Pflanzenstärkungsmittel als Versicherung
Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen präsentiert Versuchsergebnisse auf der Internationalen Pflanzenmesse
Geisenheim / Essen. Auf der Internationalen Pflanzenmesse (IPM) Essen 2026 präsentiert der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) Versuche zu Pflanzenstärkungsmitteln. Gezeigt werden Ergebnisse aus einem bundesweiten Ringversuch mit insgesamt acht beteiligten Institutionen.
Pflanzenstärkungsmitteln – darunter Pflanzenextrakte[1], Bodenhilfsstoffe[2] oder Biostimulanzien[3] – wird eine präventive Wirkung zugeschrieben, indem sie die Widerstandskraft von Pflanzen auf natürliche Weise stärken. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass ihre Wirkung variiert.
Gleichzeitig rücken Pflanzenstärkungsmittel in der gartenbaulichen Produktion stärker in den Fokus, da die Betriebe zunehmend auf nachhaltige Anbaumethoden mit weniger Pflanzenschutzmitteln, Torf und Energie setzen. Unter diesen veränderten Anbaubedingungen geraten moderne, leistungsstarke Kulturpflanzen leichter unter Stress – Pflanzenstärkungsmittel könnten hier perspektivisch unterstützen.
Aus diesen Gründen ist eine objektive Prüfung durch neutrale Einrichtungen wie die Offizialberatung der Bundesländer besonders wichtig. Sie gibt den Gartenbaubetrieben eine verlässliche Orientierung, was Pflanzenstärkungsmittel leisten können – und was nicht.
Ringversuch simuliert Praxisbedingungen
Im Ringversuch wurden 27 Pflanzenstärkungsmittel in unterschiedlichen Mischungen und Anwendungsstrategien getestet – so, wie sie auch in der Praxis eingesetzt werden. Versuchspflanze war das Vergissmeinnicht (Myosotis sylvatica, ‚Mon Amie Blue‘). Die Sorte ist optisch attraktiv und ertragsstark, aber anfällig für Mehltau.
Die acht Versuchseinrichtungen arbeiteten mit derselben Versuchspflanze und denselben Präparatkombinationen, führten die Versuche jedoch in unterschiedlichen Gewächshaussystemen und mit ihren jeweils betrieblichen Substraten durch. So simulierten sie unterschiedliche Gartenbaubetriebe – was die praktische Relevanz der Testergebnisse nochmals steigert.
Im LLH-Versuchsbetrieb Geisenheim wurden die Vergissmeinnicht unter besonders herausfordernden Bedingungen kultiviert – in einem unbeheizten Gewächshaus und in torffreiem Substrat. Alle Präparat-Kombinationen zeigten Wirkung: die behandelten Vergissmeinnicht wiesen einen geringeren Mehltaubefall auf als die unbehandelte Kontrolle.
„Pflanzenstärkungsmittel sind wie eine Versicherung“
„Solche Effekte sind nicht garantiert und treten meist dann auf, wenn im Anbausystem beispielsweise Nährstoffmängel herrschen oder die Wasserversorgung suboptimal ist“, erklärt Sebastian Bartsch, Versuchsingenieur beim LLH-Versuchswesen Gartenbau. „In solchen Fällen können Pflanzenstärkungsmittel das Produktionsrisiko senken.“
Bartsch zieht einen Vergleich: „Pflanzenstärkungsmittel sind wie eine Versicherung. Ohne Schadensfall zeigt sie keine Wirkung – im Ernstfall kann sie aber entscheidend sein.“
Besucherinnen und Besucher der IPM Essen können die Versuche im Rahmen der bundesweiten Lehrschau, die vom Zentralverband Gartenbau (Landwirtschaftskammer NRW) organisiert wird, in Halle 4 Stand 4C14, besichtigen. Zudem können sie sich über die getesteten Strategien informieren und mit Fachleuten des LLH ins Gespräch kommen.
Am Gartenbauzentrum Geisenheim soll die Versuchsreihe zu den Pflanzenstärkungsmitteln in den kommenden Jahren fortgesetzt werden.


[1] Zu den Pflanzenextrakten zählen z.B. Schachtelhalm- oder Knoblauchextrakte
[2] Zu den Bodenhilfsstoffen zählen z.B. Kompostextrakte oder Huminsäuren
[3] Zu den Biostimulanzien zählen z.B. Aminosäurepräparate

