Sojabohnenernte 2025 steht bevor – Hinweise zu Ernte und Lagerung

Während das Hauptaugenmerk vieler Betriebe in den vergangenen Wochen auf der Ernte, der Stoppelbearbeitung sowie der Raps- und Zwischenfruchtaussaat lag, steht die Ernte von Sojabohnen noch bevor.

Ein Rückblick auf die Vegetationsperiode zeigt, dass die Kultur in diesem Jahr zwar einige Hürden zu meistern hatte, die Bestände sich insgesamt aber erfreulich entwickelt haben.

Gelbes Blatt mit Spinnmilbenbefall auf der Blattunterseite, in einer Hand liegend
Typische Verfärbung des Blattes mit Gespinsten und Spinnmilbenbefall auf der Blattunterseite

Nach der Aussaat war in vielen Regionen vor allem der Schutz vor Vogelfraß ein Thema. Krähen und Tauben hatten es auf die jungen Keimblätter abgesehen, wodurch es lokal zu Ausfällen kam. Wo die Pflanzen zügig aufliefen, konnten sie diesen Druck jedoch schnell überwinden und durch ihr Verzweigungsvermögen Lücken gut ausgleichen.

Die Unkrautregulierung stellte dagegen eine größere Herausforderung dar. Die Frühjahrstrockenheit schwächte die Wirkung der Vorauflaufherbizide, sodass sich Unkräuter wie weißer Gänsefuß vielerorts etablieren konnten. Erst mit den Niederschlägen Ende Mai/Anfang Juni kamen mechanische Verfahren wie Hacke und Striegel verstärkt zum Einsatz. Wo beides kombiniert wurde, gelang es den Betrieben, den Konkurrenzdruck in den Griff zu bekommen.

Im weiteren Verlauf profitierten die Sojabohnen von den Niederschlägen im Juli, die für eine gute Blüte und Hülsenbildung sorgten. Im August folgte eine trockene Phase, in der regional Spinnmilben auftraten (siehe Foto). Diese schwächten die Pflanzen durch Blattverluste, doch die Bestände hielten dem Befall meist stand. Mit dem Ende der Trockenheit kam auch die Ausbreitung der Schädlinge weitgehend zum Erliegen.

Insgesamt haben sich die Sojabohnen 2025 trotz schwieriger Startbedingungen und Schädlingsdruck stabil entwickelt. Die Ertragsaussichten sind vielerorts zufriedenstellend, sodass nun der Blick auf den richtigen Erntezeitpunkt und die anschließende Lagerung gerichtet ist.

Richtiger Druschzeitpunkt

Sojabohnenfeld mit zwei unterschiedlichen Sorten, die Sorte links ist bereits braun, rechte Sorte ist noch grün.
Deutliche Sortenunterschiede im Abreifeverhalten und Zeitpunkt des Blattabwurfs Anfang September

Im normalen Vegetationsverlauf beginnen gesunde Sojabohnen je nach Sorte, Reifegruppe und Witterungsverlauf ab Mitte bis Ende August (Reifegruppe 000) bzw. Anfang bis Mitte September (Reifegruppe 00) ihre Blätter abzuwerfen. Nach wie vor ist der Reifezeitpunkt entscheidend für den Erfolg des Sojaanbaus in Hessen. Die Ernte in Hessen erfolgt je nach Standort, Witterung und Sorte meist im September (siehe Foto). Es empfiehlt sich, die Abreife der Bestände regelmäßig zu kontrollieren, denn auch Bestände mit teilweise noch grünen Blättern können erntereif sein. Wird mit der Ernte zu lange gewartet, ist mit Qualitätseinbußen z. B. durch erhöhten Pilzdruck zu rechnen. Aber auch Massenverluste durch Hülsenplatzen können die Folge sein.

