Lagerkosten decken werden, ist nicht garantiert.
Tab.: Getreide- und Rapspreise, Hessen, in EUR/t
| Frei Landlager | Ab Hof | |||||
| Min. | Max. | Ø | Min. | Max. | Ø | |
| Qualitätsweizen | 165 | 180 | 174 | 175 | 190 | 182 |
| Brotweizen | 154 | 165 | 159 | 165 | 175 | 169 |
| Qualitätshafer | 170 | 170 | 170 | – | – | – |
| Futterweizen | 148 | 155 | 150 | 160 | 170 | 162 |
| Futtergerste | 135 | 148 | 142 | 145 | 158 | 153 |
| Raps | 430 | 445 | 438 | 440 | 455 | 449 |
Quelle: LLH, Stand 03.09.2025

