Kleine Helfer – große Wirkung: Arbeitstagung „Biologischer Pflanzenschutz“ thematisiert Nützlingseinsatz

Zur 32. Arbeitstagung „Biologischer Pflanzenschutz“ in Geisenheim trafen sich kürzlich rund 120 Fachleute aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden. Die Veranstaltung widmete sich dem Schwerpunkt Nützlingseinsatz im geschützten Anbau und präsentierte aktuelle Entwicklungen, Forschungsergebnisse sowie praxisnahe Strategien für einen nachhaltigen Pflanzenschutz. Die Tagung wird turnusmäßig zwischen den Bundesländern organisiert und lag in diesem Jahr in der Verantwortung des Beratungsteams Gartenbau/Nützlingsberatung des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen (LLH).
Teilgenommen haben Pflanzenschutzdienste und Beratungsinstitute der Bundesländer, private Beratungsdienste, Versuchsanstalten und Unternehmen aus dem Bereich des biologischen Pflanzenschutzes. Der LLH nutzte in Kooperation mit der Hochschule Geisenheim University einen Hörsaal für die Veranstaltung. So konnte auch das Institut für Phytomedizin der Hochschule im Zuge der Tagung Teile seiner Forschungsarbeit vorstellen.
Nützlingseinsatz als Schlüssel für nachhaltigen Gartenbau

Zu Beginn der Tagung richtete Daniel Köfer, Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat (HMLU), ein Grußwort an die Teilnehmenden. „Der biologische Pflanzenschutz ist seit Langem ein fester Bestandteil einer nachhaltigen Anbaupraxis. Hessen verfügt hierfür über eine starke Forschungsbasis und ausgewiesene Expertise“, betonte Landwirtschaftsstaatssekretär Köfer.
Nachfolgend hob Katrin Walmanns, kommissarische Leitung des LLH, hervor, dass die systematische Nützlingsberatung in Hessen heute auf fast zwei Jahrzehnte erfolgreiche Begleitung der Betriebe zurückblicken kann und darauf basiert, die Potenziale verschiedener Nützlinge gezielt für einen nachhaltigen Pflanzenschutz zu nutzen. Anhand konkreter Praxisbeispiele verdeutlichte Walmanns die Wirksamkeit des Nützlingseinsatzes: So kann im geschützten Tomatenanbau die Weiße Fliege durch Schlupfwespen weitgehend ohne chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel bekämpft werden. Vergleichbare Erfolge werden beim Einsatz von Nematoden gegen Trauermücken und Dickmaulrüssler erzielt. Gleichzeitig wies Walmanns auf bestehende Herausforderungen hin, wie einen höheren Kontrollaufwand und notwendige Fachkenntnisse. Angesichts des Klimawandels, der die Lebensbedingungen für bekannte und neue invasive Schädlinge begünstigt, seien Forschung und Beratung unverzichtbare Begleiter für den Gartenbau. Sie unterstrich, dass Förderprogramme, kontinuierliche Forschung und betriebliche Innovationsbereitschaft entscheidend sind, damit der Nützlingseinsatz seine volle Wirkung entfalten kann. „Lassen Sie uns gemeinsam die Chancen nutzen, die der biologische Pflanzenschutz bietet – für einen nachhaltigen, resilienten Gartenbau, der auch in Zukunft auf die Kraft unserer natürlichen Helfer setzt“, appellierte Katrin Walmanns.