Zur Bestimmung der Reifebonitur bei Sojabohnen hat der Deutsche Sojaförderring e.V. ein Merkblatt und ein Video erstellt. In Abhängigkeit der Sorte und Klassifizierung in Reifegruppen, werden die Sorten zu unterschiedlichen Zeitpunkten reif. Die in Hessen angebauten Reifegruppen (000= sehr früh, 00= früh), unterscheiden sich in ihrer Abreife ca. 8 Tagen voneinander. Eine Grundeinordnung ist zwar damit möglich, jedoch ist das Reifeverhalten innerhalb und zwischen den einzelnen Reifegruppen sehr heterogen. Daher benotet das Bundessortenamt zusätzlich die Reife und die Ertragseigenschaften (Korn-, Protein-, Öl-Ertrag) der Sorten von 1 – 9 (siehe Erläuterung):

Note 1 = niedrige Ausprägung des Merkmals (gering, kurz, früh)
Note 5 = durchschnittliche Ausprägung des Merkmals
Note 9 = starke Ausprägung des Merkmals (hoch, lang, spät)

Die Bewertung der Reife und weiterer Parameter wie Wuchshöhe und Proteingehalt können den Ergebnissen der Landessortenversuche entnommen werden. Diese Informationen helfen bei der Sortenwahl und zur Orientierung, wie sich die einzelnen Sorten in der Abreife verhalten (siehe Sortenempfehlung integriert und LSV-Ergebnisse 2024 ökologisch).

Eine sichere Abreife von Soja in Grenzanbaugebieten ist nach wie vor entscheidend für den Erfolg (siehe Karte zur Anbaueignung von Sojabohnen). Nur wenn eine zuverlässige Ernte möglich ist, stellt Soja eine interessante Alternative dar.

Eine Ernte zum frühestmöglichen Termin bei einer Restfeuchte des Korns von 14 – 18 % sollte angestrebt werden. Das Risiko einer erschwerten Sojaernte steigt mit der Verschiebung in den Oktober. Kalte und nasse Wetterumschwünge zur Zeit der Sojaernte und damit schlechte Befahrbarkeit der Äcker sind zu vermeiden. Daher sind sichere und rechtzeitig abreifende Sorten (Ernte im September) entscheidend. Daneben stellt die Ernte von Sojabohnen besondere Anforderungen an die Erntetechnik sowie an die nachfolgende Erntekette bis ins Lager und die dortige Lagerung.

Der tiefe Hülsenansatz der Sojapflanze führt bei herkömmlicher Druschtechnik häufig zu hohen Ernteverlusten, da die unteren Hülsen nicht mitgedroschen werden. Zu groß ist die Gefahr, dass bei tiefer Führung des Schneidwerks Steine und Erde mit aufgenommen werden und dadurch Schaden angerichtet bzw. Erntegut verschmutzt wird.

Um dies zu vermeiden, ist neben der Wahl möglichst steinfreier, ebener Flächen ein ebenes Saatbeet wichtig. Dies kann durch Anwalzen der Saat erzielt werden. Das Saatgut erhält so verbesserten Anschluss an das Bodenwasser; gleichzeitig werden Steine in die Ackerkrume gedrückt, was die Ernte zusätzlich erleichtert.

Erntetechnik für die Soja

Lohnunternehmen und Anbauer von Soja verfügen zumeist über ein Flexschneidwerk. Diese Technik ermöglicht eine flexible Anpassung an den Boden. Durch einen tieferen Schnitt und der Aufnahme der untersten Hülsen können Ernteverluste minimiert und die Sojabohne sauber gedroschen werden. Die hohe Anpassungsfähigkeit und der Ausgleich von Unebenheiten von über 30 cm (je nach Hersteller) wird durch einen auf Kufen geführten, durchgehend flexiblen Messerbalken erreicht. Die Gefahr, dass Erde oder Steine auch bei größeren Arbeitsbreiten aufgenommen werden, wird dadurch stark minimiert. Weitere Informationen zu flexiblen Schneidwerken und der richtigen Einstellung des Mähdreschers erhalten Sie auf der Website des Deutschen Sojaförderrings.

