Klimawandel, landwirtschaftliche Bewässerung und Themenwoche Wasser

Der Klimawandel ist zunehmend auch in Hessen spürbar. Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen (1881–2022) ist die mittlere Jahrestemperatur bereits um 1,7 °C gestiegen, mit weiter steigender Tendenz. Gleichzeitig findet eine Verschiebung der Niederschläge statt: Sie fallen vermehrt im Herbst und Winter, während in der Vegetationsperiode im Frühjahr und Sommer weniger Wasser zur Verfügung steht. In Regionen wie dem Hessischen Ried oder der Untermainebene, wo zusätzlich Böden mit geringer Wasserspeicherfähigkeit vorherrschen, sind Bewässerungssysteme in der Landwirtschaft daher zunehmend unverzichtbar. Gleichzeitig verschärft sich der Nutzungskonflikt um die Ressource Wasser (Thünen Institut, 2025). Der nachhaltige und gerechte Umgang mit Wasser ist damit eine zentrale gesellschaftliche Herausforderung. Eine sichere Wasserversorgung ist nicht nur für Ökosysteme und Städte wichtig, sondern auch für die heimische landwirtschaftliche Produktion und damit für eine stabile Lebensmittelversorgung und funktionierende Agrarmärkte.
Der steigende Bewässerungsbedarf hängt eng mit den Auswirkungen von Trockenperioden auf Kulturpflanzen zusammen. Gerät eine Pflanze in Trockenstress, reagiert sie zunächst mit verschiedenen physiologischen Anpassungen, um Wasser einzusparen. Je nach Intensität und Dauer des Trockenstresses können Ertrag und Qualität erheblich leiden – besonders anfällig sind Gemüsekulturen mit meist flachem Wurzelsystem. Gemüse enthält von Natur aus sehr viel Wasser – Blumenkohl besteht beispielsweise zu rund 90 Prozent daraus. Während der 60–100 Tage Anbauzeit wird für ein Kilogramm Trockenmasse ca. 252–318 Liter Wasser benötigt. Zum Vergleich: Mais und Zuckerrüben, mit einer deutlich längeren Kulturdauer, liegen bei ca. 300–400 Litern, Hirse ca. 200–300 Litern pro Kilogramm Trockenmasse.

Wo natürlicher Niederschlag nicht ausreicht ist eine bedarfsgerechte und effiziente Bewässerung entscheidend. Neben der Menge und Qualität des verfügbaren Wassers spielen die Bewässerungstechnik und der Bewässerungszeitpunkt eine ebenso wichtige Rolle. Mit Blick auf die Wassereffizienz sollte die Tröpfchenbewässerung gegenüber großflächigen Starkregnern bevorzugt werden. In der Praxis ist der erhebliche Mehraufwand für Material, Installation und Bergung nach der Ernte jedoch häufig ein limitierender Faktor, sodass der aktuelle Fokus häufig auf dem optimalen Einsatz vorhandener Systeme liegt.
Die Sektorsteuerung bei Starkregnern ist eine wichtige Funktion, um Wasser effizient und präzise auf landwirtschaftlichen Flächen auszubringen, ohne dabei Wege, Gräben oder angrenzende Kulturen unnötig zu bewässern. Auch die Bewässerung mit dem Düsenwagen ist eine effiziente Maßnahme, um durch eine bodennahe Wasserabgabe Verdunstungsverluste zu begrenzen.
Bei der Beregnung wird empfohlen, die frühen Morgen- oder späten Nachmittagsstunden zu nutzen, um direkte Verdunstungsverluste zu reduzieren. Zudem sind die Windgeschwindigkeiten um diese Zeiten meist geringer. In Abhängigkeit der betrieblichen technischen Ausstattung kann eine komplette Verlagerung der Bewässerung in die Abend- und Nachtstunden sinnvoll sein. Unterstützt wird dies durch spezialisierte GPS-basierte Anwendungen und Technologien zur Überwachung und Steuerung landwirtschaftlicher Beregnungsanlagen, von Feldbrunnen bis zur Beregnungsmaschine.
Digitalisierung unterstützt die moderne Bewässerung zusätzlich. Durch den gezielten Einsatz von Sensoren, Wetterdaten und digitalen Anwendungen können Bodenfeuchte, Temperatur und Niederschlag in Echtzeit erfasst werden. Bewässerungsmaßnahmen lassen sich dadurch bedarfsgerecht steuern, was eine schonende Nutzung der Wasserressourcen ermöglicht und gleichzeitig Betriebskosten senken kann.
Neben der technischen Bewässerung ist auch das integrierte Wassermanagement auf Landschaftsebene zu betrachten. Ziel sollte sein, den Landschaftswasserhaushalt durch gezielte Maßnahmen zu stabilisieren, dabei vorhandenes Landschaftswasser effizient zurückhalten und einen schnellen Wasserabfluss zu verlangsamen. Die Maßnahmen zur Wasserrückhaltung sind vielfältig und umfassen sowohl traditionelle Ansätze wie beispielsweise konservierende Bodenbearbeitung, Untersaaten und Mulchen als auch neuere Methoden, beispielsweise Versickerungsmulden zur Förderung der Grundwasserneubildung oder gesteuerte Drainagesysteme mit regulierbaren Schiebern.
Natürliches Regenwasser sollte möglichst effizient genutzt werden, indem Böden eine hohe Infiltration ermöglichen, Wasser speichern und Produktionssysteme so gestaltet werden, dass unproduktive Verdunstung reduziert wird. Auf diese Weise kann der Bewässerungsbedarf verzögert und insgesamt verringert werden.
Angesichts der fortschreitenden klimatischen Veränderungen wird das Thema Bewässerung auch in Zukunft eine zentrale Rolle in der Landwirtschaft spielen. Im Rahmen einer „Themenwoche Bewässerung“ sollen daher verschiedene Aspekte rund um den Einsatz moderner Bewässerungssysteme, den nachhaltigen Umgang mit Wasser sowie mögliche Anpassungsstrategien an den Klimawandel näher beleuchtet werden. Die Themenwoche bietet die Gelegenheit, die Bedeutung von Wasser als zentrale Ressource für Umwelt, Landwirtschaft und Gesellschaft in den Fokus zu rücken.
Der Artikel entstand im Rahmen des Projektes LN-09c aus dem Klimaplan Hessen.
Im Zuge dieses Projektes wird unter anderem ein Bewässerungsfeldversuch in Leeheim durchgeführt, in dem Maßnahmen zur effizienten Bewässerung am Beispiel von Soja untersucht werden. Das Projekt wird aus Mitteln des Landes Hessen finanziert.
Weiterführende Literatur
Thünen-Institut für Lebensverhältnisse in ländlichen Räumen (2025): Ermittlung des Bewässerungsbedarfs und dessen Sicherstellung für die Landwirtschaft (einschließlich Garten- und Weinbau) in Hessen (BEW-HE) Link zur Studie:
https://www.lea-hessen.de/media/endbericht_bew_he_2025_thueneninstitut.pdf


