Hemmstoffe vermeiden
Als Hemmstoffe werden alle Substanzen bezeichnet, die das Wachstum von Lebewesen oder Mikroorganismen hemmen oder auf diese abtötend wirken. Bei der Weiterverarbeitung der Milch in der Molkerei können Hemmstoffe die für die Milchverarbeitung wichtigen Milchsäurebakterien beeinträchtigen. Darüber hinaus können sie ein Risiko für die Gesundheit der Konsumenten darstellen. Daher darf keine hemmstoffbelastete Milch in die Lebensmittelkette gelangen.
Eine mögliche Ursache für Hemmstoffe in der Milch ist der Einsatz von Tierarzneimitteln, insbesondere von Antibiotika. Auch wenn deren Einsatz in der Öffentlichkeit teilweise kritisch gesehen wird, lässt er sich in der Nutztierhaltung nicht immer vermeiden. Eine Behandlung kann erforderlich sein, um die Gesundheit der Tiere im Sinne des Tierschutzes zu sichern.
Als Lebensmittelunternehmer trägt der Landwirt die Verantwortung dafür, dass die Anlieferungsmilch an die Molkerei und die Milch der Direktvermarktung frei von Stoffen ist, die die menschliche Gesundheit beeinträchtigen oder die Verarbeitung der Milch negativ beeinflussen können. Diese Verantwortung beginnt bereits bei der Behandlung der Tiere und reicht über das Melken bis hin zur Abgabe der Milch.
Im Jahr 2025 wurde in Hessen ca. 100-mal Rohmilch mit Hemmstoffen an den Abnehmer geliefert. Um solche Fälle zu vermeiden, sind entlang des gesamten Prozesses sorgfältige Abläufe und Kontrollen erforderlich. Im Folgenden werden die wichtigsten Maßnahmen vorgestellt.
1. Sorgfältiges Medikamentenmanagement

Bei Tierarzneimitteln sind die Anwendungsvorschriften hinsichtlich Art, Anwendung und Dosierung der Arzneimittel zu beachten. Weiterhin ist eine getrennte Lagerung von Medikamenten, Chemikalien, Reinigungs- und Desinfektionsmitteln der erste Schritt zur Vorbeugung.
Eine lückenlose Dokumentation der Behandlungen ist unverzichtbar und selbstverständlich. Auch Aushilfsmelkpersonal sollte durch die Dokumentation oder andere Methoden (Kennzeichnung, Separierung etc.) ausreichend über behandelte Kühe informiert werden.
Äußerste Vorsicht ist geboten, wenn gleichzeitig mehrere Medikamente angewandt werden. Dadurch kann sich die Wartezeit erheblich verlängern.
Auch bei Eutersalben, Wundsprays oder anderen Präparaten muss auf die Art der Anwendung geachtet werden, da diese ebenfalls Wartezeiten für Milch oder Fleisch mit sich bringen können.
Achten Sie beim Einsatz eines Arzneimittels auf eine sachgemäße Anwendungshygiene, sodass Kontaminationen durch die Melkerhand am Euter ausgeschlossen werden.
2. Melken von behandelten Kühen
Noch vor der Behandlung sollte die Kuh durch ein unverwechselbares System gekennzeichnet werden, zum Beispiel durch das Anlegen von zwei roten Fesselbändern an den Hinterbeinen der Kuh. Ebenfalls geeignet sind Managementprogramme, in denen eine elektronische Melksperre für behandelte Kühe eingegeben werden kann.
Weiterhin sollte, wenn möglich, eine separate Melkroutine eingeführt werden. Durch das separate Halten einer Gruppe behandelter Kühe kann es zu keiner Verwechslung im Melkstand kommen. Diese Gruppe sollte zum Schluss gemolken werden, damit es zu keiner Verschleppung von hemmstoffpositiver Milch in milchführende Teile kommen kann.
Behandelte Kühe sollten in einen eigenen Vormelkbecher vorgemolken werden. Verwenden Sie ebenfalls einen separaten Euterlappen und Dippbecher.
