Neue Wintermohnsorten für Anbau zugelassen
Schlafmohn (Papaver somniferum) zählt zu den ältesten Kulturpflanzen Mitteleuropas. Vor dem Zweiten Weltkrieg war sein Anbau noch weit verbreitet. Nachdem Mohn in das Betäubungsmittelrecht einbezogen wurde, ist die Anbaubedeutung stark gesunken. Mit einer Anbaufläche von 1.066 Hektar bundesweit bzw. 62 Hektar in Hessen (Quelle: Bundesopiumstelle, 2024) ist Mohn heutzutage eine Nischenkultur, kann jedoch für einige Betriebe eine interessante Möglichkeit zur Diversifizierung darstellen.

Der Anbau von Schlafmohn ist in Deutschland genehmigungspflichtig und muss bei der Bundesopiumstelle beantragt werden. Eine Herausforderung für den Anbau ist das geringe Sortenangebot. Generell sind in Deutschland nur morphinarme Sorten für den Anbau zugelassen. Von den über 50 europaweit gelisteten Sorten, standen bislang nur drei Sorten zur Verfügung:
- Mieszko: Sommermohn; Zulassung in Polen im Jahr 2000, dunkelrosa Blüte, Blühbeginn mittel bis spät
- Viola: Sommermohn; helllila Blüte, mittelfrüher Blühzeitpunkt.
- Zeno Morphex: Wintermohn; zugelassen in Österreich im Jahr 2007, lila blühend, geringe Lagerneigung, höhere Auswinterungsgefahr.
In diesem Jahr wurden zwei weitere Wintermohnsorten in den Sortenkatalog der Bundesopiumstelle aufgenommen:
- Zeno Rot: Wintermohn; Zulassung in Österreich im Jahr 2024, rot blühend, hoher Ölgehalt.
- Zeno Violett: Wintermohn; Zulassung in Österreich im Jahr 2024, violette Blüte, früher Blühbeginn, geringe Lagerneigung, hoher Ölgehalt.
Ob das neue Sortenmaterial für die unterschiedlichen klimatischen Regionen in Hessen und Thüringen geeignet ist, wird aktuell in dem EIP-Projekt Mohnopoly von der Universität Kassel, Ökoplant e.V. und verschiedenen Praxisbetrieben untersucht. Ziel des Projekts ist es außerdem, eine stabile Versorgungsstruktur für zertifiziertes Mohnsaatgut aus ökologischem Anbau in Hessen aufzubauen, um den deutschen Anbau nachhaltig mit Saatgut versorgen zu können.
Abgesehen von der geringen Verfügbarkeit von Sorten stellt die Bestandesetablierung eine weitere Herausforderung dar, da Mohn aufgrund seiner kleinen Samen sehr hohe Ansprüche an die Saatbettbereitung stellt. Bedingt durch seine langsame Jugendentwicklung reagiert Mohn empfindlich auf Konkurrenz durch Unkräuter. Herbizide stehen jedoch nur in geringem Umfang zur Verfügung.
Zu den häufigsten Krankheiten zählen falscher Mehltau und Grauschimmel. Bei den Schädlingen sind Erdflöhe, Blattläuse und Rüsselkäfer zu nennen. Nach dem Mähdrusch muss das Erntegut zügig und schonend (max. 30 °C) getrocknet und vorgereinigt werden. Für die Einlagerung sollte die Restfeuchte des Mohns 6 bis 8 % betragen.
Fazit
Der Anbau von Mohn stellt hohe Anforderungen an das pflanzenbauliche Management. Für einzelne Betriebe kann er sich jedoch im Rahmen der Direktvermarktung als wirtschaftlich interessant erweisen. Mit Zeno Rot und Zeno Violett stehen zwei interessante neue Wintermohnsorten für den Anbau zur Verfügung, die im Projekt Mohnopoly auf ihre Anbaueignung für Hessen geprüft werden.






