Lebensbaum-Hecken auf dem Prüfstand

Lebensbäume und Scheinzypressen sind beliebt, weil sie ganzjährig grün, blickdicht und obendrein günstig sind. Es gibt sie in vielen Farbfacetten: Grün, Gelbgrün, Gelb oder Blaugrün.

Doch Thuja occidentalis, der Lebensbaum, macht seinem Namen nicht immer Ehre. Kaum eine andere Gartenpflanze beschäftigt das Gartentelefon der Hessischen Gartenakademie so sehr. Die Anfragen ähneln sich: In der Hecke, die noch kürzlich grün und vital erschien, werden plötzlich einzelne Pflanzen oder Abschnitte braun.
In diesem Artikel zeigen wir Ursachen auf, die ebenso bei den ähnlich aussehenden Scheinzypressen (Chamaecyparis) auftreten.

Doch was bereitet den Lebensbäumen und Scheinzypressen Probleme?

Standortbedingungen

Der Lebensbaum (Thuja occidentalis) kommt ursprünglich aus dem östlichen Nordamerika und liebt einen sonnigen bis halbschattigen, luftfeuchten Standort mit durchlässigen, feuchten Böden ohne Staunässe. Trockene Sandböden, aber auch schwere, zur Verdichtung und Bildung von Staunässe neigende Lehm- oder gar Tonböden, sind für diese Art ungeeignet. In Kombination mit dem Bodenpilz Phytophthora kann es zu Schäden bis hin zum Ausfall ganzer Hecken kommen. Mitunter schafft die regelmäßige automatische Bewässerung die Staunässe im Untergrund und damit optimale Bedingungen für den Pilz.

Als Sichtschutzhecke werden Lebensbäume und Scheinzypressen darüber hinaus oft exponiert bepflanzt. Oberhalb von Mauern und entlang von zur Überhitzung neigenden Flächen (Straßen, Gehwegen, geschotterten Flächen, vor Fassaden etc.) geraten die Pflanzen besonders schnell in Trockenstress – insbesondere dann, wenn solche Bereiche auch noch südexponiert sind. Entlang von Straßen und Gehwegen wirken Streusalz oder Hundeurin dann noch zusätzlich schwächend.

Witterung

In der Vergangenheit wurde die Ursache für Trockenschäden oft schon im Winter gelegt, denn immergrüne Nadel- und Laubgehölze verdunsten (transpirieren) im Gegensatz zu laubabwerfenden Gehölzen weiter. Bei der Kombination von spätwinterlichem Sonnenschein und gefrorenem Boden können die Pflanzen dann kein Wasser nachführen und vertrocknen unmerklich, wenn dieser Zustand lange anhält. Die Folgen dieser sogenannten Frosttrocknis zeigen sich bei Nadelgehölzen oft erst Monate später, denn die Nadeln bleiben – so wie bei der Weihnachtstanne – noch lange grün, obwohl sie schon abgestorben sind. Wenn Nadelgehölze braune Nadeln zeigen, ist es für eine Bewässerung meist schon zu spät.

Klimawandelbedingt sind Frosttrocknis-Schäden in den meisten unserer hessischen Regionen inzwischen selten geworden. Häufiger zeigen sich mittlerweile Trockenschäden, etwa durch langandauernde Frühjahrstrockenperioden. Zwischenzeitliche Starkregenereignisse schaffen es kaum, in die ausgetrockneten Böden einzudringen, sondern fließen meist ab. Gleichzeitig wirken sie bodenverdichtend. Treffen auf die Frühjahrstrockenperioden auch noch sommerliche Dürrephasen, führt dies bei den Pflanzen häufig zum Absterben.

