8. Witzenhäuser Hanftagung: Neue Anbauaspekte und Verwertungswege

Am 03. September 2025 fand die 8. Witzenhäuser Hanftagung statt. Auch in diesem Jahr bot sie ein abwechslungsreiches Programm aus Fachvorträgen und Praxis-Vorführungen. Aktuelle Erkenntnisse zum Anbau sowie innovative Nutzungsmöglichkeiten von Nutzhanf wurden vorgestellt und diskutiert.
Die Fachtagung hat sich bereits als fester Termin im Kalender der Branche etabliert und zog erneut zahlreiche Teilnehmende aus dem gesamten Bundesgebiet an. Nach der Begrüßung durch LLH-Abteilungsleiterin Anne Mawick hieß Bürgermeister Lukas Sittel die Gäste willkommen und betonte die Bedeutung der Tagung für den Wissens- und Erfahrungsaustausch innerhalb der Hanfbranche.
Acht Jahre Hanfanbau im Werra-Meißner Kreis – Chancen und Herausforderungen
Seit 2017 wird im Landkreis Hanf angebaut. Neun landwirtschaftliche Betriebe haben sich damals zusammengeschlossen, um Erfahrungen beim Anbau und der Verwertung der Pflanze zu sammeln. Von 2018 bis 2023 erhielt das Projekt Unterstützung durch die europäische EIP-Agri-Förderung. Anfangs konzentrierten sich die Arbeitsgruppen auf Anbau, Ernte und die Verarbeitung von Hanfstroh und Hanfsamen. Inzwischen steht vor allem die Vermarktung von Hanfnüssen und Hanfstroh im Mittelpunkt – ein Bereich mit großen Chancen, aber auch einigen Herausforderungen, wie Uwe Roth vom Kreisbauernverband Werra-Meißner e.V. erläuterte.
Nutzhanf zwischen Regulierung und Wachstumspotenzial
Jonas Westphal beleuchtete in seinem Vortrag die rechtlichen Rahmenbedingungen auf UN-, EU- und deutscher Ebene. Anschließend gab er einen Überblick über die internationalen Märkte und erläuterte den „Teufelskreis der Hanfökonomie“ – ein Zusammenspiel aus Stigma, hoher Bürokratie, geringen Renditen, vor allem durch hohe Transportkosten, und zurückhaltenden Investoren, welche die wirtschaftliche Entwicklung hemmen. Er zeigte, dass wirtschaftliche Erfolge stark von Gesetzgebung, Bürokratie, Marktpreisen und Investitionsbereitschaft abhängen.
Hanf in der Textilbranche
Klaus-Dieter Rommeiss stellte den 2024 gegründeten Fachverband Hanftextilien e.V. vor. Der Verein versteht sich als Plattform für Austausch, Vernetzung und Förderung nachhaltiger Hanftextilien und möchte die Sichtbarkeit von Hanf in der Textilbranche stärken. Welche konkrete Rolle der Verein für die Entwicklung der Hanftextilbranche in Deutschland spielen wird, wird derzeit noch erarbeitet, da die Produktion von Hanftextilien im Land bislang nur in begrenztem Umfang erfolgt.
Hanfsamen: Inhaltsstoffe und deren gesundheitsfördernde Wirkungen
Hanfnüsse gelten als Superfood – auch wenn der Begriff rechtlich nicht geschützt ist. Anhand der Health Claims (EU-Verordnung 432/2012) veranschaulichte Natascha Hüsch, LLH, die Zusammenhänge zwischen den in Hanfnüssen enthaltenen Inhaltsstoffen und deren gesundheitliche Wirkung. So tragen beispielsweise mehrfach ungesättigte Fettsäuren zur Aufrechterhaltung eines normalen Cholesterinspiegels im Blut bei, Proteine unterstützen den Erhalt und die Zunahme von Muskelmasse, und Vitamin E schützt die Zellen vor oxidativem Stress. Auch mögliche neuroprotektive Effekte werden erforscht, die perspektivisch bei Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson von Bedeutung sein könnten.
Bauen und Sanieren mit Hanf-Baustoffen – ein Praxisbeispiel

Hanfingenieur Henrik Pauly gab einen praxisnahen Einblick in das Bauen und Sanieren mit Hanfkalk. Das ökologische Baumaterial besteht aus Hanf, Kalk und Wasser und kann von Hand gemischt und „betoniert“, mit Hanfsteinen gemauert oder maschinell aufgespritzt werden. Hanfkalk ist schwer entflammbar, besitzt einen guten Dämmwert, reguliert das Raumklima und hält durch seine niedrige Ausgleichsfeuchte das Holz trocken. Auch die Umsetzung von KfW40-Niedrigenergiehäusern lässt sich mit Hanfkalk realisieren. Zur Veranschaulichung wurde die Funktionsweise einer Putzmaschine erklärt.
Anschließend besichtigten die Teilnehmenden ein im Bau befindliches Hanfkalkhaus. Gemeinsam mit der Bauherrin erklärte Henrik Pauly die Verarbeitung und technischen Details. Anschließend konnten die Teilnehmenden selbst ausprobieren, wie Hanfschäben mit Kalk und Wasser vermischt, in eine Schalung gefüllt und verdichtet werden.
Wir freuen uns auf ein Wiedersehen zur 9. Witzenhäuser Hanftagung in 2026!
Kontakt Natascha Hüsch