Ansprüche an die Lagerung

Auch im Lager stellt die Sojabohne, abhängig von der Kornfeuchte, spezielle Anforderungen an die Handhabung und die Lagerdauer. Diese müssen beachtet werden, um über die gesamte Lagerzeit eine qualitativ hochwertige Ware liefern zu können.

Die Sojabohne nimmt hinsichtlich der Lagerung eine Sonderstellung ein, da sie bei normaler Restfeuchte (< 14 %) im Vergleich zu Getreide oder anderen Körnerleguminosen, eine relativ schlechte Lagerfähigkeit aufweist. Nach Angaben vom Sojaförderring sind Sojabohnen in Abhängigkeit von der Restfeuchte unterschiedlich lang lagerfähig (Tabelle 1). Um Schimmelbildung im Sojalager zu vermeiden, darf die relative Luftfeuchte 65 % nicht überschreiten.

Tabelle 1: Lagerdauer der Sojabohne in Abhängigkeit der Kornfeuchte (nach M. Miersch: Lagerung von Sojabohnen; erschienen in Taifun Sojainfo Nr.11 06 2015)

KornfeuchteLagerdauer
14 %6 Monate (Kühllagerung bei 6-8 °C)
13 %6-9 Monate (über Winter)
12 %1 Jahr
11 %1-3 Jahre

Hinzu kommt, dass Bohnen mit Rissen schneller verderben, da Luft und Pilzinfektionen leichter eindringen können. Eine schonende Erntekette ist somit Voraussetzung für eine gute Lagerfähigkeit.

Neben der Feuchte ist auch die Lagertemperatur entscheidend für die Lagerdauer. Denn nur bei entsprechender Korntemperatur sind die Bohnen in Zusammenhang mit der in Tabelle 1 angegebenen Kornfeuchte entsprechend lagerfähig. Tabelle 2 zeigt die ungefähr tolerierbare Lagerdauer von Sojabohnen in Tagen.

Tabelle 2: Lagerdauer in Tagen in Abhängigkeit der Korntemperatur und -feuchte (nach K. Hellevang, 2012)

Korntemperatur
Kornfeuchte-1°C4°C10°C16°C21°C27°C
11 %>300>300>300>300200140
12 %>300>300>30024012570
13 %>300>3002301207040
14 %>300280130754520
15 %>30020090503015
16 %>30014070352010
17 %>300905025147
19 %19060301583
21 %13040151062
23 %903512852
25 %703010742

Aufbereitung von Sojabohnen

Sojabohnen müssen zur Verwendung als Tierfutter für Geflügel oder Schweine vor der Fütterung thermisch aufbereitet werden. Antinutritive Substanzen (vorwiegend Trypsin-Inhibitoren) in der Sojabohne hemmen das eiweißspaltende Enzym Trypsin. Eine thermische Inaktivierung durch unterschiedliche Verfahren ist daher notwendig. Aufgrund des hohen Fettgehaltes der Sojabohne (ca. 20 %) ist auch eine Entölung zu empfehlen, da sonst Leistungs- und Qualitätseinbußen bei Monogastern zu erwarten sind. Nach der Entölung kann der gewonnene Presskuchen oder das Extraktionsschrot verwendet werden. Das gewonnene Sojaöl kann als wertvolles Speise- oder Futteröl verwendet werden. Jedoch müssen Toast- und Entölungsanlagen in der Region verfügbar sein. Auf der Seite des Sojaförderrings finden Sie Hinweise zu stationären und mobilen Toast- und Entölungsanlagen, die überregional und auch in Hessen zur Verfügung stehen. Für die mobile Toastung empfiehlt es sich, sich mit anderen sojaanbauenden Betrieben in der Umgebung abzusprechen. Mit der Wahl eines zentralen, gut erreichbaren Ortes können der Durchsatz zur Sojaaufbereitung erhöht und die Anfahrtskosten geteilt werden.

Für weitere Informationen rund um Körnerleguminosen besuchen Sie die Webseiten des LeguNet und des LLH.

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