Pflanzung

Hinter einem Metallzaun steht entlang einer Straße eine zu dicht gepflanzte, uneinheitlich hohe Thuja Hecke. Davon ist mindestens eine Pflanze abgestorben, die anderen Pflanzen weisen abgestorbene Äste auf.
Viel zu dicht gepflanzte und massiv geschädigte Thujahecke entlang einer Straße

Aus Sichtschutzgründen werden in der Regel große Pflanzen gekauft und diese möglichst dicht gepflanzt. Wenn Boden und Standort geeignet sind, geht das auch eine ganze Zeit lang gut. Irgendwann wird die Konkurrenz um Wurzelraum und insbesondere um Wasser derart knapp, dass ein oder mehrere Exemplare der Hecke absterben. Daher ist es ratsam, den Pflanzen stets genug Raum (Pflanzabstand je nach Größe ca. 40–50 cm) zu lassen.

Idealer Pflanzzeitpunkt ist der Herbst. Die Befürchtung, dass Pflanzen erfrieren könnten, ist unbegründet. Vielmehr haben sie die Chance, bis zu eventuellen Frühjahrs- und Sommertrockenheiten bereits ein halbwegs unterstützendes Wurzelwerk auszubilden.

Unzureichender und falscher Pflegeschnitt

Thuja- und Scheinzypressen haben, wie die meisten Nadelgehölze, hinsichtlich der Pflege als Formhecke, einen entscheidenden Nachteil: Beginnt man mit dem Schnitt erst nach einigen Jahren oder verpasst über wenige Jahre die eigentlich notwendigen jährlichen Formschnitte, ist die nachträglich erforderliche Breiten- oder Höhenbegrenzung oft nicht mehr oder nur schwer möglich. Diese Arten bleiben nur außen grün, während das Innere und beschattete Bereiche verkahlen. Erfolgt ein Rückschnitt bis ins braune Geäst, regeneriert sich die Hecken schlecht bis gar nicht, da die meisten Nadelgehölze nicht neu austreiben können.

Schädlinge

Auf der linken Seite des Fotos ist ein schwarzer, adulter Borkenkäfer zu sehen. Auf der rechten Seite sieht man seine weiße Larve.
Typische Schwächeparasiten: der Borkenkäfer und seine Larve

Schädlinge wie Spinnmilben, Schildläuse, Thuja-Miniermotte, Thuja-Prachtkäfer oder Borkenkäfer sowie Pilzkrankheiten wie Nadelbräune, das Kabatina-Triebsterben, Phytophthora oder Hallimasch können an Thuja auftreten. Dies betriffthauptsächlich Heckenpflanzen, die durch die o. g. Gründe vorgeschädigt und geschwächt wurden. Spezifische Bekämpfungsmaßnahmen müssen daher schnellstmöglich mit vitalisierenden Maßnahmen (siehe unten) einhergehen.

Zwischenfazit: Schadensbegrenzung und die Frage nach möglichen Alternativen

Damit Ihre (noch) vitale Lebensbaum- und Scheinzypressenhecke vital bleibt, gilt es, vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen. Diese wären – je nach Problemlage – Bodenlockerung, Durchlüftung, Drainage, geregelte Bewässerung, bedarfsgerechte Düngung (nach Bodenprobe) oder pflanzenstärkende Maßnahmen.

Wer über Austausch oder Neuanlage nachdenkt, sollte Folgendes bedenken:

  • Thuja und Scheinzypressen haben es hierzulande durch den klimawandelbedingten Trockenstress zunehmend schwer.
  • Sie bieten der heimischen Tierwelt kaum Lebensraum oder Nutzen.
  • Zudem ist ihre Fähigkeit zum Neuaustrieb begrenzt, was Pflege und Regeneration erschwert.

Hinzukommt: Thuja und Scheinzypressen prägen heute zusammen mit Kirschlorbeerhecken sowie Gabionen- und Doppelstabmattenzäunen viele Straßenzüge und erzeugen dadurch ein oft einheitliches, monotones Erscheinungsbild.

Im Folgeartikel stellen wir Ihnen widerstandsfähige und pflegeleichte Alternativen vor – denn ab Oktober/November ist wieder Pflanzzeit.

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