Prof. Dr. Annette Reineke, Vizepräsidentin Forschung an der Hochschule Geisenheim, brachte die wissenschaftliche Perspektive ein und stellte heraus: „Nachhaltige Landwirtschaft braucht umweltverträgliche Lösungen gegen Schaderreger – deshalb spielt biologischer Pflanzenschutz in Sonderkulturen eine Schlüsselrolle in unserer Forschung an der Hochschule Geisenheim.“
Wissenschaftliche Einblicke und praktische Lösungsansätze
Im Rahmen der Tagung wurden 20 Vorträge aus dem Versuchswesen sowie zu Beobachtungen aus der Praxis gehalten.
Beispielsweise berichtete Dr. Olaf Zimmermann vom Landwirtschaftlichen Technologiezentrum (LTZ) Augustenberg über das Auftreten des Japankäfers in Deutschland und über aktuelle Nachweise in Hessen. Beim Japankäfer handelt es sich um einen Unionsquarantäneschädling. Als Unionsquarantäneschädlinge gelten – nach Angaben des Julius-Kühn-Instituts (JKI) – Schädlinge mit großer Schadwirkung an Pflanzen, die in der EU noch nicht auftreten oder nicht weit verbreitet sind und amtlichen Überwachungsmaßnahmen unterliegen. Der Japankäfer kann trotz seiner geringen Größe von einem Zentimeter im Falle eines massenhaften Auftretens zu wirtschaftlich bedeutenden Schäden im Obst- und Weinbau führen. Zimmermann ging auf natürliche Gegenspieler aus Asien wie die Rollwespe Tiphia vernalis und die parasitische Fliegenart Istocheta aldrichi ein, die in den USA bereits zur biologischen Bekämpfung eingesetzt werden. Als derzeit einzig wirksame Bekämpfungsmaßnahme im Boden ist die Ausbringung der Nematodenart Heterorhabditis bacteriophora möglich.
Darüber hinaus stellte Dr. Elias Böckmann vom JKI seine Versuche zur Bekämpfung der Tomatenrostmilbe Aculops lycopersici mit Ölbarrieren im geschützten Anbau im Layer-Anbausystem vor. Die Tomatenrostmilbe bewegt sich an der Tomatenpflanze zur Triebspitze. Wöchentlich applizierte Ölbarrieren sollen die Schädlinge am Aufwandern hindern, sodass ein größerer Schaden an Blättern und Früchten vermieden werden kann. Dieser Versuch wurde auch beim Pflanzenschutzdienst Hamburg durchgeführt.
Bei der Zusammenführung der Ergebnisse zeigte Dr. Elias Böckmann, dass die Methode der Ölbarrieren im Vergleich zur unbehandelten Kontrolle einen deutlichen Einfluss auf die Verhinderung des Aufwanderns der Tomatenrostmilbe hat. Auch in einem herkömmlichen Anbausystem konnte in einem eigenen Versuch des LLH ein signifikanter Einfluss durch das Applizieren von Ölbarrieren festgestellt werden.
Dr. Annette Herz, ebenfalls vom JKI, referierte über die Langbauchschwebfliege Sphaerophoria scripta. Mit der Scouting-Methode, einem systematischen Monitoringverfahren, im Freiland wurde sie auf diese Schwebfliegenart aufmerksam. Diese Art stellte mit einem Anteil von 80 % aller Schwebfliegenarten in untersuchten Blühstreifen die größte Gruppe unter den Schwebfliegen dar.
Die Referentin beschrieb diese Art als Nützling mit einem möglicherweise hohen Potential, der als Bestandteil einer biologischen Pflanzenschutzstrategie eingesetzt werden könnte, um verschiedene Blattlausarten zu bekämpfen.
Ansätze für einen nachhaltigen Pflanzenschutz
Die Arbeitstagung bot den Teilnehmenden fundierte Einblicke in aktuelle Entwicklungen im biologischen Pflanzenschutz und förderte den Austausch zwischen Forschung und Beratung. Ziel ist es, biologische Regulierungspotenziale durch den Einsatz von Nützlingen und Pathogenen (entomopathogene Bakterien, Viren, Pilze) optimal zu nutzen, Umwelt und Artenvielfalt zu schützen und gleichzeitig die Produktion wirtschaftlich abzusichern. Die Fachvorträge zeigten Handlungsmöglichkeiten für den geschützten Anbau sowie Perspektiven für künftige Entwicklungen im Freiland auf. Die Veranstaltung leistete damit einen wichtigen Beitrag zur Vernetzung und zum fachlichen Dialog der Akteurinnen und Akteure.
Hintergrund:
Während der Arbeitstagung „Biologischer Pflanzenschutz“ wurde die Problematik des Japankäfers thematisiert, um die Potenziale des Nützlingseinsatzes aufzuzeigen. Der LLH bietet ein Beratungsangebot zum Nützlingseinsatz für Gartenbaubetriebe. Weitere Informationen zum Japankäfer sind beim Pflanzenschutzdienst Hessen (Herr Alexander Grüner) oder dem JKI erhältlich.













