Hühnerhaltung im Winter: Worauf es bei Kälte ankommt

Braune Legehenne im Schneetreiben
Hühner stammen ursprünglich aus dem asiatischen Raum. © AdobeStock – aetb

Die Zahl der Legehennenbetriebe mit Auslaufhaltung hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Da Hühner ursprünglich aus dem asiatischen Raum stammen, sind winterliche Bedingungen mit Dauerfrost und Schnee nicht natürlich. Umso wichtiger ist es, dass Hühnerhaltende im Winter ein möglichst optimales Umfeld für ihre Tiere schaffen.

Wann wird es zu kalt?

Die Wohlfühltemperatur von Hühnern liegt bei etwa 16 bis 21 °C. Ausgewachsene Tiere mit vollständigem Gefieder vertragen jedoch auch deutlich niedrigere Temperaturen. Genetiken bzw. Rassen mit dichtem Untergefieder kommen grundsätzlich besser mit Kälte zurecht. Temperaturen unter 0 °C stellen im Außenbereich in der Regel kein Problem dar. Fehlen den Tieren allerdings Federn, etwa durch Abnutzung oder Federpicken, können sie auskühlen und in der Folge erkranken.

Energiegehalt und Futteraufnahme im Blick behalten

Bei niedrigen Temperaturen ist es in jedem Fall sinnvoll, den Energiegehalt des Futters zu erhöhen. Energieträger im Legehennenfutter sind unter anderem Mais, Weizen und Öl. Der Energiegehalt wird als umsetzbare Energie (ME, metabolizable energy) angegeben, zum Beispiel 11,4 oder 11,6 MJ ME je Kilogramm Legehennenfutter. Diese Angabe findet sich auf der Futterdeklaration. Eigenmischer sollten Änderungen an der Ration nur nach Rücksprache und anhand einer Futtermittelberechnung vornehmen, wie sie auch vom LLH angeboten wird.

Besonders wichtig ist bei Kälte, dass die Tiere ausreichend Futter aufnehmen. Pro Grad Celsius unter 15 °C steigt der Erhaltungsbedarf um etwa 1 g Futter. Bei einem Gefiederverlust von 10 % benötigt ein Tier zusätzlich 2,6 g Futter. Tiere, die zuvor aufgrund der Vogelgrippe aufgestallt waren, müssen allein durch die Nutzung des Auslaufs gegenüber reiner Stallhaltung weitere 3,4 g Futter aufnehmen. Unter diesen Bedingungen müsste ein durchschnittliches Hochleistungshuhn bei durchschnittlich 5 °C Umgebungstemperatur mehr als 140 g Futter pro Tag aufnehmen. Grundlage dieser Berechnung ist ein Futter mit 11,4 MJ ME je Kilogramm (Schreiter und Damme, 2017). Je geringer der Energiegehalt des Futters, desto größer muss die tägliche aufgenommene Futtermenge sein. Deshalb kann ein Futter mit höherer Energiedichte bei kalten Temperaturen sinnvoll sein.

Wasserversorgung sicherstellen

Auf keinen Fall darf die Wasserversorgung im Stall einfrieren. Ohne ausreichende Wasseraufnahme fressen die Tiere zu wenig. In kleineren Haltungen kann die Bereitstellung von warmem Wasser gut umgesetzt werden und wird von den Tieren dankbar angenommen.

Frische Luft trotz Winter

Winterlich nasse Bedingungen erhöhen den Infektionsdruck zusätzlich. Trotz niedriger Außentemperaturen muss daher stets für ein gutes Stallklima mit ausreichender Frischluftzufuhr gesorgt werden, um Ammoniak- und hohe CO₂-Konzentrationen zu reduzieren. Luftaustausch und Luftbewegung sollten jedoch vorsichtig dosiert werden, um Zugluft zu vermeiden. Das Herdenverhalten ist dabei genau zu beobachten, da Hennen sehr empfindlich auf Zugluft reagieren. Werden bestimmte Bereiche, etwa obere Sitzstangen, plötzlich gemieden, kann dies ein Hinweis auf Zugluft sein. Auch Infektionskrankheiten, ein Zusammendrängen der Tiere in Ecken oder verlegte Eier können die Folge von Zugluft sein. In strengen Wintern kann es notwendig sein zu heizen, um den Stall frostfrei zu halten. Das Heizen (bei Neueinstallung sehr wichtig, da der Stall ausgekühlt ist) und/oder eine isolierte Bodenplatte reduzieren Kondenswasser, halten die Einstreu trocken und tragen wesentlich zum Tierwohl bei.

Stall und Wintergarten attraktiv gestalten

Hühnermobil im Winter
Durch die Struktur im Auslauf, hier Pappeln, trauen sich die Tiere trotz Schnee weiter hinaus. Der Stallnahbereich ist mit feinen Holzhackschnitzeln eingestreut; im Wintergarten wird Beschäftigungsmaterial angeboten.

Ein erweitertes Angebot an Beschäftigungsmaterial wie Stroh, Luzerne, Karotten, Kartoffeln oder Staubbäder hilft den Tieren, schwierige Witterungsbedingungen wie Schnee und starke Nässe besser zu überstehen. Wichtig ist, Langeweile zu vermeiden, um Verhaltensstörungen wie Federpicken vorzubeugen.

Der Gang nach draußen

Hühner meiden Schnee häufig, da die helle, reflektierende Oberfläche sie irritiert. Stroh oder Holzhackschnitzel auf dem Schnee fördern die Nutzung des Auslaufs und beugen Pfützenbildung im stallnahen Bereich vor. Hackschnitzel im Nahbereich oder eine anschließende Pappelplantage kommen den Hühnern grundsätzlich entgegen. Ob eine Bepflanzung auch Schutz vor Greifvögeln bietet, ist im Winter stark vom jeweiligen Standort abhängig. Informationen zum Schutz vor Beutegreifern in der Geflügelhaltung finden Sie in unserem Praxishandbuch.

Kontakte
>> Alle Kontakte anzeigen