Die Milch von hemmstoffpositiven Kühen muss in eine Separationskanne mit ausreichend großem Fassungsvolumen (mind. 30 Liter) und Trennwanddeckel gemolken werden. Dabei ist darauf zu achten, dass das Gesamtgemelk einer Kuh in die Separationskanne gemolken wird.
Nach jeder hemmstoffpositiven Kuh muss das Melkzeug sowie die milchführenden Teile mit mindestens 50 °C heißem Wasser gründlich gereinigt werden.
Die hemmstoffpositive Milch sollte nicht in der Milchkammer gelagert werden.
3. Eigenkontrollen durchführen
Wartezeiten müssen strikt eingehalten werden. Die Wartezeit gilt für das Gesamtgemelk einer Kuh. Zusätzlich ist bei jeder Einzelkuh ein Hemmstofftest durchzuführen, bevor das Gemelk der Kuh an den Abnehmer geliefert wird. Des Öfteren ist eine Kuh länger hemmstoffpositiv, als es die Wartezeit für Milch des jeweiligen Tierarzneimittels vorgibt.
Es gibt unterschiedliche Hemmstofftestsysteme, die nach der Rohmilchgüteverordnung (RohmilchGütVO vom 11.01.2021) zugelassen sind. Diese unterscheiden sich in der vorgegebenen Nachweisgrenze und den nachweisbaren Substanzen. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Molkerei und der zuständigen Untersuchungsstelle nach dem eingesetzten Testsystem.
Testen einer Einzelkuh: Melken Sie das gesamte Gemelk in eine saubere Separationskanne und entnehmen Sie daraus die Probe. Das Vorgemelk ist für die Probe nicht ausreichend und nicht repräsentativ.
Testen der Tankmilch: Bevor Sie die Probe entnehmen, lassen Sie das Rührwerk einige Zeit laufen. Die Entnahme der Probe erfolgt mit einer sauberen Kelle aus dem Mannslochdeckel.
4. Melkhygiene und Technik
Die Melk- und Reinigungsanlage muss korrekt eingestellt sein und regelmäßig gewartet sowie kontrolliert werden.
Defekte Zitzengummis müssen umgehend erneuert werden.
5. Weitere Erfahrungen beim automatischen Melksystem
Zuerst sollten Sie die Kuh im Managementprogramm sperren – dann behandeln. Kontrollieren Sie, ob die richtige Kuh gesperrt wurde, da ein kleiner Zahlendreher große Auswirkungen haben kann, und separieren Sie trockengestellte Kühe unmittelbar.
Wichtig ist beim automatischen Melken vor allem, dass nach dem Melken einer behandelten Kuh eine Heißwasserspülung erfolgt. Dabei ist regelmäßig zu überprüfen, ob die Temperatur hoch genug ist und das Reinigungs- und Desinfektionsmittel richtig dosiert und eingezogen wird.
Wird trotz aller getroffenen Maßnahmen ein positiver Hemmstoff in der Rohmilch festgestellt, ist diese nicht verkehrsfähig. Eine Milchlieferung des Betriebes wird erst wieder mit dem Nachweis möglich, dass die erzeugte Rohmilch hemmstofffrei ist.
Die Sachbearbeiter Leistungsprüfung und Gütekontrolle (SBL) des LLH überwachen die Milchleistungsprüfung sowie die rechtlichen Vorgaben zur Sicherung der Milchgüte. Wir sind Ansprechpartner der milcherzeugenden Betriebe in Hessen in allen Fragen der Milchgüte, der Milchuntersuchung und der Qualitätsmilcherzeugung. Sie können uns somit gerne kontaktieren, falls Sie Fragen zu den aufgeführten Bereichen haben oder Hilfe bei der Ursachenfindung für einen Hemmstofffall in Ihrem Betrieb benötigen.
Die Bezirke und Erreichbarkeiten können Sie dem Jahresbericht des HVL oder der Kontakt-Seite des LLH entnehmen.
Die Erstveröffentlichung dieses Beitrags erfolgte in der Zeitschrift „QZeit“ im April 2026.