33. Kasseler Gartenbautage – Starkes Interesse an Biodiversität und öffentlichem Grün
Die Kasseler Gartenbautage sind bereits seit vielen Jahren im Berufsstand etabliert. Die zweitägige Veranstaltung ermöglicht am ersten Veranstaltungstag den fachlichen Austausch für den Produktionsgartenbau (Obst, Gemüse, Zierpflanzen). Am zweiten Tag stehen traditionell die wachsende Branche des Garten- und Landschaftsbaus sowie das öffentliche Grün im Vordergrund.
Produktionsgartenbau im Fokus: Vertrieb, Marketing und Kundenmanagement
Am Dienstag, den 13. Januar, eröffnete Frau Katrin Walmanns, kommissarische Leitung des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen (LLH), die Veranstaltung zum Thema „Vertrieb und Marketing“ im Gartenbau.

Thorsten Schmidt (SVLFG) von der Gartenbau-Berufsgenossenschaft führte mit beeindruckenden Bildern und Fallbeispielen durch die Themen Arbeitssicherheit und Arbeitsschutz. Er stellte dabei die aktuellen gesetzlichen Verpflichtungen vor und erläuterte, wie diese durch die Berufsgenossenschaft in den Unternehmen geprüft werden. Ein aktueller Schwerpunkt ist dabei der E-Check, d. h. die standardisierte Prüfung elektrischer Anlagen und Geräte durch einen qualifizierten Fachbetrieb, um Sicherheit, Brandschutz und Funktionsfähigkeit zu gewährleisten.
Vom Mitarbeiterschutz leitete Günter Lemke anschließend zum Thema Kundenmanagement über und erläuterte die Aspekte einer guten Einkaufsatmosphäre.
Die praktische Umsetzung einer Verkaufsstrategie wurde im Anschluss von Dr. Susanne Lux (Green Marketing Europe) vorgestellt. Sie brachte dem Auditorium ein „Konzept zur Förderung des Absatzes bei Weihnachtssternen und Geranien“ näher – Produkte, die in vielen Gärtnereien in Hessen angebaut werden. Welche Absatzmöglichkeiten über das Angebot eines Großhändlers bestehen, stellte Frau Susanne Kuhlmann (Sagaflor, Kassel) vor.
Im Anschluss zeigte Herr Thomas Schädler (Beratungsdienst Direktabsatz e. V., Ludwigsburg) anhand einer Analyse der Absatzentwicklung in der grünen Branche, wie sich die Verkäufe tatsächlich entwickeln. Dabei war eine beeindruckende Absatzzunahme im Einzelhandel, insbesondere im Onlineverkauf der vergangenen sechs Jahre, festzustellen. Dies geht zum Teil leider zulasten der Kaufkraft beim Direktverkauf in den hessischen Betrieben. Als Hilfestellung für die anwesenden Produzenten schlug der Referent drei Konzepte vor, die insbesondere kleinere Gartenbaubetriebe zukunftsfähig machen könnten. Thematisch schlug er damit die Brücke zu seinem Vorredner und verwies auf ein gutes Kundenmanagement. Um Kunden zu gewinnen, sollten zukünftig eine Steigerung des Angebots an Dienstleistungen, mehr Angebote für den Erlebnisverkauf in Verbindung mit spezialisierter Produktion oder Gartencenter mit Eventangeboten umgesetzt werden.
Öffentliche Flächen in der Stadt und auf dem Land grün gestalten
Am Mittwoch, dem 14.01.2026, eröffnete Frau Anna Kaiser, kommissarische Leitung des LLH, den Tag zum Schwerpunktthema „Biodiversität im öffentlichen Grün und GaLaBau“ mit einem Plädoyer für mehr Grün im urbanen Raum.

Wie es gelingt, auch unter klimatisch schwierigen Bedingungen Pflanzen gesund wachsen zu lassen, erläuterte Paula Clauß (Hessische Gartenakademie) in ihrem Vortrag zum Thema „Mulchverfahren zur Pflanzenschutzmittelreduktion im öffentlichen Grün“. Durch die Wahl des richtigen Mulchmaterials sowie eine gute Terminierung und Arbeitsabfolge bei der Mulchausbringung können erhebliche Vorteile für das Pflanzenwachstum erzielt werden. Die Diskussion im Anschluss zeigte, dass Verbraucher oft nicht zwischen Schottergärten und mineralischem Mulch unterscheiden können. Zukünftig besteht hier weiterer Aufklärungsbedarf, insbesondere in Kommunen und Städten, die diese mineralischen Produkte nutzen. Die Mulchschicht verhindert zudem den Aufwuchs unerwünschter Pflanzen.
Im Beitrag von Prof. Dr. Stefan Körner (Universität Kassel) wurden Möglichkeiten aufgezeigt, genau diese wild und natürlich vorkommenden Pflanzen auch innerorts für Begrünungen zu nutzen. Mit seinem Beitrag zur „Extensiven Staudenbepflanzung unter Beachtung der Biodiversität“ zeigte er anhand bereits erfolgreich umgesetzter Projekte, wie artenreiche Begrünungsmaßnahmen als Kombination von Aussaat und Pflanzung oder sogar durch „Nichtstun“ gelingen können. Als Professor für Pflanzenverwendung wies er zudem auf die ästhetischen Aspekte hin, die für die Akzeptanz solcher Anlagen wichtig sind. Auf einer ungenutzten Fläche der Universität Kassel gelang es so, über 30 gefährdete Pflanzenarten wiederzufinden und gleichzeitig eine attraktive Grünfläche zu schaffen.

Gut angelegte Grünanlagen müssen auch fachgerecht weiter gepflegt werden. Herr Thorsten Schmidt (SVLFG) erläuterte daher, was aus Sicht der Gartenbau-Berufsgenossenschaft zur „Sicherheit in der Grünflächenpflege“ zu beachten ist. Thematisch erfolgte anschließend ein Wechsel von den Grünflächen im Ortszentrum zu den Flächen an Ortsrandlagen und in der freien Landschaft. Andrea Imhäuser (LLH) referierte zum Thema „Hecken- und Saumpflege in der Feldflur“. Hier steht die Förderung der Biodiversität an oberster Stelle. Dies gelingt jedoch nur mit einer fachgerechten Pflege, die an der Zielsetzung der Anlage ausgerichtet ist. Maßnahmen wie der „stufenweise Heckenschnitt“ oder das „Auf-den-Stock-Setzen“ stoßen bei Anliegern häufig auf wenig Verständnis, sind aber notwendig. Sie forderte daher die Anwesenden auf, häufiger den Dialog mit allen Beteiligten zu suchen und auch die Naturschutzbehörden stärker als Unterstützung einzubinden.
Was der Gartenbau alles leisten kann, soll die Landesgartenschau Oberhessen 2027 zeigen. Mit dem Titel „Neue Wege bei der Hessischen Landesgartenschau – Die interkommunale Landesgartenschau Oberhessen“ faszinierte Herr Thomas Hellingrath (Geschäftsführer Landesgartenschau Oberhessen 2027 gGmbH) die Zuhörer im vollen Saal. Er stellte das Konzept vor, bei dem erstmals in Hessen elf Kommunen gleichzeitig eingebunden werden. An drei Standorten werden Parkanlagen entwickelt, und das Land Hessen wird einen Beratungsgarten präsentieren. Ziel ist es, die Attraktivität der Region als Wohn- und Gewerbestandort zu steigern. Dafür werden Fördermittel im zweistelligen Millionenbereich eingeworben und in der Region investiert.
Um die regionale Entwicklung auch ohne Gartenschau gartenbaulich zu fördern, werden Netzwerke und Initiativen vor Ort immer wichtiger. Kathrin Landsfeld (Hessische Gartenakademie) stellte ein Ausbildungsprogramm zum „Biodiversitätslotsen bzw. zur Biodiversitätslotsin für artenreiches Grün“ vor. In der Ausbildung werden Kompetenzen vermittelt, damit diese Biodiversitätslotsen eigenständig Projekte initiieren, insbesondere kleine Kommunen unterstützen und bei der Umsetzung grüner Projekte mit Bürgerbeteiligung mitwirken können. Im Fokus stehen mehr Artenvielfalt, Biodiversität und Klimaresilienz sowie die Stärkung der Netzwerkarbeit verschiedener hessischer Organisationen.
Fazit
Die zentrale Veranstaltung für den Gartenbau in Nordhessen zeigte, dass es für den Produktionsgartenbau in Hessen zunehmend schwieriger wird, gewinnbringend zu produzieren. Im Bereich des Garten- und Landschaftsbaus, des öffentlichen Grüns sowie im Nichterwerbsgartenbau gewinnen Nachhaltigkeit, Anpassung an den Klimawandel und Artenvielfalt immer mehr an Bedeutung. Gleichzeitig müssen im öffentlichen Grün und bei Pflegearbeiten ökonomische Zwänge stets mitgedacht werden.


